{"id":10011,"date":"2021-02-07T19:49:30","date_gmt":"2021-02-07T19:49:30","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10011"},"modified":"2022-10-25T20:18:11","modified_gmt":"2022-10-25T18:18:11","slug":"genesis-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/genesis-2\/","title":{"rendered":"Genesis 2"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>\u201eEs war zu der Zeit, da Gott der Herr Erde und Himmel machte. &#8230; Und Gott der Herr pflanze einen Garten in Eden gen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte&#8230; setzte ihn in den Garten Eden, da\u00df er ihn bebaute und bewahrte\u201c. Und der Mensch lebte im g\u00f6ttlichen Sinn. Die Luft, die er atmete, das Gras, auf dem er ging, die B\u00e4ume, das Sonnenlicht, es war g\u00f6ttlicher Sinn. Und Gott wandelte im Garten, als der Tag k\u00fchl geworden war, und der Mensch hatte sein Wort. Der Mensch wu\u00dfte um Gott und spiegelte sich in seiner Liebe.<\/p>\n<p>Und auch einander waren die Menschen sich g\u00f6ttlicher Sinn \u2013 in der Gemeinschaft ihres Lebens, in ihrer Achtung und F\u00fcrsorge, im Lachen ihrer Kinder und im Gl\u00fcck der Alten, in der Treue und Leidenschaft ihrer Liebe, in ihren Liedern und in ihrer Hingabe im Namen Gottes. Ihre Gemeinschaft war ein lebendiger Kreis, und sein Geist war heilig. Es gab noch kein Grauen des Todes, denn Gott hielt ihr Leben und war ihre Zukunft. &#8211; &#8211; Das Paradies.<\/p>\n<p>Aber der Mensch hielt den Augenblick der Nichtigkeit nicht aus, der ihn erwachsen macht und ihn vor Gott stellt. Den Augenblick, in dem er wei\u00df, da\u00df er ganz und gar auf Gott angewiesen ist, da\u00df er f\u00fcr sich allein nichts ist. Den Augenblick, der ihn Gott f\u00fcrchten lie\u00df. Den Augenblick, in dem ihm Gott fremd ist.<\/p>\n<p>Und er wollte selbst wie Gott sein. Wollte in eigenem Namen herrschen \u2013 \u00fcber die Erde, \u00fcber sein Leben. Und er fiel aus dem Sinn. Und er fiel auf sich selbst, st\u00fcrzte, st\u00fcrzte, und wollte es nicht wahrhaben.<\/p>\n<p>Und Gott \u201etrieb den Menschen hinaus und lie\u00df lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens.\u201c Und Himmel und Erde und Pflanzen und Tiere wurden dem Menschen fremd \u2013 und er begann, sie zu mi\u00dfbrauchen und machte sie zum Rohstoff seiner eigenen Welt, in der er selber der Gott war.<\/p>\n<p>Und ein Mensch wollte reicher sein als der Andere, und sch\u00f6ner und m\u00e4chtiger. Und ein Mensch wollte Herr sein \u00fcber den Anderen, und der andere Mensch sollte dem eigenen Gl\u00fcck dienen. Und ein Mensch verachtete den Anderen. Und die Jungen verga\u00dfen die Alten und Sterbenden. Und Kain erschlug Abel. Und Ha\u00df wurde entfesselt, sinnloser Streit, Kriege um Nichts, Jahr um Jahr, Jahrhundert um Jahrhundert.<\/p>\n<p>Das ist unsere Welt. Und ihre Kehrseite, wenn die Wahrheit des Lebens aus dem Hinterhalt springt: die Angst. Das Zittern. Die Verlorenheit. Die Resignation. Die Verbitterung. Das sinnlose Sterben.<\/p>\n<p>Das ist die Welt, die Erl\u00f6sung braucht. Ist im Geheimen die Sehnsucht nicht sehr gro\u00df? Da\u00df Gott nahe ist? Da\u00df Himmel und Erde uns etwas vom Sinn des Lebens sagen? Da\u00df die Einsamkeit endet und das Leben wahr wird? Aber auch der Trotz ist gro\u00df. Die Mutlosigkeit. Die Angst, sich zu verlieren. Die Gewohnheit, sich selbst zu bel\u00fcgen.<\/p>\n<p>In diese Welt kam Christus.<\/p>\n<p>Ein Mensch \u2013 atmete, a\u00df, trank, sah den Himmel wie wir. Redete vom Reich Gottes: da\u00df es kommt, seine neue Gerechtigkeit, seine neue Liebe. Da\u00df Gott dir n\u00e4her ist als du dir selbst. Da\u00df du umkehren kannst, ein neues Leben beginnen. Und wie er redete, er\u00f6ffnete er ihnen dieses Reich Gottes. Und heilte Menschen. Und segnete die Erde. Und a\u00df mit den Verachteten. Und vergab den S\u00fcndern &#8211; im Namen Gottes des Vaters. Und berief Menschen zu einem neuen Leben. Und lehrte die Liebe aus Gott.