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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

6. Sonntag nach Trinitatis, 31.07.2011

Predigt zu Deuteronomium 7:1-16, verfasst von Thomas Jabs

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen.

Liebe Gemeinde!

Was meinen Sie? Konnte Jesus stricken?

Sie meinen, das sei vielleicht nicht so wichtig. Ich sage ihnen: es kommt im Leben eines Menschen, einer Gemeinde, einer Kirche eines Volkes sehr wohl darauf an, wie man gestrickt ist. Und wie man gestrickt ist, das hängt an dem, der strickt. Also: wie sind sie und ich, sind wir als Gemeinde und Kirche gestrickt? oder anders gefragt: Kann Jesus stricken.

Darauf bekommen wir eine sehr schöne Antwort im heutigen Predigttext, den ich anders als vorgeschlagen mit dem ersten Vers des Kapitels beginne zu lesen:


5. Mose 7,1-5

1Wenn dich der HERR, dein Gott, ins Land bringt, in das du kommen wirst, es einzunehmen, und er ausrottet viele Völker vor dir her, die Hetiter, Girgaschiter, Amoriter, Kanaaniter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter, sieben Völker, die größer und stärker sind als du, 2und wenn sie der HERR, dein Gott, vor dir dahingibt, daß du sie schlägst, so sollst du an ihnen den Bann vollstrecken. Du sollst keinen Bund mit ihnen schließen und keine Gnade gegen sie üben 3und sollst dich mit ihnen nicht verschwägern; eure Töchter sollt ihr nicht geben ihren Söhnen, und ihre Töchter sollt ihr nicht nehmen für eure Söhne. c 4Denn sie werden eure Söhne mir abtrünnig machen, daß sie andern Göttern dienen; so wird dann des HERRN Zorn entbrennen über euch und euch bald vertilgen. 5Sondern so sollt ihr mit ihnen tun: Ihre Altäre sollt ihr einreißen, ihre Steinmale zerbrechen, ihre heiligen Pfähle abhauen und ihre Götzenbilder mit Feuer verbrennen.

So fängt man mit dem Stricken an. Da ist ein Knäuel oder vielleicht auch schon etwas geordneter gewickelte jedenfalls eine große Menge Wolle. Irgendwo muss man anfangen, wenn man stricken will. Es geht nicht das ganze Knäuel auf die Nadeln zu stecken und plumps ist das Ergebnis da. Wer also stricken kann und will, beginnt mit einem Faden.

Das hatte Gott mit dem Volk Israel getan. Dazu hatte er es aus Ägypten gelöst. Nicht um dann im verwirrten Knäuel der Völker Kanaans in neue Verwicklungen zu geraten. Darum diese harten Worte. Vermischt euch nicht. Verknäuelt euch nicht, ihr werdet sonst unbrauchbar. All die Vorwürfe an diesen Text von angeblicher oder wirklicher Grausamkeit lasse ich heute einmal beiseite. Konzentrieren Sie sich bitte auf den Zweck, das Ziel: ein sauberer Faden soll herausgezogen werden. Ein heiliges Volk soll es werden. Doch dazu gehört mehr als nur einzeln zu sein:

5. Mose 7,6-11

6Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. 7Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker - denn du bist das kleinste unter allen Völkern -, 8sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat er euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. 9So sollst du nun wissen, daß der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, 10und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen. 11So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, daß du danach tust.

Gott ist heilig. Um ein heiliges Volk zu stricken, braucht er ein Volk und Heiligkeit. Das Volk hatte er schon ausgesondert, der erste Faden war da. Nun fasste er Heiligkeit für Menschen in Worte, in Gebote und Gesetze. Das war das Strickmuster, nach ihm sollte der Faden in Form gebracht werden.

Dazu gab Gott dem Volk Israel die Thora, ihre Gesetze, nach denen sie als Volk im Land Kannan leben sollten. Gesetze, in die sie verstrickt bleiben sollten untrennbar. Das nennt das alte Testament, den Bund Gottes mit seinem Volk.

Wir alle wissen, was ein Faden am Ende wird, wenn er nach einem guten Strickmuster verstrickt worden ist: ein Kleidungsstück. Die Strickerin, der Stricker wird es selbst tragen oder verschenken. Dem, der es trägt, wird es wertvoll sein. Er wird es achten und bewahren.

So wollte Gott sein Volk stricken zu einem Kleidungsstück das er der Welt zum Geschenk machte. Seine Heiligkeit eingebunden in die Völker der Erde. Und das sollte Israel zum Nutzen sein, geachtet und bewahrt würde es bleiben.

5. Mose 7,12-16

12Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der HERR, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat, 13und wird dich lieben und segnen und mehren, und er wird segnen die Frucht deines Leibes und den Ertrag deines Ackers, dein Getreide, Wein und Öl, und das Jungvieh deiner Kühe und deiner Schafe in dem Lande, das er dir geben wird, wie er deinen Vätern geschworen hat. 14Gesegnet wirst du sein vor allen Völkern. Es wird niemand unter dir unfruchtbar sein, auch nicht eins deiner Tiere. 15Der HERR wird von dir nehmen alle Krankheit und wird dir keine von all den bösen Seuchen der Ägypter auflegen, die du kennst, sondern wird sie allen deinen Hassern auflegen.

16Du wirst alle Völker vertilgen, die der HERR, dein Gott, dir geben wird. Du sollst sie nicht schonen und ihren Göttern nicht dienen; denn das würde dir zum Fallstrick werden.

Ein Segen ist ein solches heiliges Kleid für die Welt. Darum sollte es sich ja nicht aufräufeln lassen. Es würde zum Fallstrick werden. Das ist ganz klar.

Leider war die Geschichte dieses Volkes sehr verwirrt. Ein Faden, der gestrickt und wieder aufgeräufelt worden war und das mehrmals.

Darum zog Gott noch einmal einen Faden, einen ganz kleinen Einzelnen, nicht ein Volk nur einen Menschen - Jesus von Nazareth.

Ihn verstrickte er in Heiligkeit und in diese Welt. Sie wollte sich diesen Faden ziehen und brachte ihn ans Kreuz. Doch damit begann das Stricken erst richtig.

Nun verstrickte Jesus Menschen in seine Auferstehung, in seine Liebe. Und er strickte daraus ein Kleid über die ganze Welt, ja verschiedene Kleidungsstücke, Menschen, die zu Gemeinden wurden zu Kirche, ja zu Kirchen.

Und das tut er auch heute. Heute und hier hat er uns miteinander verstrickt, ganz unterschiedliche Menschen in diesem Gottesdienst, verstrickt in Gottes Wort und das am Sonntag vormittag verstrickt in die Tradition dieser Gemeinde und mit dem Glaubensbekenntnis und dem Vater-unser in die Gemeinschaft aller Kirchen und Christen, die heute Gottesdienst feiern. Er hat uns verstrickt durch seine heilige Liebe, die Menschen aneinander und miteinander Freude schenkt und Gebet und Gottesdienst.

Was meinen Sie: Kann Jesus stricken?

Ich jedenfalls finde mich schon längst in seinen Verstrickungen wieder. Das freut mich sehr, denn so will ich gern gestrickt sein.

Amen


Und der Friede Gottes der höher ist alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und sinne in Christus Jesus unserem Herrn.



Pfarrer Thomas Jabs
12623 Berlin-Mahlsdorf
E-Mail: Pfarrer.Jabs@kirche-mahlsdorf.de

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