Warum die Theologie manchmal entzaubern muss

Ein grosser Entzauberer: An einer Podiumsdiskussion zum Thema «Licht» an der Universität Zürich räumte der reformierte Theologe Konrad Schmid mit einigen Klischees über Theologie auf.

Hirnforscher und Alttestamentler: Welcher ist der Entzauberer? An der Diskussion zum Thema «Licht» mit dem Theologieprofessor Konrad Schmid und dem Neurowissenschaftler Fritjof Helmchen zeigte sich, dass es eher der Theologe ist. Denn Helmchen kam ins Schwärmen über die neuen Methoden der Optogenetik, während der Theologe jeglicher Romantik abhold war.

Bereits die Licht-Metaphorik hatte für Schmid keinen besonderen Zauber, wie er am letzten Montag in der «Talk im Turm»-Reihe der Universität vor rund 50 Zuhörern sagte: «Wir haben in der Wissenschaft keine Scheinwerfer, mit denen wir plötzlich Licht ins Dunkel bringen. Dieses Licht-Pathos hat eine gewisse Patina und stammt aus der Aufklärung. Die Vernunft kann aber nicht alles.»

Ob ihm denn im Glauben wenigstens ein «Licht» aufgegangen sei, fragte Moderator David Werner. «Nein, ich hatte nie eine überirdische Erleuchtung, ich gehöre zum liberalen Zweig der Kirche», lachte Schmid. Er habe aber Respekt vor Studenten mit solchen Erfahrungen.

Gepflegte Religion gefragt

Ob die Theologie heute in der Defensive sei, bohrte Werner nach. Schmid verneinte. «Religion ist nicht abgestorben, und Theologie erforscht sie kritisch. Auch ein noch so intelligentes Hirn kann sich zudem nicht selber voll erkennen.» Es gebe menschliche Unverfügbarkeiten, mit denen sich Theologie beschäftige. «Die Bibel», fuhr Schmid mit dem Entzaubern fort, «ist keine supranationale Wirklichkeit, sie ist nicht vom Himmel gefallen. Wir lesen sie wie die Ilias oder die Odyssee. Wir benützen insofern atheistische Methoden, gerade aus theologischen Gründen: Wir wollen eine gepflegte Religion, keine ungepflegte. Und dazu braucht es Rationalität.»

Ob dies denn auch in den Kirchgemeinden so gesehen werde, fragte Werner. «Tatsächlich hat die heutige Theologie den Weg nicht vollständig an die Basis gefunden. Religion wird deshalb leider oft infantil zelebriert», entzauberte Schmid.

von Matthias Böhni

Quelle: ref.ch