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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

Trinitatis, 26.05.2013

Predigt zu Numeri 6:22-27, verfasst von Erika Reischle-Schedler

 

 

Liebe Gemeinde! Bei einem so gefüllten Text wie dem eben Gehörten muß man sich beschränken. Und deshalb sage ich gleich, daß ich mich ausschließlich auf das Wort "Segen" beschränken werde.

Was ist denn das, Segen? Nun, am Ende eines jeden Gottesdienstes wird uns der Segen Gottes zugesprochen, eben mit jenen Worten, die heute Predigttext sind, und da werden wir auf den ersten Blick schnell sagen können: Segen ist etwas Geistiges, etwas nicht Sichtbares, aber gleichwohl Wichtiges, etwas Emotionales vielleicht auch, etwas für die Seele ... Wir kommen darauf nachher zurück. Wenn wir im Alten Testament lesen - und das müssen wir, wollen wir das Neue verstehen -, dann erhalten wir eine ganz andere Antwort: Ich lese aus 5. mose 28:

"Weil du der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorsam gewesen bist, werden über dich kommen und dir zuteil werden alle diese Segnungen: Gesegnet wirst du sein in der Stadt, gesegnet wirst du sein auf dem Acker. Gesegnet wird sein die Frucht deines Leibes, der Ertrag deines Ackers und die Jungtiere deines Viehs, deiner Rinder und deiner Schafe. Gesegnet wird sein dein Korb und dein Backtrog. Gesegnet wirst du sein bei deinem Eingang und gesegnet bei deinem Ausgang. Der HERR wird gebieten dem Segen, daß er mit dir sei in dem, was du besitzt, und in allem, was du unternimmst, und wird dich segnen in dem Land, das dir der HERR, dein Gott, gegeben hat. Und alle Völker auf Erden werden sehen, daß über dir der Name des HERRN genannt ist. Und der HERR wird dir seinen guten Schatz auftun, den Himmel, daß er deinem Land Regen gebe zur rechten Zeit und daß er segne alle Werke deiner Hände." Soweit diese Stelle. Alles also, was einen Menschen, der von Landwirtschaft lebt, nur irgend erfreuen kann (und nur zu einem solchen redet dieser Text): Gutes Wetter, daß Früchte und Getreide wachsen können, ein reicher Viehbestand, eine große, fröhliche Familie - all das zunächst ist Ausdruck für den Segen Gottes. Der Segen ist also zunächst nach biblischem Verständnis etwas ganz Materiell Sichtbares, nichts Geistiges oder Abstraktes. Die Religion, die dem Menschen die Freude am Schönen verleiden wollte, wäre nicht christlich nach biblischem Verständnis.

Erst in einem zweiten Schritt wird dann im Neuen Testament der Begriff des Segens ausgeweitet auf den geistigen Bereich. Ich lese den Anfang des Epheserbriefes:

"Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesu Christi, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen in himmlischen Gütern durch Christus." Wer von uns kennte das nicht aus der einen oder anderen Phase seines eigenen Lebens und/oder aus dem Umgang mit anderen Menschen:

Materiell geht alles gut, da hat einer, menschlich gesprochen, alles, was er braucht - aber glücklich ist er nicht und gut geht es ihm auch nicht. Es muß also offenbar noch etwas anderes zum Menschsein gehören als materieller Wohlstand. Es könnte sogar sein, daß dieses andere, dieser, sage ich nun, geistige Aspekt des Segens, so stark ist, daß ein Mensch auch ganz zufrieden werden kann mit seinem Leben, gerade wenn er nicht alles hat, gerade wenn er mit Beschränkungen und Begrenzungen leben muß, wenn ihn Schicksalsschläge treffen. Und wenn wir dann fragen:

"Wie kommen wir denn zu einem solch geistigen Gesegnet-Sein?" dann heißt die christliche Antwort: "Halte Dich an Jesus Christus." Er hat es durchlebt, was es heißt, Mensch zu sein. Er hat es durchlitten bis zum Tod. Und wenn Du Dich an ihn hältst, wirst Du aus der Gemeinschaft mit ihm Kräfte bekommen, Du wirst seinen Segen erfahren, nun nicht im materiellen, sondern im geistigen Bereich.

