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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

Sexagesimae, 03.02.2013

Predigt zu Jesaja 55:6-13, verfasst von Peter Huschke

 


Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserm Vater, und unserm Herrn, Jesus Christus!


„Gottes wunderbarer Weg":

So ist der heutige Predigttext in der Lutherbibel überschrieben. Wir haben ihn eben schon als Lesung gehört. Mancher hat sich zu Recht gedacht: „Wenn von Gottes wunderbarem Weg die Rede ist, dann würden doch die letzten Verse genügen.":

V. 10 - 13

In der Tat sind eigentlich auch nur drei dieser Verse als Predigttext vorgesehen. Alles klänge dann viel harmonischer, glatter und kuscheliger.

Aber ich behaupte frech dagegen: „Wenn ich nur mit diesen Versen von Gottes wunderbarem Weg mit mir hören würde, dann wäre dieser in der Tat harmonisch, glatt und kuschelig - und hätte mit meinem Lebensalltag nicht viel zu tun. Auf meinen Lebenswegen geht es nicht nur harmonisch, glatt und kuschelig zu. Ich brauche Gott gerade auch, weil und wenn mein Alltag unrund läuft - sei es weil ich mich blöd anstelle oder andere mir blöd kommen. Mir bleibt auf meinem Weg durchs Leben viel zutiefst unverständlich oder es kommt mir ziemlich sinnlos vor."

Ich bin da dankbar, dass der Einstieg ziemlich nah an dem ist, wie ich mit meinem Glauben durch mein alltägliches Leben unterwegs bin. Am Anfang stehen eine Aufforderung an mich und die Gedanken von Menschen, die Gottes Planungen oft so sehr entgegenstehen, aber eben nicht selten auch mich auf meinem Weg bestimmen:

V. 6 - 9

Diese drei Dinge sind mir für meinen Weg mit Gott ebenfalls sehr wichtig.
Als Erstes kommt die Aufforderung, Gott zu suchen, ihn nicht zu übersehen

V. 6

Ja, das ist wichtig.

Da hat ein Verkehrsteilnehmer aufgepasst, als ich unachtsam war. Da haben mich die Worte eines Mitmenschen tief beeindruckt und berührt. Da ist mir wieder einmal aufgefallen, wie unendlich gut es mir im Vergleich zu einer Person an einem andern Ort oder zu einer andern Zeit geht. Überall lohnt es sich aufmerksam zu sein. Überall lässt sich Gott finden - mitten auf meinem Weg.

Tja und wenn ich ehrlich auf meinen Weg schaue, dann ist er leider einfach immer wieder notwendig: Der Hinweis, dass manchmal schlichtweg ich mein Verhalten ändern muss:

V. 7

Ich und niemand anderer stehe mir auf meinem Weg als so ein Gottloser und Übeltäter selber im Wege. Ich traue Gott einfach nichts zu. Ich hadere so gerne mit Gott. Ich mache ihm Vorschriften, dass das mit meinem Leben und mit der Welt anders laufen muss. Ich bin nachtragend. Ich bin mir selber zu wichtig. Mein Wille geschehe. Selbst die Menschen, die mir am allerliebsten und wichtigsten sind, müssen manchmal unter meinem Stolz, meiner Sturheit und meiner Geltungssucht leiden. Da muss ich mich bekehren. Da muss ich umkehren auf meinem Weg mit Gott und mich ändern. Sonst kann das nichts werden. Ein Glück, dass am Ende dieser harten und deutlichen Aufforderung an mich steht: Bei Gott ist viel Vergebung.

Anders als wir Menschen zueinander sind, als wir uns Gott besonders für die andern, aber manchmal auch für uns selber vorstellen ist bei ihm viel Vergebung.

Dass Gott eben nicht so tickt wie ich mir das vorstelle, manchmal befürchte oder manchmal gerne hätte, ist das Dritte, worauf ich im Blick auf meinen Weg mit Gott hingewiesen werde.

V. 8

Manchmal ist es toll, dass Gottes Gedanken und Wegplanungen so ganz anders sind als ich denke und will. Manchmal nervt das aber auch sehr.
Es ist toll, dass für mich so viel Vergebung bei Gott ist.
Es ist schon sehr viel schwieriger, dass so viel Vergebung bei Gott auch dem Menschen gilt, der mich gerade zu Recht zornig sein lässt.
Und es ist ganz schwierig, dass ich mein Verhalten gegenüber dem Menschen, über den ich gerade zornig bin, ja auch noch ändern müsste, wenn ich ernst nehme, dass Gott mit mir und mit ihm mit so viel Vergebung unterwegs ist.
Manchmal im Blick auf andere würde ich ihn mir da oft anders wünschen - härter, konsequenter.
Gott bleibt mir immer wieder unverständlich. Er ist für mich einfach nicht berechenbar. Er behält seine dunklen Seiten.
Und, liebe Gemeinde, wenn ich die alten Worte aus dem Buch Jesaja richtig verstehe: Genau so lässt sich Gott ganz auf meinen Alltag ein. Er ist wirklich mit mir auf meinen Wegen durch das Jahr 2013 unterwegs - wie er damals mit den verzweifelt im Exil in Babylon ausharrenden Menschen aus dem Volk Israel unterwegs war.
Es warten eben immer wieder Überraschungen auf mich - manchmal positive, manchmal negative. Manchmal bin ich voller Zuversicht unterwegs. Dann kriege ich meine Zukunft so gar nicht in den Griff. Vieles bleibt mir dunkel.
Und genau auf diesen nicht geklärten Wegen ist Gott für mich da, ist er mit dabei. Es wäre einfach ein Unsinn, wenn in der Bibel davon erzählt würde, dass mit Gott an meiner Seite auf meinen Wegen alles harmonisch, glatt und kuschelig läuft. Nein, Gott und keinem andern sei es geklagt, dass ich Leben auf meinem Weg mit Gott genau so erfahre:

