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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

2.Weihnachtstag, 26.12.2012

Predigt zu Jesaja 11:1-9, verfasst von Peter Huschke

 

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserm Vater, und unserm Herrn, Jesus Christus!

Liebe weihnachtliche Gemeinde!

Die Worte aus dem heutigen Predigttext wurden auch schon vorgestern am Heiligen Abend vorgelesen. Wir haben sie gehört als Erwartungen des Volkes Israel an Gott, die den ersten Christen und Christinnen halfen, Jesus Christus zu verstehen.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag hören wir sie wieder als Erwartungen, die jüdische und christliche Menschen bis heute an Gott haben. In diesen Worten wird zugleich ausgesprochen, wie Menschen Gottes Nähe und Begleitung schon immer erlebt haben.

Es sind Erwartungen an Gott, die sich als Hoffnungen der Menschen bewährt haben. Wir Christen fühlen uns an Weihnachten bestärkt, an diesen Erwartungen und Hoffnungen festzuhalten. Wir dürfen da sehen und glauben, dass sie in dem Kind in der Krippe, in Jesu Leben, Sterben und Auferstehen Wirklichkeit werden.

Hören wir also, was wir aus diesen Weihnachtstagen an Erwartungen an Gott und als bewährte Hoffnung für unseren Alltag mitnehmen können. Ich lese die Verse 1 bis 9 aus dem neunten Kapitel des Buches Jesaja:

(Textverlesung)

Die erste Erwartung an Gott, die als bewährte Hoffnung für unseren Alltag formuliert wird, betrifft unser Verhältnis zu Gott:

Das Kind in der Krippe, Jesus Christus, kann uns Vorbild sein in der Furcht des Herrn. Jesus hat sich ganz auf seinen Vater, auf Gott verlassen. Das hat ihn nicht vor Schlimmem bewahrt, schon gleich gar nicht vor dem Tod. Aber er hat durch seine Gottesfurcht mit den Schwierigkeiten seines Lebens umgehen können. Mitten in seiner Angst vor dem Sterben, hat er Gott noch alles zutrauen und ihm sagen können: Dein Wille geschehe!

Sein Vertrauen auf Gott war stärker als alles, was Menschen ihm angetan haben. Sein Vertrauen auf Gott hat gehalten trotz aller Versuchung, die Dinge doch lieber selber in die Hand zu nehmen und dabei sehenden Auges gegen Gottes Willen zu handeln und auf Gewalt gegen Gottes geliebte Menschen zu vertrauen.

Der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn wird so auch uns als Heiliger Geist über die Weihnachtstage hinaus begleiten.

Jesus Christus hat uns bei unserer Taufe solche Gottesnähe versprochen: Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Mit dieser Zuversicht dürfen wir aus den Weihnachtstagen in den Alltag zurückkehren.

 

Die zweite Erwartung an Gott, die als bewährte Hoffnung für unseren Alltag im Buch Jesaja formuliert wird, betrifft unser Verhältnis zu unseren Mitmenschen.

Die Furcht des Herrn, seine im Leben Jesu für uns aufleuchtende Weisheit und sein Verstand werden im Alltag unser Verhalten gegenüber unseren Mitmenschen verändern.

Sie merken, liebe weihnachtliche Gemeinde: Großes Gottvertrauen führt hier zu großem Vertrauen darauf, dass wir Menschen als von Gott Beschenkte im Alltag etwas bewegen können:

Man wird nirgends Sünde tun noch freveln auf meinem heiligen Berge; denn das Land wird voller Erkenntnis des Herrn sein, wie das Wasser das Meer bedeckt.

Viel wird den Menschen, die in Gott ihr Heil sehen dürfen, da zugetraut.

Es soll werden wie beim Kind in der Krippe: Menschen mit ganz unterschiedlichem sozialen Ansehen finden zusammen: Die von allen wegen ihrer dreckigen Arbeit verachteten Hirten und die angesehenen akademisch gebildeten Weisen, die in Bethlehem seit Generationen beheimateten Hirten und die in Bethlehem fremden Ausländer, die von König Herodes des Umsturzes verdächtigt werden. Gott interessiert sich für die oft sogar in sich widersprüchlichen Vorurteile von uns Menschen gegeneinander nicht.

Jesus hat nicht nach dem gerichtet, was er vor Augen hatte. Er hat der Ehebrecherin eine zweite Chance gegeben und ihren Anklägern die Chance, ihr Menschenbild und ihr Gottesbild zu ändern. Niemanden wollte er bloß stellen und ohne Liebe allein lassen.

