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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

2. Sonntag im Advent, 09.12.2012

Predigt zu Jesaja 35:3-10, verfasst von Manfred Gerke

 

Steh auf!


„Steh auf, wenn du am Boden bist!" So singen die Toten Hosen. „Steh auf, wenn du unten liegst! Steh auf, es wird schon irgendwie weitergehn!" Ein großartiger Song, ein Lied gegen Resignation und Aufgeben. Ein Mutmachlied. - Und genau darum geht es in unserem Predigttext, ein Mutmachlied voller Hoffnung und Sehnsuchtsbilder. Ich lese Jesaja 35,3-10:

Stärket die müden Hände und macht fest die wankenden Knie! Saget den verzagten Herzen: „Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott! Er kommt zur Rache; Gott, der da vergilt, kommt und wird euch helfen."
Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden. Dann werden die Lahmen springen wie ein Hirsch, und die Zunge der Stummen wird frohlocken. Denn es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande. Und wo es zuvor trocken gewesen ist, sollen Teiche stehen, und wo es dürre gewesen ist, sollen Brunnquellen sein. Wo zuvor die Schakale gelegen haben, soll Gras und Rohr und Schilf stehen.
Und es wird dort eine Bahn sein, die der heilige Weg heißen wird. Kein Unreiner darf ihn betreten; nur sie werden auf ihm gehen; auch die Toren dürfen nicht darauf umherirren. Es wird da kein Löwe sein und kein reißendes Tier darauf gehen; sie sind dort nicht zu finden, sondern die Erlösten werden dort gehen.
Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen.

Ein Mutmachlied in trauriger Zeit

Ein Mutmachlied in trauriger Zeit. Wir kennen den Namen des Propheten nicht. Wir wissen auch nicht genau, in welcher Zeit er seine Stimme erhebt. Vermutlich waren viele aus der Gefangenschaft in Babylon schon heimgekehrt. Vermutlich befinden wir uns im 5. Jahrhundert vor Christus, die große Zeit der Perser. Israel war damals nur eine kleine, unbedeutende Provinz.

Das Leben war mühsam und trostlos, ein täglicher Kampf. Kein Silberstreif am Horizont. Was die Toten Hosen singen, trifft die Stimmung der Menschen damals: „Wenn du mit dir am Ende bist und du einfach nicht weiter willst, weil du dich nur noch fragst warum und wozu und was dein Leben noch bringen soll..."

Ja, das waren sie: am Boden, müde, verzweifelt, ohne Hoffnung. Und genau jetzt erhebt jener Prophet seine Stimme, singt sein Leid: „Stärket die schlaffen Hände und die erschöpften Knie festigt!" Das wünscht er, das will er, dass sie nicht am Boden bleiben, dass sie aufstehen, dass sie nach vorn schauen - voller Freude und Jubel. Er ruft es ihnen zu und hofft, dass viele diesen Ruf aufnehmen und weitergeben.

„Sagt zu den furchtsamen Herzen: Seid mutig! Fürchtet euch nicht!" Und er belässt es nicht nur beim Appell. Er fügt gleich den Grund hinzu, sagt ihnen, warum sie keine Angst mehr haben müssen, sondern mutig nach vorn schauen können. „Steh auf, es wird schon irgendwie weitergehn." Nein, nicht irgendwie. „Siehe, euer Gott! Die Rache kommt. Die Vergeltung Gottes. Er, er kommt und wird euch retten!" Wir zucken zusammen. Rache? Vergeltung? Können wir so von Gott singen und reden? Doch die deutschen Worte geben nur unvollkommen wieder, was der hebräische Text sagen will.

Es war auf unserer Kinder- und Jugendfreizeit in Möllenbeck. Da gab es in einem Zimmer Streit. Ich höre, wie es immer lauter und heftiger wird. Einer stand an der Tür und ruft: „Gerke kommt!" Und dann wurde es ruhig. Ich kam nicht als Rachegott, nicht um es denen mal ordentlich zu zeigen, sondern um die Situation zu befrieden. Wir haben versucht, den Konflikt zu lösen, die Streithähne reichten sich die Hand und es war wieder gut.

