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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

1. Sonntag nach Trinitatis, 10.06.2012

Predigt zu Jeremia 23:16 - 29, verfasst von Anke Fasse

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Gemeinde,

haben Sie/hast Du schon einen account bei Facebook, bei diesem großen weltweiten sozialen Netzwerk, dass eine Verbindung mit Kollegen, Verwandten und vielen anderen Mitmenschen möglich macht? Schnell können viele Freundschaften geschlossen werden. Auch der Kontakt zu Menschen, die man/frau aus den Augen verloren hat, ist schnell wieder hergestellt. Facebook, eine tolle, interessante Art das Leben mit anderen zu teilen - vom leckeren Mittagessen bis hin zum verlorenen Schlüssel. Nie zuvor, haben Menschen so viel voneinander erfahren, sind so direkt am Leben von anderen dran gewesen und können sich auch selbst mitteilen. Das, liebe Gemeinde, ist eine Sichtweise!!

Facebook - das ist doch der reinste Zeitfresser ohne einen tieferen Inhalt. Der Nutzer mag zwar im virtuellen Netz viele Freundschaften haben. Aber was ist, wenn es ihm wirklich mal nicht gut geht? Dann ist es schwer bis unmöglich über Facebook jemanden zu finden, der wirklich ganz real zuhört, der da ist, der Geborgenheit schenken kann, der einfach mal in den Arm nimmt - ohne eine Tastatur dazwischen. Facebook ist in erster Linie ein Portal um sich selbst darzustellen - es bietet eine virtuelle Traumwelt für die Nutzer. Wo bleiben der reale Mensch und die wirkliche Begegnung? Facebook gaukelt soziale Beziehungen vor und raubt Zeit und Energie für das reale Leben. Das, liebe Gemeinde, ist eine andere Sichtweise!

Welches ist denn nun die richtige Botschaft? Jeden Tag erreichen uns eine Fülle an - teilweise widersprüchlichen - Informationen, an Botschaften, an Ratschlägen für unser Leben aus nahezu allen Bereichen. Welches ist die richtige Botschaft für unser Leben aus der Vielzahl der Werbebotschaften, der politischen Meldungen, dem Religionsangebot. Wo finden wir Orientierung für unser Leben? Viele Menschen suchen nach wie vor diese Orientierung im Wort Gottes. Dazu sind wir auch heute Morgen hier zum Gottesdienst zusammengekommen. Aber auch das Wort Gottes ist nicht immer so eindeutig. Oder, es wird auf jeden Fall nicht immer eindeutig und überall in gleicher Weise ausgelegt. Bleibt die beunruhigende Frage, welches, aus den Worten, die sich als Wort Gottes ausgeben, ist das richtige? Welches ist wirklich das wahre Wort Gottes? -

Wie ist das wahre Wort Gottes? Um diese Frage geht es im Bibelwort für die Predigt am heutigen Sonntag.

So spricht der Herr Zebaoth: Hört nicht auf die Worte der Propheten, die euch weissagen! Sie betrügen euch; denn sie verkündigen euch Gesichte aus ihrem Herzen und nicht aus dem Mund des Herrn. Sie sagen denen, die das Wort des Herrn verachten: Es wird euch wohlgehen - und allen, die nach ihrem verstockten Herzen wandeln, sagen sie: Es wird kein Unglück über euch kommen. Aber wer hat im Rat des Herrn gestanden, dass er sein Wort gesehen und gehört hätte? Wer hat sein Wort vernommen und gehört? Siehe, es wird ein Wetter des Herrn kommen voll Grimm und ein schreckliches Ungewitter auf den Kopf der Gottlosen niedergehen. Und des Herrn Zorn wird nicht nachlassen, bis er tue und ausrichte, was er im Sinn hat; zur letzten Zeit werdet ihr es klar erkennen.
Ich sandte die Propheten nicht, und doch laufen sie; ich redete nicht zu ihnen, und doch weissagen sie. Denn wenn sie in meinem Rat gestanden hätten, so hätten sie meine Worte meinem Volk gepredigt, um es von seinem bösen Wandel und von seinem bösen Tun zu bekehren.
Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, spricht der Herr, und nicht auch ein Gott, der ferne ist? Meinst du, dass sich jemand so heimlich verbergen könne, dass ich ihn nicht sehe? spricht der Herr. Bin ich es nicht, der Himmel und Erde erfüllt? spricht der Herr.
Ich höre es wohl, was die Propheten reden, die Lüge weissagen in meinem Namen und sprechen: Mir hat geträumt, mir hat geträumt. Wann wollen doch die Propheten aufhören, die Lüge weissagen und ihres Herzens Trug weissagen und wollen, dass mein Volk meinen Namen vergesse über ihren Träumen, die einer dem andern erzählt, wie auch ihre Väter meinen Namens vergaßen über dem Baal. Ein Prophet, der Träume hat, der erzähle Träume; wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht. Wie reimen sich Stroh und Weizen zusammen? spricht der HERR. Ist mein Wort nicht wie Feuer, spricht der Herr, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt? (Jer 23, 16-29).

