{"id":10087,"date":"2021-02-07T19:49:41","date_gmt":"2021-02-07T19:49:41","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10087"},"modified":"2022-10-03T17:24:21","modified_gmt":"2022-10-03T15:24:21","slug":"1-petrus-5-5c-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-petrus-5-5c-11\/","title":{"rendered":"1. Petrus 5, 5c-11"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Am 8. September hat eine namhafte deutsche Versicherungsgesellschaft in Berlin die Ergebnisse ihrer repr\u00e4sentativen Studie \u00fcber die \u00c4ngste der Deutschen vorgestellt. 1 Die Befragten k\u00f6nnen auf einer Skala von eins (\u201egar keine Angst\u201c) bis sieben (\u201esehr gro\u00dfe Angst\u201c) ihre Bef\u00fcrchtungen einordnen. Das Ergebnis der diesj\u00e4hrigen Erhebung zeigt: Die \u00c4ngste der Deutschen kreisen 2004 vor allem um die Wirtschaftslage. Auf den Pl\u00e4tzen eins und zwei stehen die Sorgen, dass das t\u00e4gliche Leben noch teurer wird und sich die wirtschaftliche Situation weiter verschlechtert. An dritter Stelle folgt das Thema Arbeitslosigkeit. Das Angstniveau erreicht bundesweit mit 4,35 von 7 m\u00f6glichen Punkten den zweith\u00f6chsten Wert auf der Skala seit Beginn der Langzeitstudie. Damit ist die Angst der Deutschen seit 1991 etwa um ein Drittel gestiegen. 2<\/p>\n<p>Angst hat Hochkonjunktur unter uns. Sie l\u00e4sst keine Altersstufe aus. Die 16- bis 29- J\u00e4hrigen haben die meiste Angst davor, arbeitslos zu werden. Die 30- bis 49-J\u00e4hrigen werden von der Sorge um einen geringeren Lebensstandard im Ruhestand gequ\u00e4lt. Die Generation der \u00fcber 50-J\u00e4hrigen sorgt sich am meisten darum, dass die Lebenshaltungskosten weiter steigen. L\u00e4sst man diese Zahlen auf sich wirken, dann stellt sich die Frage, was passiert, wenn eine Gesellschaft im Spiegel der Statistik mit ihren eigenen \u00c4ngsten konfrontiert wird? Glaubt man dem Psychologen, der von der Versicherung als \u201eAngstexperte\u201c besch\u00e4ftigt wird, dann gibt es zwei grundlegende Reaktionsm\u00f6glichkeiten. Angst l\u00e4sst sich nicht unendlich steigern. Wird das Angstgef\u00fchl \u00fcberm\u00e4chtig, muss ein Mensch reagieren. Entweder er geht in die Offensive und k\u00e4mpft gegen die Angst und ihre Ursachen an. Oder er wird defensiv und flieht vor der Angst und ihren Ursachen.<\/p>\n<p>Ich spiele das am Beispiel eines 35-j\u00e4hrigen Angestellten, der sich Sorgen um seinen Lebensstandard im Alter macht, einmal durch. Entweder er schlie\u00dft einen Vertrag \u00fcber eine private Zusatzrente ab. Das ist der Fall, den sich die Versicherungsgesellschaft w\u00fcnscht und f\u00fcr den sie solche Studien \u00fcber die Angst der Deutschen in Auftrag gibt. Oder er geht konsequent allen Dingen aus dem Weg, die ihn an seine nicht vorhandene Alterssicherung erinnern k\u00f6nnten. Er legt sich z.B. eine Weltanschauung zurecht, deren Bestandteil es ist, dass Lebensversicherungen unn\u00f6tig sind. Findet er dann noch Freunde, die \u00e4hnlich denken, dann ist die Verdr\u00e4ngung der Angst perfekt organisiert. In diesem Fall hat die Werbestrategie der Versicherung versagt, und ein Heer von Marketingfachleuten hat eine neue Aufgabe.