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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

3. Sonntag im Advent, 16.12.2012

Predigt zu Jesaja 40:1-11, verfasst von Mirko Peisert

 

Liebe Advents-Gemeinde!

Vor ein paar Tagen bekam ich einen Anruf aus der Redaktion unserer Zeitung „Herr Peisert, ich habe einen Anschlag auf sie vor, ich habe eine Bitte, würden sie in diesem Jahr für unsere Weihnachtsausgabe eine Grußwort schreiben? So etwa 30-40 Zeilen bis zum 15. Dezember, dann ist Redaktionsschluss."

Und ich sprach: Was soll ich predigen?

Da spricht eine Stimme: Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des HERRN Odem bläst darein.

Wie bitte? Was soll ich predigen?

Ja, Gras ist das Volk! Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.

Was hätten sie gedacht, wenn sie dieses Grußwort zu Weihnachten von mir in der Zeitung gelesen hätten? Wahrscheinlich hätten sie den Kopf geschüttelt, was sich der Pastor da wieder ausgedacht hat!

Alles Fleisch ist Gras und all seine Güte verdorrt wie eine Blume...

Das passt zur Beerdigung aber nun wirklich nicht zu Weihnachten? Zum Fest der Kinder! Dem Fest der Liebe!

Oder vielleicht doch?

Liebe Gemeinde,

Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch all, zur Krippe her kommet in Bethlehems Stall."

So werden wir Weihnachten wieder singen! Aber wurde Jesus wirklich in einem Stall geboren? Wer die Bibel genau liest, der wird nichts von einem Stall finden, nur von der Krippe berichtet.

Russische Ikonen zeigen die Geburt Jesu deshalb auch nicht in einem Stall. Auf orthodoxen Ikonen wird Jesus in einer Höhle geboren. Auch davon steht nichts in der Bibel, aber zur Zeit Jesu war es nichts ungewöhnliches in einer Höhle zu leben und Höhlen als Unterkunft für Tiere zu benutzen.

Also eine Höhle und kein Stall? - Das wissen wir nicht! Mich fasziniert etwas anderes an dieser Höhle!

Denn diese Höhle der russischen Ikonen das ist zugleich die Grabeshöhle, das Grab, in das Jesu Leichnam einmal gelegt werden wird, die Höhle ist Symbol für den Anfang des Lebens, die Geburt und Symbol für den Tod zugleich.

Die Windeln, in die das Jesuskind gewickelt wird, werden zugleich zu den Leichentüchern in die Jesus einmal als Toter eingewickelt werden wird.

Wer auf die Weihnachtsikone schaut, der sieht die Geburt und den Tod zusammen.

Die Ikonen zeigen in der Weihnachtsgeschichte auch immer schon den Tod. Sie verbinden Geburt und Sterben Jesu. Anfang und Ende. Licht und Schatten.

Die Ikonen zeigen:

Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt;

Das ist schrecklich, mögen sie vielleicht denken. Warum dieses Fest gleich durch Todesgedanken kaputt machen?

Aber ich bin sicher, die Erinnerung an den Tod und das Sterben macht dieses Fest nicht kleiner, sondern nur noch größer, das macht das Kind von Bethlehem noch gewaltiger. Da kann man noch viel mehr staunen:

Gott wird Mensch
Gott macht sich klein, wird Kind
Nicht nur das: er setzt sich damit auch dem Tod aus.
Er teilt auch das Sterben und den Tod mit uns.

Das mag befremdlich klingen, aber der Prophet beschert uns tatsächlich kein einfaches süßliches Weihnachten, wo alles nur schön ist. Er macht es uns nicht leicht.

Aber die vier Adventswochen vor Weihnachten die sollen eigentlich auch dazu da sein sich vorzubereiten, sich bereit zu machen, - ich weiß das ist fast verloren gegangen, mir scheint unsere Adventszeit schon manchmal wie ein vorgezogenes Weihnachtsfest

Doch in der Adventszeit geht es zuerst einmal um die Vorbereitung auf Weihnachten, wie Jesaja sagt:

Bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden;

Klingt wie eine riesige Schnellstraße für Gottes Ankunft. Eine Weihnachtsautobahn. Nur nicht für den Weihnachtsmann mit seinem Rentierschlitten, damit er schneller mit den Geschenken ist, oder den Zalando-Postboten, sondern für Gott.

Berge müssen verschwinden, Täler müssen aufgefüllt werden, damit Gott kommen kann.

Klingt nach viel Arbeit! Dabei haben wir in der Adventszeit sowieso schon so viel zu tun.

Schmücken und putzen, Geschenke finden, Weihnachtsbaum aussuchen, Plätzchen backen.

