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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

11. Sonntag nach Trinitatis, 15.08.2010

Predigt zu Genesis (1. Buch Mose) 8:18-22; 9: 8-15 - Predigt nach einer apokalyptischen Woche, verfasst von Rolf Wischnath

Wasser, Feuer, Schlamm, Elend, Tod
Predigt über Genesis 8, 18-22; 9, 8-15 nach einer apokalyptischen Woche

Vorbemerkung vor der Schriftlesung

„Wasser, Feuer, Schlamm, Elend und Tod - Wetter spielt verrückt", so titelte die Neue Westfälische (Gütersloher Zeitung) zu Beginn der letzten Woche, um dann fortzufahren: „Pakistan, Russland, Tschechien und Polen, China, Indien und jetzt Deutschland - die verheerenden Naturkatastrophen halten die Welt in Atem." Was dort in den letzten Tagen und Wochen passiert ist, mag wohl jeder / jedem von uns wenigstens in den Umrissen und Fernsehbildern vor Augen stehen. Die Bilder aus Görlitz oder dem tschechischen Liberec zeigen bevorzugt Straßenlaternen und Verkehrsschilder, um den Anstieg des Wasserpegels zu veranschaulichen. Und doch können diese Bilder aus unserer Nähe nicht wirklich veranschaulichen, was zuvor in Pakistan und Indien an Überflutungen geschehen ist und mehreren Millionen Menschen ihr Hab und Gut, ja das für ihre Existenz Elementare gekostet hat. Und die Wetterkatastrophe, das grenzenlose Feuer in Russland soll wohl kein Beispiel in der Geschichte haben, die wir zu überblicken vermögen. Nach Menschengedenken habe es das noch nie gegeben.


Schriftlesung

Wir hören als alttestamentliche Lesung und Predigttext für diesen Gottesdienst die Geschichte vom Regenbogen, also das Ende der Geschichte von der Sintflut, von Noah und der Arche, die ihn und seine Familie und alle Arten von Lebewesen bewahrt hat. Nachdem die Taube ausgeflogen war und die Wasser sich wieder gesenkt hatten, heißt es in Kapitel 8 und 9 des 1. Mosebuches:

18 So ging Noah aus der Arche heraus mit seinen Söhnen und mit seiner Frau und den Frauen seiner Söhne,
19 dazu alle wilden Tiere, alles Vieh, alle Vögel und alles Gewürm, das auf Erden kriecht; das ging aus der Arche, ein jedes mit seinesgleichen.
20 Noah aber baute dem HERRN einen Altar und nahm von allem reinen Vieh und von allen reinen Vögeln und opferte Brandopfer auf dem Altar.
21 Und der HERR roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe.
22 Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht ..... (Genesis 8, 18-22)

8 Und Gott sagte zu Noah und seinen Söhnen mit ihm:
9 Siehe, ich richte mit euch einen Bund auf und mit euren Nachkommen
10 und mit allem lebendigen Getier bei euch, an Vögeln, an Vieh und an allen Tieren des Feldes bei euch, von allem, was aus der Arche gegangen ist, was für Tiere es sind auf Erden.
11 Und ich richte meinen Bund so mit euch auf, dass hinfort nicht mehr alles Fleisch verderbt werden soll durch die Wasser der Sintflut und hinfort keine Sintflut mehr kommen soll, die die Erde verderbe.
12 Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich geschlossen habe zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier bei euch auf ewig:
13 Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.
14 Und wenn es kommt, dass ich Wetterwolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken.
15 Alsdann will ich gedenken an meinen Bund zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, dass hinfort keine Sintflut mehr komme, die alles Fleisch verderbe.
16 Darum soll mein Bogen in den Wolken sein, dass ich ihn ansehe und gedenke an den ewigen Bund zwischen Gott und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, das auf Erden ist.
17 Und Gott sagte zu Noah: Das sei das Zeichen des Bundes, den ich aufgerichtet habe zwischen mir und allem Fleisch auf Erden. (Genesis 9, 8-17)


