«Erster Professor für Spiritual Care in der Schweiz»

Interview mit Simon Peng-Keller in der Zeitschrift "reformiert" vom 29.10.2015

Spiritual Care / An der Theologischen Fakultät Zürich finanzieren die katholische und die reformierte Kirche neu eine 50-Prozent-Professur für Spiritual Care. Erster Lehrstuhlinhaber ist Simon Peng-Keller.

Herr Peng-Keller, Sie sind der erste Professor für Spiritual Care in der Schweiz. Erklären Sie Ihre Disziplin in kurzen Worten.

Simon Peng-Keller: Spiritual Care sorgt sich um die spirituellen Nöte und Bedürfnisse von schwer kranken und sterbenden Menschen. Bei schwerer Erkrankung und vor allem am Lebensende stellen sich viele Sinnfragen. Sie können, müssen aber nicht religiöser Art sein. Spiritual Care ist spirituelle Begleitung in einem sehr weit gefassten Sinn.

So, wie auch nicht nur Seelsorger zuständig sind für diese Begleitung.

Seelsorgende spielen eine wichtige Rolle in der Spiritual Care, weil sie dafür ausgebildet sind. Aber auch Ärzte, Psychologinnen, Sozialarbeiter, Pflegefachleute sind herausgefordert. Spiritual Care ist eng verbunden mit Palliative Care, die sich um den Menschen in seiner Ganz­heit sorgt – körperlich, psychisch, sozial, spirituell. Dafür müssen alle Akteure zusammenarbeiten. Allerdings geht Spiri­tual Care über den professionellen Bereich hinaus. Auch Ehrenamtliche und Angehörige können einiges beitragen.

Sie wollen auch Medizinstudierende erreichen. Der Zuschlag für eine grosse Stiftungsprofessur in Palliative Care – nebst Lausanne erst die zweite in der Schweiz – ging aber im letzten Jahr nach Bern.

Natürlich hätte dies Synergien ermöglicht. Doch es ist ja nicht so, dass Palliativmedizin in Zürich kein Thema ist. Ich werde eng mit dem Palliativ-Zentrum des Unispitals zusammenarbeiten und Lehre wie Forschung interdisziplinär ausrichten. In der Forschung befassen wir uns im Moment mit Sterbenarrativen – in der Literatur, in Blogs. Ziel ist, das Sterben aus der Perspektive der Betroffenen besser zu verstehen, um sie besser begleiten zu können.

Und was bieten Sie den Studentinnen und Studenten ab nächstem Frühling?

Viel Praxisbezug, für Theologie- wie Medizinstudierende. Letztere können das Lehrangebot als Wahlpflichtfach wählen. Die Studierenden werden die Aufgabe haben, Menschen in Todesnähe zu begleiten und darüber zu reflektieren. Bei diesem Angebot werden auch Ärzte und Psychologinnen mitwirken.

Sie sind Experte in Theologie, Spiritualität und Mystik, aber kein medizinischer Spezialist. Wird man Sie ernst nehmen?

Aufgrund der bisherigen Kontakte mit Vertretern der Medizinischen Fakultät denke ich schon. Nebst meiner wissenschaftlichen Spezialisierung bringe ich auch seelsorgerliche Erfahrungen ein. Ich bin überzeugt, dass ein interprofessioneller Ansatz auch von der Medizin geschätzt wird.

Interview: Christa Amstutz


Quelle: reformiert.info