Göttinger Predigten

deutsch English espańol
portuguęs dansk Schweiz

Startseite

Aktuelle Predigten

Archiv

Besondere Gelegenheiten

Suche

Links

Gästebuch

Konzeption

Unsere Autoren weltweit

Kontakt
ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

Letzter Sonntag des Kirchenjahres: Ewigkeitssonntag, 25.11.2012

Predigt zu Jesaja 65:17-25, verfasst von Juraj Bándy

 

Die Prophetie, die wir aus dem Jesajabuch hörten, ist ein herrlicher Blick in die Zukunft. Aus diesen Worten erkennen wir, dass wir Christen in der Zukunft große und radikale Veränderungen erwarten. Deswegen ist die Behauptung falsch, nach der die Christen verknöcherte Menschen sein sollen, die sich gegen alle Änderungen und Neuheiten wehren. Es ist auch falsch, dass die Christen rückschrittlich sind und immer nur ihren Blick in die Vergangenheit richten. Gerade umgekehrt. Wir blicken in die Zukunft. Wir sind ein wartendes, hoffendes und sich freuendes Volk Gottes. Unser Blick ist deswegen in die Zukunft gerichtet, weil unser Gott immer tätig ist. Die unaufhörliche Tätigkeit Gottes berechtigt uns, damit wir 1. auf eine neue Welt und 2. auf eine neue Menschheit in ihr warten.

Ad 1. Als am Ende des 15. Jahrhunderts Christoph Columbus seine Reise begann, aufdass er den kürzesten Weg nach Indien fände, hat er nicht geahnt, dass er statt Indien nach Amerika kommen würde. Nach einer dreimonatigen Seefahrt, als er schon zwei Schiffe verloren hatte und die Mannschaft unzufrieden gewesen war, rief plötzlich der Schiffsjunge, der auf dem Mast im Dienst war: Land, ich sehe die neue Welt. Das Erblicken der neuen Welt gab ihnen neue Hoffnung und sie vergaßen die bisherigen Strapazen.

Unser Leben ist in manchen Hinsichten einer Schifffahrt auf einem tobenden Meer ähnlich. Uns führt auch die Hoffnung der neuen Welt. Columbus fuhr mit der Hoffnung, einen neuen Weg nach Indien zu finden. Wir fahren im Strom der Zeit mit der Zusicherung Gottes: „Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird" (V. 17). Diese Zusicherung Gottes gibt uns Hoffnung. Der Schiffsjunge, der auf dem Mast des Schiffes des Christentums den neuen Himmel und die neue Erde gesehen hat, ist der Apostel Johannes, der in die himmlischen Visionen emporgehoben sagen konnte: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde vergingen und das Meer ist nicht mehr (Offenb 21, 1). Wir setzen unsere Hoffung darin, was dieser Mann Gottes in der Vision gesehen hat.

Der neue Himmel und die neue Erde übertreffen alles, was wir bisher erlebt und erprobt haben, in so großem Maße, „daß man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird" (V. 17). Wir werden nicht mehr an unsere Leiden denken, weil das Leiden dieser Zeit „der Herrlichkeit nicht wert sei, die an uns soll offenbart werden" (R 8, 18). Wir werden nicht mehr an unsere Freuden denken, weil die himmlische Freude alles übertrifft, an dem wem wir in unserem irdischen Leben Freude hatten.

Nach der Verheißung Gottes warten wir auf einen neuen Himmel und auf eine neue Erde, „in welchen Gerechtigkeit wohnt" (2 Pt 3, 13). Wir warten auf eine gerechte Welt. An eine Welt, in welcher jede Arbeit gerecht belohnt werden wird. Eine Welt, in welcher diejenigen in den Häusern wohnen werden, die sie bauten. Eine Welt, in welcher diejenigen die Früchte essen werden, die die Bäume pflanzten. Niemand wird „bauen, was ein anderer bewohne und nicht pflanzen, was ein anderer esse" (V. 22). Wir erwarten eine Welt, in welcher niemand sinnlos arbeiten wird. „Sie sollen nicht umsonst arbeiten", lautet die Verheißung (V. 23). Jede menschliche Anstrengung wird einen Sinn haben und belohnt werden.

