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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

Okuli, 11.03.2007

Predigt zu Jeremia 20:7-11a, verfasst von Christiane Neukirch

Vorbemerkung:

Diese Predigt ist für Gehörlose verfasst worden und wird in Gebärdensprache vorgetragen. Dies erfordert eine spezielle, sehr elementare Formulierung der Predigt, damit diese in Gebärden übersetzt werden kann.

 

Liebe Gemeinde!

 

Es gibt mutige Menschen. Menschen, die ihren Weg gehen. Eine Frau zum Beispiel sagt: es gefällt mir nicht mehr in meinem Job. Ich kündige. Heute ist das mutig, finde ich.

Viele Menschen machen es anders. Sie kündigen nicht richtig, nur in Gedanken, wir reden von "innerer Kündigung". Viele Menschen engagieren sich nicht mehr. Ein Lehrer zum Beispiel. Früher hat er für die Schule gelebt. Aber keiner hat Danke gesagt. Die Eltern haben gemeckert, die Schüler haben nicht verstanden: unser Lehrer ist ein guter Lehrer. Dann hat der Lehrer nur noch seine Pflicht getan, ohne Engagement, die Schule, die Schüler waren ihm egal.

 

Der Prophet Jeremia kann nicht kündigen.

Er soll predigen: das Volk Israel soll zu Gott zurückkehren. Grund: Das Volk Israel hat Gott vergessen. Es betet andere Götter an, es hat die Gebote vergessen und das bringt viel Not und Leid. Jeremia soll sie zurückrufen zu Gott. Gott wird euch strafen, predigt er. Wie antwortet das Volk? Jeremia wird verspottet, geschlagen, gefangen genommen. Sein Job ist brutal!

 

Will Jeremia das? Nein! Er will kein Prophet von Gott sein. Aber Jeremia kann nicht kündigen - Gott selbst hat ihn berufen! Gott beruft ihn und Jeremia sagt: Ich bin zu jung! Aber Gott findet nicht, dass Jeremia zu jung ist. Gott sagt: "Ich sende dich da und da und da hin und du sollst gehen! Du sollst predigen - was? Ich gebe dir bescheid!"  So hat Gott gesprochen. So macht Gott Jeremia zum Propheten. Jeremia klagt: "Du hast mich überredet, Gott!" Aber das hilft ihm nicht.

 

Und nur in Gedanken kündigen? Die innere Kündigung? Klappt auch nicht. Jeremia will seinen Auftrag wegschieben, aber da merkt er: er kann es nicht. Wie Feuer brennt es in ihm. Er fühlt: er muss seinen Auftrag annehmen und tun.

 

Bei Jeremia sehen wir: so stark ist das Wort von Gott! Gott spricht und es geschieht so. Das war bei der Schöpfung schon so: Gott sagt: Licht und Finsternis sollen sein, Land und Wasser sollen sich trennen usw - es geschieht so. Jeremia erlebt das Gleiche: das Wort von Gott packt ihn und setzt sich durch! Sein Wille geschieht. Das Wort von Gott begegnet nicht nur unseren Augen und Ohren, nein, es dringt ein mitten ins Herz! So ist Jesus auch ans Kreuz gekommen! Gott will es so und Jesus weiß: kündigen geht nicht, auch nicht in Gedanken. Deshalb betet Jesus: "Dein Wille, Gott, soll geschehen!"

 

Wir sind keine Propheten und sollen auch keine sein. Aber Gott hat auch an uns sein Wort gerichtet und wir können nicht sagen: das Wort von Gott geht an uns vorbei! Jesus ruft uns: wir sollen seine Jüngerinnen und Jünger sein.

Das ist kein Job - wie der von der Frau, die einfach gehen konnte. Jesus ruft uns und will: wir sollen bezeugen: Gott macht unser Leben heil, sein Wille schützt uns und stärkt uns. Jesus will: Du geh und zeig deinen Glauben, so bezeuge das Reich Gottes! Der Ruf von Jesus hat ein Ziel: unser Herz.

 

Vielleicht sagt ihr jetzt auch wie Jeremia: Gott, das kann ich nicht?! Ich bin zu schwach, zu alt, zu unwichtig - du hast doch die Pastorin zum Beispiel! Aber die gibt das Wort von Gott ja nur weiter an euch!

Und dieses Wort fordert nicht nur, es unterstützt uns auch. Gott sei dank! So kann Jeremia sagen: "Der Herr ist bei mir wie ein starker Held!"

Er steht an deiner Seite - wenn du sagst: halt! Das Leben ist Gottes Geschenk - auch wenn es nicht immer leicht und lustig ist! Gott steht an deiner Seite, wenn du sagst: Halt! Wir sollen Vergebung versuchen und nicht immer weiter streiten. Gott steht an deiner Seite, wenn du sagst: Halt! Beten ist nicht albern und jeder darf es tun - auch wer schon lange nicht mehr gebetet hat!

 

Gott, wir danken dir, dass du uns rufst und an unserer Seite stehst. Wir danken dir, dass wir die Kraft von deinem Wort erfahren. Dein Wort führt uns zum ewigen Leben.

 

Amen.                                                          

 



Christiane Neukirch

E-Mail: cn@neukirch-online.de

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