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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

Jubilate, 21.04.2013

Predigt zu Genesis (1. Buch Mose) 1:1-4a. 26-31a. 2:1-4a, verfasst von Peter Huschke



Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserm Vater, und unserm Herrn, Jesus Christus!


Liebe Gemeinde, ich lade Sie an diesem Sonntag Jubilate einmal ein, beim Hören der Predigt eine Jubilate-Brille zumindest innerlich aufzusetzen. Eine Brille, mit der man nichts übersieht, worüber man sich freuen kann; eine Brille, die einem die Augen öffnet, wofür man Gott im eigenen Leben und in der Welt loben und ihm danken kann.

Hören Sie die uns so sehr vertrauten Bibelworte! Merken Sie dabei auf, zu welchem Dank und zu welchem Jubel diese Worte Sie anregen könnten:

(Textverlesung)


Sie haben beim Hören gemerkt: Die Menschen, die für ihre Zeit diesen Schöpfungsgesang in Worte gefasst haben, müssen auch eine Jubilate-Brille aufgehabt haben. Jeder Abschnitt endete mit den Worten: Und Gott sah, dass es gut war.

Die Menschen, bei denen dieser Text weiter erzählt und niedergeschrieben wurde, erlebten nämlich wie wir: Gott sieht viel zu oft, dass es nicht gut ist. Wir selber sehen viel zu oft fast nur, was nicht gut ist. Auch damals schon, waren schlechte Nachrichten einfach die Nachrichten, die sich besser verkaufen ließen. Auch damals schon war es so deprimierend viel, wovon die Menschen genau wussten, dass Gott es nicht gut finden konnte.

Aber für den Anfang des ihnen wichtigsten Buches wollten sie eine Jubilate-Brille, eine Brille des Gotteslobes aufsetzen. Sie wollten bewundern und bestaunen, was Gott alles für uns Menschen getan hat. Folgen wir Ihnen 2500 Jahre später heute an diesem Jubilate-Sonntag:

V. 1 - 4a

Ja, irgendwie hatten sie Recht die Menschen vor wohl über 2500 Jahren, die so auf die Welt und das Licht auf der Erde blickten und von Gott dann am Schluss erzählten: Und Gott sah, dass es gut war.

Ja, es ist phantastisch, was in diesem Frühjahr wieder alles wächst. So vieles kommt da ans Licht, was einem die Ehrfurcht vor dem Leben lehrt. Es ist toll mitzuerleben, wie aus scheinbar Totem wieder Leben hervorkommt. Es ist herrlich, Wärme wieder auf dem Körper zu spüren und die laue Frühlingsluft zu riechen. Selbst noch so unangenehme Arbeit macht bei Sonnenschein mehr Freude.

Wie toll ist es, dass Gott uns in das Licht seiner Liebe hüllt! Es gibt - Gott sei Dank - Zeiten, wo wir im Licht seiner Liebe wachsen. Manchmal sehen wir in Gottes Licht klar - trotz allem Dunklen, das bleibt.

V. 26 - 31a

Ja, irgendwie hatten sie Recht die Menschen vor über 2500 Jahren, die so auf die Welt und die Menschen auf der Erde blickten und von Gott dann am Schluss erzählen: Und Gott sah, dass es gut war.

Es ist vielleicht das Wichtigste für uns Menschen, dass uns gesagt wird, dass wir nicht selfmade, sondern godmade sind. Wir sind nicht das, was wir selber oder andere aus uns machen. Wir sind Geschöpfe Gottes, Bilder seiner Liebe, seine Kunstwerke. Gott malt sein Bild von uns viel bunter als, wir selber oder andere das je könnten. Es gibt so viel Bestaunenswertes an mir selber und an den Menschen um mich herum zu entdecken. Was machen allein die Menschen um mich herum heute Morgen nicht alles? Die Kantorei, die Mesnerin, mein Sitznachbar, die älteren Leute, die Konfirmanden, ... was da alles an Begabungen um mich herum in diesem Gottesdienst versammelt ist - mich eingeschlossen. Alles Bilder Gottes. Genial!

Vielleicht schaffe ich mit dieser Sichtweise es dann über die in der Tat auch offenkundigen Fehler und Mängel bei anderen zumindest ab und zu hinwegzusehen

Wenn ich mich auch noch selber so sehe, dann habe ich noch mehr gewonnen: So wie ich bin, bin ich Bild Gottes. Da verliere ich die Angst, zu kurz zu kommen. Da kann ich mir mein Imponiergehabe, meine Angeberei und meine Lebenslügen schenken. Ich muss nicht mehr zu sein scheinen, als ich bin. Ich bin nämlich Bild Gottes wie die anderen Menschen auch.

Da kann ich dann womöglich sogar offen zu dem stehen, was ich nicht kann und was ich falsch gemacht habe. Ich kann mich immer neu bemühen, mich zu ändern. Ich bin ich Bild Gottes. Genial!

Ja und dass Gott uns als männlich und weiblich geschaffen hat, erlebe ich doch gar nicht so selten als sehr reizvoll. Dass Gott uns Menschen als Männer und Frauen mit unserer je eigenen und manchmal auch sehr unterschiedlichen Sexualität geschaffen, ist doch immer wieder schlichtweg eine prickelnde Sache.

