Göttinger Predigten

deutsch English español
português dansk Schweiz

Startseite

Aktuelle Predigten

Archiv

Besondere Gelegenheiten

Suche

Links

Gästebuch

Konzeption

Unsere Autoren weltweit

Kontakt
ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

5. Sonntag nach Trinitatis, 08.07.2012

Predigt zu Genesis (1. Buch Mose) 12:1-4, verfasst von Winfried Klotz

 

12. 1 Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. a) 4. Mose 23,9; Apg 7,3; Hebr 11,8

2 Und ich will dich zum großen Volk machen und a will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst b ein Segen sein. a) Kap 24,1; 24,35; b) Ps 72,17

3 Ich will segnen, die dich segnen, und a verfluchen, die dich verfluchen; und b in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. a) 2. Mose 23,22; b) Kap 18,18; 22,18; 26,4; 28,14; Apg 3,25; Gal 3,8

4 Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte.

Liebe Gemeinde!

Abenteuer pur, endlich geht's weiter, so könnte Abraham gedacht haben, als Gott ihn rief seine Heimat zu verlassen. Endlich geht's weiter, nachdem meine Familie von Ur am Euphrat kommend in Haran versackt ist, wo wir doch eigentlich nach Kanaan wollten. Endlich geht's weiter und ich bin der von Gott Auserwählte für diese Tour.

Hat Abraham so gedacht? Wohl kaum, jedenfalls im Bibelwort keine Spur davon. Das heißt es lapidar: „Und der HERR sprach zu Abram." Das klingt eher nach einer Prophetenberufung als nach Aufbruch ins Abenteuer. Es ist wohl beides: Abraham wird gerufen und zum Aushängeschild für Gott und sein Handeln, das aber ist in der Tat Abenteuer pur!

„Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will."

Als viehzüchtender Nomade war Abraham mit seiner Familie immer irgendwo unterwegs, eben da, wo für die Schafe, Ziegen und Rinder Gras wuchs und ein Brunnen Wasser gab. Was Gott jetzt von ihm will, ist weit mehr: „Geh aus deinem Vaterland ...!" Das heißt Abschied von all dem, was Abraham kennt und was ihm Sicherheit bietet. Eine große Familie mit vielen Verwandten bot Sicherheit bei Auseinandersetzungen, z. B. um Weideland, oder bei Katastrophen, wenn das Vieh in Zeiten der Dürre wegstarb. Da, wo er mit seinen Herden bisher umhergezogen war, kannte er die Brunnen. Und schließlich, die Feier der Feste in der Familie, das war Heimat, tiefgründende emotionale Heimat. Aus all dem will Gott Abraham herausreißen, ein riesengroßer Verlust für Abraham! Menschen haben zu allen Zeiten ihre Heimat verlassen müssen, Kriege und Katastrophen sorgten dafür. Hier aber redet der Herr und fordert Abraham zum Verlassen der Heimat auf. Die Großschreibung von „Herr" in der Lutherbibel zeigt, dass im hebräischen Urtext an dieser Stelle der Gottesname steht. Kennt Abraham diesen Gott schon und wie kann er ihm vertrauen, wenn er ihn nicht kennt?

Wir hätten gerne eine Antwort auf diese Fragen, aber der Erzähler legt keinen Wert darauf unsere Neugier zu stillen. „Und der Herr sprach zu Abraham", das muss uns genügen. Kann es das? Die Erfahrung zeigt: Wo Menschen zum Glauben an den Gott der Bibel kommen, braucht es manchmal nur ein Wort. Keine großen Erklärungen, nur ein treffendes Wort. Ein Wort, in dem Gott zum Herzen spricht und alles klar wird. Axel Kühner erzählt folgende Geschichte unter der Überschrift „Ich rauchte Matthäus":

Wenn Sie mir dieses Neue Testament unbedingt aufdrängen wollen, werde ich mir aus jeder einzelnen Seite eine Zigarette drehen."

Selbstbewußt schaut der Mann Gaylord Kambarami, seines Zeichens Mitarbeiter der Bibelgesellschaff von Zimbabwe, an.

Nun gut", gab Kambarami zur Antwort, „das können Sie meinetwegen machen. Aber Sie müssen mir versprechen, das Neue Testament zu lesen, bevor Sie es rauchen."

Der Mann willigte ein, packte die Bibel und machte sich aus dem Staub. Letztes Jahr nahm Kambarami, mittlerweile Generalsekretär der Bibelgesellschaft von Zimbabwe, an einem Kongress teil. Während des Vortrages zeigt der Redner plötzlich auf den Generalsekretär, wandte sich an die übrigen Zuschauer und sagte: „Dieser Mann erinnert sich sicherlich nicht mehr an mich. Aber vor 15 Jahren schenkte er mir ein Neues Testament, obwohl ich ihm androhte, es als Zigarettenpapier zu verwenden. Ich rauchte Matthäus, ich rauchte Markus, ich rauchte Lukas. Aber dann stieß ich im dritten Kapitel des Johannesevangeliums auf den Vers 16: Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht verlorengehen, sondern das ewige Leben haben. Von jenem Moment an, konnte ich nicht mehr weiterrauchen, und mein Leben änderte sich von Grund auf." Heute ist der ehemalige Bibelraucher Pfarrer in Zimbabwe.