Predigt

I

Kann man die Erzählung von der Sintflut an diesem Sonntag hören, ohne nicht sofort an die Naturkatastrophen aus Wasser und Feuer, Schlamm und Verschüttungen, Elend und Tod der letzten Woche zu denken, bei denen wieder so viele unschuldige Menschen ertrunken und verbrannt, verendet oder einfach nur durch Kraftlosigkeit und Schädigung gestorben sind? Wir feiern heute Morgen / Abend diesen Gottesdienst an einem strahlenden Sommersonntag dennoch. Wir singen und beten. Aber das Lob Gottes will uns bei jenen Gedanken heute nicht so hurtig aus Mund und Kehle kommen. Und unser Herz ist beklommen, denn es gibt ja keinen erkennbaren Grund, warum nicht die nächsten Wasserfluten und Feuersbrünste auch uns erreichen könnten.

Und eben haben wir nun die Geschichte von der Sintflut im ersten Buch Mose gehört, und zwar darin die Erzählung vom Schwur Gottes und vom Regenbogen als Bundeszeichen, die die alte Geschichte von der Sintflut hoffnungsvoll abschließt. Sie steht dort in Kapitel acht und neun des ersten Buches der Bibel und sie will uns zunächst einmal sagen:

Noah und die Seinen sind noch einmal davon gekommen. Wie wir hier sind sie noch einmal davongekommen. Vor der großen Flut, vor dem alles Leben auf der Erde vernichtenden Ausbruch der chaotischen Wassermächte hatte Gott sie in der schützenden Arche Zuflucht finden lassen. In der Sintflutgeschichte haben an der Stelle, die wir eben gehört haben, die Menschen und Tiere die Arche verlassen, um Träger einer Hoffnung auf neues Leben zu sein - dort, wo alles andere Leben überflutet und vernichtet war.

Die alte Geschichte, mit der Israel zurückschaut in unerdenkliche Vorzeiten, ist eine symbolische, eine bildliche Geschichte, eine Geschichte für die Deutung der Gegenwart. Sie ist gleichsam eine nach rückwärts gewandte Prophetie auch für unsere Lebenszeit. Und dieser Tage im unmittelbaren Angesicht von so großen Fluten, wie wir sie im Fernsehen gesehen und bislang nicht gekannt haben, spricht die Geschichte von der Sintflut unmittelbar zu uns:

Sie will daran erinnern, dass jegliches Leben Geschenk ist, unverdient und - zuerst durch keinerlei menschliche Eigenleistung bedingt - uns gegeben: ein Geschenk des Schöpfers, der über alles Böse und Verderbliche hinweg einen Bund der Versöhnung zwischen Himmel und Erde mit seinen Geschöpfen schließt. Diese Erde steht trotz allem, was geschehen ist, unter dieser Verheißung Gottes, dass sie Gabe und Lebensraum sein soll für Menschen und Tiere, für Pflanzen und Natur, für Frieden und Wohlergehen, dass sie nicht den Mächten des Verderbens preisgegeben sind, sondern voller Blühen, voller Leben und Freude sein sollen. Auch die großen Fluten und Brände dieser Tage können diese Verheißung Gottes nicht aufheben. Auch sie können nicht durchstreichen, was Gott uns versprochen hat.