So die Botschaft des Propheten Jeremia, gesprochen in eine Krisenzeit hinein. Jeremia selbst wurde von Gott zum Propheten berufen. Er weigerte sich gegen diese Berufung, erhob Einwände wie: „Ich bin zu jung." Ich kann nicht reden!" Doch Gott wollte diesen jungen Mann als seinen Botschafter gebrauchen. Jeremia soll sein Volk vor dem nahenden Unheil warnen - wir wissen das 587 vor Christus schließlich die Zerstörung des Jerusalemer Tempels die Spitze des Unheils war. Die Worte Siehe, es wird ein Wetter des Herrn kommen voll Grimm und ein schreckliches Ungewitter auf den Kopf der Gottlosen niedergehen mögen darauf anspielen. Gott sichert Jeremia bei seiner Aufgabe den göttlichen Beistand zu. Er will und wird ihm zur rechten Zeit, die richtigen Worte in den Mund legen - so verspricht Gott es ihm bei seiner Berufung zum Propheten. Diese Berufung macht ihn zu einem richtigen Propheten Gottes - im Gegensatz zu den anderen, die sich nur auf eigene Eingebungen und auf die Interessen der Machthaber beziehen, nicht aber auf Gottes Wort. Gegen diese anderen, falschen Propheten wendet sich Jeremia in diesem unserem Predigtwort für den heutigen Sonntag. Und so spricht Jeremia das Wort Gottes in die schwierige Situation des Landes Juda zwischen dem 7. und 6. Jahrhundert vor Christus. Die Könige Judas schwanken zwischen den großen damaligen Machtzentren Assyrien und Babylonien. Damit verbunden ist eine zunehmende soziale Ungerechtigkeit, die scheinbar in Kauf genommen wird. Diejenigen, die die öffentliche Meinung bestimmen, in den Worten Jeremias, die falschen Propheten, folgen dabei eigenen Interessen, stehen den Herrschenden nah und vertreten deren Interessen: nämlich zu beschwichtigen. Sie sagen es wird euch wohlgehen. Es wird kein Unheil über euch kommen. Jeremia bezeichnet sie als diejenigen, die die Boshaften stärken, auf dass ja niemand sich bekehre von seiner Bosheit. (Jer 23, 14). Das, was sie weissagen beruhe nur auf eigenen Gesichten und nicht auf dem Wort Gottes. Gegen diese Beschwichtigungen erhebt Jeremia nun seine Stimme.

Hört nicht auf die Worte dieser Propheten.... Sie betrügen euch...! So die Botschaft von Jeremia. Sie beschwichtigen euch. Sie gaukeln euch etwas vor - so wie uns vielleicht manches Mal die Werbung.

Hört nicht auf sie. Vertraut ihnen nicht. Sie, die falschen Propheten verkündigen nicht das Wort Gottes. Bleibt die Frage: Wie ist das Wort Gottes? Das Wort Gottes, das uns Orientierung für unser Leben verspricht?

Gottes Wort ist nicht beschwichtigend. Es ist nicht sanft. Gottes Wort ist aufdeckend. Gottes Wort ist wie Feuer. Gottes Wort ist wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt. Und Gott, der Ursprung dieses Wortes: Er ist nicht nur der nahe Gott, über den wir Menschen verfügen können. Gott ist auch der ferne Gott, den wir Menschen oftmals nicht verstehen. Gott ist unfassbar, denn niemand kann sich heimlich verbergen, ohne dass Gott ihn sieht. Er, Gott ist es, der Himmel und Erde füllt - so die Botschaft von Jeremia.

