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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

2. Sonntag nach Trinitatis, 09.06.2013

Predigt zu Jesaja 55:1-5, verfasst von Kira Busch-Wagner

 

Die große Einladung: Teilhabe am Bund

Wie oft haben wir schon Taufen erlebt hier in den Gottesdiensten am Sonntagmorgen. Wir haben gehört, wie Kinder, Jugendliche oder auch Erwachsene begrüßt wurden als neue Gemeindeglieder. Wir haben sie willkommen geheißen als neu gerufene, neu berufene Kinder Gottes, als Schwestern und Brüder des Jesus von Nazareth, als Christen. Als solche, die hinzutreten und teilhaben an Gottes Bund.

Erinnern wir uns an die biblische Erzählung: am Sinai, nach der Befreiung aus Ägypten, hat Gott seinen Bund geschlossen mit Israel. Hat sich erklärt und sich verpflichtet, in eine besondere Beziehung mit diesen Menschen einzutreten. Und fragt danach, dass Israel doch entsprechend antworte. Darum redet in den 10 Geboten Gott zuerst einmal von sich. Und dann von seinen Erwartungen an die Menschen. Ich bin der Herr, dein Gott, Israel. Ich bin für dich da. Ich stehe an deiner Seite. Ich schütze dich. Ich habe dich, Israel, aus Ägypten geführt. Jetzt erwarte ich von dir, ich hoffe darauf, dass du, das Volk, auf solche Führung entsprechend antwortest. Und die Gebote hältst.

Wir wissen: das hat nicht immer geklappt. Auch in Gottes Volk herrschte nicht immer Gerechtigkeit und Friede. Auch da gab es immer wieder auch Verleumdung, Habgier, Übergriffe. Auch da wurde die rechte Antwort auf das Bundesangebot Gottes verletzt.

Doch Wunder über Wunder: Auch wenn die Menschen immer wieder ihre Verpflichtung auf diesen Bund vernachlässigen – Gott seinerseits bleibt in sturer Treue bei seiner eigenen Selbst-Inpflichtnahme.

Und bestätigt das sogar mehrfach und immer neu: gegenüber dem König David, gegenüber den Propheten. Dabei blitzt auch immer wieder der Gedanke auf: Solche Treue Gottes – die muss doch anziehend wirken auf die Völker der Welt, auf andere jenseits von Israel. Werden sie nicht auch dazukommen, die Treue Gottes zu feiern? Sich über seinen Bund mit Israel zu freuen? Der Apostel Paulus versteht Jahrhunderte nach dem den Propheten den Menschen Jesus, den Auferstandenen, als solch eine erneute Bestätigung der Selbstverpflichtung Gottes. Paulus sieht Gottes Bund und Gottes Treue eben im Leben Jesu. Iin seinem Tod. In seinem Wirken. In seinen Aufträgen und Geboten. Und Paulus findet, dass mit Jesus und wegen Jesus jetzt endgültig Menschen jenseits von Israel in diesen Bund hineingenommen sein können. Und das auch wissen sollen.

Und genau das das feiern wir bei der Taufe: Dass wir um Christi willen in den Bund hineingenommen sind. Durch Jesus einbezogen in Gottes Selbstverpflichtung.

So passt es ganz gut, dass wir als Getaufte uns ein Stück aus dieser Bundesgeschichte, aus dieser Geschichte von der Treue Gottes und dem Wankelmut von Menschen heute anhören und in der Predigt bedenken. Und auch all die Menschen, die in der katholischen Kirche der Ordnung des Stundengebets folgen, hören und lesen heute dieselben Worte.

Im 55. Kapitel finden wir in dem großen Buch, benannt nach dem Propheten Jesaja, ganz zu Beginn (1-5), folgende Verse:

 

Jesaja 55, 1-5

Gott lässt sich hören im Prophetenbuch wie ein Marktschreier. Es gibt das Allerbeste zu einem Wahnsinnspreis. Nährendes, stärkendes: umsonst und geschenkt. Das Feinste, das Festlichste, das Größte und Beste – tatsächlich und wirklich gratis, ganz wörtlich: aus reiner Freundlichkeit, aus purem Wohlwollen. Geschenkt und umsonst! Und was?

Wir haben es gehört: Geschenkt und umsonst: das Wort Gottes, und mit dem Wort auch der Bund. Und in Gottes Wort die ganze Fülle seiner Gaben und seiner Freundlichkeit. Anderswo, so warnt der Prophet, muss man zahlen für Nichts. Und Geld hinlegen für faulen Zauber. Man könnte meinen, er kennt all die Kurse und Schulungen und Coachings und Selbsterlösungsversprechen, die auch heute auf dem religiösen Markt zu kriegen sind. Die Sinngebungsbehauptungen und Sinnversprechen, die Trosthäppchen und religiös verbrämten Pflästerchen und die rosa Brillen. Es hört sich an, als kennt der Prophet auch die charismatischen Führergestalten unserer Gegenwart, die ihren Anhängern das Geld aus der Tasche ziehen und es schaffen, damit auch noch Wohlgefühl und Hochstimmung zu erzeugen.

