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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

Okuli, 11.03.2007

Predigt zu Jeremia 20:7-11a, verfasst von Ondrej Prostrednik

Wer kann das nicht nachvollziehen, was uns Jeremia in diesen Worten aus seinem inneren enthüllt? Er gibt zu, dass er sich zum etwas überreden lies, was ihm später ernste Probleme bereitete. Er kann es aber nicht lassen, denn die Sache ist zu tief in seinem Herz eingesiedelt. Er kann nur hoffen, dass er schließlich das richtige tut. Er vergewissert sich in seinem Glauben und das stärkt ihn.

 

Sehr persönlich ist diese Geschichte, über die der Predigttext berichtet. Und trotzdem, oder gerade deswegen so bewegend für jeden von uns. Was können wir als Stärkung aus diesen Worten entnehmen?

 

Auf den ersten Blick reagiert Jeremia auf die Probleme in seinem Dienst typisch menschlich. Er verschiebt den Grund für seine Probleme auf jemanden anderen. Das er in diesem Fall die Verantwortung für seine Schwierigkeiten im Dienst auf Gott schiebt, klingt uns grade zu blasphemisch (Rudolph). Keine Reflexion über mögliche Fehler, keine Reue. Eher Zweifel und Fragen, ob es überhaupt einen Sinn hat das Wort Gottes zu verkündigen, wenn es ihm nur Probleme bereitet. Das ist aber eigentlich das, was diese Worte von Jeremiah und die von ihm gezogenen Konsequenzen sehr glaubwürdig macht. Trotz der Verfolgung die gegen ihn wegen seiner Verkündigung gerichtet ist, bleibet er seinem Auftrag treu. Trotz Verfolgung zweifelt er am Ende nicht an der Treue Gottes.

 

Der Sonntag Okuli orientiert unsere Gedanken an die Verheißung, dass Gott die Augen die im Leiden auf ihn sehen und von ihm Hilfe erwarten, wahrnimmt und mit Stärkung der Leidenden Antwortet (Psalm 25).

 

Nicht viele in Europa haben heute eine Erfahrung mit Leiden und Verfolgung wegen Verkündigung des Wortes Gottes. Doch aber gibt es noch mehrere Christen in ehemaligen kommunistischen Länder die eine Solche Erfahrung haben. Viele Pfarrer und Gemeindeglieder haben sich in den Jahrzehnten in denen Materialismus die offizielle Ideologie des Staates war, genau die selben Fragen wie Jeremia gestellt. Viele waren öffentlich in den Schulen, in Betrieben, auf den Ämtern bespottet, benachteiligt oder sogar vor Gericht gestellt. Und gerade in solchen Situationen waren für sie die Worte Jeremia eine feste Leitung im Zweifel. Obwohl in vielen Hinsichten geschwächt, wurde die Kirche in diesen Ländern nicht zerstört. Jedoch aber wird heute die völlig freie Verkündigung des Evangeliums in unseren Ländern in mehreren Fällen mit Spott und Ablehnung beantwortet. Und wenn wir außerhalb von Europa heute schauen, dann sehen wir, dass es doch noch viele Länder gibt, in denen es politische oder religiöse Verfolgung von Gläubigen, oder Andersgläubigen gibt. Hier also hat der innere Kampf des Propheten Jeremia seine Relevanz. Um eine Stärkung aus diesen Worten zu schöpfen ist es wichtig die Charakteristik der Träger der Botschaft Gottes zu verstehen. Der Predigtext bietet sie in dieser Weise: Ein Bote Gottes steht 1. unter dem Druck der Verfolgung, 2. unter dem Zwang der Sendung, 3. in der Gewissheit der Bewahrung (Voigt).

 

1.

Die Verfolgung, die Jeremiah erfahren musste, war Ergebnis seiner Verkündigung. Als Prophet brachte er eine Botschaft, die kritisch war. Er hat gegen Gewalt und unethischen Handeln gesprochen. Da war eine Gegenreaktion zu erwarten. Seine Worte haben viele Menschen ins Herz getroffen. Einige haben seine Kritik akzeptiert, viele doch nicht.

