{"id":10081,"date":"2021-02-07T19:49:36","date_gmt":"2021-02-07T19:49:36","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10081"},"modified":"2022-10-06T14:28:34","modified_gmt":"2022-10-06T12:28:34","slug":"lukas-1038-42-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-1038-42-3\/","title":{"rendered":"Lukas 10,38-42"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Es ist so allt\u00e4glich, was wir heute h\u00f6ren. Das Verh\u00e4ltnis zwischen Martha und Maria, zwei Schwestern. Ein Gast soll bewirtet werden.<\/p>\n<p>Martha ist das wohlerzogene M\u00e4dchen, das tut, was es gelernt hat, n\u00e4mlich G\u00e4ste zu bedienen und f\u00fcr Essen zu sorgen, daf\u00fcr zu sorgen, da\u00df sie sich wohlf\u00fchlen, zuhause f\u00fchlen &#8211; so wie sich das eben geh\u00f6rt, wenn man ein wohlerzogenes M\u00e4dchen ist.<\/p>\n<p>Aber da ist Maria, die sich nur dem Herrn zu F\u00fc\u00dfen setzt und das beste Teil erwischt hat und seinen Worten lauscht.<\/p>\n<p>So jedenfalls deutet Martha ihr Verhalten und verd\u00e4chtigt sie der Faulheit und fehlender Solidarit\u00e4t, denn &#8222;jemand mu\u00df ja f\u00fcr das Essen sorgen&#8220;.<\/p>\n<p>Martha ist die, die dem Alltag erlegen ist. Sie hat kein Ohr f\u00fcr das &#8222;Mehr&#8220; in der Situation, als Jesus eintritt. Sie behandelt ihn wie einen gew\u00f6hnlichen Gast, der so bewirtet werden mu\u00df, wie sich das geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Der Alltag kann uns in vieler Weise auffressen. Und das geschieht bei uns allen, entweder freiwillig oder unfreiwillig, da\u00df er sich unser bem\u00e4chtigt.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen so sehr mit dem Alltag besch\u00e4ftigt sein, damit, alle seine Rituale einzuhalten, die wir selber geschaffen haben, da\u00df wir nie zum Eigentlichen kommen: Zusammenzuz\u00e4hlen, sich hinsetzen und \u00fcber den Tag nachdenken und nicht nur dar\u00fcber, was wir nun f\u00fcr das Essen morgen aus dem Gefrierschrank nehmen sollen.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen am Alltag festkleben, weil wir ihn selbst unser Handeln bestimmen lassen, so da\u00df er uns etwas tun l\u00e4\u00dft, wozu wir eigentlich gar keine Lust haben. Dann werden der Alltag und das Allt\u00e4gliche zur sauren Pflicht. Das geschieht bei Martha.<\/p>\n<p>Ich bin sicher, da\u00df Martha nachher ihre Zunge abbei\u00dfen wollte, denn sie konnte ja sehr wohl h\u00f6ren, als der Satz in der Luft hing, da\u00df sie sich mit ihrem Beleidigtsein selbst entlarvt hatte, da\u00df sie also nicht &#8222;aus Herzen&#8220; und &#8222;mit Freude&#8220; f\u00fcr Jesus gesorgt hatte. Sie wollte eigentlich etwas anderes.<\/p>\n<p>Aber wir sind selber nicht immer Herr dar\u00fcber, da\u00df der Alltag uns auffri\u00dft.<br \/>\n\u00c4ltere Menschen k\u00f6nnen erz\u00e4hlen, da\u00df etwas vom Schwersten am Altwerden das ist, da\u00df die allt\u00e4glichen Notwendigkeiten &#8211; allein sich anziehen und aufstehen &#8211; in einem solchen Ma\u00dfe an den Kr\u00e4ften zehren, da\u00df keine Kraft mehr da ist f\u00fcr anderes als die Sorgen des Alltags &#8211; wie sehr man auch etwas mehr will, wie wir heute sagen.