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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

1. Sonntag nach Epiphanias, 12.01.2014

Predigt zu Jesaja 42:1–7, verfasst von Juraj Bándy

 

Gnade sei mit euch und Friede...

Liebe Brüder und Schwester in Christo Jesu!

Die Geschenke, die wir zu den Weihnachten von unseren Geleibten bekamen, beginnen wir in diesen Tagen schon zu gebrauchen. Wenn unter ihnen auch Bücher waren, dann machen wir allmählich uns mit ihren Inhalt bekannt. Zu den Weihnachten bekamen wir das größte Geschenk von Herrn Gott. Er gab uns seinen eingeborenen Sohn. Die Sonntage nach Epiphanias dienen dazu, damit wir nach der spontanen Freude über diesem großen Geschenk nachdenklich werden. Almmählich sollen uns die Bedeutung und der Wert des Geschenkes bewußt werden. Diese Sonntage sollen uns allmählich zeigen, wer Jesus Christus, den uns der himmlische Vater gegeben hat, eigentlich ist.

Im Lichte des vorgelesenen prophetischen Textes könnte ich die heutige Predigt auch so beginnen: „Gestatten Sie mir, liebe Brüder und Schwester, damit ich Ihnen aus der Beauftragung Gottes Jesus Christus vorstelle, der für unsere Rettung in Bethlehem geboren wurde." Gewiß würden viele von euch sagen: Wozu? Ist es nötig, damit einer kirchlichen Versammlung der Gläubigen Jesus Christus vorgestellt werde? Ist es nötig den vorzustellen, im Namen welchem wir uns immer versammeln?

Ja, es ist nötig. Nicht nur deswegen ist es nötig Jesum Christum vorzustellen, weil auch solche Leute unter uns sind, die keine Religionsunterricht hatten oder haben konnten, sondern auch deswegen, weil in Christo „alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis" „verborgen liegen" (Kol 2, 3). Wer von uns würde zu sagen wagen, daß er oder sie die ganze Weisheit Gottes kennt und in die Kenntnisse Gottes eingedrungen ist? Gestatten wir also unserem himmlischen Vater, damit er mittels des prophetischen Textes seinen Sohn vorstellt.

1. „Siehe, das ist mein Knecht" (V. 1). Jawohl, ein Knecht. Ein Knecht, ein Diener, ein Sklave. Derjenige, der in Bethlehem geboren wurde, will uns nach dem Auftrag Gottes einen sehr wichtigen Dienst leisten. Wir sollen dessen bewußt werden, daß in der Person Jesu ein Knecht geboren wurde. Er ist auch unter solchen Umständen zur Welt gekommen, die sich zu den Knechten und Sklaven ziemen. Es ist schwer einen mehr ungeeigneten Ort für die Geburt als einen Stall vorzustellen. Schon bei seiner Geburt nahm er „Knechtsgestalt an" und „erniedrigte sich selbst" (Phil 2, 7 - 8). Schon seine Geburt war damit im Einklang, was er später über sich selbst sagte: „Der Menschensohn nicht gekommen ist, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele" (Mt 20, 28). Sein Dienst wurde auf dem Kreuz am Golgatha vollgebracht, wo er für unsere Sünden gestorben wurde und bei dem leeren Grab, aus dem er für unsere Rechtfertigung auferstanden wurde. Er hat für uns einen Dienst getan, den niemand sonst tun könnte: Er hat uns aus der Macht der Sünde, des Teufels und des ewigen Todes errettet.

Seien wir dessen bewußt, daß Jesus Christus, dessen Geburt die Engel und die himmlische Heerschare verkündeten, und dem „alle Gewalt im Himmel und auf Erden" gegeben wurde (Mt 28, 18), zum Knecht für uns wurde. Der „König aller Könige und Herr aller Herren" (Offbg 19, 16) wurde für uns zum Knecht. Er, der nie zu herrschen aufhörte, der immer die höchste Macht besitzt, wurde für uns zum Knecht. Wie erstaunlicht ist das! Wie erstaunlich ist die Liebe Gottes zu uns!

Was folgt für uns, Christi Nachfolger, daraus, daß der höchste Herr für uns zum Knecht wurde? Es folgt daraus, daß auch unser Leben ein Dient sein soll. Es gibt verhältnismäßig viele solche Berufe, wo die Arbeit als Dienst genannt wird. Besonders die Nachtschichten nennen wir als nächtlichen Dienst. Wir sollen aber nicht nur in unseren Berufen einen Dienst tun, aber wir sollen uns gegenseitig den Dienst der Liebe leisten. Wir sollen um so mehr dienen, um so größere Gelegenheit, höhere Position oder größeren Einfluß wir haben, weil derjenige, der die höchste Macht hat, hat für uns den größten Dienst geleistet.

Diese Prophetie vergewissert uns auch darüber, daß der Knecht, der in Bethlehem geboren wurde, seinen Dienst und seine Beauftragung erfolgreich erfüllte. „Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen" (V. 4). Es ist ein großer Anlaß zur Freude. Es gibt uns die Vergewisserung, daß Jesus Christus den Dienst, mit dem er beauftragt worden war, erfolgreich erfüllte.

