Göttinger Predigten

deutsch English español
português dansk Schweiz

Startseite

Aktuelle Predigten

Archiv

Besondere Gelegenheiten

Suche

Links

Gästebuch

Konzeption

Unsere Autoren weltweit

Kontakt
ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

8. Sonntag nach Trinitatis, 06.08.2017

Predigt zu Jesaja 2:1-5, verfasst von Hilmar Menke

Man müsste ja wohl blind sein, um nicht zu sehen, dass die Wirklichkeit ganz anders aussieht als der Profet sie beschreibt: Jerusalem, das „Heilige Land” ist in unseren Tagen wirklich alles andere als der Mittelpunkt des Weltfriedens; es ist eher schon Sinnbild, Symbol für das Gegenteil - es steht nicht für Waffenlosig- keit und Versöhnung, sondern eher für Hass, Terror und Gegenge- walt, für Kriegsbereitschaft zwischen Völkern und Rassen - eher so etwas wir Zentrum der Konfrontation zwischen Religionen und Kulturen als Kern eines Reiches des Weltfriedens - es ist eher

Symbol der Hoffnungslosigkeit als Zeichen der Hoffnung...

Man müsste schon blind sein, um nicht zu sehen, dass so oft in der Geschichte der Menschheit aus den Pflugscharen Schwerter wurden, aus den Sensen Spieße und aus Glocken Kanonen - dass in aller Welt mehr aufgewandt wurde - und wird - für Beschaffung und Entwick- lung neuer Waffen; mehr an Geld und mehr an Geist - als für die "Waffen des Friedens” - dass sich Staaten die riesigen Kosten für die Entwicklung von Atomwaffen leisten, während große Teile der Bevölkerung hungern und verhungern - dass alles, was die Mensch- heit entdeckt, erforscht, erfunden und entwickelt hat zur Waffe wurde...

Blind für die Wirklichkeit unserer Welt: Es ist sicher kein Zufall; dass dieser Vorwurf :in der Auseinandersetzung um den Frieden und um den Weg dorthin immer wieder erhoben wurde - gegenseitig: Seht ihr nicht, wie gefährlich der Nachbar ist, der „Erbfeind”, der Andersdenkende und Andersglaubende. Seht ihr nicht, wohin einseitiger Verzicht auf Waffen führt - nicht zur Ruhe des Friedens , sondern zur Friedhofsruhe nach dem Überfall des Gegners, zur Unterdrückung und Unfreiheit - nicht zum Ende des Terrorismus, sondern zum Beginn einer ganz neuen Art von Terror? Seht ihr nicht, dass selbst diese Auseinandersetzung um den richtigen Weg zum Frieden - eher mehr an Unfrieden, an Hass, an Feindschaft und sogar

an versteckter und offener Gewalt gebracht hat?

Also - irren wir in unserer Welt umher ohne etwas zu sehen. Ist das, was der Profet sagt nur eine weitere Stimme in diesem Konzert "mit Blindheit Geschlagener?

Wenn das so wäre - ja, dann wäre eigentlich alles egal, gleichgültig - dann könnten wir die Diskussion um den Frieden abbrechen und es dem Zufall oder der Laune der Mächtigen überlassen, was aus unserer Welt wird - und aus unseren Nachkommen...

Aber, der Profet schaut etwas, er sieht - und er sieht klarer -

weil er nicht. rückwärts blickt in die düstere Vergangenheit der Menschheit und nur sieht, was immer schon so war; weil er nicht fasziniert auf. die Gegenwart starrt, in der alles so zu sein scheint wie immer - sondern weil er in die Zukunft .blickt...

Er sieht klarer, weil sein Blick nicht nur auf dieser Welt ruht und erst recht nicht auf den Menschen oder der Menschheit allein - sondern weil er auf Gott schaut - und weil er beides zusammen sieht: Die Zukunft der Welt und des Menschen ist die Zukunft Gottes...

