{"id":10063,"date":"2021-02-07T19:49:40","date_gmt":"2021-02-07T19:49:40","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10063"},"modified":"2022-10-05T14:48:16","modified_gmt":"2022-10-05T12:48:16","slug":"kriegsworte-von-feldbischof-franziskus-justus-rarkowski","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/kriegsworte-von-feldbischof-franziskus-justus-rarkowski\/","title":{"rendered":"Kriegsworte von Feldbischof Franziskus Justus Rarkowski"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>(d\u00e4nische Perikopenordnung)<\/p>\n<p>Der d\u00e4nische Witzzeichner Storm Pedersen hat eine Zeichnung von einem Bettler. Ein Mann kommt zu ihm und fragt interessiert: &#8222;K\u00f6nnen Sie wirklich vom Betteln leben?&#8220; Und dieser antwortet: &#8222;Nein, manchmal mu\u00df ich etwas dazuverdienen!&#8220;. Das heutige Evangelium sagt, da\u00df wir vor Gott alle Bettler sind. Und wenn wir meinen, da\u00df wir selbst etwas dazuverdienen k\u00f6nnen, dann werden wir von ihm zurechtgewiesen, der den Preis f\u00fcr uns bezahlt hat. Bettler sind wir &#8211; das ist wahr. So schrieb Martin Luther in seiner letzten Aufzeichnung. Und das will uns auch das heutige Evangelium sagen.<\/p>\n<p>Es beginnt so menschlich. Es beginnt mit etwas, was wir alle kennen. Das Lob der Eltern f\u00fcr ihre eigenen Kinder. Da\u00df Eltern auf ihre Kinder stolz sind und ihnen alles Gute w\u00fcnschen &#8211; das ist ja wohl nicht unnat\u00fcrlich. Und wenn es um das Urteil \u00fcber die Kinder geht, dann sind wir Eltern wohl die letzten, die imstande w\u00e4ren, ein objektives, sachliches Urteil abzugeben. Wir meinen nat\u00fcrlich, da\u00df unsere Kinder die besten sind.<\/p>\n<p>Es ist deshalb auch keine ungew\u00f6hnliche Mutter, von der wir im heutigen Evangelium h\u00f6ren. Sie will f\u00fcr ihre beiden S\u00f6hne das Beste &#8211; und sie meint, da\u00df beide es verdient haben. Ihr Mann hie\u00df Zebed\u00e4us, und deshalb werden die beiden Br\u00fcder Jakobus und Johannes auch die Zebed\u00e4uss\u00f6hne genannt.<\/p>\n<p>Und nun geht ihre Mutter zu Jesus mit einer besonderen Bitte. Er soll schon jetzt Jakobus und Johannes den Platz zu seiner Rechten und Linken im Reich Gottes geben. Es besteht kein Zweifel daran, da\u00df die Mutter meint, ihre S\u00f6hne h\u00e4tten das verdient. Und sie waren sicher auch t\u00fcchtig, fromm und Jesus ergeben. Sie hatten reichlich dazuverdient.<\/p>\n<p>Die beiden S\u00f6hne des Zebed\u00e4us geh\u00f6rten zum engsten J\u00fcngerkreis um Jesus. Petrus, Jakobus und Johannes waren die drei sogenannten Lieblingsj\u00fcnger, die Jesu mitnahm, als er am Gr\u00fcndonnerstag im Garten Gethsemane wachte und betete. Johannes nannte man den J\u00fcnger, &#8222;den Jesus lieb hatte&#8220;. Er sa\u00df Jesus am n\u00e4chsten, als dieser das Abendmahl einsetzte am Gr\u00fcndonnerstag. Der \u00dcberlieferung nach waren die beiden S\u00f6hne auch Vettern Jesu.<\/p>\n<p>Wie unpassend es auch erscheinen mag, schon jetzt um Ehrenpl\u00e4tze im Reich Gottes zu bitten, so hatten die beiden S\u00f6hne guten Grund, eben um diese Pl\u00e4tze zu bitten. Denn diesen Platz hatten sie faktisch schon jetzt &#8211; hier auf Erden. Und ihre Mutter wollte die Zusicherung, da\u00df sie diesen Platz auch im Himmel einnehmen w\u00fcrden. Im Unservater bitten wir: &#8222;Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden&#8220;. Aber das, was die Mutter w\u00fcnschte, war dies, da\u00df es im Himmel sein sollte wie nun auf der Erde.