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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

9. Sonntag nach Trinitatis, 05.08.2012

Predigt zu Jeremia 1:4-10 (11-14), verfasst von Heinz Behrends

 

Und des Herrn Wort geschah zu ihm und sprach: „Ich traue es Dir zu, Du musst es machen.

Du musst es ihnen sagen. Sprich zu Deinem Volk: Eure Gier macht alles kaputt. Euer vermeintlicher Wohlstand ist auf einer Schein-Welt aufgebaut, auf einer Geld-Schein-Welt. Die Scheine haben den Wert nicht, der draufsteht. Ihr habt es sehenden Auges geschehen lassen, dass sich wenige viel unter den Nagel reißen. Geld machen mit Geld statt mit der Arbeit von Hand und Fuss, eine Perversion menschlicher Arbeit. Geld ausgeben, dass man nicht hat. Mit Geld-Erfolg spekulieren auf den Niedergang von Firmen und Ländern. Eure Gier macht alles kaputt, Ihr müsstet es sehen, aber noch hat die Krise Euer Bankkonto nicht erreicht. Darum lebt Ihr einfach so weiter wie bisher. Und schaut zu.

Eine große Bank Deutschlands will 1.900 von ihren 15.000 Investmentbankern kündigen. Sie wollen sparen an den Boni, die sie bisher bezahlt haben, 3,2 Mrd Euro, für jeden im Schnitt 300.000 € zusätzlich im Jahr. Was sie zusätzlich bekommen, verdient die Bundeskanzlerin Deutschlands als ich normales Jahresgehalt für ihre schwere, verantwortungsvolle Arbeit im Jahr.

Geh hin und sag ihnen. Eure Gier ist unerträglich."

 „Nein, Herr, ich kann nicht, ich bin noch zu jung, ich bin nicht kompetent genug. Ich kann es ihnen nicht sagen."

„Geh hin und sag es ihnen: Seht die jungen Leute aus Spanien, die keine Ausbildung, keine Arbeit finden, jeder zweite im Land. Aber die Küsten des Landes sind vollgepflastert mit einer unübersehbaren Menge an Hochhäusern an Golfplätzen, alle leer. Verdient darin haben Bauunternehmen wie Senior Perez, der Präsident vom Fußballclub Real Madrid, der mit den Geldscheinen einen Fußballer wie Ronaldo mit 90 Mill Euro bezahlt. Und ihr bejubelt das tolle Spiel der Spanier. Ihr preist das wunderbare Valencia mit seinen neu erbauten Marmorplätzen, Stern des Mittelmeeres, die Einkaufspassagen aber stehen jetzt leer. Die Risse in den Steinen werden zu Gräben zwischen arm und reich.

Geh hin und sage ihnen. Euer Land wird verdorben sein."


„Herr, was geht mich Spanien an. Was kann ich dafür? Die lockere Lebensart der Leute da im Süden, in Spanien, Italien, Griechenland, die ist nicht die meine. Das wird unsere Kanzlerin denen schon beibringen. Ich bin zu schwach, meine Stimme wird man nicht hören. Ich kann es nicht."

„Geh hin und sag ihnen. Bald bist du selbst betroffen. Dein Geld ist nichts mehr wert. Wo kommt das Geld der sogenannten Rettungsschirme denn her? Aus der Druckerei, sag es ihnen. Papiergeld. Wohl denen, die Schulden gemacht haben. Für 100.000 € für jeden will die Bundesregierung in Deutschland bürgen, aber nur wenn es auf dem Bankkonto liegt. Sag ihnen, dass die Banken überlegen, einen Negativ-Zins einzuführen. 0,5 %, weil sie dein Geld aufbewahren. Sag ihnen, dass nicht ich einreißen werde, sondern sie tun es schon selber.

Geh hin und sag es ihnen, fürchte dich nicht".

„Nein, ich kann es nicht. Die Finanzen in der globalisierten Welt sind mir zu komplex, ich bin kein Fachmann. Ich blamiere mich, wenn ich rede".

„Du musst doch kein Fachmann sein, um zu reden. Du weißt doch, wenn du über Jahre mehr Geld ausgibst als du hast, dann bist du bald ein Schuldner. Bist pleite. Wirst immer abhängiger, der Zins steigt, je ärmer du wirst. Wenn du deine Kredite mit neuen Krediten bezahlen musst, bist du bald am Ende. Du siehst doch, wie die Welt immer mehr auseinander bricht. Geld regiert die Welt.

Willst du das zulassen? Hast du von mir nicht gelernt, 4. Gebot, dass die Welt fortbesteht, weil ich einen Generationenvertrag eingerichtet habe? Die Eltern sichern die Zukunft ihrer Kinder und futtern sie nicht selber auf. Sie sorgen für die sicheren Lebensgrundlagen. Sie wissen es doch längst alles, aber sie haben mich vergessen. Sag es ihnen. Ich lege meine Worte in deinen Mund, du musst nur sprechen. Dass sie wieder bauen und pflanzen. Die Finanzhaie und getriebenen Politiker werden ihre Macht verlieren. Ich setze die über die Völker und Königreiche, die für Recht und Gerechtigkeit und Solidarität sorgen. Fürchte dich nicht, sprich. Ich will bei Dir sein".

„Ach, Herr, ich weiß. Aber ich kann nicht sprechen. Die Kirche lebt im Lande doch selber vom System, auch wenn sie selber keine Schulden macht. Was soll ich denn reden? Ich bin Beamter mit Pensionsberechtigung. Ich weiß es alles, aber ich kann nicht mit überzeugender Kraft sprechen."

„Dennoch, geh und sprich. Es ist doch die Wahrheit, die du verkünden wirst. Wer sollte es sonst in unserem Lande tun. Soll Sarah Wagenknecht, die einzige Vertreterin des Volkes sein, die darauf hinweist, dass Bildung und Gesundheit nicht privatisiert sein dürfen und den Gesetzen des Geldes ausgeliefert? Du sollst gehen, wohin ich dich sende und predigen alles, was ich dir gebiete.

Schau, was ich dir zeige! Was siehst du?" „Ich sehe einen aufblühenden, einen wachen Zweig und einen siedenden Kessel, der überläuft."

„Das Unheil droht, aber Zukunft blüht euch auf. Ihr wisst, was Leben zusammenhält. Ihr habt mein Wort".

 



Superintendent Heinz Behrends
37154 Northeim
E-Mail: Heinz.Behrends@evlka.de

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