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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

8. Sonntag nach Trinitatis, 06.08.2017

Wo sich Himmel und Erde berühren.
Predigt zu Jesaja 2:1-5, verfasst von Thomas Jabs

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

 

Liebe Gemeinde!

Die Erlebnisse der Tania Blixen wurden vor einigen Jahren zu dem Film Jenseits von Afrika. Für das Jenseits gibt es eine Schlüsselszene.

Die Heldin des Films, wohlgemerkt sie hat wirklich gelebt, war mit einem Tross in der Afrikanischen Savanne unterwegs. Um sich nicht zu verirren gab es eine einfache Regel:

Jeden Morgen suchte sie einen festen Punkt am Horizont. Darauf steuerte sie den Rest des Tages zu. Den Horizont errichte sie nie, die einzelnen Punkte sicher, wenn auch nicht immer an einem Tag. Das Ziel ihrer Reise fand sie sicher, weil sie immer vor Augen hatte, wo sich Himmel und Erde berühren, den Horizont ihrer Reise und sie wusste die festen Punkte unterwegs. So gelangt man sicher zum Ziel in dieser Welt.

In dieser unserer Welt zum sicheren Ziel gelangen als Durchreisender mitten im Tross der Geschichte, was will man mehr vom Leben?

Jesaja schrieb, wie es geht.

Jes 2, 1-5

Dies ist's, was Jesaja, der Sohn des Amoz, geschaut hat über Juda und Jerusalem:

Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des Herrn Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen,

und viele Völker werden hinaufgehen und sagen: laßt uns auf den Berg des Herrn gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, daß er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem.

Und er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen Krieg zu führen.

Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Licht des Herrn.

Dies ist's, was Jesaja, der Sohn des Amoz, geschaut hat über Juda und Jerusalem:

So fängt ein Buch oder wenigstens ein Kapitel eines Propheten an. Es ist früh am Morgen dieses Propheten, dieses seines Buches. Es wird sich noch viel ereignen, vieles hat er zu sagen auf dem Weg durch den Tag.

Doch erst einmal gilt es den Horizont zu sehen, dort wo Himmel und Erde sich berühren. Nur wer diese Linie findet ist wahrhaft ein Prophet. Am Horizont schließlich gilt es den einen festen Punkt zu fixieren, der die eigene Zukunft sein wird. Nur so kann man sich auf den Weg machen ohne unterwegs in die Irre zu gehen.

Es wird zur letzten Zeit, das meint nicht erst Gottes Reich nach unserem Tode. Das ist der Horizont, dort wo Gottes Reich unsere Geschichte, wo Himmel und Erde sich berühren.

Es ist keine Utopie jenseits unserer Wirklichkeit. Es ist die Richtung in die wir leben. Wie der Horizont noch irdisch und schon himmlisch ist. Jederzeit fern von uns je weiter wir gehen, je weiter geht er uns voran. Doch genau das will er: uns vorangehen und uns locken ihm zu folgen, diesem Horizont, an dem es feste Punkte gibt, die wir schon jetzt erreichen können auf dem Weg zu unserem Ziel.

Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des Herrn Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen,

und viele Völker werden hinaufgehen und sagen: laßt uns auf den Berg des Herrn gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, daß er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem.

Das sind die Fixpunkte am Horizont, die der Geschichte der Menschheit, der Völker, jedes Volkes, jedes Menschen vorgegeben sind. Des Herrn Wort. Für Jesaja und die Juden aller Zeiten auch heute klar die Thora für uns klar Jesus Christus. Wir haben einen festen Punkt in der Geschichte. Nicht irgendwo im Jenseits. Mitten in dieser Welt ist die Thora geschrieben und wird gelesen, mitten in dieser Welt hat Jesu von Nazareth gelebt, geredet, wurde verfolgt, gekreuzigt und ist auferstanden.

Und er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen.

Pflugscharen und Sicheln gehören in diese Welt und nicht in ein unerreichbares Jenseits.

Es ging Jesaja um sein Volk in seiner Zeit und es geht um unsere Welt.

Wir wissen aber:

Damals zu Jesajas Zeiten gab es alle paar Jahre Krieg und es kamen Völker, große Heere hinauf nach Jerusalem. Sie wollten es erobern, plündern und zerstören nicht Weisung holen. Nicht einmal das eigene, das jüdische Volk kam. Das versuchte dann ein König durchzusetzen. Doch davon hatte ja Jesaja nicht gesprochen, in seinen Worten kommen die Völker freiwillig und voller Freude.

Wir wissen: Weder ist der Zion der höchste Berg, nicht einmal in der unmittelbaren Umgebung.

Was wissen wir schon?

Es steht die Behauptung: Die Geschichte der Menschheit sei eine Geschichte von Kriegen.

Was wissen wir denn schon. Das ist doch ausgemachter Blödsinn. Richtig ist: Der größte Teil der Geschichtsschreibung der Menschheit ist Geschichtsschreibung über Kriege. Doch sollten wir unsere Sicht der Dinge nicht mit Gottes Wirklichkeit auf dieser Welt verwechseln. Wohl haben Kriege Ländergrenzen entschieden und doch lebten vor und nach der Grenzverschiebung Menschen dort, wurden geboren und erwachsen, arbeiteten und sangen, heirateten und tanzten, waren krank oder wurden heil, starben einen frühen Tod oder alt und lebenssatt. Das einzige was richtig ist an unserem Wissen ist die Kontinuität unserer beschränkten Wahrnehmung.

