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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

1. Weihnachtstag, 25.12.2012

Predigt zu Psalter 2:1-12, verfasst von Juraj Bándy

 

Liebe festliche Gemeinde! Liebe Brüder und Schwestern in Christo!

Bestimmt kennt ihr das Gefühl, das wir weihnachtliches schlechtes Gewissen nennen könnten. Das schlechte Gewissen sagt dem Menschen an Weihnachten: Du lobst jetzt Gott mit Freude, singst und hörst die Predigt, dann gehst du nach Hause, wo es warm ist und der Tisch voll mit guten Speisen beladen ist. Du fühlst dich wohl im Familienkreis, aber dafür ist es notwendig, dass du für zwei, drei Tage die Welt um dich herum vergisst. Ist das nicht der Preis für die Weihnachtsfreude?

Es gab in dieser Welt nie solch ruhige, gute und friedliche Zeiten, dass das schlechte Weihnachtsgewissen nicht die Fragen stellte:

Kann man in einer unruhigen Welt feiern? Kann man die Feiertage in Ruhe verbringen, wenn viele Völker in Aufstand und Unruhe sind? Kann man sich der Freude in einer Welt übergeben, wo Hunger, Ungerechtigkeit und Streben nach unnützen Dingen herrscht? Kann man eine ungestörte Weihnachtsfreude haben, wenn die Welt, die sich gegen Gott auflehnt, sich in Unruhe befindet? Verschließen wir nicht die Augen: Wir leben in einer solchen Welt. In einer Welt, die sich gegen Gott auflehnt, in einer Welt, die das Gesetz Gottes als Bande und Stricke empfindet, die es zu zerreißen und wegzuwerfen gilt, weil sie die freie Bewegung hindern.

Können wir Weihnachten feiern, wenn wir an all das denken? Kann man Weihnachten in einer Welt feiern, die gegen Gott rebelliert? Oder können wir die feierliche Ruhe und Bequemlichkeit erst dann haben, wenn wir all das mindestens für ein paar Stunden vergessen oder außer Acht lassen?

Diese Fragen des schlechten Weihnachtsgewissens beantwortet uns der Bibeltext, der heute als Grundlage der Predigt dient:

Vorlesen des Textes Psalm 2, 1 - 1

Liebe Brüder und Schwestern!

Die Beschreibung der Situation, die wir am Anfang des Psalms lesen, passt auf unsere Welt: „Warum toben die Heiden und murren die Völker so vergeblich? Die Könige der Erde lehnen sich auf, und die Herren halten Rat miteinander wider dem Herrn" (V. 1 - 2).

Wie viele Völker toben! Das erste für die Unabhängigkeit, das zweite für einen größeren Einfluss in der Welt, das nächste für ein größeres Territorium, das nächste für ein größeres Stück Brot und das nächste für ein anderes Gesellschaftssystem.

Wie viele unnütze Dinge tut der Mensch, der Gott vergessen hat. Immer sucht er nach etwas Neuem, aber am häufigsten sehnt er sich nach vergeblichen und nutzlosen Dingen.

„Die Könige der Erde ... halten Rat miteinander wider dem Herrn." Wer könnte die Bündnisse, Pakte, Koalitionen aufzählen, die zum Ziel haben, jemandem Schaden zuzufügen, was einer Rebellion gegen das Liebesgebot Gottes gleich kommt!

Kann man in einer solchen Welt Weihnachten feiern? Ja, man kann. Man kann es sogar auch dann, wenn wir die Welt in den feierlichen Stunden nicht außer Acht lassen. Man kann Weihnachten feiern, wenn wir wissen, wie Gott auf solche Situationen in der Welt reagiert.

Wie reagiert Gott auf die Rebellion, die gegen Ihn gerichtet ist?

1. Er lacht. „Aber der im Himmel wohnt, lachet ihrer, und der Herr spottet ihrer" (V. 4). Gott lacht über die Völker, die gegen Ihn rebellieren. Er lacht über die, die unnützen Dingen nachjagen. Er lacht über die Mächtigen dieser Welt, die sich gegen Ihn sammeln und gegen Ihn Bündnisse schmieden. Gott lacht.

Das Lachen ist ein Zeichen der Überlegenheit über jemanden oder über etwas. Wenn ich über etwas lache, dann betrachte ich dieses etwas als ungefährlich und fühle mich darüber erhaben.

Gott lacht. Du angsterfüllter Mensch, der du so viele Ängste hast, der du um die Kirche, um die Sache des Evangeliums, um die Zukunft der Welt Angst hast, sollst wissen, dass Gott lacht. Gott lacht und das soll dir Mut und Zuversicht geben. Gottes Lachen soll der Grund deiner Freude sein. Gottes Lachen soll dich anstecken und beherrschen.

Gott lacht. Du gegen Gott rebellierender Mensch, der du Gottes Forderungen wegwerfen möchtest, weil du sie als Fesseln und Stricke bei deinem sündigen Tun empfindest und beim bösen Tun frei sein möchtest, sollst wissen, dass Gott über deine vergeblichen Bemühungen lacht. Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Gott ist der Erste und auch der Letzte. Er hat das letzte Wort. Er wird zuletzt lachen. Trachte nicht danach, dass du Gegenstand von Gottes Lachen wirst.