Genau darum geht es. Nicht um Rache und Vergeltung, sondern darum, dass Gott kommt und Recht schafft, eine ausweglose Situation sich öffnet, Gewalt und Unterdrückung ein Ende finden. Und Frieden wird. Ja, Frieden. Gottes Schalom. Nicht nur die Abwesenheit von Gewalt. Nicht nur das Schweigen der Waffen. Dann ist alles heil und ganz.

Und ich stelle mir vor, wie die Stimme des Propheten lauter wird, fröhlicher: „Dann werden aufgetan die Augen der Blinden und die Ohren der Tauben geöffnet. Dann wird der Lahme wie ein Hirsch springen und laut rufen die Zunge des Stummen." Gott kommt. Und das hat Folgen! Das verändert. Das heilt. Das nimmt alle Handicaps. Nicht mit angezogener Handbremse, nicht mit halber Kraft, sondern voller Freude wird der ehemals Stumme jubeln und der nicht gehen konnte springen wie ein Hirsch.

Und das ist noch nicht alles: „Denn es wird hervorbrechen in der Wüste Wasser und Bäche in der Steppe. Glühender Sand wird zum Sumpf und dürres Land zu Wasserquellen. Dort, wo Schakale lagerten, ist Platz für Rohr und Schilf." Gott kommt. Und wird euch retten. Sein Kommen heilt, heilt Menschen, heilt die Wüste. Leben ist möglich, Leben in Fülle. Ja, Wasser werden hervorbrechen. Die Wüste öffnet sich, spaltet sich, reißt auf. Glühender Sand, vermutlich ist damit eine Fata Morgana gemeint, eine Luftspiegelung, glühender Sand wird zum Sumpf oder Teich und dürres Land zu Wasserquellen.

Und wo sich sonst nur der Schakal herumtrieb, das typische Wüstentier, da ist jetzt Platz für Rohr und Schilf. In Nordafrika erzählt man sich von einem Beduinen, der sich immer wieder der Länge nach auf den Boden legt und sein Ohr auf den Wüstensand drückt. Stundenlang horcht er in die Erde hinein. Verwundert fragt ihn jemand: „Was machst du da eigentlich auf der Erde?" Der Beduine erhebt sich und antwortet: „Freund, ich horche, wie die Wüste weint. Sie möchte so gerne ein Garten sein."

Gott kommt. Und heilt. Heilt Menschen, heilt die Wüste. Sie wird zum Garten, zum Garten des Lebens, der Fülle. Und der Prophet wird noch lauter, noch fröhlicher: „Und es wird dort sein eine Aufschüttung, ein Weg, der heilige Weg wird er genannt. Und auf ihn wird kein Unreiner gehen. Und wer ihn begeht, selbst Törichte, verirrt sich nicht.

Der hebräische Text sei gestört, sagen die Ausleger. Doch das ist wohl gemeint: Ein breiter, aufgeschütteter Weg durch die Wüste, durch die einstige Wüste. Eine besondere Straße durch den prächtigen Garten. Und das ist erstaunlich, wer auf dieser Straße alles geht - oder auch nicht. Kein Unreiner. Weil es keine mehr gibt? Oder weil Gott sie gereinigt hat? Auf jeden Fall keiner, der Misstöne in dieses Jubellied mischt. Und die sonst die Orientierung verlieren, Törichte, die verlaufen sich nicht!

Und das Großartige: Niemand muss mehr Angst haben. Auf dieser Prachtstraße gibt es keine Löwen, dort kreuzen keine reißenden Tiere auf, keine Bären, keine Wölfe. „Dort gehen die Erlösten. Die Befreiten des Herrn kehren heim und sie kommen nach Zion mit Jauchzen. Ewige Freude über ihrem Haupt. Wonne und Freude holen sie ein und es fliehen Schmerzen und Seufzen." So singt, so jubelt der Prophet - und fängt an zu tanzen. Und vielleicht setzt er sich dabei einen Kranz auf den Kopf, einen Siegeskranz, einen Freudenkranz. Gott kommt und heilt und führt zum Ziel. Ja, ewige Freude über ihrem Haupt!