<\/p>\n<p>Das heutige Evangelium handelt von den Problemen und Dilemmas des Alltags. <em>Zugleich<\/em> aber handelt es davon, da\u00df das Erfreuliche und Unerwartete pl\u00f6tzlich geschehen kann, da\u00df es uns verg\u00f6nnt ist und uns Anla\u00df gegeben wird, da\u00df wir alles, was wir in den H\u00e4nden haben, fahren lassen und entdecken, da\u00df es etwas gibt, das n\u00f6tiger ist als das t\u00e4gliche Brot. Und das hebt den Alltag auf eine ganz andere Ebene.<\/p>\n<p>Es gibt wirklich Wichtigeres als die allt\u00e4glichen Notwendigkeiten. Und das ist Geist.<br \/>\nDas einzig Notwendige, das ist etwas, was sich pl\u00f6tzlich offenbaren kann, sich uns zeigen kann, in unseren Alltag einbrechen kann und uns dazu bringen kann, alles fahren zu lassen, uns \u00fcber die Sorgen des Alltags erheben kann und damit alles in einem ganz anderen Licht sehen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Das ist das Werk des Geistes.<br \/>\nUnd das geschieht, als Jesus in das Haus bei Martha und Maria eintritt.<br \/>\nF\u00fcr Maria!<\/p>\n<p>Maria hat ganz einfach alles andere gl\u00fccklich vergessen: ihre Pflichten, ihre Schwester, ihre Erziehung. Hier ist die Zeit, der Geist ist \u00fcber sie gekommen, der Herr ist zu Besuch und sie h\u00f6rt ihm zu.<\/p>\n<p>Und er spricht zu ihr &#8211; m\u00fcssen wir vermuten &#8211; vom barmherzigen Vater im Himmel, der f\u00fcr seine Kinder sorgt und zu ihr sagt: &#8222;Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als Speise und der Leib mehr als die Kleidung? Sehet die V\u00f6gel unter dem Himmel an: sie s\u00e4en nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater n\u00e4hrt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? Wer ist unter euch, der seines Lebens L\u00e4nge <em>eine<\/em> Spanne zusetzen kann, ob er gleich darum sorget?&#8220;<\/p>\n<p>Und Maria sitzt und denkt an das kleine Dorf, an die kleinen Verh\u00e4ltnisse, an all die Sorgen der Einwohner um das Wohlergehen, die Ernte, die Tiere, das Essen.<\/p>\n<p>Und sie denkt an all die Unzufriedenheit, den Neid, der sich einstellt, wenn es jemandem gut geht.<\/p>\n<p>Und sie denkt an all die Sorgen, die den Leuten den Atem rauben k\u00f6nnen &#8211; Sorgen, nicht gut genug zu sein, Sorgen, da\u00df Gott nicht mit in ihrem Leben ist, weil Armut und Krankheit der deutlichste Beweis f\u00fcr Gottesverlassenheit zu sein scheinen, Sorgen um die Kinder, um das Urteil der anderen.<\/p>\n<p>Und Jesus macht eine ganz andere Welt f\u00fcr sie lebendig. Eine Welt, die sich \u00fcber die Sorgen des Alltags erhebt. Ein Leben, da\u00df mit einem ganz anderen Ma\u00dfstab gemessen wird als dem, mit dem wir einander und das Leben des anderen messen.<\/p>\n<p>Und diese Welt wird mit seinem Besuch lebendig. Hier kommt ein fremder Mensch in die T\u00fcr. Er hat ihr Haus ausgew\u00e4hlt. Er ist unter ihr Dach gekommen. Ohne da\u00df sie sich vorbereiten konnten oder sich entschuldigen konnten, da\u00df sie doch dessen wahrlich nicht w\u00fcrdig seien.<\/p>\n<p>Das einzige, was Maria tun konnte, war, sich zu seinen F\u00fc\u00dfen zu setzen. Denn sie wollte ihm gerne zuh\u00f6ren. Sie wollte gerne all das glauben, was er ihr erz\u00e4hlte.