In der Liebe zwischen Menschen habe ich Gottes Liebe am deutlichsten und tiefsten erahnen können. Etwas Schöneres als die Liebe von Menschen habe ich in meinem Leben nicht erlebt.

Wenn ich auf Kinder sehe, womöglich sogar auf unsere eigenen, das ist oft einfach nur begeisternd. Da kann ich gar nicht so selten sprechen, wie es Gott da zu Beginn der Bibel in den Mund gelegt wird:

Und Gott sah, dass es gut war.

Manchmal weist mich die Liebe, die Menschen mir schenken, auf Gottes Liebe hin. Ich bekomme dann meine Jubilate-Brille aufgesetzt. Ich kann dann eine Weltsicht einnehmen, wie sie am Ende der ersten Schöpfungserzählung der Bibel zum Lobe Gottes erklingt:

Kapitel 2, V. 1 - 4a

Ja, irgendwie hatten sie Recht die Menschen vor über 2500 Jahren, die so auf die Welt als Ganze und auf die Zeiten, in denen uns auf der Erde Ruhe gegönnt ist, blickten und von Gott dann am Schluss erzählen: Und Gott sah, dass es gut war.

Am Ende passt oft doch vieles zusammen.

Trotz aller Brüche und Abbrüche meines Lebens erahne ich manchmal, dass Gott aus alledem ein Ganzes machen könnte.

Wenn Gott mir die Ruhe dazu schenkt und ich ihm mit meiner Hektik und Betriebsamkeit nicht in die Quere komme, gibt es solche Momente in meinem Leben: In einem Gottesdienst, in einem Konzert, im Zusammensein mit Menschen, vorm Fernseher, im Bett liegend.

Gott lässt mich da manches vollendet erkennen und zur Ruhe kommen. Ich kann dann Gott danken und ihn für seine Welt, seine Erde, seine Menschen und manchmal sogar für mich selber loben. Ich verstehe dann nicht nur am Sonntag Jubilate annähernd den Refrain der Schöpfungsgeschichte: Und Gott sah, dass es gut war.


Liebe Gemeinde, manchem mag das zu einseitig sein, diesen Text nur im Blick auf das Gotteslob zu hören. Sie können mit besten Gründen aufgrund der Erfahrungen Ihres Lebens nicht mit einstimmen, wenn es am Schluss immer heißt: Und Gott sah, dass es gut war.

Es hat Sie gedrängt zu sagen: Gott sieht doch, dass es nicht gut ist! Deswegen hat er doch auch seinen Sohn Jesus Christus geschickt, weil so viel noch heil zu machen ist, weil wir der Aufforderung „Jubilate" eben oft nicht folgen können. Deswegen haben die Propheten so harte mahnende Worte an uns Menschen gerichtet. Sie haben mit ihrem Einspruch in vielen Zeiten mehr als Recht.

Den Menschen, die die fünf Bücher Mose zusammengestellt haben, war es trotzdem wichtig einen solchen Auftakt zu haben.

Später kommen dann sehr mahnende Erzählungen, die den Menschen vor Augen halten, wie sie eben leider auch sind: Die Erzählung von der Vertreibung aus dem Paradies, von Kain und Abel, vom Turmbau zu Babel. Aber damit sie da dann auch wirklich ehrlich und nüchtern hinschauen und sich von Gott sagen lassen, wie und warum wir Menschen immer wieder so viel Böses zustande bringen, ist es am Anfang Zeit, zuerst die Brille mit dem Dank an Gott aufzusetzen.

Das muss immer wieder der erste Satz sein: Gott ist für uns Menschen da. Gott hat die Welt für uns geschaffen. Wir sind ihm unendlich viel wert. Wir sind seine Geschöpfe. Für solches Selbstvertrauen schenkt Gott uns unser Gottvertrauen.

Nur so können wir es dann auch schaffen, die Augen offen zu halten, Gott zu klagen, dass es nicht gut ist, und die Ärmel hochzukrempeln, um das zu ändern. Wir brauchen Gottes Liebe und Gottes Kraft, um uns selber zu ändern, um Zustände um uns herum zu ändern, damit Gott sieht, dass wir es zumindest manchmal wieder besser werden lassen, dass es vielleicht sogar doch wieder gut ist.

(Deswegen ist es ja auch gut, dass wir uns zum Tisch unseres Herrn Jesus Christus einladen lassen und da es auch noch schmecken dürfen, wie wichtig wir Gott sind und dass Gott für uns da ist.)

Es gibt dann andere Sonntage und andere biblische Texte, wo wir dazu angeleitet werden mit ganz anderen Brillen auf unser Leben zu schauen.

Aber die Jubilate-Brille, die uns Gott danken und loben lässt, dürfen wir Gott sei Dank auch immer wieder aufsetzen. Und Gott sah, dass es gut war.

Und der Friede Gottes, der uns weiter sehen lässt als alle Brillen, die wir uns selber aufsetzen können, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen




Dekan Peter Huschke
91054 Erlangen
E-Mail: peter.huschke@elkb.de

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