Jesus hat nicht nach dem sein Urteil gesprochen, was seine Ohren von anderen gehört haben.

Dem als Kollaborateur der Besatzungsmacht verdächtigten Zachäus hat er zugetraut, dass in ihm genügend Gottesliebe und Nächstenliebe vorhanden ist, um sich mit seinen Mitbürgern in Israel zu ändern.

Der von allen verachteten Samaritanerin hat er mehr Glauben an Gott zugetraut als den Menschen in seiner geliebten Heimat Israel.

Auch dem verzweifelt aus Schmerz über sein krankes Kind schreienden römischen Hauptmann hat er Gottes Nähe nicht versagt, obwohl er nach unseren Maßstäben keinen Glauben aufzuweisen hatte.

Den Reichen hat er die Illusion genommen, mit Reichtum ihr Leben in der Hand zu haben. Er hat ihnen die Armen als ihre Aufgabe vor Augen gestellt. So hat Jesus dem reichen Jüngling liebevoll hinterher geschaut in der Hoffnung, dass er sich Jesu Worte zu Herzen nimmt. Jesus wollte ihn dazu bringen, jetzt schon etwas vom Reich Gottes zu erfahren. Der reiche Jüngling sollte frei werden, sich andern zuzuwenden. Er sollte davon befreit werden, nur auf seine eigenen Verdienste zu schauen. Gerechtigkeit war für Jesus der Gurt seiner Lenden und die Treue der Gurt seiner Hüften.

Auf solche Bekleidung in unserm Alltag als Begleitung durch Gott dürfen wir auch für die Tage nach Weihnachten rechnen.

Bei unserer Taufe hat Jesus uns dazu eingeladen, dass wir so in alle Welt, also auch in unsere kleine Welt hineingehen, von seinem Evangelium erzählen und aus ihm leben Das können wir schaffen. Mit dieser Zuversicht dürfen wir aus den Weihnachtstagen in den Alltag in aller Treue zu Gott und mit allem Einsatz für Gerechtigkeit zurückkehren.

 

Die dritte Erwartung an Gott, die als bewährte Hoffnung für unseren Alltag im Buch Jesaja formuliert wird, umfasst nun mit einem kühnen Bild die ganze Welt mit ihrer Zukunft:

Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. Kühe und Bären werden zusammen weiden, dass ihre Jungen beieinander liegen, und Löwen werden Stroh fressen wie die Rinder. Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein entwöhntes Kind wird seine Hand stecken in die Höhle der Natter. Man wird nirgends Sünde tun noch freveln auf meinem heiligen Berge; denn das Land wird voller Erkenntnis des Herrn sein, wie das Wasser das Meer bedeckt.

Gott wird alles in allem sein und Frieden auf Erden für die Menschen seines Wohlgefallens. Wir Menschen dürfen uns mit diesen Bildern von Gottes Frieden für uns, für unsere Natur und für unsere Welt auf den Weg machen.

Unser Vertrauen auf Gott und unser Einsatz für seine Schöpfung und seine Geschöpfe, unsere Nächsten, lassen in uns solche Bilder der Hoffnung begründet weiter wirken. Diese Bilder bestärken uns darin, Gott alles zuzutrauen und im Vertrauen darauf unseren Alltag anzupacken.

Jesus hat sich festgelegt: Was ihr diesem von meinen geringsten Brüdern und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan. Er nennt dann die Fremden, die Hungernden, lauter Menschen, die unsre Hilfe brauchen und denen wir im Alltag helfen können. In ihnen begegnen wir Gott selben. Für sie können wir Gottes Boten, die Engel von Weihnachten sein.

Jesus versichert uns: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Herz und Verstand, Bleiben und Weitergehen, Erfolg und Versagen hat Jesus für uns mit auf dem Bildschirm seiner Liebe zu uns.

Seit unserer Taufe tragen wir seinen Namen, den Namen des dreieinen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Auf diesen Namen sind wir getauft. Wir können als Gottes Töchter und Söhne leben, wie das Kind in der Krippe, Jesus Christus.

So können wir uns aus den Weihnachtsfeiertagen heraus wieder neu auf den Weg durch unseren Alltag machen.

Mit Jesus Christus ist ein Reis hervorgegangen aus dem Stamm Isais und dieser Zweig aus seiner Wurzel wird weiter Frucht bringen. Auf ihm wird auch für uns und für alle Menschen ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn.

Und der Friede Gottes, der höher ist alles unsere Vernunft, bewahre durch diesen Geist unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen

 



Dekan Peter Huschke
91054 Erlangen
E-Mail: peter.huschke@elkb.de

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