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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

2. Sonntag nach Trinitatis, 17.06.2007

Predigt zu Jesaja 55:1-3b, verfasst von Friedrich Malkemus

Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!
Warum zahlt ihr Geld für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben,
Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben! Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen.

Liebe Gemeinde!

Eine phantastische, atemberaubende, unsere Kinder würden sagen: Eine tolle Einladung Eine Vision und allerkühnste Vorstellung! Hier wird peinigende Not und lebensbedrohende alte Fesseln werden angesprochen und im Gedanken abgestreift. Freiheit wird angesagt für ein neues Leben.

Unser Wort geht auf die elementaren Nöte des menschlichen Lebens zu: Durst und Hunger und Armut. Dieses weite Feld der menschlichen Grundnöte wird nicht länger sich selbst überlassen, Auch das bedrückende Diktat des Handels und der unerschwinglichen Preise soll auf eine hier unerklärte Weise endlich sein Gewicht verlieren. Wasser soll endlich allen Menschen zuteil werden. Schönes sättigendes Brot wird allen Menschen unterschiedslos angeboten und das ganz umsonst. Selbst das edle Getränk wie Wein und Leben spendende Milch wird nicht langer vielen Menschen vorenthalten. Gar nicht auszudenken diese Art von Wirtschaftsordnung. Unserer Erfahrungswelt ist das doch völlig entgegengesetzt und unlogisch. Aber nicht weniger attraktiv und verheißungsvoll. Irgendwie sollte es so schon sein und dem Hunger und der Wassernot und der Armut entgegenwirken. Irgendwie! Aber wie denn ? Wir erkennen hier deutlich: Der prophetische Rufer ist kein Wirtschaftswissenschaftler, aber ein Visionär, der von Gott her denkt

Von denn Gegenüber des Rufers, dem Eingeladenen wird erwartet, dass er seine Ohren neige und hinhöre. Du musst kommen und deine Schritte auf den Rufer hinlenken. Ziel der Botschaft ist das Labsal der Seele, das Leben in der Befreiung von alten Fesseln und Bedrückungen, Der Niedergebeugte soll aufatmen können, froh werden und seine Freiheit wahrnehmen, Es wird eine Zeit der Freude und der schönsten Gelassenheit, aber nicht der Ausgelassenheit

sein, des Wohlbefindens in der Nahe des Heils für alle, Das wird gründen in dem unauflösbaren Bund, der dir Sicherheit und Geborgenheit gibt.

Ganz und gar unausdenkbar dieses Angebot, diese Chance, diese Öffnung der Zukunft für die bedrückten Seelen, die jetzt hungern und dürsten. Und welche Seelen sind es? Welche Seele hungert nicht? Welche Seele leidet nicht unter einem quälenden Lebensdurst? Wer hängt nicht immer noch und immer wieder mit seiner Seele an dem Nichtigen und Wertlosen und besorgt es sich oft für sauer verdientes Geld? Wer eilt nicht blindlings an dem Guten und wahrhaft Köstlichen vorbei wie in einem Temporausch?

Das Volk Israel in seiner Verbannung, also verschleppt im fremden feindlichen Land setzt sich mit dieser Einladung und Verheißung des Propheten auseinander. Es erkennt:. Sein Leben als Volk, das Leben des Einzelnen muss neu sortiert werden, Die Gewichtungen auf seinen künftigen Wegen müssen neu bestimmt werden auf das Fundamentale und wirklich Dauerhafte hin. Wer zurückgeworfen ist in seiner Lebensgeschichte und dadurch vieler bisheriger Möglichkeiten beraubt wurde, eben durch Verbannung, Gefangenschaft, Krankheit, Trauer und Depression, der hat gerade dadurch die Möglichkeit nachzudenken über das künftig zu Vermeidende und das wirklich Erstrebenswerte. Wir kennen alle die Tiefen in unserem Leben, in denen wir wesentliche neue Einsichten für die Gestaltung des weiteren Lebens hinzugewonnen haben.

Wer aber nun sind die Durstigen und die Lebenshungrigen? Etwa nur die Schwachen und Zurückgeworfenen, die Unterentwickelten, die Letzten in der Wohlstandsskala ? Sind es nicht auch die sogenannten Starken und Selbstbewussten? Vielleicht gerade diese? Die Defizite an gelingendem Leben schleppen nicht nur die offenkundig Defekten mit sich herum. Auch die Perfekten und Glänzenden in der Weltgeschichte tragen an dieser Last, wenngleich auch gekonnt kaschiert.

Eine neue Lebensgestaltung ist als Möglichkeit angedeutet mit den denkbaren Arbeitsfeldern; Im diakonischen Nahbereich des Einzelnen warten viele Dienstmöglichkeiten. Die vielerorts entstehenden diakonischen Tafeln haben ein schönes Betätigungsfeld er viele erschlossen, Mitverantwortung für Brot für die Welt muss immer wieder neu in den Schulen und Gemeindegruppen geweckt und gepflegt werden. Mit Freude verfolgen wir die vielfältigen Einsätze der Jugend bei den Entwicklungsdiensten, den internationalen Versöhnungsaktionen und dem übernationalen Jugendaustausch. In die Verantwortung für das Wasser und für das Brot für alle Menschen gehört aber auch die Disziplin des Einzelnen im Umgang mit dem Wasser und dem Brot, seine politische und kirchliche Einflussnahme auf eine gerechte Verteilung und Gestaltung der Weltwirtschaft natürlich im Rahmen unserer jeweiligen persönlichen Möglichkeiten. Die Fürsorge für die menschlichen Probleme muss mit einschließen die feinfühlige Rücksichtnahme auf die Tier- und Pflanzenwelt unserer Erde.

In der allerschönsten Weise deutet unser heutiges Prophetenwort uns Christen auf das heilige Abendmahl. Das Brot des Lebens und der Trank des Heils ist uns in den Opfergaben Jesu gegeben: Für euch gegeben! Für euch vergossen! Nehmet und trinket alle daraus!

Jesu herrliche Versöhnungsgabe wird umsonst, gratis und ohne jede Gegenforderung dargereicht, Als Versöhnte und durch Jesus miteinander Verbundene bilden wir die Gemeinde im Aufbruch; Wir neigen unsere Ohren und hören ,so werden wir leben !- Und die Anderen auch ! Amen.



Kirchenrat Dekan i.R. Friedrich Malkemus
Schwalmstadt
E-Mail: Fax : 06691 - 928406

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