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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

Tag der Geburt Johannes des Täufers (Johannis), 24.06.2014

Predigt zu Jesaja 40:1–8, verfasst von Gerda Altpeter

 

1 „Tröstet, tröstet mein Volk!“
Spricht euer Gott.
2. „Sprecht zum Herzen Israels
  und rufe zu deinem Gott.
Denn erfüllt ist deine Bedrängnis.
Denn abgetragen ist deine Sünde.
Denn aus der Hand des Herrn
ist das Doppelte genommen
von allen deinen Verfehlungen.
3. Eine Stimme ruft in der Wüste:
„Bahnt den Weg des Herrn!
Ebnet in der Steppe
eine Strasse für unseren Gott!
4. Alle Täler sollen aufgefüllt werden
und alle Berge und Hügel
sollen erniedrigt werden!
Das Höckerige soll eben werden
und Felsblöcke zur Ebene!
5. Und die Herrlichkeit Gottes
wird erscheinen.
Und alles Fleisch zusammen
wird es sehen,
denn der Mund des Herrn spricht es.
6. Eine Stimme sagt:“Rufe!“
Und er sagt:“Was soll ich rufen?“
„Alles Fleisch ist wie Gras
und alle seine Güte ist
wie die Blüte des Feldes.
7. Das Gras verweht,
die Blüte verwelkt,
denn der GHerrn weht darüber.
Wie das Gras ist der Mensch.
8. Das Gras verweht. Die Blüte verwelkt.
Aber das Wort Gottes bleit in Ewigkeit.

 

Hans bittet seine Frau mit ihm zu kommen, um sein neues Modell der Autobahn anzusehen. Er erklärt:“Siehst du, hier ist ein Tal, das kann ich auffüllen mit dem Aushub des nachfolgenden Hügels. Hier ist der Berg zu hoch, da muss ein Tunnel hin.Über den Fluss kommt eine Brücke. In der Ebene braucht es nichts Besonderes, nur ein Trassee. Gefällt es dir?“

Anna schaut das Modell an. Sie weiss, dass ihr Mann, der Bauingenieur ist, gerne ein Lob hört. Also antwortet sie:"Das Modell gefällt mir. Wie teuer wird es denn werden und wie lange wird es brauchen bis es fertig ist?"

Hans überlegt. Mit dem Geld ist es so eine Sache. Der Staat gibt nur zögernd kleine Summen frei. Brücken und Tunnel kosten viel Geld. „Ich weiss nicht, wie lange es dauern wird," antwortet er, „Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wenn die Regierung mir genügend Geld zuspricht kann es in drei Jahren fertig sein und kostet dann pro km etwa 1 Millionen Franken. Dauert es länger werden die Kosten höher, und zwar die Lohnkosten und das Material. Genau ist es nicht abzuschätzen."

Anna lächelt. „Ich wünsche dir viel Glück," erklärt sie. Anna, die viele Sprüche auswendig kennt, fällt etwas ein, das auf das Modell von der Autobahn passt. Sie sagt zu Hans:

„Eine Stimme ruft in der Wüste:
Bahnt den Weg des Herrn!
Ebnet in der Steppe eine Strasse für unseren Gott!
Alle Täler sollen aufgefüllt werden
und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden!
Das Höckerige soll eben werden
und Felsblöcke zur Ebene!
Und die HerrlichekeitGottes wird erscheinen.
Und alles Fleisch zusammen wird es sehen,
denn der Mund des Herrn spricht es.

Der Täufer Johannes hat sich in der Wüste auf dieses Wort berufen. Alles Volk lief zu ihm hinaus. Sie wollten sich taufen lassen, aber er verlangte zuerst, dass sie Busse tun sollten, damit ihre Sünden vergeben werden. Sie sollen ihre Kleider und ihre Nahrung teilen. Die Zöllner sollen nur das einnehmen, was ihnen zusteht. Die Kriegsknechte sollen niemandem Gewalt antun. Sie sollen sich vorbereiten auf das Kommen Gottes, auf den Messias. Solen wir uns nicht auch vorbereiten und Busse tun? Hans nickt. Busse tun, das heisst doch, dass ich alles bekenne, was ich Unrechtes getan habe. Er denkt nach. Eigentlich hat er niemandem etwas angetan. Er hat sich immer bemüht freundlich zu sein. Er war freundlich, entgegenkommend, liebevoll zu Frau und Kindern und Enkeln. Welche Sünde soll er bekennen, wenn er keine hat? Er war nie gewalttätig, er hat nichts gestohlen, er hat niemanden zu Unrecht verklagt oder beleidigt. Er hasst auch keinen Menschen. Wie soll er Vergebung erlangen wenn er nichts zu bekennen hat? Er schüttelt seinen Kopf. Dann erklärt er seiner Frau, dass er nichts Böses getan hat. Was soll er da bekennen?

Anna erwidert:"Hast du vergessen, wie du neulich deinen Sohn angebrüllt hast, weil er es wagte, dich um Geld zu bitten, damit er für sich und seine Familie eine Wohnung kaufen kann? Erinnerst du dich daran, wie du wütend nachhause kamst, weil du im Dienst Ärger gehabt hast? Du hast mit mir gezankt obwohl ich nichts getan habe. Soll ich noch weiterfahren? In der Vergangenheit hat es immer wieder Unstimmigkeiten zwischen uns gegeben, weil du keine Kritik vertragen kannst. Schliesslich habe ich dich nur gelobt weil ich Frieden haben wollte, aber ist das richtig?"

Hans ist überrascht. Er hat alles vergessen. Er hat seine Frau auch noch nie um Entschuldigung gebeten. Es ist ihm peinlich.

Da kommt sie ihm zuvor. Sie sagt:"Ich möchte dich um Entschuldigung bitten weil ich gestern ärgerlich war und mit dir geschimpft habe, weil du die schmutzigen Schuhe nicht ausgezogen hast."

Er lächelt:"Ich möchte dich um Entschuldigung bitten, weil ich meinen Ärger über Schwierigkeiten auf der Baustelle an dir auslasse. Du kannst ja nichts dafür, wenn die Bauleute Fehler machen." Er nimmt sie in die Arme. Er ist froh, das sie ihn durch ihr Verhalten ermutigt hat, sie um Entschuldigung zu bitten. Sie entschuldigt ihn auch. Beide sind glücklich.

Vergeben und vergessen gilt nicht nur in der Familie sondern auch in Dorf und Stadt und unter Völkern. Ob Israel und Palästinenser jemals in Frieden miteinander leben können? Wie sieht es in der Ukraine aus, in Syrien und im Sudan?

Deutschland und Frankreich haben oft gegeneinander Krieg geführt, 1870-1871, 1914 - 1918, 1939 - 1945. Jetzt sind sie in der EU, haben eine gemeinsame Währung und stehen füreinander ein. Wir mögen beten, dass es auch in anderen Krisengebieten so geht. Gott schafft Frieden durch den, der da kommt.

Bereitet ihm den Weg!




Dr. theol. Gerda Altpeter
CH 3952 Susten VS
E-Mail: gerda.altpeter@bluewin.ch

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