Göttinger Predigten

deutsch English español
português dansk Schweiz

Startseite

Aktuelle Predigten

Archiv

Besondere Gelegenheiten

Suche

Links

Gästebuch

Konzeption

Unsere Autoren weltweit

Kontakt
ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

Ostermontag, 09.04.2007

Predigt zu Jesaja 25:8-9, verfasst von Ludwig Schmidt

Liebe Gemeinde!

Jesus lebt, obwohl er gestorben ist. Er ist von den Toten auferstanden und wird nicht mehr sterben. Er hat den Tod besiegt. Das ist die Botschaft von Ostern.

Die Welt ist freilich noch immer, wie sie vor Ostern war. Die großen Veränderungen, die in unserem Predigttext angekündigt werden, sind bisher nicht eingetreten. Hier heißt es, dass Gott den Tod auf ewig. verschlingen wird. Aber noch immer müssen alle Menschen sterben. Das wirft einen Schatten auf unser Leben, weil uns der Tod eine Grenze setzt. Spätestens wenn wir sterben, werden alle Erfolge, die wir vielleicht erzielen, und alles Glück, das wir erleben, vergehen. Man kann natürlich den Tod aus dem Bewusstsein verdrängen und so leben, als würde er uns nicht treffen. Aber seiner harten Wirklichkeit können Menschen nicht entkommen. In unserem Predigttext wird außerdem angekündigt, dass Gott die Tränen von allen Angesichtern abwischen wird. Aber noch immer weinen Menschen und das nicht nur an Gräbern. Sie weinen auch, weil ihr Leben auf andere Weise beschädigt oder sogar zerstört wird. Es gibt ja viel Not und Elend in unserer Welt. Menschen werden schwer krank und müssen alle Pläne, die sie hatten, aufgeben. Viele Menschen leiden Hunger, Kriege und Gewalt, Hass und Neid machen Menschen das Leben schwer, und diese Aufzählung ist nicht einmal vollständig. Es gibt in unserer Welt ein Meer von Tränen. „Er wird aufheben die Schmach seines Volkes in allen Landen", wird in unserem Predigttext angekündigt. Auch davon ist noch nichts zu spüren. Schon das alttestamentliche Gottesvolk machte die Erfahrung, dass es wegen seines Glaubens verspottet und manchmal sogar verfolgt wurde. Dieses Volk behauptete, dass nur der Gott, den es verehrt, in Wahrheit Gott ist. Aber das überzeugte die meisten Menschen nicht. Für sie konnte nicht der Gott eines Volkes, das in der damaligen Weltpolitik keine Rolle spielte und das von einem anderen Staat beherrscht und unterdrückt wurde, der einzige und wahre Gott sein. Auch Christen erleben, dass ihnen ihre Überzeugung, dass gerade sie den wahren Gott verehren, bestritten wird. Sie werden manchmal für ihren Glauben an Jesus verspottet, und immer wieder wurden und werden Christen wegen ihres Glaubens verfolgt. Wir können ja nicht beweisen, dass unter den vielen Religionen und Weltanschauungen gerade der christliche Glaube richtig ist, und Gott tatsächlich so ist, wie wir ihn als Christen bekennen. Deshalb lehnen es viele Menschen ab, an Jesus zu glauben. Die Welt ist noch immer, wie sie vor Ostern war.

Und doch ist mit Ostern eine entscheidende Veränderung eingetreten. Mit der Auferstehung Jesu hat Gott deutlich gemacht, dass er sich nicht mit diesen Verhältnissen abfindet und sich sozusagen auf den Himmel zurückzieht. Als Jesus am Kreuz gestorben war, sah es so aus, als ob auch Gott gegen den Tod nichts ausrichten kann. Wenn selbst der Sohn Gottes sterben musste, als er als Mensch auf der Erde lebte, war anscheinend die Macht Gottes nicht stärker als der Tod. Aber dieser Eindruck war falsch, denn der Tod konnte sich über seinen Triumph nicht lange freuen. Gott hat Jesus auferweckt und damit den Tod besiegt. Auf vielen Osterbildern wird Jesus als Lamm dargestellt, das mit einer Fahne aus dem Grab aufsteht. Mit dem Bild des Lamms soll deutlich gemacht werden, dass sich Jesus für uns geopfert hat. Aber er trägt die Fahne eines Siegers, weil er den Tod überwunden hat. Gott ist mächtiger als der Tod.

