{"id":10072,"date":"2021-02-07T19:49:32","date_gmt":"2021-02-07T19:49:32","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10072"},"modified":"2022-10-22T14:27:50","modified_gmt":"2022-10-22T12:27:50","slug":"roemer-8-12-17-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-8-12-17-2\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 8, 12-17"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>&#8222;Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals f\u00fcrchten m\u00fcsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, n\u00e4mlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.&#8220;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Mit was f\u00fcr Widerspr\u00fcchen bekommt man zu tun, wenn man heutzutage etwas \u00fcber den \u201eGeist\u201c wissen will. Denn einerseits scheinen da uns modernen Menschen so viele \u201egeistlose\u201c T\u00e4tigkeiten an Flie\u00dfb\u00e4ndern, Werkst\u00e4tten oder Amtsstuben allen Geist <strong><em>ausgetrieben<\/em><\/strong> zu haben, weshalb man ja wohl auch in unseren Bildungseinrichtungen geisteswissenschaftliche F\u00e4cher am Meisten k\u00fcrzt oder gar aufl\u00f6st. Auf der anderen Seite aber w\u00e4chst mancherorts eine gro\u00dfe <strong><em>Sehnsucht<\/em><\/strong> nach Geist, Geistvollem, Begeisterung. Und es entstehen manche \u201egeistvolle\u201c oder gar esoterische Zirkel. Wie ist das alles zu verstehen? Und wer wollte das alles wirklich richtig \u00fcberschauen?<\/p>\n<p>Vielleicht ist es darum einfacher, wenn wir fragen, was das nun eigentlich f\u00fcr ein <strong><em>Geist<\/em><\/strong> ist, der <strong><em>uns<\/em><\/strong> treibt? Uns ganz <strong><em>pers\u00f6nlich<\/em><\/strong>! <strong><em>Dich<\/em><\/strong> und <strong><em>mich<\/em><\/strong>! Ja, was <strong><em>ist<\/em><\/strong> das denn eigentlich, was bei uns hinter jeder Handbewegung, hinter jedem Schritt, hinter jedem Gedanken steht? Und welcher Geist will unsdann<strong><em> treiben<\/em><\/strong>, wenn wir uns in unserem Beruf einsetzen, in Familie, Kirche, Vereinen oder Politik?<\/p>\n<p>Nun passiert das ja in unserem Alltag nicht so h\u00e4ufig, dass wir uns derartig fragen nach dem Geist, der uns treibt. Und bestimmt sind auch die Antworten manchmal so vielschichtig, wie unser Leben und unsere Lebensgeschichte vielschichtig ist. Aber wenn eins ganz klar und eindeutig ist, dann ist es <strong><em>das<\/em><\/strong>: N\u00e4mlich dass es auf <strong><em>keinen<\/em><\/strong> Fall ein <strong><em>knechtischer<\/em><\/strong> Geist sein soll, der uns treibt, nein, <strong><em>das<\/em><\/strong> wollen wir uns gef\u00e4lligst <strong><em>verbitten<\/em><\/strong>. <strong><em>Knecht sein<\/em><\/strong>, das m\u00f6chte doch niemand gern, aber <strong><em>frei<\/em><\/strong> sein und Freiheit in vollen Z\u00fcgen genie\u00dfen, das wollen wir doch alle! Wer wollte sich da ausschlie\u00dfen! <strong><em>Geist<\/em><\/strong> und <strong><em>Freiheit<\/em><\/strong>, die m\u00fcssen doch zusammengeh\u00f6ren! Geist und Freiheit, das ist doch die <strong><em>Grundsubstanz<\/em><\/strong> unserer modernen Gesellschaft und unseres modernen Staates. Wie gro\u00dfartig wurde deshalb vor Jahren dieser Geist der Freiheit gefeiert, der vor gut 200 Jahren das franz\u00f6sische Volk zur franz\u00f6sischen Revolution trieb und fast das ganze Europa mit hineinzog, ja, auch Deutschland, das in seiner dreifarbigen Fahne noch immer f\u00fcr die drei Schlagworte der franz\u00f6sischen Revolution Freiheit, Gleichheit, Br\u00fcderlichkeit demonstriert. Ist es heute noch <strong><em>dieser<\/em><\/strong> Geist, der unstreibt und der in stolzer und gefeierter Tradition steht? Und ist es etwa <strong><em>dieser<\/em><\/strong> Geist, den der H. Apostel Paulus meint und als Geist Gottes versteht?