<\/p>\n<p>Im schlimmsten Fall jedoch gelingt unserem 35-j\u00e4hrigen Angestellten weder das Eine noch das Andere. Er kann \u2013 aus welchen Gr\u00fcnden auch immer \u2013 keinen Vertrag \u00fcber eine private Zusatzrente abschlie\u00dfen. Es gelingt ihm aber auch nicht, das Wissen um seine nicht vorhandene Alterssicherung zu verdr\u00e4ngen. In dieser Situation gibt es wieder zwei Reaktionsm\u00f6glichkeiten. Entweder er f\u00e4llt in eine vollkommene Angststarre, wird teilnahmslos und unempfindlich gegen die eigene Angst. Dann ist ein Zustand vollkommener Narkotisierung erreicht, in dem er nicht nur f\u00fcr seine Angst, sondern auch f\u00fcr positive Gef\u00fchle nicht mehr erreichbar ist. In dieser Depression wird er keinerlei Initiative mehr ergreifen und erst recht keine Versicherung abschlie\u00dfen. Oder \u2013 was in gewisser Weise das Allerschlimmste ist \u2013 unser 35-j\u00e4hriger Angestellter verschiebt das Objekt seiner Angst. Er entwickelt immer neue \u00c4ngste, blo\u00df um sich mit dem urspr\u00fcnglichen Anlass seiner Angst nicht mehr auseinandersetzen zu m\u00fcssen. Die heute in Sachsen und Brandenburg stattfindenden Landtagswahlen sind auch so etwas wie ein Lackmustest f\u00fcr das Vorhandensein solcher Angst\u00fcbertragungen. Das zu bef\u00fcrchtende Abschneiden radikaler Parteien im zweistelligen Prozentbereich w\u00e4re ein Hinweis auf die Verschiebung von \u00c4ngsten. Mitb\u00fcrger ausl\u00e4ndischer Herkunft werden stellvertretend zu Objekten der Zukunftsangst gemacht, werden zu Schuldigen f\u00fcr die deutschen Probleme auf dem Arbeitsmarkt gemacht. Sollte unser 35-j\u00e4hriger Angestellter am Ende gar bei den W\u00e4hlern der NPD zu finden sein?<\/p>\n<p>Dann liebe Gemeinde, h\u00e4tte die Angst nicht nur Hochkonjunktur bei uns, sondern dann w\u00e4re sie zur Herrschaft gelangt, dann h\u00e4tte sie uns \u00fcberwunden. Und Angst, die in unserem Leben zur Herrschaft gelangt, hat etwas D\u00e4monisches. Dagegen helfen keine Versicherungen, so hilfreich und gut sie ansonsten auch sein m\u00f6gen. Dagegen m\u00fcssen andere Kr\u00e4fte aufgeboten werden. Davon soll jetzt die Rede sein. Ich lese aus dem ersten Petrusbrief, Kapitel f\u00fcnf, die Verse 7 bis 11:<\/p>\n<p>7 Alle eure Sorge werft auf Gott; denn er sorgt f\u00fcr euch. 8 Seid n\u00fcchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein br\u00fcllender L\u00f6we und sucht, wen er verschlinge. 9 Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass ebendieselben Leiden \u00fcber eure Br\u00fcder in der Welt gehen. 10 Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, st\u00e4rken, kr\u00e4ftigen, gr\u00fcnden. 11 Ihm sei die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte, liebe Gemeinde, mit dem Verlesen des Textes keinen erbaulichen Themawechsel unter der Hand einleiten. Hier ist von ein- und derselben Sache die Rede. Es geht in dem geh\u00f6rten Text um unseren Umgang mit der Angst, die uns bedroht, ja, die uns beherrschen will. Hier wird ganz unsentimental gesagt, dass Christen wie Nichtchristen unter derselben Angst leiden. \u201eEbendieselben Leiden [gehen] \u00fcber eure Br\u00fcder in der Welt.\u201c Weder erleiden wir ein Sonderschicksal, noch sind wir in irgendeiner Weise von vornherein von den Leiden der Welt ausgenommen. Die Frage nach den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unseres Lebens und ihren sozialen Folgen besch\u00e4ftigt uns doch ebenso wie die Menschen, die sich nicht als Christinnen und Christen verstehen. Wir sind ja von alledem in den Lebensentscheidungen, die wir zu treffen haben, auch nicht weniger betroffen als alle anderen Menschen.<\/p>\n<p>Doch welche Botschaft wird uns heute gesagt? Was d\u00fcrfen wir h\u00f6ren, um mit unserer Angst umgehen zu lernen, um sie \u2013 vielleicht nicht sofort und mit Sicherheit nicht ein- f\u00fcr allemal \u2013 aber Schritt f\u00fcr Schritt ein bisschen besser zu bew\u00e4ltigen? Ich meine, dass uns f\u00fcr heute drei Dinge gesagt werden: (1) Lasst euch von der Angst nicht verschlingen! (2) Teilt eure Sorge mit Gott! (3) Tr\u00f6stet euch untereinander!