V. 9

Mit diesem Vers wird mein Alltag, mein Bemühen um den Glauben und mein Unterwegssein mit Gott ernst genommen. Ich spüre, dass diese Worte aus den echten Problemen im Alltag der Menschen des Volkes Israel im Exil in Babylon fortgeschrieben sind.
Das hat was mit dem Leben von real existierenden Menschen zu tun. Das könnte deswegen für meine Wege jetzt ebenfalls passen
Ich kann dann auch die nächsten Verse für mich oft gegen meine Alltagserfahrung ernst nehmen:

V. 10 und 11

Ja, gar nicht so selten mache ich auch solche Erfahrungen mit Gott.
Da gehe ich im Vertrauen auf Gott ein hohes Risiko ein. Ich traue meinen Gefühlen etwas zu. Und es lohnt sich.
Ich erinnere mich an die Zusage, die mir in der Taufe gemacht wurde. Und ich spüre, dass Gott tatsächlich bei mir ist.
Ich vergebe jemand anderem seine Schuld und dieser Mensch nutzt es nicht aus. Unser Weg wird wieder gangbar.
Ich gestehe meine Schuld ein und mein Gegenüber macht mich nicht zur Schnecke, sondern eröffnet mir einen Neuanfang.
(Ich erlebe Gottes Nähe zu mir und die Gemeinschaft mit anderen bei der Einladung seines Sohnes Jesus Christus an dessen Tisch.).
Es lohnt sich, Gottes Wort viel zuzutrauen. Manchmal darf ich das erleben.

Ihnen, liebe Gemeinde, fallen da bestimmt auch viele Beispiele ein, wo sich Ihr Gottvertrauen gelohnt hat, wo Gottes Wort für Sie nicht leer zurückgekommen ist.

Mit dieser Zusage und diesen Erfahrungen kann ich mich auf den Weg machen in meinem Alltag. Ich kann der Aufforderung, los zu gehen, folgen. Mir fallen ähnlich blumige Hoffnungsbilder wie den Menschen im Exil in Babylon ein, weil ich klar aussprechen darf, dass da eben auch viel Dorngestrüpp und Fallgruben auf mich warten, ganz zu schweigen von den Gruben, die ich mir selber grabe. Weil Gott nach diesen Worten aus dem Jesajabuch all dies weiß, tue ich mir leichter, seiner Einladung für meinen Lebensweg zu folgen - wie die Menschen aus dem Volk Israel vor über 2500 Jahren:

V. 12 und 13

Durch alle diese im heutigen Predigttext in großer Unterschiedlichkeit und scheinbarer Widersprüchlichkeit gesprochenen Worte Gottes zusammen ermutigt kann ich mir mein Leben als Gottes wunderbaren Weg mit Gott vorstellen. Hier höre ich Gottes Worte als Worte von jemandem, der sich wirklich ganz auf uns Menschen einlässt, ohne dass wir ihn für uns vereinnahmen können. Es bleiben Dinge offen. Es bleiben Widersprüche. Wie in meinem Leben.


Und liebe Gemeinde, genau so ist Gott ja selber seinen Weg mit seinem Sohn Jesus Christus gegangen. An ihm können wir diesen wunderbaren Weg Gottes mit uns und für uns erkennen. Es ist ein Weg mit Suchen, mit Irrwegen und Umwegen, mit Scheitern, mit allem Zweifel und Sich-Verlassen-Fühlen. Es ist aber auch ein Weg mit aller Fülle des Lebens, Festen und Feiern, allen Wundern des Lebens und den Erfahrungen der totalen Nähe zu Gott zu seinen Menschen sogar durch den Tod hindurch in die Auferstehung.

Möge Gott so auch unsere Wege mit und für uns gehen - schon jetzt in unserem alltäglichen Leben mit allem Schönen und Erfreulichem, aber auch mit allem Harten und uns so völlig überflüssig Erscheinendem. Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

 




Dekan Peter Huschke
91054 Erlangen
E-Mail: peter.huschke@elkb.de

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