{"id":10075,"date":"2021-02-07T19:49:30","date_gmt":"2021-02-07T19:49:30","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10075"},"modified":"2022-10-27T09:37:05","modified_gmt":"2022-10-27T07:37:05","slug":"johannes-5-1-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-5-1-18\/","title":{"rendered":"Johannes 5, 1-18"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Zu einem Zeitpunkt im Konfirmandenunterricht besch\u00e4ftigten wir uns aus irgendeinem Grund mit dem d\u00e4nischen Lied: Unverzagt, wie auch mein Gl\u00fcck. Ein M\u00e4dchen las laut etwas f\u00fcr sich selbst, und als sie zum Kehrreim dieses Liedes kam, konnte man sie sagen h\u00f6ren: Wenn ich nur in Gnaden steh, unverzagt, oh, wie das geht. Im richtigen Text hei\u00dft es: Unverzagt, was auch geschieht.<\/p>\n<p>Das ist, gebe ich gerne zu, eine Wandergeschichte, die Pastoren gerne erz\u00e4hlen. Aber sie kann uns vielleicht helfen, uns einigen von den Fragen zuzuwenden, die die Geschichte vom Kranken bei Bethesda stellt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich m\u00f6chten wir alle gerne antworten k\u00f6nnen, wenn wir gefragt werden, wie es uns geht: Es geht uns gut. Es sollte ja alles so sch\u00f6n und perfekt wie m\u00f6glich sein.<\/p>\n<p>Aber was, wenn es nicht so einfach geht? K\u00f6nnen wir dann lernen zu sagen: Unverzagt, was auch geschieht? Also unter allen Umst\u00e4nden! Sollen wir das lernen?<\/p>\n<p>So wie der Evangelist Johannes es erz\u00e4hlt, erhalten wir das Beispiel eines Mannes, der 38 jahre lang krank war. Zusammen mit vielen anderen Kranken hat man ihn nach Bethesda gebracht, einem Teich in der N\u00e4he von Jerusalem.<\/p>\n<p>Was ihm auch fehlt, er kann jedenfalls nicht gehen und deshalb nicht selbst zum Teich mit dem heilenden Wasser kommen.<\/p>\n<p>Die vielen chronisch Kranken sind wirklich auf eine Warteliste gekommen &#8211; und es wirkt ganz und gar zuf\u00e4llig, wer von ihnen geheilt und gesund wird.<\/p>\n<p>Dieser scheinbare Zufall, der bestimmt, wer krank ist und wer gesund, hat wohl die Menschen immer veranla\u00dft zu fragen, wo Gott eigentlich in diesem Spiel ist.<\/p>\n<p>Warum werden einige h\u00e4rter getroffen als andere? Warum werden einige geheilt und andere nicht?<\/p>\n<p>Wenn man sagen kann, da\u00df Heilung von Gott kommt, kann man dann auch sagen, da\u00df Krankheit und Ungl\u00fcck von Gott kommen?<\/p>\n<p>Es hat im Laufe der Zeit viele Versuche einer Antwort gegeben &#8211; und die waren sehr unterschiedlich. Nur um eine Erkl\u00e4rung zu finden, haben Menschen Krankheit als Strafe Gottes angesehen, wie das auch am Ende des Textes hier angedeutet wird: S\u00fcndige hinfort nicht mehr, da\u00df dir nicht etwas \u00c4rgeres widerfahre. Oder man hat die Wirklichkeit zwischen zwei M\u00e4chten aufgeteilt, eine b\u00f6se und zerst\u00f6rerische und eine gute und heilende Macht.<\/p>\n<p>Ich meine nicht, da\u00df eine dieser Antworten befriedigen kann &#8211; und ich meine, da\u00df alle unsere Versuche einer Antwort den Versuch darstellen, die Wirklichkeit zu beherrschen, zu verstehen und zu erkl\u00e4ren &#8211; auch wenn sie unbeherrschbar, unverst\u00e4ndlich und unerkl\u00e4rlich ist.<\/p>\n<p>Aber, werden einige nun einwenden, endet man dann nicht dort, wo sich der Mann in der Geschichte befindet, in einer resignierten Haltung zu seiner Lage und zu seinem Leben? Er ist offenbar dort gelandet, wo er ganz aufgegeben hat &#8211; und mutlos dar\u00fcber klagt, da\u00df ihm keiner hilft. Teilweise schiebt er die Verantwortung f\u00fcr seine Lage auf andere, die seiner Ansicht nach versagt haben: die Familie, die Gesellschaft, der Staat. Ihr k\u00f6nnt es sicher h\u00f6ren &#8211; und wiedererkennen!