Wie Menschen letztlich so etwas wie Frieden zustande bringen - dafür ist das immer wieder notwendige Gedenken an das Ende des Krieges in Europa nötig - das Gedenken an den ersten Abwurf einer Atombombe in Hiroshima Anfang August, die so unsagbares Leid über so viele Menschen gebracht hat - bis heute -- und der doch wohl ausschlaggebend war für die Beendigung des Krieges. Aber den Frieden hat er nicht gebracht..."

Jahrzehntelang drohte der „kalte Krieg” heiß zu werden - jahrzehnte- lang führten die Großmächte ihre Stellvertreterkriege - in Korea, in Vietnam, auf dem afrikanischen Kontinent - und sie tun es heute noch oder wieder vermehrt. Auch nach dem Ende der Konfrontation zwischen Ost und West ist kein Friede in dieser Welt - und er erscheint heute brüchiger als zu vor.

Gottes Frieden am Ende der Zeit wird nicht herbeigebombt werden - Gottes Friede am Ende der Zeit wird nicht durch Konfrontation und Abgrenzung geschaffen - Er selbst wird der Mittelpunkt der Welt sein - zu ihm werden die Menschen aus Ost und West, aus Süd und Nord blicken und kommen - von ihm werden sie sich belehren

lassen - von ihm ihr Recht bekommen und ihre Zurechtweisung

- er wird zeigen, wie aus Waffen - aus Werkzeugen der Vernichtung und Zerstörung - Werkzeuge des Lebens werden, des Aufbaus - von ihm werden sie lernen, wie man Frieden macht.

So hat es dieser Profet geschaut und viele andere mit - so hat es Jesus von Nazareth gesehen und gelebt mitten in der Welt des Unfriedens - ja, und darum ist das alles für mich auch nichts unwirkliches, weil es durch Jesus Christus Wirklichkeit wurde, mitten in der Realität der Welt.

Dass wir mehr zu tun haben und mehr tun können als diesen Frieden Gottes abzuwarten und bis dahin entweder die Hände in den Schoß zu legen - oder so zu leben, als gäbe es das gar nicht - das sagt uns der Profet auch:

Kommt nun - setzt euch in Bewegung und zwar jetzt - ihr vom Hause Jakob, die ihr zum Volk Gottes gehört - zur Gemeinde, zur Kirche Jesus Christi - lasst uns wandeln im Licht des Herrn - ja, lasst uns die Welt so sehen wie sie im Licht der Zukunft Gottes erscheint - lasst uns so leben dass andere wenigstens einen kleinen Widerschein dieses Lichtes in unserem Leben erkennen können.

Die Richtung, in die das, was wir tun können, geht sie ist eindeutig und von uns nicht beliebig zu verändern - sie geht in die Richtung des Friedens Gottes - Waffen zu Werkzeugen machen - nicht gewalttätig werden - nicht lernen, wie man Krieg macht...

Der Weg, der dahin führt - ja, darüber müssen wir reden: im Angesicht Gottes, im Blick auf Jesus Christus - nicht geblendet vom Zustand der Welt - nicht einäugig durch Ideologien, Weltanschauungen, politische Meinungen und Bindungen - nicht

von Angst gelähmt oder von hektischer Aktivität getrieben - vor allen Dingen aber so, dass wir nicht noch mehr Unfrieden in diese friedlose Welt bringen.

Ich habe mich daran erinnert, dass auch zu der ersten Gemeinde Jesu Christi - zu seinen Jüngern - offensichtlich sehr unterschiedliche Menschen gehörten mit sehr unterschiedlichen Meinungen, Hoffnungen und Vorstellungen: Ich denke an den Jünger, der nicht nur ein Schwert trug, sondern es auch benutzte, als Jesus gefangen genommen wurde - Ich denke an den Jünger, der alles, selbst das

sprichwörtliche letzte Hemd aufgab als die Soldaten der damaligen Weltmacht kamen - und dass beide mit den anderen zusammen begannen, Gottes Zukunft den Menschen zu verkünden..



Superintendent i.R Hilmar Menke
Cadenberge
E-Mail: hhfjmenke@aol.com

(zurück zum Seitenanfang)