Interview mit Dorothea Lüddeckens

Wissenschaftliche Arbeit versus andere Berufstätigkeit: Weshalb haben Sie sich für die Wissenschaft entschieden?

Ich konnte mir nie vorstellen, einen „Job“ zu haben, mit einer klaren Grenze zwischen Arbeit und Leben.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit und was ist das Besondere dabei?

Es gefällt mir, dass meine Arbeit an so unterschiedlichen Orten stattfindet. Frühmorgens sitze ich allein am Schreibtisch und schreibe, tagsüber bin ich unter Studierenden und KollegInnen in der Uni und abends in Gedanken in Indien bei der nächsten Feldforschung. In meinem Fach kann ich mich mit Kulturen befassen, die tausende von Jahren zurückliegen, aber auch mit unserer Gesellschaft, mit aktuellen politischen und sozialen Entwicklungen, die nicht nur Spezialisten interessieren, sondern auch meine Freunde beschäftigen.

Gab es in Ihrer Karriere besonders prägende Durststrecken oder Misserfolge? Wie überwanden Sie diese?

Ein Misserfolg vor bald 20 Jahren treibt mir immer noch die Röte ins Gesicht, und er blieb nicht der einzige. Überwunden habe ich sie einerseits mit dem Entschluss den betreffenden Misserfolg positiv zu nutzen, andererseits mit der Rückbesinnung, dass es Existentielleres gibt als eine akademische Karriere: meine Kinder.

Welche Person oder welche Institution hat Sie in Ihrem beruflichen Umfeld am stärksten unterstützt?

Eine Freundin, die den gleichen akademischen Weg eingeschlagen hat, und meine Mitarbeiter.

Hatten Sie (besondere weibliche) Vorbilder, die Ihren Werdegang beeinflusst haben? Welche?

Meine Mutter war und ist mir ein Vorbild der Disziplin und der Zugewandtheit anderen Menschen gegenüber.

Welche Massnahmen ergreifen Sie als Professorin, um den wissenschaftlichen Nachwuchs (insbesondere Frauen) an Ihrem Institut zu fördern?

Ich binde, vor allem über Drittmittelprojekte, Studentinnen gezielt in Forschungsprojekte mit ein.

Welche Tipps geben Sie einer Jungforscherin auf den Weg, die eine akademische Karriere ins Auge fasst?

Sich nicht von der Wissenschaft abhalten lassen Kinder zu bekommen und von den Kindern sich nicht davon abhalten lassen, weiterhin Wissenschaft zu treiben.