<\/p>\n<p>Jedoch wollten wir uns wirklich mit einem <strong><em>solchen<\/em><\/strong> Geist der Freiheit identifizieren, der doch damals dazu f\u00fchrte, dass im Namen der Freiheit ein Blutbad nach dem anderen ver\u00fcbt wurde und ein Massaker nach dem anderen und heute ein Terroranschlag nach dem anderen?<\/p>\n<p>Oder gilt f\u00fcr uns heute ein ganz <strong><em>anderer<\/em><\/strong> Geist der Freiheit? Sollte hier etwa ein Geist der Freiheit gemeint sein, der vor allem freien <strong><em>Handel<\/em><\/strong> freies <strong><em>Kaufen<\/em><\/strong> und <strong><em>Verkaufen<\/em><\/strong> meint? Aber wer wollte denn verhindern k\u00f6nnen, dass sich ein solcher Geist sehr schnell allein in <strong><em>Raffgier und Geiz<\/em><\/strong> aufl\u00f6st? Sollte darum <strong><em>das<\/em><\/strong> der Geist sein, der uns treibt? Oder entspricht allein <strong><em>der<\/em><\/strong> Geist der Freiheit unserem Leben, der <strong><em>freie Zeit<\/em><\/strong>, der <strong><em>Freizeit<\/em><\/strong> als das Beste des Lebens begreift: N\u00e4mlich alle Viere gen\u00fcsslich von sich strecken nach dem Motto: Den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.<\/p>\n<p>Nichts gegen Freiheit und Freizeit, freies Kaufen und Geld verdienen &#8211; wir d\u00fcrfen doch bestimmt Gott daf\u00fcr danken, dass uns das alles weitgehend m\u00f6glich ist. Aber sollte <strong><em>das<\/em><\/strong> etwa der Geist sein, in dem wir auch unsere <strong><em>Kinder<\/em><\/strong> aufwachsen lassen und erziehen wollen? <strong><em>Worin<\/em><\/strong> wollen wir denn den Geist unserer Kinder anregen und schulen: Etwa, dass sie noch besser und gewitzter <strong><em>kaufen, handeln oder faulenzen<\/em><\/strong> k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich wei\u00df ich, dass mancher sagt, man kann gar nicht fr\u00fch genug damit anfangen, die Kinder auf den <strong><em>Ernst des Lebens<\/em><\/strong> vorzubereiten, sie mit den harten Tatsachen des Lebens vertraut zu machen. Und da muss doch m\u00f6glichst schnell den Kindern alles Naive und Kindliche <strong><em>ausgetrieben<\/em><\/strong> werden. Und wozu sollte dann da ein H\u00e4ndefalten und das zu Gott \u201eAbba, lieber Vater\u201c rufen n\u00fctzlich sein?<\/p>\n<p>Wenn immer wieder Leute sagen, dass der kindliche Geist von solchen angeblich naiven Selbstt\u00e4uschungen m\u00f6glichst schnell <strong><em>befreit<\/em><\/strong> werden muss. dass die kindliche Welt m\u00f6glichst flott <strong><em>entzaubert<\/em><\/strong> werden muss, dann hat das damit zu tun, was man in seinem Leben als <strong><em>real <\/em><\/strong>und damit als<strong><em> wirkm\u00e4chtig<\/em><\/strong> ansieht. Und solche Leute sagen dann auch, real und wirkm\u00e4chtig sei doch nur <strong><em>das<\/em><\/strong>, was wir messen, z\u00e4hlen, wiegen k\u00f6nnen. Real sei doch nur <strong><em>das<\/em><\/strong>, was wir im Portemonnaie oder in der Scheune haben.