(Axel Kühner, Elektronische Ausgabe Nr. 516 )

Es braucht manchmal nur ein treffendes Wort, so sagte ich. Gottes Anrede hat Abraham getroffen und in Bewegung gebracht. Der Auftrag war klar, die Zukunft reines Versprechen.

Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein."

Was hat Abraham in der Hand, was gibt ihm Sicherheit? Die Gruppe Silbermond singt:

„Gib mir 'n kleines bisschen Sicherheit,
in einer Welt, in der nichts sicher scheint.
Gib mir in dieser schnellen Zeit irgendwas das bleibt.
Gib mir einfach nur 'n bisschen Halt,
und wieg mich einfach nur in Sicherheit.
Hol mich aus dieser schnellen Zeit,
nimm mir ein bisschen Geschwindigkeit.
Gib mir was, irgendwas, das bleibt.

In einer schnellen Zeit lebte Abraham nicht, aber die Frage nach der Sicherheit war damals wie heute aktuell. Dass unser Abschnitt nicht von einem Einwand Abrahams berichtet, solche Einwände finden sich ja durchaus in Berufungsgeschichten, siehe 2. Mose 3 und Jeremia 1, ist erstaunlich. Was gibt Abraham Sicherheit? Nur Gottes Wort an ihn. Gottes Anrede bietet keine irdische Sicherheit, aber sie ist eine Aufforderung zum Vertrauen. Abraham setzt sein Vertrauen ganz auf Gott, der ihm in seinem Wort nahe gekommen ist, sich als wahr und wirklich erwiesen hat, auch wenn er unfassbar bleibt.

Hätte Abraham auch „Nein" sagen können? Eine theoretische Frage, er ist ja los gezogen. Und doch wird klar: Wäre er nicht aufgebrochen, so hätte der Segen Gottes keinen Träger und keine personale Gestalt bekommen. Unser Abschnitt erschöpft sich nicht in einem Auftrag, sondern Gott will segnen. Gott ist wie eine Quelle, aus der ständig Segen sprudelt; dieser Segen soll aber über das natürliche Werden, Wachsen und Fruchtbringen hinaus in einer Person und ihrer Geschichte Gestalt gewinnen, in Abraham. Bisher hat Gott nach jedem Niedergang verschont (s. Kain 4, 15) oder eine Erhaltungsordnung eingesetzt (Noah 9, 1ff), damit menschliches Leben auf der Erde nicht untergeht, jetzt aber in der Berufung Abrahams und des Segensversprechens an ihn macht Gott einen besonderen Haken an den Weg der Menschheit:

„Ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden."

Nicht nur, dass Gott Abraham all das im Übermaß zurückerstattet, was der durch das Verlassen der Heimat verliert, - der der seine Sippe verlässt wird zum großen Volk, obwohl er bisher keine Nachkommen hat. - Der, der ohne Sippe keinen Namen hat, wird einen großen Namen haben, obwohl er doch in der Fremde ein Namenloser ist. - Noch über all das hinaus verspricht Gott: „Du sollst ein Segen sein." Was gesegnetes Leben ist wird an deiner Person sichtbar werden. Und mein Segen, erfülltes, behütetes Leben im Frieden, wird von dir überfließen auf andere. Wer gesegnet ist, der ist es nicht nur für sich! Ja, es ist unmöglich, dass Segen nicht weiterfließt. Ob unser Wohlstand und gutes Leben Zeichen des Segens Gottes ist, zeigt sich im Weiterfließen. Fließt nichts und sind wir nicht zum Segen für andere, ist das ein dickes Fragezeichen hinter unserem guten Leben.

Abraham ist der Gesegnete, wei er Gottes Ruf folgt und alles verlässt. Loslassen im Vertrauen gibt Gott die Möglichkeit Abraham zu segnen. Dann macht ihn Gott zu einem „hot spot" des Segens. Viele wissen, dass ein „hot spot" die Möglichkeit für entsprechend ausgerüstete Computer bietet, sich im öffentlichen Raum ins Internet einzuloggen. Über Abraham und seine Nachkommen gelangen viele Menschen in eine Verbindung zu Gott und werden gesegnet. Mit Abraham schafft Gott eine Segenskette mit vielen Perlen. Alle, die Gott ihr Vertrauen schenken sind Perlen auf dieser Kette. Sie reicht von Abraham bis zu Jesus Christus und über ihn zu allen, die durch Jesus sich Gott anvertrauen.

Noch ein anderes Bild: Abraham wird durch den Gehorsam gegenüber Gottes Ruf zu einem Leuchtturm des Segens. Von ihm strahlt das Licht des Segens Gottes aus und zeigt Menschen den Weg zum Guten. Gottes Segen, seine heilvolle Gegenwart bei Abraham, hat rettende, bewahrende Kraft für Abraham und alle, die ihm als dem Gesegneten Gottes wohlgesonnen sind. Wer sich aber gegen Abraham stellt, stellt sich gegen den segnenden Gott und hat keinen Anteil am Segen.

Mit Abraham hat Gott begonnen sein heilvolles, rettendes Handeln durch Menschen sichtbar zu machen. Das ist in Jesus von Nazareth ans Ziel gekommen. Im Glauben an Jesus bekommen wir Teil am segnenden Gott. Amen.

 



Pfarrer Winfried Klotz
Bad König/Odenwald
E-Mail: winfried.klotz@badkoenig-lebt.de

(zurück zum Seitenanfang)