<\/p>\n<p>Und war sie selbst.<\/p>\n<p>Und als er starb, war in diesem Tod alles Leiden, alle Einsamkeit, alle Verzweiflung, aller Hunger und Durst, alle Ohnmacht des Menschen, aller Zweifel und alles Sterben versammelt.<\/p>\n<p>Und Gott offenbarte sein Leben an ihm \u2013 das ist unser Glauben. Die Morgenr\u00f6te des g\u00f6ttlichen Sinns war wieder in die Welt gekommen. Es war endg\u00fcltig. Und es entstand eine neue Gemeinschaft des Lebens.<\/p>\n<p><strong>[Lesung Apg.2,41a.42-47)] <\/strong>So steht es in der Apg. im 2.Kap. &#8211; &#8211;<\/p>\n<p>\u201eSie waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam\u201c. \u201eVerkauften die G\u00fcter und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer n\u00f6tig hatte.\u201c \u201eBrachen das Brot hier und da in den H\u00e4usern.\u201c<\/p>\n<p>Das Paradies! Die Liebe Gottes ist lebendige Kraft. Die Sorge um das Eigene ist verflogen. Die Menschen sind befreit. Die G\u00fcter, H\u00e4user trennen die Menschen nicht mehr. Sie geben denen, die es brauchen \u2013 nicht aus Zwang oder schlechtem Gewissen, sondern frei, aus Freude, aus der Tiefe des Lebens. Keiner nutzt den Anderen aus. Und keiner ist allein, wenn er stirbt. Und sie essen gemeinsam. Sie sind gesammelt um eine Mitte. Sie sind Gemeinschaft im Gottesdienst. Sie haben die Lehre. Sie sind erl\u00f6st.<\/p>\n<p>Ist das unsere Kirche? Ist die Kirche jemals so gewesen? So anders, so rein, so paradiesisch? Ist das nicht wieder nur ein Bild, eine Sehnsucht? Qu\u00e4lt uns nicht eine Last von 2000 Jahren Kirchengeschichte \u2013 voll von Aberglauben und Gewalt, Verblendung und klerikaler Bereicherung, voll von Amtsmuff und Kleinmut? Wie die Apostelgeschichte die erste Gemeinde beschreibt \u2013 ist das die Kirche?<\/p>\n<p>Ja, das ist unsere Kirche! Es entspricht sicher nicht der Kartei im Kirchenkreisamt. Und wer einfach nur die Summe dessen zieht, wo das Etikett \u201eKirchengemeinde\u201c daraufsteht, sieht diese Kirche nicht.<\/p>\n<p>Und doch ist das, was die Apostelgeschichte schreibt, die Mitte unseres Lebens. Sie ist vielleicht verborgen, auch verstreut, zehnfach \u00fcberlagert, manchmal auch verst\u00f6rt \u2013 aber sie lebt.<\/p>\n<p>Sicher k\u00f6nnte man unsere Gemeinde auch so beschreiben, da\u00df sie gerade eher das Gegenteil zu sein scheint: Wo findet sich denn diese Gemeinschaft, fragen sie. Immerhin, jetzt, hier, im Gottesdienst. Aber was ist nachher? Was ist mit den Kranken, mit den Sterbenden \u2013 werden sie besucht? Gibt es nicht viele einsame Gestalten um unseren Mauern? \u00dcberforderte Familien, und jeder k\u00e4mpft f\u00fcr sich? Was ist mit den Jugendlichen im Maschm\u00fchlenweg \u2013 bekommen sie, was sie n\u00f6tig haben?<\/p>\n<p>Und ist das, was wir glauben, nicht ganz diffus geworden? Wo ist die klare, verst\u00e4ndliche, frei \u00fcberzeugende, mitten ins Herz treffende Lehre?<\/p>\n<p>Alles irgendwie wahr. Und doch sage ich: Wie die Apostelgeschichte die erste Gemeinde beschreibt \u2013 das ist unsere Kirche, und sie lebt. Aber wir sind Menschen mitten in dieser alten Welt. Wir verstehen doch nicht einmal uns selbst wirklich. Wir sind angefochten. Wir sind nicht einfach mit einem Schlag erl\u00f6st und auf die andere Seite gewechselt. Wir zweifeln. Wir ringen mit dem Schatten. Wir rufen zu Gott. Verfangen uns immer wieder. Verlieren uns. Verirren uns in den alten Schichten der Angst. Brauchen immer wieder den Anfang Gottes.