In der uralten Geschichte von der Sintflut spiegelt sich die Erfahrung der Menschen von der Bedrohtheit der Existenz und ihrem Ausgeliefertsein an die todbringenden Mächte des Verderbens. Jede Naturkatastrophe, jeder Krieg, jedes von der Sommerhitze entzündete und brennende Wohnhaus, jedes unvorhergesehene Unglück erinnern uns daran, wie wenig wir unser Leben selbst in der Hand haben und wie plötzlich wir preisgegeben sind der Verletzung und dem Tod. Und das ist das im ursprünglichen Sinn des Wortes Erschütternde dieser Tage, dass selbst in den reichen, modernen und mit High Tech ausgerüsteten Ländern der Erde wie Polen oder Tschechien, Russland oder Deutschland, Indien und Pakistan Menschen von einem Tag zum anderen preisgegeben sein können solchen Katastrophen. Es gibt dafür zahllose Beispiele - auch und gerade in unserer Generation -; wir wissen von Bedrohungen und Katastrophen, von Unglücksfällen, ja von ganzen Epochen der Ungerechtigkeit, auf deren Hintergrund uns eigentlich schon immer und sofort vor Augen hätte kommen müssen, was für ein Glück es ist, dass viele von uns ein Leben lang bisher bewahrt worden sind, und was für ein Glück es ist, dass wir uns heute im lieben Westfalen, im Frieden und in bewahrter Situation treffen können, dass wir Zeit haben miteinander, eine gute Gemeinschaft, Musik und Gesang zur Ehre Gottes und uns zur Freude. Das machen wir uns nun an diesem Morgen / Abend besonders klar. Und doch ist unser Herz befremdet. Warum sind denn gerade wir bislang bewahrt worden? Und wird das so weitergehen - für uns? Mit welchem Recht? Und dann weitet sich die Dimension der Frage: Steht Gott eigentlich noch unverrückbar zu seinem allen Menschen gegebenen Versprechen: „Ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht ...- Ich richte meinen Bund so mit euch auf, dass hinfort nicht mehr alles Fleisch verderbt werden soll durch die Wasser der Sintflut und hinfort keine Sintflut mehr kommen soll, die die Erde verderbe"? Gilt das noch?


II

Wir leben in einer Zeit, die uns aufs rascheste die Informationen von allen möglichen Katastrophen unserer Zeit zu Ohren und vor Augen bringt. Darum wissen wir seit langem, ja wir haben es miterlebt durch die Medien der Zeitung, des Autoradios, des Fernsehens, dass in den letzten Jahren immer wieder und vermehrt schlimmste Naturkatastrophen in allen Kontinenten der Erde sich ereignet haben. Wir wissen um die Zusammenhänge. Und wir wissen auch, welche hohe Verantwortung für diese Klimaveränderungen unsere Lebens- und Wirtschaftsweise trägt. Wir wissen es. Und der Prediger muss nun heute Morgen / Abend nicht erläutern, wie das mit unserem Energieverbrauch unter Missachtung seiner Nachhaltigkeit ist und wie das alles zusammenhängt, dass sich die Erde unnatürlich erwärmt und die Polarkappen schmelzen und die Fluten vorhergesagt worden sind.

Können wir uns dann ohne Weiteres noch auf das Versprechen Gottes und auf seinen Regenbogen berufen? Wieso gilt das uns - und nicht für die Anderen? Wieso können wir davon ausgehen, dass derartige Katastrophen uns persönlich nicht erreichen? Sind wir besser und tüchtiger als die, denen das Wasser nun bis zum Halse steht oder die gar darin umkommen?

Nein, das sind wir nicht.

Wenn wir bislang in unserem eigenen Leben vor zupackenden Katastrophen bewahrt worden sind, dann ist es Gnade gewesen - präziser sage ich: Es war die reine Gnade Gottes; d.h. auf unserer Seite gibt es für diese Bewahrung keinen verdienstvollen Grund. Und wir haben auch keine zureichende Erklärung dafür, warum ausgerechnet wir so bewahrt worden sind: du und ich - und die anderen nicht.

Es wäre darum nur angemessen, wenn uns im Licht des Regenbogens zunächst einmal das heilsame Erschrecken vor Gottes Wort in unsere Seele fiele und dann in der Woche nach jenen Überflutungen und Feuersbränden auch der Dank gegen Gott für die Schonung von unser aller Leben - bis heute. Und ich will zugleich daran erinnern: Wer sein Leben als Geschenk wahrnimmt und sich freuen kann über Bewahrung oder Rettung vor Katastrophen, dem dürfen und sollen die Augen aufgehen für die Not anderer Menschen. Darum hilft uns der Regenbogen auch immer wieder, über den Tellerrand unserer Sorgen und unserer Probleme hinaus auf die größere Not unserer Mitmenschen in der Nähe und der Ferne zu blicken und die Frage zu stellen, was wir tun können, um ihre Not zu wenden - oder wenigstens zu lindern.