2. Mittels dieser Prophetie stellt uns Herr Gott seinen eingeborenen Sohn Jesus Christus als den vor, der den Willen Gottes in der ganzen Welt bekannt machen wird. „Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte; und die Inseln warten auf seine Weisung (V. 4). Ihn hat Gott „zum Licht der Heiden" (V. 6) gemacht.

Er hat den Willen Gottes bekannt gemacht (J 1, 18). Er konnte von sich selbst sagen: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben" (J 8, 12). Jesus Christus bringt uns das Licht des Lebens. Das Licht, in dem wir sehen, daß der Wille Gottes die Nächstenliebe sei. Er bringt das Licht, das vor der Blindheit befreit (V. 7), in der wir in dem anderen Menschen nicht als unseren Bruder erkennen können. Er bringt uns das Licht, das uns aus dem Gefängnis der Sünden und aus dem Kerker des Todes befreit (V. 7).

3. Mittels dieser Prophetie stellt uns Herr Gott seinen eingeborenen Sohn Jesus Christus auch als den vor, der zur unseren Rettung gekommen ist. Er ist für unser Heil gekommen. Er kam zu retten und nicht zu vernichten und nicht zu verurteilen. Die Prophetie sagt von ihm: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen" (V. 3). Diese schöne bildhafte Rede drückt dasselbe aus, was Herr Jesus von sich selbst sagte: „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist" (L 19, 10). Die Tatsache, daß Herr Jesus zur Rettung derer kam, für die keine Rettung mehr gab, drückte der Apostel Paulus folgenderweise aus: „Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen" (Tit 2, 11).

Er ist zu deiner Rettung, lieber Bruder und liebe Schwester, gekommen, obwohl du denkst, daß der unerbittliche Sturmwind des Lebens aus dir ein geknicktes Rohr gemacht hat. Er ist gekommen für dich, auch wenn du glaubst, daß du dich nicht aufrichten kannst, wie das geknickte Rohr, das sich nicht aus eigenerer Kraft aufrichten kann. Er ist für dich gekommen, in dem einmal der Glaube mit großer Flamme gebrannt hat, aber jetzt hat sich zum glimmenden Docht geschrumpft und dieser glimmende Docht hat dich heute in die Kirche gebracht. Er ist für dich gekommen, in dem die Fähigkeit zur Nächstenliebe, zum Verständnis der anderen und zum Dienst für die Mitmenschen dem glimmenden Docht gleicht, der in kürze auslöscht. Er ist für uns alle gekommen, die so oder so für geknickten Rohren und glimmenden Dochten uns halten können. Er ist für die hoffnungslosen Fälle gekommen um uns aufzurichten und zum Leben aufzuwecken. Was für eine große Gnade, was für eine große Liebe Gottes, die auch die geknickte Röhre und glimmende Dochte ernst nimmt, nicht unbeachtet vorbeigeht, nicht zerbricht und löscht nicht aus. Herr Gott nimmt dich in Christo Jesu auch mit deinen Schwächen ernst, also freue dich! Er will dich retten, obwohl du dich für einen hoffnungslosen Fall haltest, also freue dich!

4. Aus dieser Prophetie können wir auch erfahren, nach welcher Art und Weise Herr Jesus den rettenden Dienst ausführt: „Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen" (V. 2). Also ohne Lärm und Geschrei. Ohne lärmendes Gewimmel auf den Straßen.

Das rettende Werk Gottes in Christo verwirklicht sich ohne Lärm, kommt nicht auf den Straßen zustande, sondern in unseren Herzen. Jetzt, wenn schon die Festtage vorbei sind, finden wir uns Zeit zur Beruhigung, damit wir die sanfte, stille und liebende Stimme Christi hören, der kein Lärm auf den Gassen macht.

5. Aufgrund dessen, was Herr Gott über seinen Knecht sagt, stellt er eigentlich sich selbst vor. Auch in diesem Fall gilt das Sprichwort: welcher Herr, solcher Diener. In Christo Jesu, der für uns geboren wurde, stellt sich Gott als ein rettender, liebender und barmherziger Vater vor.

Alle, die zur Krippe nach Bethlehem kamen, konnten in dem Kind Jesu Gottes liebevolles und barmherziges Angesicht erkennen. In dem Kind haben sie aufgrund der Prophetie den Knecht Gottes erkannten sie, der das Licht und das Heil bringt. Deswegen freuten sie sich, glaubten an ihn und folgten ihn nach. Machen wir dasselbe, als wir heute das größte Geschenk Gottes näher beobachteten und „auspackten". Erkennen wir ich Christo den von den Propheten vorausgesagten Retter. Danken wir Herrn Gott für ihn und nehmen wir seinen Dienst und seine rettende Hilfe an. Erkennen wir in ihm den Knecht, der Licht und Heil bringt und nehmen wir ihren heilbringenden Dienst an. Amen.




Prof. ThDr. Juraj Bándy
Bratislava


E-Mail: bandy@fevth.uniba.sk81102 Bratislava

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