{"id":10008,"date":"2021-02-07T19:49:42","date_gmt":"2021-02-07T19:49:42","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10008"},"modified":"2022-12-30T16:19:44","modified_gmt":"2022-12-30T15:19:44","slug":"apostelgeschichte-2-41a-42-47-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/apostelgeschichte-2-41a-42-47-2\/","title":{"rendered":"Apostelgeschichte 2, 41a.42-47"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><span style=\"color: #000099;\">7. Sonntag nach Trinitatis<\/span><\/h3>\n<h3><span style=\"color: #000099;\">25. Juli 2004<br \/>\nPredigt \u00fcber<\/span><span style=\"color: #000099;\"> Apostelgeschichte 2, 41a.42-47<\/span><\/h3>\n<h3><span style=\"color: #000099;\">verfa\u00dft von Christian-Erdmann Schott <\/span><\/h3>\n<hr \/>\n<p>In seinem zweiten Buch, der Apostelgeschichte, schreibt der Evangelist Lukas:<\/p>\n<p><em>Die das Wort annahmen, lie\u00dfen sich taufen.<br \/>\nSie blieben aber best\u00e4ndig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.<br \/>\nEs kam aber Furcht \u00fcber alle Seelen und es geschahen auch viele Wunder und Zeichen durch die Apostel.<br \/>\nAlle aber, die gl\u00e4ubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam.<br \/>\nSie verkauften G\u00fcter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer n\u00f6tig hatte.<br \/>\nUnd sie waren t\u00e4glich einm\u00fctig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den H\u00e4usern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen<br \/>\nUnd lobten Gott und fanden Wohlgefallen beim ganzen Volk. Der Herr aber f\u00fcgte t\u00e4glich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden. <\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Diese Schilderung des Alltags der Urgemeinde in Jerusalem ist sehr erhebend, sch\u00f6n, eindrucksvoll. So w\u00fcnschen wir uns Gemeinde: Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe, Geschlossenheit, Fr\u00f6hlichkeit, Ausstrahlung. So einer Gemeinde m\u00f6chte man gern angeh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Dabei wissen wir aus den folgenden Kapiteln der Apostelgeschichte, dass es tats\u00e4chlich \u2013 auch damals \u2013 nicht immer so einfach und sch\u00f6n war. Und zur Zeit der Abfassung der Apostelgeschichte, etwa 50 Jahre nach dem Pfingstwunder, war der Alltag der christlichen Gemeinden oft noch schwieriger. Es gab Spannungen und Spaltungen, Mutlosigkeit und Langeweile, der erste Schwung, mit dem das junge Christentum in die Welt getreten war, war dahin.<\/p>\n<p>Darunter hat nicht nur Lukas gelitten. Darunter haben nicht nur damals Christen gelitten. Wie ein Schatten, wie eine dunkle Nebenlinie, zieht sich das Leiden an der Kirche durch die Geschichte \u2013 bis in unsere Tage. Heute, scheint mir, hat die Unzufriedenheit mit der Kirche geradezu epidemische Ausma\u00dfe angenommen. Die Stimmung ist nicht gut, in und au\u00dferhalb der Kirche, mit der Folge: Wenig Begeisterung, kaum Ausstrahlung, viel Stillstand, zum Teil auch Resignation. Weite Bev\u00f6lkerungsschichten signalisieren Desinteresse. Das alles l\u00e4hmt auch die, die sich von diesem allgemeinen Trend frei halten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nun hat Lukas gemeint, dass er mit der Schilderung des erhebenden Urzustandes den Gemeinden seiner Zeit Kr\u00e4fte zuf\u00fchren kann. Unsere Frage ist: Wie k\u00f6nnte das gehen? K\u00f6nnte er auch uns damit helfen? Oder entmutigt er uns vielleicht sogar noch mehr, weil wir erkennen m\u00fcssen: Einen solchen Zustand erreichen wir nie!?