Gottes Wort ist nicht beschwichtigend. Es ist aufdeckend. Gottes Wort ist das aufdeckende Wort der Liebe, dass niemandem nach dem Mund redet.

Ich denke noch einmal an Facebook, das soziale Netzwerk, das so vieles verspricht und von so vielen genutzt wird - als ein Beispiel. Menschen lassen sich einladen, sich zu präsentieren. Menschen lassen sich einladen, eine Fassade von ihrem Leben aufzubauen. Tolle Aktionen stehen im Mittelpunkt, Lebensweisheiten werden geteilt ebenso wie Alltägliches. Aber wofür all das? Wofür investieren Menschen so viel Zeit und Energie in dieses Netzwerk? Warum geben sie ihm so einen großen Raum und Einfluss ich ihrem Leben? Hält dieses Profil, das Menschen von sich anlegen? Hält die Fassade, die sie aufbauen, auf Dauer den realen Herausforderungen stand? Hält sie vor Gott stand? Denn Menschen sehen, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.

Liebe Gemeinde, auch wenn es so scheinen sollte, möchte ich keine Predigt gegen Facebook halten. Ich möchte dies nur als ein Beispiel nehmen, es gäbe unendlich viele andere. Ein Beispiel für die Schwierigkeit mit einem Angebot, mit Stimmen und Informationen umzugehen und zu entscheiden, inwieweit ich ihnen traue und welchen Raum und Einfluss ich ihnen gebe und welchen nicht.

Gottes Wort ist das aufdeckende Wort der Liebe, das niemandem nach dem Mund redet, das einlullt oder Bequemlichkeiten verspricht. Aber es verheißt wahrhaftiges Leben, auch in anderer Dimension, ja ewiges Leben. Dieses Gottes Wort ist da. Manchmal ist es vielleicht verborgen und zu übersehen in all den anderen Stimmen. Manchmal ist dies Wort Gottes wohl nicht greifbar, vielleicht wenn wir nach Enttäuschungen nach einer einfachen Antwort auf Fragen des Lebens suchen. Manchmal ist es vielleicht fern, wenn wir so sehr beschäftigt und eingespannt sind und einfach im Strom des Lebens mittreiben. Aber es ist da. Es liegt an uns dies als solches wahr- und anzunehmen. Das Evangelium, die Geschichte vom reichen Mann und armen Lazarus ist dafür ein Beispiel, welche Informationen sich jemand zu Herzen nimmt und ob sich jemand in seinem Handeln beeinflussen lässt. Nachdem der Reiche Höllenqualen leidet, bittet er darum, dass andere vor solchen Konsequenzen bewahrt werden. Die Antwort, die der Reiche erhält ist: „Sie haben Mose und die Propheten. Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde". Die Informationen sind da. Jeder und jede kann wissen, welche Konsequenzen sein Denken und Handeln haben kann.

Gottes Wort ist da, aufdeckend, aber nicht immer aufdringlich. Gottes Wort ist da in Jesus Christus. In seinem Leben und Handeln, in seinem Leiden, Sterben und Auferstehen ist es Fleisch geworden. Gottes Wort ist Fleisch geworden, handfest in Jesus Christus, in unserer Wirklichkeit. Und doch bleibt es schwer, dies immer wieder herauszuhören aus der Vielzahl der Worte und Einflüsse. Es bleibt schwer, Orientierung zu finden. Aber, liebe Gemeinde, wir sind dabei nicht allein auf dem Weg. Gott ist an unserer Seite. Er führt Menschen zu Kirchen und Gemeinden zusammen, damit wir nicht nachlassen, sein Wort zu suchen, zu hören und zu leben. Gottes aufdeckendes Wort der Liebe will uns Leben schenken. Jeden Tag neu. Geben wir uns nicht so schnell zufrieden mit den vielen Stimmen, die wir hören, die uns oft beschwichtigen und einlullen wollen. Lassen wir nicht nach gemeinsam nach dem zu suchen, was uns Leben schenkt, Leben in Fülle: Gottes Wort. Gottes Wort sei in unserer Mitte jeden Tag neu, denn Gott ist es, der Himmel und Erde erfüllt.

Amen.



Pfarrerin Anke Fasse
Lima/Peru
E-Mail: pastora@ev-kirche-peru.org

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