Theologische Fakultät

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Programm, Kommentar, Mitwirkende

Programmänderungen (≠ VV)

10.10.11, Lukas Mühlethaler:
Konzepte der Selbstwahrnehmung in der arabischen Philosophie.
Response NN

17.11.11, Sarah Tietz:
Seelenlose Körpermaschinen?
Tiere und mentale Fähigkeiten.
Response Hans-Johann Glock

Cover

Das Buch zur Vorlesung
(Subskription bis Dezember 2011)

Hrsg. von Hans-Ulrich Rüegger,
Evelyn Dueck, Sarah Tietz,
Zürcher Hochschulforum, Bd. 51,
Zürich: vdf Hochschulverlag 2012.

Kontakt

Hans-Ulrich Rüegger
Alter Seeweg 4a
CH-8124 Maur
+41 44 980 28 14
hans-ulrich.rueegger@uzh.ch

Abschied von der Seele?

Erkundungen zum menschlichen Selbstverständnis

Interdisziplinäre Veranstaltungsreihe

Herbstsemester 2011, donnerstags von 18.15 bis 20 Uhr
Universität Zürich, Hauptgebäude KO2, Karl Schmid-Str. 4, Hörsaal F180

Wie konnte und wie könnte von Seelischem die Rede sein? Wir betrachten Beispiele von der Antike bis in die Neuzeit, aus der Theologie, der Philosophie, der Dichtung, der Biologie, der Psychologie und der Medizin. Wir fragen danach, was verschiedene Konzepte des Seelischen für ein Welt- und Menschenbild erschliessen und was sie für unser Verständnis des Lebens anzuregen vermögen.

Es ist etwas Merkwürdiges mit den Auffassungen vom Seelischen. Sie bestimmten das Selbstverständnis des Menschen seit der Antike, sie waren das Herzstück des Menschenbilds – gleichwohl konnten die Ansichten unterschiedlicher nicht sein.

Wenn ein hebräischer Psalmist seine næfæsch zum Gotteslob aufruft, wenn griechische Philosophen über die psychê des Menschen disputieren, wenn eine römische Dame wegen ihres hohen animus gewürdigt wird und am Ende des Lebens ihre anima aushaucht, wenn arabische Gelehrte über ihre nafs nachdenken, wenn deutsche Dichter die Seele des Menschen besingen und ein Physiologe Ende des 18. Jahrhunderts über das „Organ der Seele“ publiziert, dann sprechen sich hierin verschiedenste Weisen des Selbst- und Weltverständnisses aus. Es sind dies mit sprachlichen Konzepten verbundene Überzeugungen – kulturell geprägte, vermittelte und sich wandelnde Vorstellungen über das, was der Mensch ist, was ihn ausmacht, was ihn bewegt.

Seit dem 19. Jahrhundert werden Seelenkonzepte aus den wissenschaftlichen und philosophischen Diskursen verabschiedet. „Die neuzeitliche Begriffsgeschichte von ‚Seele‘ präsentiert sich im ganzen als eine Geschichte der Schwächung und des Erlöschens einer Überzeugung“ (Helmut Holzhey). In der Dynamik der Wissenschaften wird der moderne Mensch zunehmend als ein Wesen ohne Seele gesehen. Indessen lebt sie im Alltagsdenken fort. Wir sind „mit Leib und Seele“ dabei, wenn wir uns ganz hingeben.

Was bedeutet das für uns? Wir suchen in Fokussierung auf die abendländischen Tradition Auffassungen vom Seelischen nachzudenken und nach Anregungen für unser Selbstverständnis zu fragen. Um das dialogische Moment zu stärken und die verschiedenen Perspektiven in ein Verhältnis zu setzen, werden die Mitwirkenden nach Möglichkeit bei einem Referat ihrer Wahl als Gesprächspartner teilnehmen (Response). Wir wollen darüber ins Gespräch kommen, was für Impulse sich ergeben und inwiefern es einer aufgeklärten Vernunft möglich ist, eine seelische Dimension zu denken.

Hans-Ulrich Rüegger, Philologe
Evelyn Dueck, Komparatistin
Sarah Tietz, Philosophin