Gottes Welt hier war zu allen Zeiten und an allen Orten mehr eine Welt des Friedens als des Krieges doch wir haben in aller Geschichtsschreibung genau wie in allen unseren neuen Massenmedien den Eindruck es sei andersherum.

Über 900 Millionen Menschen haben selbst in den letzten beiden Wochen friedlich gelebt.

Nur einige Attentäter schritten auf dem Weg des Terrorismus fern des Friedens ohne Gottes Horizont. Nur einige wenige Regierungen führen Krieg gegen das eigene Volk und nur ganz wenige Völker sind vom Krieg betroffen.

Natürlich wurden tausende Glocken zu Kanonen im Europa des 20. Jh. und dennoch gab es egal in welchem Jahr immer mehr Glocken als Kanonen immer viel mehr Orte in denen die Glocken zu hören waren und nicht die Kanonen.

Nein. Nicht das Wort des Jesaja ist eine weltfremde Utopie. Was wir zu wissen meinen ist utopisch.

Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen Krieg zu führen. Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Licht des Herrn.

Das allerdings hat es denn doch noch nie gegeben: dass kein Volk das Schwert erhob. Und doch: Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Licht des Herrn.

Darum ging es Jesaja: Lasst uns wandeln im Licht. Jesaja stand im Licht seines Prophetenmorgens. Sein Buch im Zweiten Kapitel gerade erst zur Zeit des Sonnenaufgangs, da an dem Punkt wo Himmel und Erde sich berühren, das Licht erglüht.

Und dort am Horizont sah er:

Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen Krieg zu führen.

Dorthin rief er sein Volk, nicht alle. Denn er sah die Rüstungsanstrengungen und die Bündnispolitik seiner Zeit, die sich gegen die damalige Weltmacht richteten.

Er sah es und sah sein Volk in die Irre gehen. Er sah sie gerade im Begriffe ihre Sicheln und Pflugscharen zu Schwertern zu schmieden. Und er sah den Untergang, der darauf folgen musste.

Für sein Volk blickte er zum Horizont, dort wo Himmel und Erde sich berühren, dort wo Israel und Gottes Wort sich begegnen sollten und er sah Frieden. Nicht er war der Utopist seiner Zeit sondern diejenigen, die meinten mit Waffen die Weltmacht stürzen zu können. Jesaja hatte Recht behalten. Die Waffenträger seines Jahrhunderts haben nicht überlebt und ihre Waffen wurden Schrott und schließlich wieder Sicheln und Pflugscharen, denn die werden immer gebraucht zum Leben. Immer gebraucht zum Leben wurden die Worte Gottes auch die er durch Jesaja sprach und darum sind sie uns bis heute erhalten.

Mit der Ausbreitung des Judentums und später Christentums und selbst des Islam, breiteten sich zumindest zehn Gebote der Bibel aus. Wir nennen sie die Zehn Gebote und kennen oft nur diese. Doch es sind die wichtigsten, und sie regeln ein Zusammenleben, das Frieden und Gerechtigkeit gewährt. Und wie immer wir über die böse Welt zetern mögen: Die Regel ist der Frieden und die Gebote und das Gewissen, der Krieg zwischen Völkern oder Nachbarn ist in jedem Fall die Dummheit und meist die Ausnahme.

Unsere Welt ist kein Paradies und doch ist Gott in ihr. Doch wird sie von ihm erhalten.

Noch spielen Kinder mit Plastepistolen, bezahlt jedes Volk Unsummen für das Erlernen des Krieges, noch strotzen die Länder von Truppenübungsplätzen noch ist Gewalt unter den Völkern.

Und doch ist Gott mit seiner Gerechtigkeit in dieser Welt. Es ist eben nicht zwischen allen Völkern Krieg und Hass.

Es gibt eben doch mehr Frieden zwischen den Völkern als Krieg.

Es gibt eben doch den Horizont die Berührung Himmels und der Erden, Gottes mit unserer Geschichte.

Das will Jesaja mit den letzten Worten seinem Volk sagen: "Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Licht des Herrn."

Und das selbe ist uns Christen gesagt: Von Paulus in der heutigen Epistel: Lebt als Kinder des Lichts; Die Frucht des Lichts ist lauter Güte Gerechtigkeit und Wahrheit. und von Jesus im heutigen Evangelium:

Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf dem Berge liegt, nicht verborgen sein.

 

Tania Blixen war 1915 mit einem Tross in der Afrikanischen Savanne unterwegs. und hielt sich an eine einfache Regel:

Jeden Morgen suchte sie einen festen Punkt am Horizont. Darauf steuerte sie den Rest des Tages zu. Das Ziel ihrer Reise fand sie sicher, weil sie das Licht immer vor Augen hatte, wo sich Himmel und Erde berühren.

Wer immer seinen Weg durchs Leben sucht 2017 der sehe zum Zion dort wo im Kreuz Jesu sich Himmel und Erde berührten. In solcher Liebe gewaltlos und unbeirrbar, werden wir uns nicht irren können.

Amen

 

Und der Friede Gottes der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen



Pfarrer Thomas Jabs
Berlin
E-Mail: Pfarrer.Jabs@kirche-mahlsdorf.de

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