2. Gott lacht. Er tut aber auch noch etwas Anderes. Er sendet seinen Sohn in die Welt. „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt" (V. 7).

Heute erinnern wir uns an die Ankunft des Sohnes Gottes in diese Welt. Wir freuen uns, dass Jesus Christus im jüdischen Bethlehem geboren wurde. Heute vergegenwärtigen wir, dass Gott seinen Sohn in eine solche Welt gesandt hat, die gegen Ihn rebelliert.

Er tritt gegen die sündhafte Welt nicht mit Strafe, Gewalt, Zorn oder Zerstörung auf, sondern sendet seinen Sohn. Ein kleines Kind. „Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen" (L 2, 12).

Gottes Antwort auf den Aufstand der Welt ist das Kind von Bethlehem. Ein Säugling in Windeln gewickelt in einer Krippe.

Wie viele sind diejenigen, die seit je bis heute sagten und sagen: Wenn Gottes Sohn so schwach ist, dann können wir uns mutig gegen Ihn auflehnen. Als Er geboren wurde, stand Herodes gegen Ihn auf.

Der größte Aufstand des Menschen gegen Gott war die Kreuzigung Jesu Christi, den Gott für die Rettung der Welt gesandt hatte. Damals erfüllten sich die Worte des Psalmisten: „Die Könige der Erde lehnen sich auf, und die Herren halten Rat miteinander wider dem Herrn und seinen Gesalbten" (V. 2). Die Erfüllung dieses Psalmwortes sahen die ersten Christen in der Kreuzigung Jesu, wenn sie beteten: „Wahrhaftig, sie haben sich versammelt in dieser Stadt gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und den Stämmen Israels, zu tun, was deine Hand und dein Ratschluß zuvor bestimmt hatten, daß es geschehen solle" (Apg 4, 27 - 28).

Herodes und Pontius Pilatus waren die Könige und Fürsten, die sich gegen den Gesalbten Gottes verbündeten. Die Heiden und das Volk Israels waren die vergeblich murrenden Nationen. Wie viele Könige, Fürsten, Mächtige haben ihm gefolgt! Wie viele Nationen haben sich diesem Aufstand angeschlossen!

Gott hat aber jenen Aufstand unterdrückt und zum Niedergang verurteilt, als er seinen Sohn vom Tode auferweckt hat. Der Sohn Gottes hat gegen den Aufstand triumphiert.

Er triumphiert, weil er zwar in der Gestalt eines schwachen Menschen in die Welt gekommen ist, aber ein König ist, der Vollmacht hat. Der Herr sagt von Ihm: „Bitte mich, so will ich dir Völker zum Erbe geben und der Welt Enden zum Eigentum. Du sollst sie mit einem eisernen Zepter zerschlagen, wie Töpfe sollst du sie zerschmeißen" (V. 8 - 9). Gott hat das Gericht in Seine Hände gegeben. Er kann die Aufständischen zerschlagen und wie Töpfe zerschmeißen.

3. Lieber Bruder, liebe Schwester, rebelliere also nicht gegen den Herrn und gegen seinen Gesalbten. Schließe dich nicht dem Aufstand an, der gegen Gott und gegen seinen Gesalbten gerichtet ist, sondern trau auf Ihn, denn „wohl allen, die auf ihn trauen!" (V. 12).

Wohl dir und du bist selig, wenn du bei dem Kind von Bethlehem Zuflucht suchst, das Gott zur Rettung der unruhigen Welt gesandt hat. Du bist glücklich und selig, wenn du das Kind, gegen das die ganze Welt vergeblich rebelliert, als deinen König annimmst. Du bist glücklich und selig, wenn du bei Ihm die Ruhe deiner Seele suchst, weil der lachende Gott Ihn gesandt hat. Du bist selig, wenn du bei Ihm die Vergebung der Sünden sucht, weil Er die Macht hat, nicht nur zu richten, sondern auch die Sünden zu vergeben. Du bist selig, wenn du bei Ihm das Leben suchst, weil Er dafür gekommen ist, damit wir „das Leben und volle Genüge haben sollen" (J 10, 10). Du bist selig, wenn du dich Seiner Herrschaft unterwirfst, weil sie zwar eine verborgene, aber eine wirkliche Herrschaft ist. Du bist selig, wenn du nicht nur das Kind - was allen Augen sichtbar ist - in Ihm erblickst, sondern auch den Sohn Gottes und den von Gott eingesetzten Richter der Lebendigen und den Toten.

Ich wünsche euch, dass ihr trotz der Unruhen und Aufständen in der Welt weihnachtliche Freude haben könnt, die sich auf dem lachenden Gott gründet. Ich wünsche euch ein Weihnachten, in welchem ihr die Seligkeit in dem geborenen Heiland, den Gott für unsere Rettung gesandt hat, findet. Selig sind alle und wohl allen, die auf Ihn trauen. Amen.

 



Prof. Dr. Juraj Bándy
Bratislava
E-Mail: bandy@fevth.uniba.sk

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