<\/p>\n<p>Aber, liebe Gemeinde, wenn nur <strong><em>das<\/em><\/strong> alles real sein soll, &#8211; aber wenn nur <strong><em>das<\/em><\/strong> der Reichtum unserer ganzen Wirklichkeit sein sollte, w\u00e4ren wir dann nicht &#8212; <strong><em>ganz, ganz arme<\/em><\/strong> Menschen? Denn wo bliebe dann alle <strong><em>Freude<\/em><\/strong>? Denn die kann man doch im Portemonnaie nicht z\u00e4hlen! Denn wo bliebe dann alles <strong><em>Sch\u00f6ne<\/em><\/strong>? Denn das kann man doch nicht messen oder wiegen! Und wo bliebe dann alle <strong><em>Liebe und alle Hoffnung<\/em><\/strong>? Das alles w\u00e4re in einer verk\u00fcmmerten Erbsenz\u00e4hl-Realit\u00e4t nicht vorhanden. Und dann w\u00e4ren wir wirklich <strong><em>arm<\/em><\/strong> dran.<\/p>\n<p>Ob uns jetzt nicht alle M\u00fctter und V\u00e4ter, ob uns jetzt nicht gerade Erzieherinnen, aus ihrem Umgang mit Kindern anfangen m\u00fcssten zu erz\u00e4hlen, dass Kinder uns hier so manches Mal zum Vorbild dienen k\u00f6nnen? &#8211; Gewiss, nicht immer, aber so manches Mal! Und so kann man an Kindern und an dem <strong><em>Geist<\/em><\/strong>, der Kinder treibt, so <strong><em>viel<\/em><\/strong> f\u00fcr unser Leben lernen. Denn f\u00fcr Kinder ist es doch eben gar kein Problem zu sagen: <strong><em>Lieber Vater<\/em><\/strong>, <strong><em>liebe Mutter<\/em><\/strong>. Da wird nicht vorher kritisch gepr\u00fcft, ob die Eltern auch den neuesten <strong><em>Babywickelkurs<\/em><\/strong> mitgemacht haben. F\u00fcr Kinder ist es doch eben gar kein Problem, Vater und Mutter <strong><em>v\u00f6llig<\/em><\/strong> zu vertrauen, Vater und Mutter mit ganzem Herzen zu <strong><em>lieben<\/em><\/strong>. Wenn wir Erwachsenen uns davon auch nur ein <strong><em>wenig<\/em><\/strong> abgucken k\u00f6nnten, und wenn wir dann unserem himmlischen Vater <strong><em>genauso<\/em><\/strong> vertrauten und ihn <strong><em>genauso<\/em><\/strong> liebten, wenn <strong><em>dieser Geist<\/em><\/strong> uns erf\u00fcllte, dann w\u00e4ren wir uns <strong><em>ganz gewiss<\/em><\/strong>, dass unser Leben <strong><em>Sinn<\/em><\/strong> und <strong><em>Ziel<\/em><\/strong> h\u00e4tte, selbst wenn wir ihn im Augenblick nicht begreifen k\u00f6nnten, selbst wenn wir im Augenblick nicht begreifen k\u00f6nnten, warum wir im Leben so gesch\u00fcttelt werden, warum uns manches so weh tut. Aber wir k\u00f6nnten uns dann ja darauf verlassen, dass es wieder <strong><em>gut<\/em><\/strong> wird. Wenn wir Erwachsenen unserem himmlischen Vater <strong><em>genauso<\/em><\/strong> vertrauen k\u00f6nnten, wie unsere Kinder Vater und Mutter <strong><em>v\u00f6llig<\/em><\/strong> vertrauen, dann k\u00f6nnten wir uns ganz<strong><em> gewiss <\/em><\/strong>sein, Gottes Kinder und damit Gottes Erben und Miterben Christi zu sein, denen nach allem weltlichen Leiden himmlische <strong><em>Herrlichkeit<\/em><\/strong> zugesagt ist.<\/p>\n<p>Jedoch, warum ist das uns denn so <strong><em>fremd<\/em><\/strong> geworden, so wie Kinder einfach zu glauben und zu leben? Sind wir in unserem Leben vielleicht zu viel <strong><em>entt\u00e4uscht und verletzt<\/em><\/strong> worden? Tragen wir an Leib und Seele <strong><em>zu viel<\/em><\/strong> an Trauer, Schmerzen oder Wut mit uns herum? Wie dem auch sei, eins lehrt dabei jedenfalls die Erfahrung, n\u00e4mlich dass man in der Regel von <strong><em>allein<\/em><\/strong> aus einem solchen dunklen Loch schmerzlicher Erfahrungen nicht heraus kommt. Sich <strong><em>allein<\/em><\/strong> an einem grauen Morgen vorzunehmen, \u201eHeute will ich begeistert und fr\u00f6hlich sein\u201c, <strong><em>das klappt einfach nicht<\/em><\/strong> oder f\u00fchrt nur zu Verkrampfungen.