<\/p>\n<p>Und die beiden Br\u00fcder waren eifrig, bereit, den Preis f\u00fcr diese Ehrenpl\u00e4tze zu bezahlen. &#8222;K\u00f6nnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde&#8220;, fragte Jesus, und sie antworteten: &#8222;Ja, das k\u00f6nnen wir&#8220;. Und das waren keine leeren Worte. Das geschah. Wieder erz\u00e4hlt die Tradition der Kirche, da\u00df beide Br\u00fcder als M\u00e4rtyrer starben. Was Jakobus und Johannes zu Jesus sagen, ist also dies: &#8222;Gib uns den Platz im Himmel, den du uns schon hier auf Erden gegeben hast. Wir kennen den Preis. Und wir sind bereit, ihn zu bezahlen&#8220;. Wir verstehen wohl sowohl die Mutter als auch die beiden Br\u00fcder sehr gut. Ja, sie hatten viel, mit dem sie dazuverdienen konnten &#8211; ihren Glauben, ihre Hingabe, ihre Vertrautheit mit Jesus &#8211; ja ihr eigenes Leben.<\/p>\n<p>Bettler sind wir &#8211; das ist wahr. Und es n\u00fctzt nichts zu glauben, das wir imstande sind, etwas dazuzuverdienen. Eben hier entsteht wahrer Glaube. Der kommt nicht aus \u00dcbermut und Stolz \u00fcber uns selbst und was wir haben. Der wahre Glaube kommt aus der Ohnmacht, ja vielleicht Verzweiflung \u00fcber uns selbst. Wenn wir unsere eigene Ohnmacht sp\u00fcren, wie unsere eigene Schuld wie ein Stein auf uns liegt, den wir nicht von uns w\u00e4lzen k\u00f6nnen. Er zwingt uns auf den Boden, er scheint uns die Luft zu nehmen. Das schwere Gewissen. Die vielen un\u00fcberlegten Worte und Taten. Die Ohnmacht angesichts der Tatsache, da\u00df wir etwas nicht ungeschehen machen k\u00f6nnen. Die Angst vor dem Gott, der heilig und rein ist. Die Last, die auf uns liegt. Schwer und dauerhaft.<\/p>\n<p>Der Kern des Christusglaubens besteht darin, zu sp\u00fcren, da\u00df diese Last von uns genommen wird. Wenn Christus selbst als Geber des Glaubens die Verhei\u00dfung wiederholt, die uns damals in unserer Taufe gegeben wurde: Du bist mein, und nichts soll uns trennen. Wir geh\u00f6ren ihm. Wir geh\u00f6ren ihm im leben und Sterben. Aber das tun wir nicht wegen uns selbst, sondern weil er den Preis f\u00fcr uns bezahlt hat. Weil er in seinem Leben, seinem Tod und seiner Aufer\u00adstehung an unsere Stelle trat, und uns von seinem Glauben gab: &#8222;Mein Glaube ist wie eine Blase, die bersten kann, aber dein Glaube hielt stand bis zuletzt. O, Herr, dann glaube du f\u00fcr mich&#8220;, hei\u00dft es in einem schwedischen Kirchenlied. Das ist die Gabe, die Befreiung, die Paulus so zum Ausdruck bringt: Ihr geh\u00f6rt nicht euch selbst, denn ihr seid teuer erkauft. Der Preis ist bezahlt.