 

Die Kritik der Gesellschaft ist ein fester Bestandteil der Botschaft der Kirche. Jesus Christus hat sehr klar gezeigt, welche kritische Distanz zur Welt zu einhalten ist. Seine Kritik der Menschen gründete sich an einem klaren und einfachem Prinzip. Die Liebe zum Mitmenschen soll das Motiv unseres Handelns sein. Und er hat kompromisslos alle andere Motive enthüllt und verurteilt. Das war ein Auslöser für die Verfolgung Christi die in seinem Tod am Kreuz endete. In dieser Hinsicht ist Jeremia ein Vorbote von Christus, der diese Haltung konsequent bis zum Tod am Kreuz behielt.

 

Immer dann, wenn es in der Geschichte Menschen gab, die als Christen eine kritische Distanz zu den Entwicklungen in der Gesellschaft beibehalten haben, bedeutete es ein qualitatives Wachsen der Menschheit. Das zu wagen sind wir auch in der heutigen Welt berufen. Trotz der Gefahr, dass die Stellungnahmen der Christen als schwimmen gegen den Strom ausfallen. Das Wort Gottes trifft auch Heute die empfindsamsten Stellen der menschlichen Seele. Wer es heute verkündigt und lebt muss mit dem Druck der Verfolgung rechnen.

 

2.

Die Sendung ist für Jeremia mehr als nur ein Job. Mehr noch als eine Überzeugung, dass er richtig handelt. Sie ist ein Zwang. Er kann nicht anders. Das Wort Gottes nicht zu verkündigen wurde vernichtende Konsequenzen für ihn haben.

 

Mehrere Kirchen müssen sich in der heutigen Zeit mit einer finanziellen Krise auseinandersetzen. Oft sind die Folge eine Reduktion des Dienstes. Pfarrstellen werden gekürzt, Gemeinden zusammengelegt, Einrichtungen geschlossen. Ja, es kann nicht anders gehen. Wirklich nicht?

 

In den postkommunistischen Ländern haben sich die Kirchen rasch daran gewohnt ihre neuen Dienste mit der Unterstützung der Partnerkirchen zu bezahlen. Sicher war das eine wichtige und berechtigte Hilfe zu der gegebenen Zeit. Ohne diese Hilfe standen die Kirchen in der Gefahr völlig nutzlos in der heutigen pluralistischen Welt zu werden. Aber langfristig haltbar war sie nicht. Mit der Kürzung der Mittel aus den verschiedenen Partnerprojekten werden auch viele neu eröffnete Programme und Aktivitäten eingestellt. Als ob der Zwang zur Verkündigung in den verschiedenen Formen der heutigen Zeit fehlen würde. Oft verstehen wir unsere aktive Teilnahme am Dienst der Kirche als eine Option, ein Mehrwert den wir leisten.

 

Ein Dienst, der den Dienenden mit Leben erfüllt. Ein Dienst, der gedient werden muss. Eine Sendung, die ausgetragen werden muss, den ohne das, würden wir Nichts.

 

3.

Jeremia kommt aus seinem inneren Kampf mit Gott gestärkt aus. Er kann die Gewissheit der Bewahrung ausdrücken. Später erweist sich, dass die Worte mit denen unser Predigtext endet mehr, als nur eine persönliche Erklärung einer Glaubensgewissheit sind. Jeremia wird von den Babyloniern, die die Oberschicht des Israelischen Volkes in Gefangenschaft verschleppen, geschont. Er darf selbst über sein Schicksaal entscheiden. Seine Worte sind also auch eine prophetische Vorhersage der Ereignisse.

 

Als Kirche und Einzelne leben wir durch die sich wiederholende Erklärungen unserer Glaubensgewissheit. Wir können immer neu unseren Glauben bekennen und aus der festen Überzeugung leben, dass Gott uns retten wird. Nicht nur das, er wird jeden auch gerecht richten. Ein wichtiger Bestandteil unseres Glaubens, der jede Ungerechtigkeit in unserem Leben relativiert und ihr den richtigen Platz und richtige Bedeutung in unserem Leben beimesst. Das erlaubt uns, dass wir bei jeder Erfahrung der Ungerechtigkeit nicht in Verzweiflung geraten. Das ist möglich durch Christus. Sein Leiden hat unserem Leiden die Sinnlosigkeit entnommen und den richtigen Sinn gegeben. Amen



Ondrej Prostrednik

E-Mail: prostrednik@fevth.uniba.sk

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