Ein Drittes und Letztes zum Segen: In allen einigermaßen gängigen Sprachen, in den alten, hebräisch, griechisch, Latein sowieso, aber auch im Englischen, Französischen, Italienischen und sicher in vielen anderen Sprachen noch, die ich nicht gut genug kenne, um es zu beurteilen, gibt es eine Wortgleichheit: Segen auf der einen Seite, und Lob, Dank, Lobpreis auf der anderen seite. Gesegnet und gelobt ist mindestens in all den genannten Sprachen, möglicherweise noch darüber hinaus, dasselbe Wort. Nur im Deutschen nicht. Da gibt es also offenbar, schon in der Sprache fest verankert, einen ganz wichtigen Zusammenhang: Auf der Seite Gottes - wir haben von Gott dem Vater und von Jesus Christus, dem Sohn, gesprochen - liegt es, den Menschen zu segnen. Sich ihm in dieser oder jener Weise freundlich zuzuwenden. Auf der Seite des Menschen steht es, Gott dafür zu danken, einzustimmen in den Lobpreis. Das heißt doch, wenn wir nun wieder materiell anfangen:

Es ist eben nicht alles selbstverständlich. Richtig genießen kann ich das Gute, was mir gehört, und was ich erfahre, erst, wenn ich es würdige. Wenn mein Herz schwingungsfähig ist und ich aus vollem Herzen sagen kann: "Gott, ich danke Dir." Und auch das, was uns als Christen die Gemeinschaft mit Christus bedeutet, dieses, sich von ihm angenommen wissen, von ihm getragen, von ihm unterstützt auch und gerade in schweren Zeiten - das erfahren wir so richtig erst, wenn wir die Worte finden, ihm zu danken, wenn die Freude über das, was er uns schenkt, auch hörbaren und sichtbaren Ausdruck findet. Wie aber kann das geschehen? Ich denke, daß wir hier vom Segen des Heiligen Geistes reden müssen und können. Im ganzen Neuen Testament ist er es, der Menschen die Worte gibt, mit Gott ins Gespräch zu kommen. Er öffnet uns die Augen für das Gute, das uns umgibt, und macht uns fähig, darauf zu reagieren. Er ist Gott in uns. Wenn wir von Gott dem Vater gesprochen haben, dann könnten wir sagen, er ist der Gott über uns. Wenn wir von Christus sprechen, könnten wir sagen, er ist Gott neben uns. Wenn wir vom Heiligen Geist sprechen, sagen wir: ER ist Gott in uns. Und wir merken, daß all dies Bilder sind. Bilder, die versuchen, etwas von Gott für unser Denken und Fühlen verständlich zu machen.

Ich möchte schließen mit einem Gedicht, das auch als Lied in unserem Gesangbuch steht. Jochen Klepper hat es uns geschenkt. Sie werden in diesen Versen manchen Gedanken der Predigt wiederentdecken und eine Art Zusammenfassung daraus hören können:

"Gott segnet Dich in Dorf und Stadt, in Keller, Kammer Feld. Was Dir der Herr gesegnet hat, bleibt fortan wohlbestellt.
Er segnet Dir auch Korb und Krug und Truhe, Trog und Schrein. Ihm kann es
keinen Tag genug an Segensfülle sein.
Er segnet deiner Bäume Frucht, Dein Kind, Dein Land, Dein Vieh.
Er segnet, was den Segen sucht. Die Gnade schlummert nie.
Er segnet, wenn Du kommst und gehst.
Er segnet, was Du planst. Er weiß auch, daß Du's nicht verstehst und oft nicht einmal ahnst. Und dennoch bleibt er ohn' Verdruß zum Segnen stets bereit, gibt auch des Regens milden Fluß, wenn Regen an der Zeit. Sein guter Schatz ist aufgetan, des Himmels ew'ges Reich.
Zu segnen hebt er täglich an und bleibt sich immer gleich. Wer sich nach seinem Namen nennt, hat er zuvor erkannt.
Er segnet, welche Schuld auch trennt, die Werke Deiner Hand. Die Hände, die zum Beten ruhn, die macht er stark zur Tat. und was der Beter Hände tun, geschieht nach seinem Rat." Amen.

 

 



Erika Reischle-Schedler
Göttingen
E-Mail: e.reischle-schedler@t-online.de

Bemerkung:
Liedvorschläge:
EG139 Gelobet sei der Herr
EG140 Brunn alles Heils
EG457,4-11 Er segnet
EG280 Es wolle Gott


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