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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

1. Sonntag nach Trinitatis, 29.05.2016

Predigt zu Der Prediger Salomo 5:9-19; 1. Tim. 6, 6-12; Luk. 12,13-21 (dänische Perikopenordnung), verfasst von Eva Třjner Götke

Ich habe mich darauf gefreut, über das Buch des Predigers im Alten Testament predigen zu können.

Denn dieses Buch hat sich mir neu geöffnet in einer ganz neuen Weise bei einem Studienaufenthalt in Pastoralkolleg von Lügumkloster.

 

Dieser Sonntag bietet die Gelegenheit.

Denn das Evangelium dieses Tages handelt vom Geld!

Und der Prediger schreibt auch vom Geld.

Wie wir uns dazu verhalten sollen.

Denn die alttestamentliche Lesung dieses Sonntags handelt eben vom Reichtum.

Wie wir unseren Reichtum verwalten.

Ganz gleich welche Art von Reichtum.

Sowohl der Reichtum, der mit Geld zu tun hat – als auch der Reichtum, der der Inbegriff des Lebens selbst ist, der Reichtum des Lebens schlechthin. Aufwachen zu noch einem schönen Tag.

 

Das Buch des Predigers gehört im Alten Testament zur sogenannten Weisheitsliteratur. Es besteht aus einigen weisen Worten über das menschliche Leben in all seiner Wechselhaftigkeit – und Ungerechtigkeit, ja es handelt von dem, was es heißt, ein Mensch zu sein.

 

Und über das Geld schreibt der Prediger:

Wer Geld liebt,

wird vom Geld niemals satt,

und wer Reichtum liebt,

wird keinen Nutzen davon haben.

Das ist auch eitel.“

 

Das ist eine typische Aussage des Predigers. Das mit der Eitelkeit. Auch das ist eitel!

Da steht:

Es ist alles ganz eitel, sprach der Prediger, es ist alles ganz eitel.

Es geschieht nichts Neues unter der Sonne.“

 

Das Wort Eitelkeit, die dänische Bibel übersetzt es mit „Leere“, das hier vom Geld ausgesagt wird, kehrt in der Schrift immer wieder.

Der Prediger schreibt von Menschen, die arbeiten, sich abmühen, die versuchen, klug zu werden und Geld zu verdienen und reich zu werden – also das Streben, das wir so gut kennen – und dann sagt er davon: „Auch das ist eitel“.

Das klingt ja nicht besonders ermunternd.

Es klingt so, als sei der Prediger ein Pessimist, der schwarzsieht.

 

Aber dann hörten ich von der neuesten Forschung auf diesem Gebiet auf dem Studienseminar.

Und das veränderte meine Sicht auf diese Schrift völlig – nicht nur für mich, es veränderte diese Schrift selbst und machte sie zu einer evangelischen Schrift.

Und alles dreht sich um dieses eine Wort eitel bzw. leer.

Wie man es übersetzen soll.

 

Denn das hebräische Wort bedeutet Windhauch.

Das hebräische Wort wurde dann ins Griechische und später ins Lateinische übersetzt mit dem Wort vanitas, später ins Dänische mit dem Wort Vergänglichkeit und Eitelkeit – und in der neuen Übersetzung Leere.

Aber da sollte stehen ‚Windhauch‘!

Alles ist ‚wie ein Windhauch‘.

Geld ist ‚wie ein Windhauch‘.

Reichtum ist ‚wie ein Windhauch‘.

Unsere Freude an der Arbeit ist ‚wie ein Windhauch‘.

Das Leben ist ‚wie ein Windhauch‘.

Also kurz.

Flüchtig.

Wie im Gleichnis dieses Sonntags: Der Mann, der Jahre vorausdenkt und in seine Scheunen sammelt, hat sich gedacht, sich zur Ruhe zu setzen – froh und selbstzufrieden:

Du Narr! Diese Nacht wird man dein Leben von dir fordern – vielleicht stirbst du diese Nacht – und wem wird dann all das gehören, was du gesammelt hast?“

 

Von dieser Erfahrung handelt das Buch des Predigers: Das kurze Menschenleben.

