{"id":10016,"date":"2021-02-07T19:49:30","date_gmt":"2021-02-07T19:49:30","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10016"},"modified":"2022-10-24T11:42:59","modified_gmt":"2022-10-24T09:42:59","slug":"epheser-5-8b-14-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-5-8b-14-3\/","title":{"rendered":"Epheser 5, 8b-14"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>&#8220; Lebt als Kinder des Lichts;<br \/>\nDie Frucht des Lichts ist lauter G\u00fcte und Gerechtigkeit und Wahrheit.<br \/>\nPr\u00fcft, was dem Herrn wohlgef\u00e4llig ist, und habt keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. Denn was von manchen heimlich getan wird, davon zu reden ist sch\u00e4ndlich. Alles aber wird offenbar, wenn`s vom Licht aufgedeckt wird; denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum hei\u00dft es:<br \/>\nWach auf, der du schl\u00e4fst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.&#8220;<br \/>\n(Luther NT 1975)<\/p>\n<p>Ja, liebe Gemeinde, wenn das so einfach w\u00e4re: Hier die Kinder des Lichtes \u2013 zu denen wir nat\u00fcrlich geh\u00f6ren w\u00fcrden \u2013 und dort die M\u00e4chte des B\u00f6sen, die ihre dunklen Pl\u00e4ne im Verborgenen schmieden. Wie leichr k\u00f6nnte man dann gerechte Kriege f\u00fchren gegen den finsteren Nachbarn, dessen Grillgestank jeden Sonntag auf unsere Terasse weht und dessen Katze immer durch unseren Garten streift. Wie leicht k\u00f6nnte man dann die renitente Sch\u00fclerin strafen, die unsere wunderbare Unterrichtsvorbereitung durch ihre unangemessenen Einw\u00e4nde st\u00f6rt. Wie leicht w\u00e4re es f\u00fcr unsere Politiker, wieder unter der Parole \u201eGott strafe England\u201c \u2013 oder heute vielleicht angemessener \u201eGott strafe die Moslems\u201c \u2013 zu den Waffen zu rufen. Aber wir wissen es alle: Unsere Welt ist nicht schwarz oder wei\u00df, Licht oder Finsternis, gut oder b\u00f6se. Es gibt immer wieder die Zwischent\u00f6ne.<\/p>\n<p>Versuchen wir es einmal anders, uns unserem Predigttext zu n\u00e4hern: Wenn wir so einen Abschnitt aus einem biblischen Werk zum Nachdenken ausw\u00e4hlen, so nennen wir diesen Abschnitt in der theologischen Fachsprache eine Perikope. Im urspr\u00fcnglichen Wortsinn ist eine Perikope ein mit dem Beil zurechtgehauenes St\u00fcck Holz. Versuchen wir also das Ganze, aus dem das St\u00fcck herausgehauen ist, zu sehen. Ich denke, wir k\u00f6nnen nur dann erfassen, was der kluge und fromme Mann, der diesen Brief einmal an seine Mitchristen geschrieben hat, mitteilen wollte.<\/p>\n<p>Er beginnt das Kapitel, aus dem unser Abschnitt genommen ist, mit dem Satz: \u201eSo deid nun Gottes Nachfolger als seine geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt&#8230;hat.\u201c Das also ist der Grund. Christen begreifen sich als Gottes geliebte Kinder. Gott hat Ihnen in Christus vergeben. Christus hat ihnen seine Liebe durch den Opfergang an das Kreuz erwiesen. Und weil sie in diesem Bewu\u00dftsein leben d\u00fcrfen, k\u00f6nnen sie Kinder des Lichts genannt werden, kann ihre Ethik, eine andere sein, hat der Antrieb ihres Handelns einen anderen Grund als all das, was sie in ihrer Umwelt erleben. Sie haben die Liebe Gottes erfahren und k\u00f6nnenLiebe weitergeben. Sie haben Vergebung ihrer Schuld durch Jesus Christus erfahren und k\u00f6nnen vergeben. Sie haben die Gnade Gottes erfahren und k\u00f6nnen gn\u00e4dig sein.