<\/p>\n<p>Ich denke, wir sollten das sch\u00f6ne Bild einen Moment bei Seite lassen und uns statt dessen an die Botschaft halten, auf die es dem Apostel vor allem ankommt. In der deutschen \u00dcbersetzung wird sie leider nicht ganz deutlich. Aber im griechischen Urtext wird sie herausgehoben und unterstrichen, dadurch, dass er dasselbe Wort zwei Mal verwendet, n\u00e4mlich das Wort proskarterountes (V.42 und 46). Das meint \u201eBleibt best\u00e4ndig \u2013 seid beharrlich \u2013 haltet fest\u201c &#8211; am Glauben, am Wort der Apostel, an der Gemeinschaft, am Abendmahl, am Gebet.<\/p>\n<p>Damit legt der Apostel den Finger auf den f\u00fcr den Bestand der Kirche entscheidenden Punkt: Die Best\u00e4ndigkeit. Gerade in Zeiten schwacher Begeisterung auf der einen und der erdr\u00fcckenden Dominanz von geld- und marktwirtschaftlichen, sportlichen (Fu\u00dfball), arbeitsmarktpolitischen Themen auf der anderen Seite f\u00fchlen wir uns als Christen mit unserem Glauben und unserer Botschaft leicht \u00fcberfl\u00fcssig. Wir haben dann das Gef\u00fchl, dass der Glaube nicht gefragt ist. In manchen Sendern des Fernsehens wird das sogar auch ganz unverhohlen ausgesprochen, indem der Glaube der L\u00e4cherlichkeit preisgegeben wird.<\/p>\n<p>Hier ist es hilfreich, auf den Rat des Apostels zu h\u00f6ren \u201eBleibt best\u00e4ndig!\u201c, lasst euch nicht irre machen. Das wird uns leichter fallen, wenn wir uns immer wieder klar machen: Die Botschaft der Bibel betrifft Fragen des menschlichen Lebens, die unabh\u00e4ngig von allen Konjunkturen gestellt sind: Leben und Sterben, Glauben oder Verzweifeln, Angst und Zuversicht, Verantwortung und Schuld, Beten und Hoffen. Mit dem Wort Gottes haben wir einen Schatz, wie ihn niemand hat und kennt. Darauf d\u00fcrfen wir vertrauen. Das kann uns Selbstbewusstsein geben und daraus folgend Geduld, die sich nicht einsch\u00fcchtern l\u00e4sst, sondern beharrlich an dem f\u00fcr richtig Erkannten festh\u00e4lt. und wei\u00df \u2013 es zahlt sich aus.<\/p>\n<p>Allein kann man das nicht. Wir sind darauf angewiesen, dass wir uns in der Best\u00e4ndigkeit durch das Wort Gottes und durch die Gemeinschaft st\u00e4rken, best\u00e4rken. Wir brauchen das Wort Gottes, also Mut machende Geschichten, Bilder, Vorbilder, Bibelverse oder auch Gesangbuchverse, den Gottesdienst, das gemeinsame Abendmahl, den Austausch untereinander, das Sprechen miteinander und mit Gott. Wenn wir uns so st\u00e4rken, stehen wir auch lange D\u00fcrrezeiten durch und merken, dass sich manches unter uns in der Richtung entwickelt, wie sie Lukas in seinem Bild von der Jerusalemer Urgemeinde beschrieben hat. In Gemeinden der fr\u00fcheren DDR konnte man so etwas erleben. Die Not des Druckes durch die atheistische SED hatte zahlreiche Gemeinden wie Familien, wie Glaubensfamilien, gemeinsame materielle Unterst\u00fctzung eingeschlossen, zusammen wachsen lassen.<\/p>\n<p>Das beharrliche Bleiben am Wort gibt der Kirche Dauer. In dieser Dauer liegt ein starkes Argument f\u00fcr die geschichtlich wirksame Kraft des Wortes und f\u00fcr den Glauben. Mit dem Wort wird zugleich das Angebot Gottes f\u00fcr alle Menschen aufrecht erhalten. Jeder von uns kennt mindestens eine Lebensgeschichte aus seinem Umkreis, die zeigt, dass dieses Angebot auch angenommen wurde und eine neue, dankbar begr\u00fc\u00dfte Ausrichtung des Lebens bewirkt hat. Auch das best\u00e4rkt unseren Glauben. Von den Erfolgen des Wortes Gottes sollten wir viel mehr weiter erz\u00e4hlen. Es st\u00e4rkt alle, die daran glauben.