<\/p>\n<p>Denn die Worte sind ein Geschenk f\u00fcr sie. Sie s\u00e4ttigen ihr Leben mit einer solchen F\u00fclle, da\u00df sie alles in ein neues Licht r\u00fccken. Nun ist der Alltag nicht mehr nur etwas, was man \u00fcberstehen mu\u00df. Es gibt etwas, was man erst h\u00f6ren mu\u00df, ehe wir das gute Teil erhalten.<\/p>\n<p>Das gute Teil ist, da\u00df man in seinem Leben gegenw\u00e4rtig ist und an es unter der F\u00fcrsorge Gottes glaubt. Da\u00df man versteht, da\u00df die Sorgen von uns selbst kommen, da\u00df sie nichts mit dem Gericht zu tun haben, mit dem Gott \u00fcber uns richtet. Um das Leben, das Gott geh\u00f6rt, brauchen wir uns keine sorgen zu machen. Gott ist der barmherzige Gott, der den S\u00fcndern vergibt, der Gast ist und selbst bei den \u00c4rmsten in einem kleinen abgelegenen Dorf zu Gast ist.<\/p>\n<p>Glauben wir daran, da\u00df Gott auch uns besucht hat und uns entgegengekommen ist &#8211; im Geschehen der Taufe &#8211; uns entgegenkommt mit seinem Wort, wann immer es an uns ergeht, <em>dann<\/em> d\u00fcrfen wir unser Leben, unseren Alltag in einem ganz anderen Licht sehen.<\/p>\n<p>Sorglos &#8211; trotz unserer Sorgen. Wir d\u00fcrfen die Freude im Allt\u00e4glichen sehen.<\/p>\n<p>Die Freude im Allt\u00e4glichen: Da\u00df man W\u00e4sche aufh\u00e4ngen darf, Butterbrot f\u00fcr die Kinder schmieren darf, im Regen zur Arbeit radeln darf &#8211; ganz einfach &#8211; da\u00df man leben darf! Das ist ja eine Grunderfahrung &#8211; die grundlegende Dankbarkeit und Freude, die wir vergessen, wenn alles aufgeht in \u00c4rger \u00fcber die Faulheit und Unh\u00f6flichkeit anderer:<\/p>\n<p>&#8222;Martha, Martha, du hast viel Sorge und M\u00fche. Eins aber ist not&#8220;.<br \/>\nJa, es gibt in der Tat kaum eine Grenze f\u00fcr all das, um das wir uns Sorgen machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Eines aber ist not. Und pl\u00f6tzlich haben wir das Gl\u00fcck, da\u00df sich f\u00fcr uns offenbart, was das ist &#8211; wie dies bei Maria geschah.<\/p>\n<p>Das geschah an diesem Tag nicht f\u00fcr Martha. Wir werden von ihr am n\u00e4chsten Sonntag h\u00f6ren (in der Geschichte von der Auferweckung des Lazarus), wo sie bestimmt nicht so vom Geist verlassen ist wie in dieser Geschichte heute.<\/p>\n<p>Das bedeutet, da\u00df wir in Martha und Maria keine Stereotypen sehen sollen, wie wir dies vielleicht allzu oft tun, den Praktiker gegen\u00fcber dem Geistmenschen.<br \/>\nWir sollen vielmehr die Lehre daraus ziehen, da\u00df der Geist den Unterschied ausmacht.<\/p>\n<p>Deshalb m\u00fcssen wir darum bitten, da\u00df der Geist \u00fcber uns komme, so da\u00df wir in jeder Lage wissen k\u00f6nnen, was das eine ist, das nottut. Da\u00df wir von Herzen und mit Freude bewegt werden und handeln k\u00f6nnen. Amen.<\/p>\n<p><strong>Pastorin Eva T\u00f8jner G\u00f6tke<br \/>\nPlatanvej 10<br \/>\nDK-5230 Odense M<br \/>\nTel.: ++ 45 &#8211; 66 12 56 78<br \/>\nemail: <a href=\"mailto:etg@km.dk\">etg@km.dk<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist so allt\u00e4glich, was wir heute h\u00f6ren. Das Verh\u00e4ltnis zwischen Martha und Maria, zwei Schwestern. Ein Gast soll bewirtet werden. 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