<\/p>\n<p>Der anfangs erw\u00e4hnte Zeichner Storm P. hat nicht nur Witzzeichnungen produziert. Er war auch ein sehr seri\u00f6ser K\u00fcnstler. Er malte \u00d6lgem\u00e4lde auf Leinen. Die konnten tief sozialrealistisch sein mit einer ersch\u00fctternden Botschaft. Ich vergesse nie eines dieser Gem\u00e4lde, die aus seinen fr\u00fchen Jahren stammen:<\/p>\n<p>Ein Bischof steht auf der Kanzel. Gro\u00df und rund und prall. Scheinbar sehr beredt. Das Bischofskreuz und das Ritterkreuz gl\u00e4nzen um die Wette mit dem in Samt gekleideten bisch\u00f6flichen Bauch. Hinter ihm ahnen wir ein Kruzifix. Es ist ein Kruzifix, das Jesus in der Stunde des Todes zeigt. Gequ\u00e4lt und ausgesto\u00dfen ist der Heiland ans Kreuz genagelt. Wir sehen deutlich, da\u00df das Kreuz au\u00dferhalb der Stadtmauer aufgestellt ist. Hinter dem Kruzifix ahnen wir Reihen von armen, verzweifelten Menschen, und wir sehen gro\u00dfe dunkle Mietskasernen, wie man sie aus Kopenhagen kannte.<\/p>\n<p>Storm P. hat diesem Bild diesen Titel gegeben: Die beiden Kreuze. Das eine Kreuz gl\u00e4nzt auf dem Bauch des Bischofs. Das andere Kreuz steht unter Menschen am \u00e4u\u00dfersten Rand der Ge\u00adsellschaft. Das eine Kreuz ist aus Gold, das andere Kreuz aus grobem Holz, mit Blut getr\u00e4nkt. Das eine Kreuz ist freiwillig erworben, es bringt menschlichen Status und Ehre zum Ausdruck. Das andere Kreuz ist auferlegt und steht f\u00fcr menschliche Verdammnis und Erniedrigung.<\/p>\n<p>So war Jesus der Knecht der Menschen. Sein Ehrensitz war damals nicht ein Thron im Himmel mit Jakobus und Johannes zur Rechten und zur Linken. Sein Ehrensitz, wie wir gesehen haben, war ein Kreuz, wo er einen R\u00e4uber zur Rechten und zur Linken hatte. So trank er den Kelch, der in seinem Leben darin bestand, treu zu sein bis zuletzt. Treu zu seinem Vater. Treu zu der Erde, die von Gott geschaffen war. Treu zum Menschen. Zur dir und mir<\/p>\n<p>Aber eben dieses Kreuz ist dein und mein Heil. Eben das Kreuz, das auf Golgatha aufgestellt wurde, ist unsere einzige Hoffnung, das Einzige, was den Stein wegw\u00e4lzen kann, damit wir die Befreiung, die Freude und den Lebensmut wiederfinden k\u00f6nnen. All das, was in den starken Worten liegt, die wir einander sagen d\u00fcrfen: Auf den Befehl Jesu Christi und kraft seines Leidens und Sterbens vergebe ich dir alle deine S\u00fcnden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.<\/p>\n<p>Den Platz im Reiche Gottes bekommen wir nicht, weil wir t\u00fcchtige, fromme, begeisterte Nachfolger Jesu Christi sind. Nein den Platz im Reich Gottes erhalten wir als ein Gabe von Gott. Sich an die Gabe klammern, von der Verhei\u00dfung Gottes leben, die uns in der Taufe zuteil wurde, das hei\u00dft im Glauben leben. Das k\u00f6nnen wir nicht verstehen. Wir k\u00f6nnen es nur empfangen, wenn wir von all dem umkehren, was uns geh\u00f6rt &#8211; von all unseren S\u00fcnden und unserer menschlichen Ehre &#8211; und die Gabe Gottes empfangen. Amen.<\/p>\n<p><strong>Bischof Karsten Nissen<br \/>\nDomkirkestr\u00e6de 1<br \/>\nDK-8800 Viborg<br \/>\nTel.: ++ 45 &#8211; 86 62 09 11<br \/>\nE-mail: <a href=\"mailto:kn@km.dk\">kn@km.dk<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(d\u00e4nische Perikopenordnung) Der d\u00e4nische Witzzeichner Storm Pedersen hat eine Zeichnung von einem Bettler. Ein Mann kommt zu ihm und fragt interessiert: &#8222;K\u00f6nnen Sie wirklich vom Betteln leben?&#8220; Und dieser antwortet: &#8222;Nein, manchmal mu\u00df ich etwas dazuverdienen!&#8220;. Das heutige Evangelium sagt, da\u00df wir vor Gott alle Bettler sind. 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