III

Aber geht das eigentlich? Kann man sich der eigenen Bewahrung und des eigenen Wohlergehens freuen, dann etwas die Börse öffnen und daraus abgeben, um dann wieder zur Tagesordnung überzugehen? Kann man das, wenn man zugleich immer wieder sieht und hört, wie andere Menschen in Katastrophen und Verbrechen, in Unfällen und lebensbedrohlichen Widrigkeiten gefährdet und um ihr Leben gebracht werden? Geht das, sich der eigenen Rettung freuen und zugleich der Vernichtung des Lebens anderer ansichtig sein? Können wir wirklich Lob- und Dankgottesdienste feiern und Gott für unsere Bewahrung preisen?

Die Bibel warnt uns. Sie sagt uns in einem Wort Jesu, dass genauso auch schon die Menschen in den Tagen Noahs vor der Sintflut gedacht haben: „Damals vor der großen Flut aßen sie und tranken und heirateten, und beachteten es nicht; sie begriffen nicht, was ihnen drohte, bis dann die Flut hereinbrach und sie alle wegschwemmte" (Matthäus 24, 38f.). Mit diesem Wort erinnert Jesus daran, dass wir Menschen immer wieder von Gott gewarnt worden sind. Ja, auch wir wurden immer wieder gewarnt vor der Veränderung des Klimas durch unseren Energieverbrauch. Politisch haben das zu wenige begriffen und die notwendigen rigorosen Veränderungen angepackt. Dass es die existentielle Krise der Klimaveränderung und des Umweltschutzes gibt, fällt den großen Matadoren des Populismus nur immer dann ein, wenn es gegenüber einer in dieser Sache dahin dämmernden Öffentlichkeit wohlfeil ist. Vermutlich werden wir dann auch in diesen Tagen noch mehr Stimmen aus Berlin und Düsseldorf hören, die uns sagen, man habe im Blick auf Rhein und Ruhr alles im Griff und es werde auch im Blick auf die Zukunft das Menschenmögliche getan. In Wahrheit aber muss erst alles eintreffen, bevor wir zur Einsicht kommen und die Veränderungen zulassen, die unbedingt geschehen müssen.

[Ich erinnere mich noch sehr gut an die sog. „Jahrhundertflut" in Brandenburg vor zwölf Jahren. Ich habe ja damals in Cottbus in Brandenburg gelebt. Schon lange bevor diese Flut eingebrochen ist, hatten Fachleute nachdrücklich auf die löchrigen und dringend reparaturbedürftigen Deiche an Neisse und Oder hingewiesen. Sie wurden erst ausgebessert und erneuert, nachdem das Oderwasser diese Deiche weggespült hatte und die Häuser im Wasser der Oder ersoffen waren. Es ist eben immer noch so, wie es das alte Sprichwort sagt: Wir werden erst aus Schaden klug.]

Ich glaube darum, wir müssen beides zusammenhalten: Den Blick in die Welt, hinüber zu unseren Mitmenschen in der Nähe und der Ferne, einen Blick, der nicht wegschaut, wenn woanders Elend und Katastrophen Menschen bedrohen und mitreißen und die Wahrnehmung des behüteten Lebens, den Dank für die Rettung, die Freude am wieder-gewonnenen Leben, die Zuversicht für heute und morgen, die Verantwortung für das Stück Welt, die jedem und jeder von uns von Gott anvertraut ist. Dafür ist die Geschichte vom Bundesschluss und vom Regenbogen eine Ermutigung, weil in ihr eine tiefe Menschen- und Gottesweisheit liegt; und die können wir nach dieser Woche um so besser verstehen:


