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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

Ostermontag, 01.04.2013

Predigt zu Jesaja 25:8-9, verfasst von Rainer Kopisch

Liebe Gemeinde,

die bereits gehörten Texte der Epistel und des Evangeliums finden in diesem Jahr mit dem Predigttext aus dem Propheten Jesaja zu einem besonders ausdruckstarken Zusammenklang.

Seit ich die Geschichte von den zwei Jüngern auf dem Wege nach Emmaus in Kindertagen das erste Mal gehört habe, hat sie mich fasziniert. Geht es ihnen nicht auch so? Es ist beim Zuhören zu spüren, wie den Jüngern das Herz weit wird, wie mit ihrem zunehmenden Verstehen der Botschaft der Auferstehung Jesu eine Kraft in ihre Herzen einzieht, eine Freude, die sie unbedingt mit den Jüngern in Jerusalem teilen wollen: nicht morgen, sondern sofort.

Für mich ist die Freude der Jünger über die Auferstehung Jesu die Osterfreude des Ostermontags. Sie hat eine besondere Qualität, denn sie ist in liebenden und trauernden Herzen entstanden. Die beiden Jünger auf dem Weg waren in der Trauer um ihren geliebten Herrn und Meister dabei, alles noch einmal zu bedenken, was geschehen ist.

Die Argumentation des Paulus im Epistel-Text von Ostermontag ist eine kaum zu widerlegender Gedankenentwicklung. Paulus macht deutlich, dass wir mit der Auferstehung Jesu Christi von den Toten unserer eigenen künftigen Auferstehung sicher sein können. „Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.“ So macht Paulus deutlich, dass wir nach einem Wendepunkt der Geschichte Gottes mit den Menschen leben.

Die Sätze des Jesaja klingen wie die prophetische Ankündigung der Auferstehung Jesu und der Freude der Christen über das ewige Leben mit einem liebenden Gott.

Ich lese sie jetzt: Jesaja 25,8-9:

 

Der Herr wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der HERR hat's gesagt.

Zu der Zeit wird man sagen: »Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, dass er uns helfe. Das ist der HERR, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil. «

Der erste Satz ist für uns Christen Gewissheit geworden, wie wir es von Paulus vernommen haben. Gott wird uns so nah sein, dass er sich um unsere intimsten Gefühle und Empfindungen kümmert und uns von dem befreit, was uns unser Herz schwer macht.

 

Die Eltern der kleinen fast fünf Monate alten Sophie bekommen nach einem langen Weg von Arzt zu Arzt schließlich in der Uni-Klinik nach Untersuchung des Knochenmarks der Kleinen die Diagnose einer schweren Form von Leukämie zu hören. Die Familie ist zu Tode erschrocken, als sie die Nachricht hört. Sophie bekommt sofort eine erste Serie der notwendigen Chemotherapie. Ihre Mutter bleibt bei ihr in der Klinik. Ihr Vater besucht die Beiden mit der Zwillingsschwester, so oft es möglich ist. Heute am Ostermontag hat Sophie ihre erste Serie der Chemotherapie hinter sich und wird zuhause unter strengen Hygiene-Auflagen bis zur nächsten Serie gepflegt. Sie hat am Anfang ihres jungen Lebens eine 60%-Chance ein persönliches Ostern zu erleben. - In sechs bis sieben Monaten.

 

Durch die Worte des Propheten Jesaja sagt Gott, dass er den Tod auf ewig verschlingen wird. Er wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und er wird die Schmach seines Volkes in allen Landen aufheben.

Geben diese Worte der Mutter des Mädchens Trost in ihrem Leiden und den Tränen über das Leiden ihrer Tochter?

Es ist eine Zukunftsansage. Es wird den Zeitpunkt geben, wo wir es persönlich erleben können und sagen: Sie ist in Erfüllung gegangen.

Bis dahin werden wir wie Paulus im Vertrauen auf diese Worte leben und in der Glaubensgewissheit, die uns sicher macht, dass wir die Erfüllung der Worte Jesajas erleben werden.

Gott hat Jesus aus Leiden und Schmach erlöst, indem er ihn durch das Sterben hindurch zum ewigen Leben gebracht hat.

Wir Christen heißen Christen, weil wir Jesus Christus auf diesem Weg folgen werden.

Was werden wir dann tun, wenn wir einst Gottes Herrlichkeit selbst erfahren werden?

Unsere Freude wird unbeschreiblich und unermesslich groß sein, weil wir Gottes Freude kennenlernen, die mit Liebe und Barmherzigkeit eng verbunden ist.

Der Prophet Jesaja beschreibt seine Vision mit Bildern eines Festmahles, das Gott gibt.

Das Bild des Großen Festmahles bei Gott finden wir auch im Neuen Testament.

Bei der Feier des Heiligen Abendmahles können wir Vorfreude auf das himmlischen Mahl empfinden, wenn wir unser Herz für dieses Bild öffnen.

Gewiss, so wie die Sonntage die erfreulichen Ruhe- und Besinnungstage unseres Alltags werden können, so können uns die Gedanken an Gottes Welt - so oft es möglich ist  - Kraft geben, Leiden durchzustehen und unseren Weg durch dieses Leben hin zu Gott in Gewissheit und Zuversicht zu gehen.

Zu diesen Gedanken an Gottes Welt gehört auch unser Predigttext mit seiner Kraft.

 

Ich wünsche ihnen, dass sie diese Kraft in sich spüren und mitnehmen können.

 

Amen

 



Pstor i.R. Rainer Kopisch
Braunschweig
E-Mail: rainer.kopisch@gmx.de

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