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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

Himmelfahrt, 25.05.2017

Predigt zu 1. Könige 8:22-29, verfasst von Hilmar Menke

Liebe Gemeinde,

König Salomo hat das vollendet, was seinem Vater David nicht erlaubt wurde: Er hat dem Herrn einen Tempel gebaut. Die Lade des Bundes - Thron des Allmächtigen - Zeichen der Gegenwart Gottes auf dem Weg ins gelobte Land, auf den Umwegen durch die Wüste - sie ist in das Allerheiligste des Tempels gebracht. Nicht mehr das „Zelt der Begegnung”, die sogenannte „Stiftshütte“, beweglich, ortsungebunden, ist der Platz des Gottesthrones. Einen festen Platz hat er auf dem Heiligen Berg Zion gefunden. Der Altar ist errichtet, Opfer in großer Zahl sind dem Herrn dargebracht worden.

Und der König betet im Angesicht des ganzen versammelten Volkes - laut, so dass jeder es hören kann.

Er preist Gott, den Unvergleichlichen; er dankt dem, der sich nicht zu schade war, einen Bund zu schließen mit einem kleinen Sklavenvolk; er dankt dem, der in seiner großen Barmherzigkeit die Schuld nicht zurechnet und seine Verheißung erfüllt trotz Tanz um das Goldene Kalb, trotz Davids Ungerechtigkeit...

Dann seine Bitte: Nachdem Gott seine große Verheißung dem Volk gegenüber erfüllt hat, möge er auch die Verheißung an David und seine Nachkommen erfüllen: Dass immer ein Mittler sei zwischen Gott und seinem Volk - der König, der „vor ihm steht” für das Volk und über dem Volk thront - für den Herrn; eine Bitte, nicht ohne Eigennutz, wie ich finde, und doch zugleich zum Wohl aller.

Und dann etwas Überraschendes: Salomo stockt, betet nicht weiter. was mag die Menschenmenge gedacht, gefühlt haben. Hat ihn die Größe des Augenblicks übermannt? Wo bleibt seine Weisheit, von der man schon Legenden erzählt...?

Weise ist er wirklich, der sprichwörtlich weise - gerade hier zeigt es sich. Er lässt sich nicht mitreißen vom Ereignis, auch nicht von seinen eigenen Gefühlen und seiner eigenen Beredsamkeit. Seine Weisheit verordnet ihm eine Denkpause - und laut spricht er es aus, was er denkt, unterbricht das Gebet: „Aber sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Und er gibt selber die Antwort - überraschend , vielleicht sogar erschreckend für viele seines Volkes weiß er: Nichts kann Gott fassen, nicht der Himmel und aller Himmel Himmel - wieviel weniger eine Bundeslade, ein Zelt, ein Haus, ein Tempel.

Dürfen wir weiterdenken? Auch kein ein Bild kann den Herrn fassen, sei es nun ein gemaltes oder geschnitztes, oder eines, das Menschen sich nur in ihrer Fantasie machen... Und noch weiter:

Kein Opfer kann ihn beeinflussen - kein Gebet wird seinen guten Willen verändern.

"Sollte Gott wirklich auf Erden wohnen" - und die Antwort für Salomo kann nur heißen: Nein!

Ein weiser Mann, tatsächlich...

 

Und doch: Wir haben ihm etwas voraus, etwas weiß er nicht - kann er nicht wissen trotz all seiner Weisheit:

Wir wissen, wir glauben und bekennen: Gott ist Mensch geworden und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit...

Wir sahen seine Niedrigkeit in dem, was die Evangelien uns erzählen von Geburt und Leben, Leiden und Tod Jesu - wir sahen die Liebe Gottes in dem, was uns berichtet wird von dem, was er tat und sprach - ja, und seine Herrlichkeit in der Auferweckung vom Tode - die sahen wir auch - durch die Augen derer, die ihn sahen - durch die Augen der Frauen am Grab und des Petrus und der Apostel und des

Paulus - und vieler anderer.

"Sollte Gott wirklich auf Erden wohnen?"- ja, er hat es getan - und er, Jesus von Nazareth, dessen menschliche Abkunft die Evangelien auf David zurückführen, den manche seiner Zeit „Sohn Davids” nannten - er hat auch die Verheißung erfüllt, um deren Erfüllung Salomo bittet: „Nun, HERR, Gott Israels, halt deinem Knecht, meinem Vater David, was du ihm zugesagt hast: Es soll dir nicht fehlen an einem Mann, der vor mir steht, der da sitzt auf dem Thron Israels... „

„Jesus von Nazareth, der Juden König”, so stand es an seinem Thron, am Kreuz. Er ist und bleibt für alle Zeit der einzige Mittler zwischen Gott und Mensch, zwischen dem Herrn und seinem Volk.

Ihn kann kein Haus halten, kein Tempel einschließen, keine Vorstellung fassen - und erst recht keine menschliche Macht manipulieren, handhaben, festhalten, einsperren - das haben seine Freunde erfahren am Tag der Himmelfahrt, an dem er sie verließ um ganz bei ihnen zu sein und bei allen Menschen.

Kein König wird mehr gebraucht, kein Priester, der zwischen Gott und uns Menschen steht Kein Tempel ist mehr nötig, kein Allerheiligstes mehr möglich.

.Es gehen wohl auch deshalb viele Gemeinde heute mit ihren Gottesdiensten ins Freie, um das zum Ausdruck zu bringen - auch unsere Kirchen können, dürfen nicht zum Mittel werden, ihn, unseren Gott, einzuschließen.

Wozu?

Jesus Christus selbst lädt uns ein zum Gebet, zum Gespräch mit ihm und mit dem Vater; überall ist das möglich und jederzeit - natürlich - aber wir Menschen brauchen wohl den Ort, der uns daran erinnert - die Menschen, die mit uns beten - die Versammlung derer, die ihm vertrauen. Darum versammeln wir uns und bitten miteinander

versammeln uns in der Kirche, unter dem Kreuz - dem Zeichen, dass Gott unter uns wohnt in seiner Niedrigkeit und seiner Herrlichkeit:

Weil der Mensch den Ort braucht, der ihn erinnert an die Allgegenwart Gottes, die Vorstellung von dem Unvorstellbaren, das Zeichen der Ehrfurcht und Verehrung, das Gespräch mit Gott in all seinen Formen, in Klage und Lob, in Bitte und Dank...

„Lass deine Augen Nacht und Tag geöffnet sein über die Stätte, von der du gesagt hast: Mein Name soll dort sein, dass du hörst auf das Gebet, das dein Knecht zu dieser Stätte hin betet. „

Amen.

 



Sup.i.R. Hilmar Menke
21781 Caenberge
E-Mail: hhfjmenke@aol.com

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