Das wirklich wertvolle, so verkündet der Prophet, die Nähe Gottes, sein Ruf, sein Wort – das ist kostenlos und die Menschen scheinen das mit wertlos zu verwechseln. Sonst würden sie doch kommen und holen und sich geben lassen. Zuerst die Leute aus dem Volk Israel selbst. Und darüber hinaus eben auch die aus den Völkern ringsum, aus der ganzen Welt. Davon ist der Prophet überzeugt. Wenn sie einmal wirklich den Wert dessen erkannt haben, was ihnen da angeboten wird, angeboten, was Gott dem großen David zusagte und ihm gegenüber und eben über ihn hinaus auch einhielt, seinen Bund, sein Wort, seine Treue, seine Beständigkeit, da werden sie nix als laufen, dann würden sie Israel schier von rechts überholen wollen, um Zugang zu erhalten. Um Anteil zu kriegen. Um mit dabei zu sein.

Der Prophet packt sein Volk offensichtlich an seiner Ehre. Und versucht aufs Neue, den Wert dessen, was diesem Volk durch Gott geschenkt ist, er versucht, den Wert der Verbindung mit Gott wirklich deutlich zu machen. Wenn schon die Völker aller Welt, selbst solche, von denen kein Mensch in Israel je gehört hat, die Beine in die Hand nehmen, um sich aufzumachen zum biblischen Gott, wie könnte das Volk Gottes dann darüber hinweg sehen. So seine Hoffnung, seiner Erwartung.

 

Geschrieben, verkündet, gepredigt wurde unser Prophetenabschnitt vermutlich zu eben jener Zeit, als Israel noch in Gefangenschaft, im Exil in Babylon lebt. Hinter ihnen liegt die Niederlage im Krieg, der Verlust der Heimat, des Staates, des eigenen Königs und damit also auch der politischen Selbständigkeit und eben die Gefangennahme weiter Teile der Bevölkerung. Darum steht bei vielen auch der Glauben an den Gott der Väter, den Gott der eigenen Geschichte auf der Kippe. Waren die großen Götter Babylons nicht einfach erfolgreicher? Hatten die nicht einfach mehr Effektivität? Höhere Quote sozusagen? Boten sie nicht mehr Sieg, mehr Größe, mehr Erfolg?

Ihr, die ihr durstig seid, die ihr Sehnsucht habt, sagt der Prophet und durch den Propheten sagt es Gott selbst, ihr, die ihr nach Erfüllung verlangt und nach Trost und nach Hoffnung und nach einer Zukunft: kauft ohne Geld. Es gehört euch schon alles. Erkennt, welch hoher Wert darin liegt. Die Selbstverpflichtung Gottes, seine Treue, sein Bund, der bestehen bleibt, der nicht hinfällig wird – all das ist doch schon geschenkt. Gott selbst setzt voll Kraft sein Versprechen wieder und wieder in Kraft. Jetzt, im Exil bedeutet das auch die Verheißung von Heimkehr und neuem Anfang, von Frieden und Leben. Die Zuwendung, derer sich König David erfreute, sie gilt doch jedem und jeder Einzelnen. Nicht ihr müsst die Völker beneiden, sagt unser Abschnitt zu Israel. Die Völker beneiden euch um euren Gott. Und um eure Geschichte mit ihm. Das ist die Einschätzung des Propheten.

Die Völker beneiden euch …

Schätzt er uns, die wir zu den Völkern der Welt gehören, da richtig ein? Oder scheint nicht auch uns das Geschenkte oft wertlos, das Wort nur Schall, und nicht Kraft; der Bund nicht eine Verheißung, sondern eine Peinlichkeit und Last? Immerhin: wir hier in der Gemeinde taufen Menschen, taufen Kinder. Wir tauchen sie hinein in den Namen Gottes, in sein Versprechen, seinen Bund. Offensichtlich manchmal gegen das Zeugnis unseres eigenen Verhaltens. Aber doch immerhin: auf der Spur der Worte, die von Gott sprechen und in denen Gott zu uns spricht. Auf der Spur Jesu, der uns Gott, den Vater erkennen lässt. Und in dem Gott sich in seiner Hingabe und Treue zu erkennen gibt.

Und immer wieder geschieht es, dass Menschen uns oder wir uns gegenseitig zurufen und bestätigen: dass Gottes Bund doch bleibt. Dass seine Treue besteht auch gegen all unser Wanken. Dass er seine Hilfe, seine Zuwendung, seine Freundlichkeit schon geschenkt hat und wir nur noch davon nehmen müssen. Dass Gott für uns vorgesehen hat die Fülle. Das Heil. Den Frieden. Die Heimat.

Wo solche gegenseitige Zusage unter uns geschieht, da geschieht sie in der Nachfolge des Propheten im Exil. Da geschieht sie im Hören auf das Zeugnis des Evangelisten Matthäus, dem gemäß Jesus auch seine Jünger in die Welt sendet, zu den Völkern über Israel hinaus. Mit eben der Botschaft von Trost und Frieden: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.



Kira Busch-Wagner
Ettlingen
E-Mail: Paulusgemeinde.Ettlingen@kbz.ekiba.de

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