Weihnachten heißt Arbeit, das stimmt. Die eigentliche Arbeit im Advent ist aber die Arbeit an uns selber.

Ich selbst soll mich bereit machen für Gottes Kommen, meine Berge abtragen, meine Täler auffüllen und mein Leben begradigen, damit es Weihnachten werden kann, damit Gott zu mir kommen kann.

Bereitet dem HERRN den Weg, Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden;

Welche Berge sind das in meinem Leben, die ich abtragen möchte. Die mir den Weg zu Gott verstellen!

Ja, Was müsste ich aus dem Weg räumen, damit das Kind kommen könnte? Was verstellt mir den Weg zu Gott?

Welche Täler gibt es in meinem Leben? Welche Untiefen gibt es, in die gar kein Licht kommt und in denen ich gefangen bin.

Da ist vielleicht meine Einsamkeit, das Alleinsein, in dem ich wie in einem tiefen und dunklen Tal gefangen bin, wo kaum noch Licht hereinkommt.

Oder da ist vielleicht die Sorge um meine Gesundheit, das ist auch wie so ein finsteres Tal. Manchmal da kann ich an gar nichts anderes mehr denken. Das verstellt mir den Weg für Gott.

Da ist kein Weg mehr frei für Gottes Ankunft.

Welche Wege in meinem Leben müssten begradigt werden? Wo bin ich vielleicht krumme Touren gegangen, wo habe ich eigentlich noch ein schlechtes Gewissen, weil ich nur halbrichtiges gesagt habe, wo ich nur halb die Wahrheit gesagt habe?

Bereitet dem HERRN den Weg, Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade,

Ich glaube es ist genauso richtig auch noch einmal anders zu fragen: Nämlich, wem kann ich helfen den Weg zu bereiten? Wo kann ich anderen den Weg frei machen, das die Weihnachtsfreude einziehen kann?

Noch ein letzter Gedanke!

Bereite dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott!
Siehe, da kommt Gott der HERR! Er kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen.

Sein Kommen wird gewaltig sein. Wie ein großer Herrscher wird er kommen, so hat es sich der Prophet vorgestellt!

Was hätte der Prophet gesagt, wenn er Weihnachten, den Stall miterlebt hätte?
Vielleicht hätte er gestaunt?
Vielleicht hätte er sich gewundert?
Vielleicht hätte er auch verstanden:

Ja, Gott ist groß, er ist gewaltig
Gewaltig ist er weil er sich klein macht.
Gewaltig ist er, weil damit seinen Menschen ganz nah kommt.
Gewaltig ist er, weil er arm wird und klein, um unsere Schwachheit zu teilen.
Weil er selbst den Tod auf sich nimmt, um uns vom Tod zu befreien.
Weil er die Menschen liebt.
Das ist gewaltig.

 

AMEN

 

Lesung

Einleitung der Lesung:

Immer neue Stimmen hört er in seinem Herzen und er weiß, er ist ein Profet Gottes. Gott hat ihn auserwählt für ihn zu predigen.

Er ist noch ein Anfänger und noch ohne große Erfahrung.

Aber er weiß genau, er will vieles verändern, er will vieles anders machen als seine Kollegen, so vieles ist da, was ihm auf der Seele brennt, was ihn umtreibt.

Gott hat ihn auserwählt zu predigen: Der Herr ist nah! Gott wird kommen. Ja, es ist Adventszeit. Zeit für Gottes Kommen. Advent.

Deuterojesaja haben ihn Wissenschaftler genannt. Ich lese aus dem erste Kapitel seines Buches.

P: Und Gott sprach:

Sprecher 1 (Altar): Tröstet, tröstet mein Volk! Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist; denn sie hat doppelte Strafe empfangen von der Hand des HERRN für alle ihre Sünden.

P: Da ruft eine Stimme:

Sprecher 2 (Lesepult): In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden; denn die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des HERRN Mund hat's geredet.

P: Da spricht eine Stimme:

Sprecher 1: Predige!

P: und ich sprach:

Sprecher 2: Was soll ich predigen?

Sprecher 1: Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des HERRN Odem bläst darein. Ja, Gras ist das Volk! Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.

P: Da spricht eine Stimme:

Sprecher 2: Siehe, da ist Gott der HERR! Er kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen. Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her.

Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte. Er wird die Lämmer in seinen Arm sammeln und im Bausch seines Gewandes tragen und die Mutterschafe führen.

 



Pastor Mirko Peisert
31275 Lehrte-Steinwedel
E-Mail: Mirko.Peisert@kirchenkreis-burgdorf.de

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