IV

Ja, wir denken im Licht der Sintflutgeschichte an den Regenbogen und hoffen, dass wir ihn in unserem Leben immer wieder sehen. Der Regenbogen - was für ein tiefsinniges und hoffnungsvolles Symbol ist er doch. Gewiss: wir können ihn durch Zerlegung in Spektralfarben und Reflexion der Sonnenstrahlen in den einzelnen Regentropfen wissenschaftlich erklären. Aber wäre es nicht eine geistige Verarmung, wenn wir über dieses Naturschauspiel nicht mehr staunen und uns an der Harmonie und Schönheit seiner Farben nicht mehr freuen könnten? Die Bibel sagt: Gott selbst - der Schöpfer des Himmels und der Erde - hat ihm einen noch tieferen Sinn gegeben:

Er ist das Zeichen des Bundes zwischen dem Schöpfer und seinen Geschöpfen, zwischen Gott und den Menschen und auch den Tieren. Menschen und Tiere werden in unserem Bibeltext nicht von ungefähr zweimal in einem Atemzug genannt. Der Regenbogen - das ist die Brücke hinüber und herüber, Symbol des Bundes zwischen Himmel und Erde. Und der Inhalt dieses Bundes lautet: Ich, der lebendige und ewige Gott, will hinfort nicht mehr alles Leben auf der Erde verderben, sondern ich will, dass ihr Leben in Fülle habt und miteinander verbunden seid und euch des Lebens freuen könnt.

Von daher darf gesagt werden: Auch unser künftiges Leben darf und soll unter dem Zeichen des Regenbogens stehen, dem Symbol der gnädigen Zuwendung Gottes zu seiner geliebten und bedrohten Schöpfung: dem Symbol aber auch der Fürsorge und der Solidarität Gottes mit einem jeden von uns, das nach Entsprechung ruft im fürsorglichen und solidarischen Handeln der Menschen füreinander: ein Gottes-Zeichen ist das und ein Menschen-Zeichen. Gottes Zeichen dafür, dass ER diese Erde nicht preisgegeben hat; und ein Menschen-Zeichen dafür, dass wir zusammengehören in Nord und Süd, in Ost und West. Auch über unserer Region scheint der Regenbogen. Er kann und soll Euch Mut machen und Kraft geben und helfen und stärken. Ja, das alles soll und kann der Regenbogen.

Und doch spüren und wissen wir, der Regenbogen ist heute nicht die Antwort auf alle Fragen. Warum in der letzten Woche und der letzten Zeit die ungeheuerlichen Katastrophen in Pakistan und China, in Polen und Tschechien, in Sachsen geschehen sind, warum Fluten dort alles überflutet und die Erdbeben so vieles zerstört haben und wir hier trockenen und festen Fußes sitzen und gehen, warum seit Jahren diese katastrophalen Wetterumschwünge so viele Menschen in der Dritten Welt umgebracht haben und wir verschont blieben, das kann der Regenbogen nicht schlüssig beantworten. Diese Grundfrage vom Nebeneinander von Leben und Tod, Wohlergehen und Unglück, die beantworten wir nicht mit der Noah-Geschichte.


V

Im Blick auf diese schwere Frage - vielleicht ist es die schwerste aller Fragen - erzähle ich abschließend die Geschichte vom Regenbogen weiter, so wie ich sie selber einmal weitererzählt gehört habe von einer skandinavischen Theologin, die auf die Frage nach Gott in all der Rätselhaftigkeit in den Katastrophen der Welt eine Antwort so zu geben versucht hat:

