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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

Kantate, 06.05.2007

Predigt zu Jesaja 12:1-6, verfasst von Matthias Rein

Liebe Gemeinde,

 „Du meinen Seele singe, wohlauf und singe schön,
dem, welchen alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erde,
ich will ihn herzlich loben, solang ich leben wird."

So singt Paul Gerhardt in seinem Lied aus dem Jahr 1653.
So ermuntert er seine Seele zum Gesang: Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön.

Zum Lob Gottes soll die Seele singen,
den Herren will Paul Gerhardt herzlich loben.
Ihn, dem alle Dingen zu Dienst und Willen stehn.
Denn dieser Gott hat Himmel und Erde gemacht.
Dieser Gott gönnt allen Gutes, die ihm treu sind.
Dieser Gott hält sein Wort mit Freuden.
Dieser Gott schützt den im Gericht, der Gewalt leiden muß.
Dieser Gott rettet aus dem Tod,
Dieser Gott ernährt und gibt Speise zur Zeit der Hungersnot,
macht schöne rote Wangen, reißt Gefangene aus der Qual.

Ich könnte Paul Gerhardts Loblied fortsetzen.
Überschwänglich preist er Gott, die Worte fließen ihm über.
Alles Gutes, alle Rettung erwartet Paul Gerhardt von Gott.
Und deshalb singt er ihm sein Lied: Du meine Seele singe ...

Mit diesem Lob ist Paul Gerhardt nicht allein.
Er nimmt das Lob von Menschen auf, die hunderte Jahre vor ihm gelebt haben.
Er stimmt ein in das Loblied Israels.
Wir hören heute ein solches Loblied aus Israels Mund.
Es steht im Jesaja-Buch im 12.Kapitel:

12,1 Zu der Zeit wirst du sagen:
Ich danke dir, HERR, dass du bist zornig gewesen über mich
und dein Zorn sich gewendet hat und du mich tröstest.
2 Siehe, Gott ist mein Heil,
ich bin sicher und fürchte mich nicht;
denn Gott der HERR ist meine Stärke und mein Psalm
und ist mein Heil.
3 Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen
aus den Heilsbrunnen.
4 Und ihr werdet sagen zu der Zeit:
Danket dem HERRN,
rufet an seinen Namen!
Machet kund unter den Völkern sein Tun,
verkündiget, wie sein Name so hoch ist!
5 Lobsinget dem HERRN, denn er hat sich herrlich bewiesen.
Solches sei kund in allen Landen!
6 Jauchze und rühme, du Tochter Zion;
denn der Heilige Israels ist groß bei dir!

Glanz und Licht strahlt aus diesen Worten. Hell leuchten die Worte, hell tönt ihr Klang.
Voller Freude, voller Dank ist der Mensch, der so spricht.

Er blickt zurück:
Du bist zornig gewesen, mein Gott, und ich war voller Furcht.
Dieser Zorn hat sich gewendet.

Er schaut in die Gegenwart:
Du tröstest mich, mein Gott, ich bin sicher, ich fürchte mich nicht.
Und er erkennt:
Gott ist mein Heil.
Gott ist meine Stärke.
Gott ist mein Psalm.

Und er blickt nach vorn,  in die Zukunft:
Dazu wendet er sich an die Menschen, die ihm zuhören:
Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen.
Ihr werdet sagen zu der Zeit: Danket dem Herrn, denn er hat sich als herrlich erwiesen.

Der Heilige Israels ist groß bei Dir!
Das erkennt der Lobsänger mit Freude.
Das veranlasst ihn, zu singen.

Und darüber kann sich Israel freuen und alle, die dem Lobsänger zuhören:
Der Heilige Israels ist groß bei Dir!

Können wir mit Paul Gerhardt in diesen Jubel einstimmen?
Ich will an dieser Stelle, an diesem Sonntag Kantate, in diesem Gottesdienst nicht entfalten, was uns alles verunsichert, ängstigt und trostlos macht.
Beispiele von Leid, von Gottesferne, von Angst und Verunsicherung ließen sich vielfach anführen.

Heute, am Sonntag Kantate, soll alle Aufmerksamkeit und alle Energie in den Dank und in das Lob Gottes fließen.
Denn: Auch bei uns ist Gott groß.

Dazu eine Geschichte:
Die Grundschule in meinem Heimatort zeigte sich von jeher distanziert, wenn es um Religionsunterricht, Schulgottesdienste und religiöse Erziehung von Kindern ging. Man tat das Vorgeschriebene ohne großes Engagement.
Das hat sich geändert.
Vor eineinhalb Jahren luden Enthusiasten zu einem Gospelprojekt an der Grundschule ein. 60 Kinder, Lehrerinnen und Eltern machten mit. Sie probten unter professioneller Anleitung für den Schulgottesdienst zum Schuljahresende. Der Gottesdienst wurde dank der Musik und ihrer Ausstrahlung  zu einem bewegendem Erlebnis. Alle waren begeistert.
Und der Gospelchor sang weiter: Halleluja, Halleluja. Singt mit mir eine frohes Lied.
Die kleinen und großen Gospelsängerinnen und -sänger machten eine tolle Erfahrung: Die mitreißende Musik, die Freude über Gott, die Begeisterung steckte sie an. Und sie wurde aufmerksam darauf, das ihr Leben ein wunderbares Geschenk Gottes ist.
Der Heilige Israels ist groß bei uns, dies erlebten sie in der Musik.

Singen hilft uns, dies zu erleben, dies zu spüren. Singen verwandelt uns, macht aus unserer Trauer und Unsicherheit Freude. Dazu bedient sich Gott des Gesanges. Das ist das Geheimnis des Singens zum Lobe Gottes.

Heute, am Sonntag Kantate, führen wir uns dies vor Augen und wir erleben es, wenn wir singen in diesem Gottesdienst: Wir singen Gott und werden angesteckt von der Freude über ihn.
Denn: Der Heilige Israels ist an unserer Seite.

Paul Gerhardt hat von dieser Erfahrung immer wieder erzählt in seinen Liedern. Ein weiteres Beispiel soll hier laut werden:

„Ich will von deiner Lieblichkeit bei Nacht und Tage singen,
mich selbst auch dir nach Möglichkeit
zum Freudenopfer bringen.
Mein Bach des Lebens soll sich dir
Und deinem Namen für und für in Dankbarkeit ergießen;
Und was du mir zugut getan,
das will ich stets, so tief ich kann, in mein Gedächtnis schließen."

So heißt es in Strophe 5 des Passionsliedes Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld. 

„Mein Bach des Lebens soll sich dir in Dankbarkeit ergießen." - wunderbare Worte von Paul Gerhardt.

Ja, so ist es, möchte man sagen, ich teile diese Erfahrung Paul Gerhardts. Nicht immer ist es so, aber ich kenne die Erfahrung von Trost, Hilfe, Beistand, von Rettung in Not.
Und deshalb stimme ich in den Gesang ein und halte die Erinnerung an Rettung, Hilfe und Trost wach.

Und ich erlebe: Mein Singen lässt mich froh werden.
Denn: Der Heilige Israels ist groß bei uns und bei mir.
Und darum: „Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön."

Wie Jesaja.
Wie Paul Gerhardt.
Wie die Grundschulkinder in Pullach in ihrem Gospelchor.

Amen.


Und der Friede Gottes, der höher ist, als unser Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in  Christus Jesus. Amen



Dr. Matthias Rein
Studienleiter am Theologischen Studienseminar der VELKD
Bischof-Meiser-Str. 6
82049 Pullach
Tel. 089/74442428
E-Mail: Rein@velkd-pullach.de

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