<\/p>\n<p>Gut, manche sagen, was da helfen kann, ist der <strong><em>Mitmensch<\/em><\/strong>. Das ist sicherlich <strong><em>manchmal<\/em><\/strong> m\u00f6glich. Aber kennen wir das nicht auch: Da steht man entt\u00e4uscht und traurig und dann stellt sich ein munterer Mitmensch zu einem und sagt polterig so etwas wie: \u201eKomm, so schlimm <strong><em>ist das doch alles gar nicht<\/em><\/strong>, stell dich doch <strong><em>nicht so an<\/em><\/strong>!\u201c Und dann, dann schluckt man und verkriecht sich noch tiefer in sein <strong><em>Schneckenhaus<\/em><\/strong>. Nein, ein solcher polteriger Geist kann nicht immer helfen. Weder in Arbeit und Beruf, noch in Familie oder Gesellschaft.<\/p>\n<p>Wirklich hilfreich kann nur ein liebevoller, <strong><em>einf\u00fchlsamer<\/em><\/strong>, <strong><em>herzlicher<\/em><\/strong> Geist sein, der einem eben nicht gewaltsam \u00fcbergest\u00fclpt wird oder auf Knopfdruck von irgendwoher auf einen niederprasselt. In unserem Bibelwort hei\u00dft es deshalb ja auch: Der Geist <strong><em>selbst<\/em><\/strong> gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind.<\/p>\n<p>Und da der Geist Gottes weht, wo er will, bedeutet das ja weiter, dass man um Gottes guten Geist nur <strong><em>bitten<\/em><\/strong> kann. Nein, nein, nicht nur <strong><em>bitten<\/em><\/strong>, sondern auch sich dann auch darauf verlassen, dass Gott unsere Bitte um Christi willen <strong><em>erh\u00f6rt<\/em><\/strong> und uns dann seinen Geist schickt, mit neuem <strong><em>Mut<\/em><\/strong>, mit neuer <strong><em>Kraft<\/em><\/strong>, mit neuem <strong><em>Trost<\/em><\/strong> und neuer <strong><em>Hoffnung<\/em><\/strong>.<\/p>\n<p>Und \u00fcbrigens, wenn man so wirklich bitten kann, wenn man so wirklich um Gottes guten Geist bitten kann, dann <strong><em>geschieht<\/em><\/strong> tats\u00e4chlich etwas. Bitte rechnen Sie jetzt nicht mit st\u00e4ndigen spitzen Halleluja-Rufen oder dauerhaften ekstatischen T\u00e4nzen. Aber mit <strong><em>einem<\/em><\/strong> muss und darf man ganz fest rechnen: n\u00e4mlich dass sich Menschen wohltuend ver\u00e4ndern, dass sich das Klima untereinander und miteinander heilsam ver\u00e4ndert, wenn Menschen <strong><em>tats\u00e4chlich beten<\/em><\/strong>, wenn Menschen <strong><em>tats\u00e4chlich<\/em><\/strong> Gott um seinen guten Geist bitten. Und dann sind sie auch gleichzeitig von Gottes Geist getrieben und dann sind sie <strong><em>seine<\/em><\/strong><strong><em>Kinder<\/em><\/strong>. Und Besseres kann es doch wirklich nicht geben im Leben und im Sterben, denn dann werden einem als Kind oder Erwachsenen die Augen aufgetan f\u00fcr Gottes ganz andere Lebenswelt, die in jeder Fr\u00f6hlichkeit und in allem Sch\u00f6nen durchschimmern will, die in jedem Gef\u00fchl der Dankbarkeit und der Liebe uns bereits <strong><em>jetzt<\/em><\/strong> anr\u00fchren will, um uns <strong><em>dann<\/em><\/strong> als Kinder Gottes ewig wunderbar zu um h\u00fcllen und zu umschlie\u00dfen seinem ewigem Reich. Dazu f\u00fchre und leite uns alle Gottes guter Geist.<br \/>\nAmen.<\/p>\n<p><strong>Pastor Dr. Andreas Pawlas<br \/>\nEv.-luth. Kirchengemeinde Barmstedt<br \/>\nErlenweg 2<br \/>\n25365 Kl. Offenseth-Sparrieshoop<br \/>\n<a href=\"mailto:Andreas.Pawlas@t-online.de\">Andreas.Pawlas@t-online.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. 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