Doch wann wird das sein?

Doch wann, wann wird das sein? Klar, es gab immer wieder kurze Zeiten der Selbständigkeit, des Friedens, der Freude. Doch das Leben blieb bedroht, umkämpft. Nach den Babyloniern kamen die Perser, dann die Griechen, schließlich die Römer - und mit ihnen die Vertreibung aus dem Land.

Es war am 26. Oktober 1994 in En Avrona, feierliche Unterzeichnung des Friedensvertrags zwischen Israel und Jordanien. „Von diesem Rednerpult aus", sagte Yizhak Rabin, „schaue ich mich um, und ich sehe das Arava-Tal. Entlang des Horizonts auf jordanischer und auf israelischer Seite sehe ich nur Wüste. Es gibt beinahe kein Leben hier. Es gibt kein Wasser, keinen Brunnen und auch keine Quelle - nur Minenfelder. So waren die Beziehungen zwischen Israel und Jordanien in den letzten 47 Jahren: eine Wüste. Nicht ein grünes Blatt, keine Bäume, nicht eine ein­zige Blume. Von diesem Rednerpult aus schaue ich mich um und sehe das Arava-Tal - und ich sehe Sie: unsere Generation und die nächste. Wir sind es, die das Ödland in eine fruchtbare Oase verwandeln werden. Aus dem eintönigen Braun und dem düsteren Grau wird ein frisches, sattes Grün hervorbrechen."

Und Bill Clinton ergänzte: „Die Wüste wird sich freuen, wie Jesaja prophezeite, und die Steppe soll jubeln und blühen. Hier wird Ihr Volk Wasser aus demselben Brunnen trinken und zusammen die Früchte des Weinstocks genießen. Seien Sie gewiss, dass jedes Menschenleben, das auf der langen Straße, die uns zu diesem Tag führte, geopfert wurde, erlöst wird, wenn Sie diesen günstigen Augenblick nutzen. Sie werden den Hass in unseren Herzen töten, und Sie werden an Ihre Kinder einen Frieden weitergeben, der über Generationen Bestand hat."

Rabin lebt leider nicht mehr. Die amerikanische Nahostpolitik hat ihr Ziel verfehlt. Frieden ist nicht in Sicht. Der Hass tobt schlimmer als zuvor. Es ist Krieg in Palästina/Israel.

Ewige Freude über ihrem Haupt. Wann, wann wird das sein? - Als Johannes der Täufer im Gefängnis des Herodes sitzt, schickt er seine Jünger zu Jesus und lässt ihn fragen: „Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?" Und dann antwortet ihm Jesus mit dem Mutmachlied des Propheten: „Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören." Und er fügt noch hinzu: „Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündigt."

Das Reich Gottes ist nahe, ist mitten unter uns. Gottes Herrlichkeit bricht in unsere Welt. Der Lahme nimmt seine Trage und geht. Die Klageweiber beenden ihren traurigen Auftritt, denn die Tochter des Jairus läuft fröhlich umher. Die Aussätzigen lassen sich ihre Heilung bescheinigen. Fünftausend werden in der Wüste satt. Und der tosende Sturm auf dem Meer verstummt. Gott kommt! Sein Reich - mitten unter uns.

Das ist wahr. Und doch gibt es noch Leid und Tränen, ist unsere Welt noch kein Paradies. Bleibt unser Mutmachlied eine Fata Morgana, immer wieder angestimmt, immer wieder erhofft, ersehnt - und immer wieder wie nichts verschwunden? Eine trügerische Täuschung? Ein Lied vom Sankt Nimmerleinstag? Berthold Brecht hat es gedichtet. Es beginnt mit einer Anspielung auf die Geburt Jesu:

   Eines Tags, und das hat wohl ein jeder gehört
   Der in ärmlicher Wiege lag
   Kommt des armen Weibs Sohn auf 'nen goldenen Thron
   Und der Tag heißt Sankt Nimmerleinstag.
   Am Sankt Nimmerleinstag
   Sitzt er auf 'nem goldenen Thron.