Freilich hat Gott mit der Auferstehung Jesu den Tod für die Menschen noch nicht aufgehoben, aber er hat seine Macht begrenzt. Auch weiterhin müssen zwar alle Menschen sterben, aber weil Jesus den Tod besiegt hat, können sie nun nach ihrem Tod das ewige Leben bei Gott erhalten, in das Jesus eingegangen ist. Es wäre doch sinnlos, dass Gott seinen Sohn dem menschlichen Geschick des Todes auslieferte und ihn von den Toten auferweckte, wenn er das nicht um der Menschen willen tat. Für sich selbst hatte Gott den Tod und die Auferstehung seines Sohnes nicht nötig, denn sein Leben war ja nicht von dem Tod bedroht. Es ging und es geht Gott um uns Menschen.

Wenn wir an Jesus glauben, dürfen wir darauf hoffen, dass uns Gott nach unserem Tod das ewige Leben bei sich geben wird. Wir sind durch unseren Glauben mit Jesus verbunden und dieses Band kann selbst der Tod nicht zerstören. Jesus wird dafür sorgen, dass wir nach unserem Tod wie er für immer bei Gott leben werden. Dann werden wir nicht mehr weinen, weil für uns Schmerzen und Leid endgültig vergangen sein werden. Dann werden wir mit unserem Predigttext singen: „Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, dass er uns helfe. Das ist der Herr, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil." „Unser Gott, auf den wir hofften", nicht irgendein Gott oder irgendein höheres Wesen, sondern der Gott, von dem wir bekennen, dass er Jesus von den Toten auferweckt hat. Wir können doch nur auf das ewige Leben hoffen, weil Jesus von den Toten auferstanden ist. Wäre er das nicht, dann gibt es keinen Grund, warum nicht auch wir dem Kreislauf der Natur von Werden und Vergehen unterworfen sind. Pflanzen wachsen, sie blühen und verwelken. Aus ihren Samen entstehen neue Pflanzen, aber sie selbst existieren nicht mehr. Auch Menschen wachsen, bis sie ihre volle Lebenskraft erreicht haben, und diese Kraft nimmt dann immer mehr ab, bis sie sterben. Das kann jeder sehen. Wir können aber nicht beobachten, dass für Menschen der Tod nicht das Ende sein muss. Die Hoffnung auf das ewige Leben müsste für uns ein Wunschtraum bleiben, wenn Jesus nicht von den Toten auferstanden wäre. Aber weil er lebt, obwohl er gestorben ist, können wir zuversichtlich sein, dass auch wir bei Gott leben werden.

Aber Gott wird sich nicht damit begnügen, dass er die Macht des Todes begrenzt hat. Solange es noch den Tod gibt, stehen sich das Reich Gottes und die Welt gegenüber. Bei Gott sind vollkommenes Leben und ungetrübte Freude, in der Welt aber wird Leben vom Tod überschattet und von Leid beschädigt. So wird es nicht immer bleiben, sondern Gott wird sich mit seinem Reich durchsetzen. Er wird den Tod verschlingen. Der Tod wird auch die begrenzte Macht, über die er jetzt noch verfügt, verlieren und ausgelöscht werden. Da alles Leid dem Leben Wunden zufügt und somit eine Vorstufe des Todes ist, werden Menschen dann auch nicht mehr leiden. Dann werde aber auch alle eingestehen müssen, dass wir mit unserem Glauben an Jesus Recht hatten. Gott wird einmal Leid und Tod endgültig beseitigen. Dafür steht Jesus mit seiner Auferstehung ein, durch die er den Tod besiegt hat. In unseren Osterliedern wird sein Sieg bejubelt. Wir singen sie, obwohl wir Leid erfahren und wissen, dass wir sterben müssen, weil wir durch die Auferstehung Jesu die Hoffnung haben, dass Gott auch uns das Leben bei sich geben wird und dass er Leid und Tod einmal endgültig vernichten wird. Amen.



Prof. Dr. Ludwig Schmidt
91056 Erlangen, Karmelitenstr. 15
E-Mail: gi_schmidt@t-online.de

(zurück zum Seitenanfang)