<\/p>\n<p>Im Lukas-Evangelium wird eine Geschichte berichtet, die Jesus einigen leuten erz\u00e4hlt. Da gingen zwei Menschen in den Tempel, um zu beten. Der eine war ein geachteter b\u00fcrger seiner Gemeinde, ein Pharis\u00e4er, der andere ein recht \u00fcbler Bursche, ein Z\u00f6llner also Halbsabschneider und Vaterlandsverr\u00e4ter. Der gerechte, ehrbare Mann schritt bis vorne vor und betete: Ich danke dir Gott, dass ich nicht so einer bin wie die anderen. Der Z\u00f6llner blieb hinten stehen und betete: Gott sei mir S\u00fcnder gn\u00e4dig. Jesus erkl\u00e4rte seinen Zuh\u00f6rern, dass dieser, der sich ganz der Gnade Gottes unterwirft, der auch selbst gar nichts vorzuweisen hat, gerechtfertigt aus dem Tempel herausgehen kann..<\/p>\n<p>Wenn wir das auf unseren Predigttext \u00fcbertragen: Er, der Z\u00f6llner, w\u00fcrde nach Jesu Worten zu den Kindern des Lichts, zu Gottes geliebten Kindern geh\u00f6ren. Der selbstgerechte ehrbare B\u00fcrger hingegen hat zwar all die Gaunereien, Gesetzes\u00fcbertretungen und vielleicht sogar Verbrechen des Z\u00f6llners nicht begangen, aber er h\u00e4lt sich selbst f\u00fcr den Gr\u00f6\u00dften und verachtet die Gnade Gottes. Er baut zwischen sich und gott eine Muer und sitzt nunin der Finsternis, denn das Licht der g\u00f6ttlichen Gnade kann diese Mauer nicht durchdringen, ihn nicht erleuchten.<\/p>\n<p>Das Evangelium des heutigen Sonntags ist ein Abschnitt aus der Bergpredigt. Da wird berichtet, dass Jesus denen, die ihm zuh\u00f6ren, sagt: \u201eIhr seid das Licht der Welt, &#8230; ihr seid das Salz der Erde.\u201c Und die, die ihm zuh\u00f6ren, sind keine auserw\u00e4hlte Gruppe besonders frommer oder anst\u00e4ndiger Leute. Es sind Menschen unterschiedlichster Herkunft. Jeder hat seine eigene Biographie, seine eigene Last, seine eigenen dunklen Stellen. Trotzdem sind sie alle naxh Jesu Willen Licht der Welt, sie stehen im Licht Gottes, Kinder des Lichtes, sie stehen im Licht der Gnade Gottes.<\/p>\n<p>In diesem Rahmen, liebe Gemeinde, sieht unser Predigttext schon ganz anders aus. Da geht es also nicht um einen Aufruf an die Guten, die Kinder des Lichts, endlich den finsteren Gestalten, den M\u00e4chten der Finsternis, das Handwerk zu legen. Vielmehr geht es darum, durch die Gestaltung des Lebens \u201elIcht der Welt\u201c zu sein, die Aufgabe eines Leuchtturms zu \u00fcbernehmen. Im heutigen Sonntgsevngelium hei\u00dft es: \u201eSo soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr eine christliche Gemeinde in einer Umwelt, die von Gottes Gnade nichts wei\u00df, vielleicht auch gar nichts wissen will, ist das nicht leicht. Wir sehen es doch an uns, wie schnell Ideen, und Verhaltensmuster unserer Umgebung auch Eingng in unseren Gemeinden und bei uns gefunden haben und immer noch finden, derer wir uns \u00fcbrigens oft schon nch wenigen Jahren sch\u00e4men. Wie ist es z.B. mit der Idee der \u201eSelbstverwirklichung\u201c? Ist es wirklich m\u00f6glich, dass sich jemand, der sich als Gottes geliebtes Kind versteht, selbst verwirklicht, den Blick nur auf sich richtet? Und auch in unserer Kirche wird nicht selten jemand, dem \u201eG\u00fcte und Gerechtigkeit und Wahrheit\u201c in seinem Handeln wichtig sind, geringsch\u00e4tzig als \u201eGutmensch\u201c abqualifiziert \u2013 ganz zu schweigen von der \u00dcbernahme jener znischen, menschenverachtenden Sprache unserer Wirtschaft, die auch in Kirche und Diakonie Eingang gefunden hat. Da werden auch bei uns \u201eStellen abgebaut\u201c, wo in Wirklichkeit Menschen Menschen mit ihrer Leistung f\u00fcr \u00fcberfl\u00fcssig erkl\u00e4rt werden. Da m\u00fcssen in der Diakoniestation einer Kirchengemeinde eben auch Mitarbeiterinnen \u201efreigesetzt\u201c werden, was doch eigentlich bedeutet, dass man sie f\u00fcr \u00fcberfl\u00fcssig erkl\u00e4rt und arbeitslos macht. Und im Altenheim mu\u00df auch in der Kirche \u201erationalisiet\u201c werden, was einfach bedeutet, dass die hilfebed\u00fcrftigen Menschen die geliebte Bezugsperson verlieren, die etwas Geduld und immer wieder ein freundliches Wort hatte.