   Und an diesem Tag zahlt die Güte sich aus
   Und die Schlechtigkeit kostet den Hals
   Und Verdienst und Verdienen, die machen gute Mienen
   Und tauschen Brot und Salz.
   Am Sankt Nimmerleinstag
   Da tauschen sie Brot und Salz.

   Und das Gras sieht auf den Himmel hinab
   Und den Fluss hinauf rollt der Kies
   Und der Mensch ist nur gut. Ohne dass er mehr tut
   Wird die Erde zum Paradies.
   Am Sankt Nimmerleinstag
   Wird die Erde zum Paradies.

   Und an diesem Tag werd ich Flieger sein
   Und ein General bist du
   Und du Mann mit zuviel Zeit kriegst endlich Arbeit
   Und du armes Weib kriegst Ruh.
   Am Sankt Nimmerleinstag
   Kriegst armes Weib du Ruh.

   Und weil wir gar nicht mehr warten können
   Heißt es, alles dies sei
   Nicht erst auf die Nacht um halb acht oder acht
   Sondern schon beim Hahnenschrei.
   Am Sankt Nimmerleinstag
   Beim ersten Hahnenschrei.

In seinem Theaterstück „Der gute Mensch von Sezuan" singt der Bräutigam dieses Lied. Er singt es auf seiner Hochzeitsfeier, die gerade geplatzt ist, die meisten Gäste schon gegangen, singt vor fast leeren Stühlen. Und kaum hat er geendet sagt eine Frau: „Er kommt nicht mehr."

Der wichtige Gast, auf den man vergeblich wartete und den es gar nicht gibt: Er kommt nicht mehr. Der Tag, an dem alles anders wird: Er kommt nicht mehr. Alles nur eine Fata Morgana. Ein Mutmachlied ohne Grund. Ein Sehnsuchtslied ohne Ziel. Hoffen und Harren hält viele zum Narren. - Manchmal denken wir genauso.

Die Werdewelt Gottes

Und Martin Luther hat das auch erlebt. Eines Tages wird es in seinem Studierzimmer still. Tiefe Schwermut und bange Verzweiflung bringen Luther zum Verstummen. Er spricht nicht mehr, er arbeitet nicht mehr, er betet nicht mehr. Stumpf und dumpf brütet Luther unter dem dunklen Schatten der Trau­rigkeit dahin. Seine Frau Käthe macht sich ernste Sorgen. Wie kann sie ihrem Mann helfen?

Kurz entschlossen zieht sie schwarze Kleider an und klopft an seine Arbeitszimmertür. Erschrocken sieht Luther auf, als seine Frau in Trau­erkleidern eintritt. „Wer ist denn gestorben?" fragt er ängstlich. Seine Frau antwortet: ,,Gott ist gestorben! Wenn du nicht mehr arbeitest und betest, sprichst und singst, dann ist Gott tot und hat keine Macht!" Wie ein Blitz trifft es Luther. Weit haben ihn Anfechtung und Mutlosigkeit von Gott fortgetrieben. Gott lebt. Zum Verzweifeln ist kein Grund. Und er ist am Werk. Und wir leben, als sei er tot. Eine helle Sonne bricht durch die dunkle Nebelwand von Verzweiflung und Trauer. Ein befreiter Luther geht wieder an die Arbeit.