„ ....... Und die Geschlechter der Erde", so erzählte sie die Sintflutgeschichte weiter, „erwachten wieder nach der Sintflut und verbreiteten sich über die Erde, versuchten und stolperten und versuchten wieder, die himmlischen Gesetze gegen das Chaos auf Erden zu halten. Immerhin Abbilder Gottes, trotz allem. Aber eines Tages erfanden sie die Pilzwolke und bedrohten den Regenbogen mit irdischem Licht - so gewaltsam, dass selbst der Himmel sterben würde. Und Gott sah, dass der himmlische Lebensbund mit der Erde in Gefahr war. Und Gott nahm den Regenbogen herunter, bog ihn, verschlang seine leuchtenden Bänder, machte ihn kreuzförmig, stellte ihn auf die Erde - auf Golgatha, der Schädelstätte bei Jerusalem - und machte ihn zur Brücke vom Tod zum Leben. ‚Dies ist nun der Bogen meines Bundes‘, sagte Gott, ‚mein immerwährender Bund, das Kreuz. Seid nicht länger über Zeichen am Himmel entsetzt, die Wolkenzeichen des Todes. Ich selber bin gegenwärtig im Leiden. Dafür steht das Kreuz. Und nun kann das Leben nicht sterben - in Ewigkeit -, weil es geopfert wurde, eingegeben in (meine) Liebe, auf dass der Tod sterben möge. Nun beginnt der Lebensbund mit der Erde auf der Erde. Nun beginnt der Regenbogen im Kreuz. Und auf der anderen Seite reicht er bis in die Ewigkeit des neuen Lebens. Ihr werdet mich dann nichts mehr fragen."
Gebet:


Herr, unser Gott, du Schöpfer des Himmels und der Erde:

wir danken Dir für alle Bewahrung und Hilfe, die wir in unserem Leben immer wieder erfahren haben. Wir preisen Deine Güte, Du Gott der Rettung und des Trostes. Und wir singen mit unseren Möglichkeiten Dein Lob.

Uns steht es vor Augen, wie sehr Deine Schöpfung bedroht ist und unermesslichen Schaden leidet. Wir bekennen unsere Schuld daran, unser eigenmächtiges Tun, unser von Dir gelöstes Handeln, als seien wir Herren und Eigentümer der Schöpfung. Wir bitten Dich: Geh nicht mit uns ins Gericht.

Wir bitten Dich heute besonders für alle, die in diesen Tagen leiden unter Natur- und Wasser- und Feuerkatastrophen oder unter menschlichem Unrecht und Achtlosigkeit, unter Verfolgung und Unterdrückung. Du kennst die Namen und Orte, wo es brennt und schüttet, wo Menschen und Tiere leiden und sterben, verbrennen und ertrinken, hungern und verarmen. Hilf aus Not und Angst, Elend und Feuer - und nimm uns dabei zu Werkzeugen in Deinen Dienst. Und lass uns die Hilfe tun, die wir vermögen.

Wir bitten Dich: wirke Erkenntnis, dass der Weg ohne Dich und ohne wahre Verantwortung vor Deiner Schöpfung in die Katastrophe führt. Lass gewärtig sein, dass Du Verantwortungslosigkeit und Schuld heimsuchst, dass Deine Gnade nicht billige Gnade ist, dass Umkehr nötig ist und dass Du den Weg zur Umkehr immer offen hältst. Wir bitten: schenke allen Gefährdeten und Enttäuschten, allen Hoffnungslosen und Verzweifelten Kraft zum Durchhalten und zum Vertrauen, dass Du Verhältnisse ändern kannst. Lass sie festhalten an der Hoffnung, die nicht zuschanden wird.

Wir bitten: gib die befreiende und froh machende Erfahrung, dass die große Wende in der Menschengeschichte in Jesus Christus schon geschehen ist, dass Du den Heiland und Retter der Welt in ihm gesandt hast, um zu retten, was verloren ist. Lass Viele die Wirkung dieser Rettung an Leib und Seele erfahren und sie im Glauben und in Deiner Nachfolge bewähren.

Das bitten wir Dich im Namen unseres Herrn Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn.



Prof. Dr. Rolf Wischnath
Gütersloh in Westfalen
E-Mail: rolf.wischnath@t-online.de

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