<\/p>\n<p>Wir sollten uns schon sehr dem\u00fctig die S\u00e4tze aus unserem Predigttext anh\u00f6ren: \u201ePr\u00fcft, was dem Herren wohlgef\u00e4llig ist, habt keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf.\u201c Pr\u00fcft also nicht unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, sondern als gottes geliebte Kinder, was dem Herrn gef\u00e4llt oder, wie es der Apostel Paulus im R\u00f6merbrief sagt, was Gottes Wille ist, n\u00e4mlich das Gute und Wohlgef\u00e4llige und Vollkommene.<\/p>\n<p>Zu keiner Zeit in der Geschichte der christlichen Gemeinde ist es leicht gewesen zu pr\u00fcfen, was Gottes Wille ist, und das denn auch zu tun. Irrwege, manchmal sehr schlimme Irrwege, hat es immer wieder gegeben. Aber immer wieder haben es einzelne Christen und die Gesamtheit der Gemeinden versucht, neu nach Wegen zu suchen, als Licht der Welt, als Gottes geliebte Kinder, sein Wort auch durch die Tat weiterzutragen. Da, wo sie als Kinder des Lichts aus der Gewi\u00dfheit leben konnten, dass Gott in Christus vergeben hat, wurde denn auch die Freiheit sichtbar, die G\u00fcte, die Gerechtigkeit, die Wahrheit.<\/p>\n<p>Ich denke, nach dieser Frucht, nach G\u00fcte, Gerechtigkeit und Wahrheit haben viele Menschen heute eine gro\u00dfe Sehnsucht. Wir Christen, wenn wir denn Kinder des Lichtes sind, wenn wir uns denn als Gottes geliebte Kinder verstehen, h\u00e4tten da etwas anzubieten. H\u00f6ren wir es: \u201eWach auf, der du schl\u00e4fst\u201c. Gebe Gott uns den Mut, zu pr\u00fcfen \u2013 uns zu pr\u00fcfen und das, was wir zu sagen und zu tun haben \u2013 damit wir sein Wort glaubhaft weitertragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><strong>Pastor i.R. Richard Engelhardt<br \/>\n37083 G\u00f6ttingen<br \/>\nLotzestr. 53<br \/>\nTel.: 0551-3706970<br \/>\nFax: 0551-3706962<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220; Lebt als Kinder des Lichts; Die Frucht des Lichts ist lauter G\u00fcte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Pr\u00fcft, was dem Herrn wohlgef\u00e4llig ist, und habt keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. Denn was von manchen heimlich getan wird, davon zu reden ist sch\u00e4ndlich. Alles aber wird offenbar, wenn`s vom [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[45,1,727,114,689,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-10016","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-epheser","category-aktuelle","category-archiv","category-deut","category-kapitel-05-chapter-05-epheser","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10016","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10016"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10016\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14355,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10016\/revisions\/14355"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10016"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10016"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10016"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=10016"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=10016"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=10016"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=10016"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}