Die Kindheit – rasch ist sie vorbei. Wie ein Windhauch.

Die Jugend – plötzlich sitzt man in einem Haus mit Raten, die jeden Monat bezahlt werden müssen.

Das Glück – auch das ist ein Windhauch – morgen kann es sich wenden, wenn wir zum Arzt müssen.

Reichtum – ja die Opfer der Finanzkrise wissen, wie wechselhaft der ist – wie ein ‚Windhauch‘.

 

Wie sollen wir mit dieser Erfahrung leben?

Dass alles verschwindet und sich verändern kann von einem Augenblick zum andern?

Kann man darauf eine Weisheit aufbauen?

 

Ja! Der Prediger sagt es am Ende des Textes für diesen Sonntag:

Es ist gut und fein, wenn man isst und trinkt und guten Mutes ist bei allem Mühen, das einer sich macht unter der Sonne in der kurzen Zeit seines Lebens, die ihm Gott gibt; denn das ist sein Teil.“

Also – sein Teil ist, sich des Lebens zu freuen. Und dann heißt es: „Wenn Gott einem Menschen Reichtum und Güter gibt und lässt ihn davon essen und trinken und sein Teil nehmen und fröhlich sein bei seinem Mühen, so ist das eine Gottesgabe“.

Da haben wir Worte der Weisheit.

Es ist eine Gottesgabe, sich des Lebens zu freuen.

 

Das können wir ja nicht notwendigerweise von selbst.

Sieh selber: Wer Geld liebt, wird vom Geld niemals satt.

Oder wir, die arbeiten, werden damit nie fertig.

Da ist immer noch eine Mail, die man lesen muss.

Oder der, der dazu erzogen ist, die Zeit zu nutzen - da ist immer gerade etwas, was zu tun ist, man kommt nie dazu, sich in den Liegestuhl zu legen – mal ist es das Unkraut, mal dies, mal jenes. Man ist effektiv – aber die Früchte der Mühen genießen, dazu hat man keine Zeit.

Es ist eine Gabe von Gott: Sich des Lebens zu freuen, auch wenn es kurz ist, selbst wenn es wechselhaft ist – ja, es ist eine Gabe von Gott, sich über jeden einzigen Augenblick freuen zu können, der einem geschenkt wird.

Erkennen wir das – so erkennen wir die Demut gegenüber dem Leben: Dass es etwas ist, was mir geschenkt ist. Dann verstehen wir auch, was Jesus im Evangelium dieses Tages sagt:

Sehet zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat.“

Das Leben eines Menschen hängt davon ab, ob wir Freude am Leben haben.

Ob wir dafür danken können.

Ihm gegenüber demütig sein können.

Uns nicht im eigenen Erfolg sonnen, sondern dankbar sein können.

Erkennen, dass man Glück gehabt hat.

Und die Freude an die weitergeben, unter denen man lebt. Sie weggeben, von seinem Reichtum geben, ihn brauchen, damit anderen eine Freude machen – nicht in Scheunen aufbewahren, vielleicht verlierst du diese Nacht dein Leben. Wem gehört dann all das, was du gesammelt hast?

 

Reich sein für Gott – wie Jesus im Evangelium sagt – heißt reich sein in dem Glauben, dass es etwas gibt, was nicht den Charakter eines Windhauchs hat.

Da ist etwas, was nicht der Wechselhaftigkeit unterliegt.

Das Leben hat einen Ursprung.

Der unser Anfang und unser Ende ist.

Und da schließt das Buch des Predigers:

Denn der Staub muss wieder zur Erde kommen, wie er gewesen ist, und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat.“

Amen.



Pastorin Eva Třjner Götke
DK-5230 Odense M
E-Mail: Etg(at)km.dk

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