<\/p>\n<p>Aber es ist auch nicht so, da\u00df die Gemeinde nicht zu sehen w\u00e4re. Gut, es gibt nicht jeden Tag die gro\u00dfe, einfache, mitrei\u00dfende Begeisterung, Glockengel\u00e4ut und \u201eEine feste Burg\u201c. Aber es gibt Schritte. Es gibt Wege. Wir feiern Gottesdienst. Es wird getauft. Es wird das Brot gebrochen. Es gibt nicht Wenige in unserer Gemeinde, die viel Geld spenden, nicht f\u00fcr die Eitelkeit, sondern weils Not tut, weil sie frei sind. Es gibt Menschen in unserer Gemeinde, die Alte besuchen. Es gibt den Mittagstisch. Es gibt die Schularbeitenhilfe. Es gibt den Chor. Es gibt den Kindergarten. Es gibt Menschen, die tagt\u00e4glich anderen die Kirche \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Das gibt es. Aber ich glaube, wir m\u00fcssen auch \u00f6fters sagen, aus welchem Geist das lebt. Wie das zusammengeh\u00f6rt. Und was noch fehlt. Und was in Gefahr ist.<\/p>\n<p>Sicher ist es auch erst ein Bild, eine Sehnsucht, was die Apostelgeschichte von der Gemeinde schreibt \u2013 diese Gemeinschaft im g\u00f6ttlichen Sinn. Wir brauchen dieses Bild, weil es das Ziel beschreibt, den Geist. Aber es ist auch schon unsere Wahrheit: im Kern, in Augenblicken. Salz der Erde.<\/p>\n<p>Entscheidend ist, da\u00df wir weiter bereit sind zu h\u00f6ren. Und rufen zu Gott. Und nachdenken \u00fcber die Lehre. Entscheidend ist, da\u00df du wei\u00dft, da\u00df du frei dazu bist, weil Gott bei dir ist: die Dinge zu teilen, beieinander zu sein, Alte zu pflegen, und das Brot hier und da in den H\u00e4usern zu brechen.<\/p>\n<p>Der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als aller Verstand, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.<\/p>\n<p><strong>Erl\u00e4uterungen: <\/strong><\/p>\n<p>Die Predigt ist f\u00fcr eine G\u00f6ttinger Innenstadtgemeinde mit vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern gedacht.<\/p>\n<p>Der \u201eMaschm\u00fchlenweg\u201c ist ein zum Gemeindegebiet geh\u00f6riger sog. sozialer Brennpunkt.<\/p>\n<p>Mittagstisch und Schularbeitenhilfe geh\u00f6ren zum sozialen Engagement der Gemeinde.<\/p>\n<p><strong>PD Dr. Tom Kleffmann<br \/>\nG\u00f6ttingen<br \/>\n<a href=\"mailto:tom.kleffmann@theologie.uni-goettingen.de\">tom.kleffmann@theologie.uni-goettingen.de <\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEs war zu der Zeit, da Gott der Herr Erde und Himmel machte. &#8230; Und Gott der Herr pflanze einen Garten in Eden gen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte&#8230; setzte ihn in den Garten Eden, da\u00df er ihn bebaute und bewahrte\u201c. Und der Mensch lebte im g\u00f6ttlichen Sinn. Die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,1,2,727,114,215,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-10011","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-genesis","category-aktuelle","category-at","category-archiv","category-deut","category-kapitel-2-chapter-2-genesis","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10011","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10011"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10011\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14397,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10011\/revisions\/14397"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10011"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10011"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10011"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=10011"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=10011"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=10011"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=10011"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}