<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6ren auch die \u201eWunder und Zeichen\u201c, von denen der Apostel spricht. Sie geschehen auch heute, werden allerdings viel zu wenig wahrgenommen. So ist es zum Beispiel ein gro\u00dfes Zeichen der Vers\u00f6hnung, das von vielen evangelischen Vertriebenen ganz im Stillen gesetzt wurde, indem sie in ihre alte Heimat, etwa in Schlesien, gefahren sind und, auf der schlichten menschlichen Ebene, fernab der gro\u00dfen Politik, mit den jetzt in ihren H\u00e4usern lebenden Polen ihren Frieden gemacht, manchmal sogar Freundschaft geschlossen haben (Vgl. C.-E. Schott (Hg), Br\u00fccken nach Polen, W\u00fcrzburg 2003). \u201eWunder und Zeichen\u201c geschehen vor allem auf dem Gebiet des Vers\u00f6hnens durch das Niederlegen von Vorurteilen und des Verbindens schmerzender seelischer Wunden durch Zuh\u00f6ren und F\u00fcrbitte, durch das Mittragen des Leides anderer, wie auch im Aufrichten und St\u00e4rken durch Trost, Zuspruch, Ermutigung.<\/p>\n<p>Als ich noch Gemeindepfarrer war, haben mir wiederholt Gemeindeglieder von solchen Wundern und Zeichen in ihrem Leben erz\u00e4hlt. Dabei haben sie immer auch darauf hingewiesen, dass diese Hilfen durch andere Christen in ihrem Leben auch k\u00f6rperliche Auswirkungen hatten. Sie f\u00fchlten sich insgesamt besser, stabiler, zuversichtlicher.<\/p>\n<p>Die Best\u00e4ndigkeit, die der Apostel f\u00fcr so wichtig h\u00e4lt, steht immer in der Gefahr der Aufgabe, des Schwankens und Wankens. Die Geschichte der Kirche wei\u00df von solchen \u201eAbtr\u00fcnnigen\u201c, wie man sie dann genannt hat, zu berichten. Die Geschichte wei\u00df auch von viel Anpassung. Es k\u00f6nnen mehrere Motive sein, die zusammen kommen und dazu f\u00fchren, dass die christliche Botschaft dem Zeitgeschmack sehr, zu sehr eingepasst wird; so eingepasst, dass das Besondere, der Biss verloren geht. Damit das nicht geschieht, werden wir uns zu der Regel verst\u00e4ndigen m\u00fcssen: Es ist notwendig, dass die Botschaft nicht den Menschen angepasst wird, sondern die Menschen sich der Botschaft anpassen. Nur eine Botschaft, die anders ist als die Botschaften dieser Welt, ist wirklich hilfreich, ist wirklich Evangelium, auch f\u00fcr die Menschen unserer Zeit.<\/p>\n<p>Die Furcht, aus der Best\u00e4ndigkeit heraus zu fallen, sei es nach der Seite des Verrates, sei es nach der Seite der Anpassung, haben die Alten st\u00e4rker gehabt als wir heute. Nikolaus Selnecker (1530-1592), ein lutherischer Theologe der ersten Generation nach der Reformation, hat das in einem sehr sch\u00f6nen Gebet einmal so ausgedr\u00fcckt:<\/p>\n<p>\u201eLass mich dein sein und bleiben, du treuer Gott und Herr,<br \/>\nvon dir lass mich nichts treiben, halt mich bei deiner Lehr:<br \/>\nHerr, lass mich nur nicht wanken, gib mir Best\u00e4ndigkeit;<br \/>\nDaf\u00fcr will ich dir danken in alle Ewigkeit\u201c. (Ev. Gesangbuch 157)<\/p>\n<p>Dasselbe meint der Apostel Lukas, im gleichen Geist, anderthalb Jahrtausende fr\u00fcher, wenn er schreibt: \u201eSie blieben aber best\u00e4ndig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet\u201c. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrer em. Dr. Christian-Erdmann Schott<br \/>\nElsa-Braendstroem-Stra\u00dfe 21<br \/>\n55124 Mainz (Gonsenheim)<br \/>\nTel.: 06131-690488<br \/>\nFAX 06131-686319<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:ce.schott@surfeu.de\">ce.schott@surfeu.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>7. Sonntag nach Trinitatis 25. Juli 2004 Predigt \u00fcber Apostelgeschichte 2, 41a.42-47 verfa\u00dft von Christian-Erdmann Schott In seinem zweiten Buch, der Apostelgeschichte, schreibt der Evangelist Lukas: Die das Wort annahmen, lie\u00dfen sich taufen. Sie blieben aber best\u00e4ndig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. 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