<\/p>\n<p>Wenn Jesus deshalb &#8211; f\u00fcr einige etwas \u00fcberraschend &#8211; fragt: Willst du gesund werden? &#8211; dann h\u00f6re ich in dieser Frage mehrere Dinge:<\/p>\n<p>Erst das Ersch\u00fctternde, da\u00df wir uns so sehr an das Nicht-Leben gew\u00f6hnen k\u00f6nnen, an ein begrenztes, eingeengtes, beherrschbares Leben, da\u00df wir es schlie\u00dflich akzeptieren &#8211; und die M\u00f6glichkeit der Ver\u00e4nderung ablehnen &#8211; aus der Furcht vor dem Leben, das \u00fcberw\u00e4ltigend und fordernd ist.<\/p>\n<p>Aber mit der Frage versucht Jesus auch den Mann in seiner pers\u00f6nlichen Verantwortung festzuhalten. Unser Leben wird zwar in hohem Ma\u00dfe von dem bestimmt, was zu uns kommt, aber es wird auch davon bestimmt, wie wir das annehmen, was auf uns zukommt: Ob wir es annehmen, es auf uns nehmen, damit arbeiten.<\/p>\n<p>Und es gibt meiner Meinung nach Auffassungen vom Christentum, die die Dinge verdreht haben. Man hat es zuweilen so verstanden, als sei es eine christliche Tugend, sich zu beugen und sich Krankheit, Ungl\u00fcck und Unterdr\u00fcckung zu unterwerfen, als sei das alles Gottes Wille.<\/p>\n<p>Und es <em>ist<\/em> schwierig, einer zuweilen unbeherrschbaren Wirklichkeit in die Augen zu sehen und zugleich den Gedanken an Gott festzuhalten als den, der es gut mit mir meint, von dem ich mir alles Gute erwarte (Luther). Deshalb kann die Frage Jesu: Willst du gesund werden? noch immer als tiefe Provokation empfunden werden. Hast du Vertrauen zum Innersten im Dasein, zu Gott, wenn es drauf ankommt? Ganz gleich, wie es dir geht?<\/p>\n<p>Im Johannestext wird Jesus selbst die Antwort Gottes an den Mann. Auch wenn der Mann resigniert hat und aufgegeben hat, kann Gott ihn erreichen, als Jesus ihm die Hand reicht und ihn buchst\u00e4blich aus der Bitterkeit und dem Gef\u00fchl der Benachteiligung rei\u00dft, so da\u00df er sich bewegen kann und wieder ins Leben kommt.<\/p>\n<p>In dem oben erw\u00e4hnten Lied vollzieht der Dichter Ambrosius Stub keine so gro\u00dfen Schritte, sondern mu\u00df sagen, da\u00df der Mut zum Leben, wenn er auf Widerstand st\u00f6\u00dft, &#8222;eben das Meisterst\u00fcck ist, auf das ich t\u00e4glich baue&#8220;.<\/p>\n<p>Man kann sich also im Vertrauen und Lebensmut \u00fcben, auch wenn dem alles widerspricht. Das ist wohl das was Ambrosius Stub beschreibt, wenn er sagt: &#8222;Wenn ich nur in Gnaden steh&#8220;. Amen.<\/p>\n<p><strong>Pfarrerin Hanne Sander<br \/>\nPrins Valdemarsvej 62<br \/>\nDK-2820 Gentofte<br \/>\nTel.: 39 65 52 72<br \/>\ne-mail: <a href=\"mailto:sa@km.dk\">sa@km.dk<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu einem Zeitpunkt im Konfirmandenunterricht besch\u00e4ftigten wir uns aus irgendeinem Grund mit dem d\u00e4nischen Lied: Unverzagt, wie auch mein Gl\u00fcck. Ein M\u00e4dchen las laut etwas f\u00fcr sich selbst, und als sie zum Kehrreim dieses Liedes kam, konnte man sie sagen h\u00f6ren: Wenn ich nur in Gnaden steh, unverzagt, oh, wie das geht. Im richtigen Text [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[39,1,727,185,114,526,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-10075","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-johannes","category-aktuelle","category-archiv","category-aus-dem-daenischen","category-deut","category-kapitel-05-chapter-05-johannes","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10075","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10075"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10075\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14422,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10075\/revisions\/14422"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10075"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10075"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10075"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=10075"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=10075"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=10075"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=10075"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}