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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

Christnacht, 24.12.2016

Predigt zu 2. Samuel 7:1-14a, verfasst von Oliver Behre

Liebe Gemeinde,

die Heilige Nacht, das ist der Ort in der Zeit, in der Gott zu uns kommt. In der er uns seine Gegenwart schenkt.

 

Jahr um Jahr erinnern wir uns dazu an diese wunderbare Geschichte vom Kind, das unter erbärmlichen Umständen in einem Unterstand für Tiere zur Welt kommt. So ärmlich die Verhältnisse der Geburt auch sind, so herrlich ist das, was darum herum passiert.

Der Himmel strahlt hell. Die Engel geben ein Konzert: Ehre sei Gott in der Höhe. Euch ist heute der Heiland geboren.

Wer die Botschaft der Engel zu hören vermag, der entdeckt in dem Kind in der Krippe die Hinwendung Gottes zu den Menschen. Er beginnt da, wo die Not am größten ist.

 

Gott hat einen Ort in dieser Welt. Die Geschichte vom Kind in der Krippe steht im Kontrast zu dem, wie Menschen bereits Jahrtausende zuvor ihren Göttern einen Ort in der Welt bereiten wollten.

Auch David, der als König Sohn Gottes genannt wurde, handelte nicht anders:

Lasst uns ein Haus für Gott, einen Tempel  bauen, damit er auf immer und ewig unter uns wohne!

 

Auch unser Kirchen und Moscheen,  jeder Ort, der als Gebetsstätte neu errichtet wird, ist der menschliche Versuch, Gott zu bewegen, unter uns Wohnung zu beziehen. Mit uns zu sein. Gott dazu zu bringen, uns seine Gnade zu gewähren und vor allem Schlimmen zu bewahren.

Wir glauben zwar an einen Gott, der im Himmel wohnt, und sind Anhänger einer Hochreligion. Doch unsere religiöse Natur ist seit Jahrtausenden immer noch gleich: Wir versuchen Gott zu bestechen. Mit unseren guten Werken. Unserer Frömmigkeit. Wir investieren viel, um den Höchsten auf unserer Seite zu wissen.

So entbrannte auch im 19. Jahrhundert noch ein Wettstreit zwischen den großen Nationen, wer die größte Kathedrale vorzuweisen hat und im Heiligen Land die meisten religiösen Pilgerstätten betreibt.

 

Die Weihnachtsgeschichte erzählt die Antwort Gottes auf solches menschliche Bemühen:

Ihr braucht mir keinen festen und prachtvollen Tempel zu errichten. Ich suche und finde mir selbst den Ort, wo meine Herrlichkeit in dieser Welt Eingang findet.

Ich brauche kein großes Gebäude aus Stein, dass meine Herrlichkeit in der Welt sichtbar wird. Ich will mich im Leben der Menschen und im Gang der Geschichte meines Volkes verherrlichen.

 

Das war auch die Antwort, die König David bekam:

Nicht du sollst mir ein Haus bauen, sondern ich werde dir, deinen Nachkommen und dem Volk Israel ein Haus bauen, in dem sie sicher leben können. Bis heute gilt deshalb dem jüdischen Volk ihr Land als Haus Israel, als sicherer Ort vor Verfolgung und Vernichtung.

 

Gottes Herrlichkeit benötigt keine von Menschen prunkvoll errichteten Gebäude. Seine Herrlichkeit zeigt sich vielmehr im Leben von Menschen und im Lauf der Zeit.

Und davon erzählt die Weihnachtsgeschichte, die Geschichte von der Geburt des Sohnes Gottes im Stall.

 

Einer der größten Irrtümer unserer Zeit besteht wohl darin, dass wir denken, wir hätten verstanden. Unser Glaube sei ausgereifter und entwickelter als die primitiven Gottesbilder und Glaubensvorstellungen vergangener Tage. Wir tragen den Glauben in uns, wo bei anderen nur Aberglaube zu finden ist.

Nichts haben wir verstanden! Unsere religiöse Natur ist immer noch dieselbe wie vor Jahrtausenden.

Wenn wir Gott gnädig stimmen können, dann würden wir uns auch heute auf Pilgerreise begeben, heilige Ort mit Votivtafeln schmücken und fromme Werke tun, um Gott an unserer Seite zu wissen. Und wir tun es ja auch!

 

Es macht freilich keinen Sinn, gegen diese Art der Frömmigkeit zu Felde zu ziehen. Unsere religiöse Natur können wir doch nicht überlisten!

Sinn macht vielmehr, auf das zu hören, was Gott uns zu sagen hat, so wie damals bei David:

 

Dein Nachfolger wird mir einen Tempel errichten. Doch meine Herrlichkeit werde ich auf meine Weise unter euch wohnen lassen. Entscheidend ist nicht, was ihr für mich tut, sondern das ihr meiner Zusage und meinem Wort traut.

Ich will mit euch sein.

Aber nicht zuerst mit den Reichen und Mächtigen, in Prunk und Glanz, sondern ich will mit euch sein in aller Armut, allem Leiden und aller Not.

Dort werdet ihr mich zuerst und vor allem finden.

 

So feiern wir Weihnachten.

Und die rechte Zeit, dieses Fest zu feiern, ist die Nacht. Dann, wenn es dunkel ist unter den Menschen.

Dann kommt Gott zu uns. Und schenkt uns ein Licht, ganz klein und unscheinbar.

Doch wer auf den Himmel achtet, der erkennt: In dem kleinen Licht wohnt die ganze Fülle der Herrlichkeit Gottes.  



Pfarrer Oliver Behre
07589 Münchenbernsdorf
E-Mail: pfarramt.muenchenbernsdorf@gmx.de

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