Gott ist am Werk. Auch wenn wir es manchmal nicht sehen. „Ich erinnere mich an eine Kabarettszene aus den frühen fünfziger Jahren", erzählte Ernst Lange, „als man sich hier in Berlin noch über den kommunistischen Staat da drüben lustig machte. Da war auf der Bühne eine Trümmerwand aufgebaut, und ein Funktionär fragte ei­nen jungen Menschen im Blauhemd der FDJ: Was siehst du da? Der Junge sagte: Ich sehe eine Trümmerwand. Falsch, sagte der Funktionär. Was du da siehst, ist ein Bahn­hof. Aber es ist doch nur eine Trümmerwand, stotterte der Junge. Du musst dialek­tisch sehen lernen, sagte der Funktionär. Die Partei hat beschlossen, dass hier ein Bahnhof entstehen wird. Und also ist dies praktisch schon ein Bahnhof, man muss nur das Morgen schon mit sehen."

Darauf kommt es an: das Morgen schon mit sehen. So wie der Mann mit dem Guck. Eine jüdische Legende erklärt, was der „Guck" bedeutet und bewirkt. Zwei Chassidim, zwei Fromme, debattierten über die seheri­schen Kräfte ihrer Rabbinen. „Unser Rabbi", hebt der Ers­te an, „hat schon im Voraus gewusst, dass am Sabbat die Sonne scheinen wird, obgleich es die Woche regnete."

„Nicht schlecht", gesteht der Zweite, „doch unser Rabbi hat gesehen, dass am Passah in Berdischew eine neue Sy­nagoge stehen würde." „Ich war Passah dort. Man betet nach wie vor in der alten, baufälligen Schule", protestiert sein Gegenüber. „Das ist unwichtig. Was zählt, ist der Guck. Unser Rabbi weiß, dass Berdischew eine neue Schule braucht, und er tut alles, dass sie kommen wird."

Der Mann mit dem Guck ist einer, der sieht, der schärfer sieht, das Morgen schon mit sieht, der die Welt als Werdewelt Gottes sieht, eine Welt in Arbeit. Und er tut alles, dass sie kommen wird. - Ich las von Christen in Afrika. Die stimmten fröhlich mit ein in das Sehnsuchtslied des Propheten. Die klatschten und tanzten zu seinen Worten und sagten immer wieder: Ja, so wird es sein! Und sie tun alles, dass es so kommen wird. Mehr als 250.000 Katecheten gehen mit ihnen durch dick und dünn, suchen den Aids-Waisen Eltern, schenken den Kranken neuen Mut, erproben verschiedene Saatmethoden und erstellen moderne Bewässerungssysteme.

„Steh auf, wenn du am Boden bist! Steh auf, wenn du unten liegst! Steh auf, es wird schon irgendwie weitergehn!"! Und wir haben allen Grund, mit einzustimmen. Denn unsere Welt ist eine Welt in Arbeit, die Werdewelt Gottes. Er ist am Werk:

   Die Erde ist schön,
   und es lebt sich leicht im Tal der Hoffnung.
   Gebete werden erhört.
   Gott wohnt nah hinterm Zaun.

   Die Zeitung weiß keine Zeile vom Turmbau.
   Das Messer findet den Mörder nicht.
   Er lacht mit Abel.

   Das Gras ist unverwelklicher grün als Lorbeer.
   Im Rohr der Rakete nisten die Tauben.
   Nicht irr surrt die Fliege an tödlicher Scheibe.
   Alle Wege sind offen.
   Im Atlas fehlen die Grenzen.

   Das Wort ist verstehbar.
   Wer ja sagt, meint ja,
   und ich liebe bedeutet:
   jetzt und für ewig.

   Der Zorn brennt langsam.
   Die Hand des Armen ist nie ohne Brot.
   Geschosse werden im Flug gestoppt.

   Der Engel steht abends am Tor.
   Er hat gebräuchliche Namen
   und sagt, wenn ich sterbe:
   Steh auf!

(Rudolf Otto Wiemer)





Pastor der Ev.-ref. Kirchengemeinde Stapelmoor und Präses des Synodalverbands Rheiderland der Ev.-ref. Kirche, Manfred Gerke
26826 Weener
E-Mail: Gerke.Manfred@t-online.de

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