Vielleicht scheint uns die Erwartung des Propheten von dem neuen Himmel und der neuen Erde ebenerdig, irdisch und diesseitsorientiert, wenn er von dem irdischen Wohlstand spricht und die Zukunft so vorstellt, daß die Leute hundert Jahre erreichen (V. 20) und das Lebensalter des Gottesvolkes so hoch „wie die Tage eines Baumes" (V. 22) wird. Wir sollen aber den irdischen Wohlstand nicht unterschätzen. Der irdische Wohlstand ist auch ein Geschenk Gottes und ein Zeichen des Segens Gottes. Wir sollen aber auch sehen, dass Gott uns mehr gibt, als der Prophet zu erwarten wagte. Gott verspricht uns nicht ein Leben, das hundert Jahre oder so lange wie das Leben der Bäume dauert, sondern das ewige Leben für alle, die an Jesus Christus glauben. Der neue Himmel und die neue Erde beginnen überall dort, wo der Glaube an Christus und an die Auferstehung da ist.

Die neue Welt, die wir erwarten, ist die Welt des Friedens. Der Frieden wird so allgemein sein, dass er auch die Welt der Tiere erreichen wird. „Wolf und Schaf sollen beieinander weiden, der Löwe wird Stroh fressen" (V. 25).

Ad 2. Gott schafft nicht nur alles rund um uns neu, sondern er macht auch aus uns neue Menschen. Der neue Mensch gehört auch zu den Zielen der neuen Schöpfung. Gott schafft deswegen eine neue Welt und eine neue Menschheit, weil alles Bisherige von der Sünde bezeichnet ist. Er macht uns so zu neuen Menschen, dass er die Macht der Sünde beseitigt. Das Opfer Jesu Christi am Kreuz von Golgatha bedeutet die Überwindung der Sünde und „darum wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Kreatur: das alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden" (2 Kor 5. 17). Der neue Mensch, der von der Sünde gereinigt wurde, ist der echten Freude fähig. Er kann sich wirklich freuen. Deswegen ruft unsere Prophetie zur Freude auf: „Freut euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich will Jerusalem zur Wonne machen und sein Volk zur Freude" (V. 18). Wir sind zur Freude geschaffen. Die reine Freude ist aber nur dann möglich, wenn wir den neuen Menschen anziehen und in Christo neugeschaffen werden. Deswegen sollen wir unsere Sakramente hochschätzen. Die heilige Taufe reinigt uns von den Sünden und ist für uns das Bad der Neugeburt. Das heilige Abendmahl gibt uns die Vergebung der Sünden und den Zuspruch des ewigen Lebens.

Prüfen wir uns, ob unsere Freude eine reine Freude in Gott ist. Prüfen wir uns, ob unsere Freude eine gottgefällige Freude ist. Gott hat Freude nur über die reine Freude. Er verspricht, dass er sich mit seinem Volk mitfreuen wird. „Ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über sein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens" (V. 19).

Die Freude, in welche wir berufen sind, ist mit der Gemeinschaft mit Gott gekrönt. Der Herr verspricht seinem Volk: „ehe sie rufen, will ich antworten, wenn sie noch reden, will ich hören" (V. 24).

Am Ende des Kirchenjahres, wenn unser Blick in die Ewigkeit gerichtet wird, hören wir aus der alttestamentlichen Prophetie die Zusicherung Gottes: Wir dürfen auf einen neuen Himmel und auf eine neue Erde warten.

In der Bibel sind einige von diesen prophetischen Zusagen mit der Bemerkung wiederholt, damit wir sie nicht vergessen, aber auf ihre Verwirklichung warteten. Diese Weisung befindet sich in der Offenbarung Johannes, in dem letzen Buch der Bibel. Auch dadurch wird angedeutet, dass wir das letzte Ziel noch vor uns haben. Wir sollen auf den neuen Himmel und auf die neue Erde warten - das ist die letzte Zusicherung und zugleich Forderung der Bibel.

Bitten wir unseren Herrn Gott, damit er uns Geduld beim Warten gebe. Bitten wir ihn, damit er aus uns für die Verdienste Christi neue Menschen mache. Bitten wir ihn, damit er uns die frohe Gewissheit gebe, dass wir in der Ewigkeit alles sehen werden, worauf wir jetzt warten und was wir jetzt hoffen. Amen.

 



Professor Juraj Bándy
Bratislava/Slowakei
E-Mail: bandy@fevth.uniba.sk

(zurück zum Seitenanfang)