<\/p>\n<p>Zum ersten. Lasst euch von der Angst nicht verschlingen! Erinnern wir uns noch einmal an die Auskunft des \u201eAngstexperten\u201c im Dienste der Versicherungsgesellschaft. Seine Auskunft lautete: Wenn du Angst hast, dann tu etwas dagegen! Werde aktiv! Analysiere die Gr\u00fcnde f\u00fcr deine Angst und schaffe Abhilfe! Dieser Appell ist gut gemeint. Und er ist auch \u00fcberall da hilfreich, wo ein passendes Hilfsmittel im Angebot ist. Das k\u00f6nnte dann so aussehen: Angst vor einer Versorgungsl\u00fccke im Alter, private Rentenversicherung abgeschlossen, Angst beseitigt.<\/p>\n<p>Ja, liebe Gemeinde, wenn das immer so einfach w\u00e4re! Faktisch kommen wir doch immer wieder in Lebenssituationen, f\u00fcr die sich weder ein findiger Versicherungskaufmann noch sonst ein schlauer Mensch ein Patentrezept ausgedacht hat. [Manche von ihnen haben solche Situationen im Laufe ihres Lebens mehr als einmal erlebt. F\u00fcr das \u00dcberleben in Zeiten des Krieges l\u00e4sst sich kein Vertrag abschlie\u00dfen. Wer einmal fliehen musste, hat die Angst als Begleiterin kennen gelernt.] Welche M\u00f6glichkeiten bleiben aber, wenn uns das Heft des Handelns aus der Hand genommen wird? Was bleibt uns, wenn Bew\u00e4ltigungsstrategien und Fluchtm\u00f6glichkeiten fehlen?<\/p>\n<p>Es bleibt die M\u00f6glichkeit zur genauen Wahrnehmung der Situation. Dazu geh\u00f6rt zun\u00e4chst die Wahrnehmung meiner selbst. Was f\u00fchle und denke ich? Wer bin ich jetzt, hier und heute mit meinen Bef\u00fcrchtungen und Hoffnungen? Dazu geh\u00f6rt aber auch die genaue Beobachtung meiner Umwelt. Was geschieht gerade um mich herum? Was ist wirklich los, jenseits aller plakativen und vorschnellen Situationsanalysen und Ratschl\u00e4ge? Wer m\u00f6chte mir wirklich helfen, und wer m\u00f6chte blo\u00df von meiner Angst profitieren? Diese Aufmerksamkeit in einer Situation der Angst ist gar nicht so leicht zu erlangen. Darum werden wir heute daran erinnert. Die Bibel nennt das: \u201eSeid n\u00fcchtern und wacht.\u201c Diese Wachheit ist von jeder Umdeutung der Situation meilenweit entfernt. Die Umdeutung der Situation ist eine blo\u00dfe Vertr\u00f6stung und kein Trost. Sie sagt immer nur: \u201eStell dich nicht so an, so schlimm ist es doch in Wahrheit nicht.\u201c Oder sie sagt: \u201eWarum regst du dich so auf, andere machen auch viel durch.\u201c Solche S\u00e4tze werden uns kaum helfen. In der N\u00fcchternheit und Wachheit aber, zu der wir heute ermutigt werden, nehmen wir uns selbst in unserer Situation genau wahr. Wir fliehen nicht aus der Situation, sondern bleiben in ihr. Darum ist diese Wachheit auch etwas Schmerzhaftes. Sie l\u00e4sst sich nicht bet\u00e4uben, weder von der Angst selbst noch durch ein vermeintliches Gegenmittel. Im Zustand der Wachheit f\u00fchlen wir, wie der \u201eWidersacher\u201c Angst umhergeht \u201ewie ein br\u00fcllender L\u00f6we und sucht, wen er verschlinge\u201c. Aber gerade in dieser N\u00fcchternheit, in dieser Wachheit entsteht auch eine Widerstandskraft gegen die Angst, die von Gott ist. Diese Widerstandskraft ist Menschen immer wieder zugewachsen. Dietrich Bonhoeffer hat sie an der Wende zum Jahr 1943 so beschrieben: \u201eIch glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben m\u00fcsste alle Angst vor der Zukunft \u00fcberwunden sein.\u201c 3 Dietrich Bonhoeffer war alles andere als ein religi\u00f6ser Enthusiast. Und so wusste er, dass erbauliche Vokabeln allein nichts bewirken. Widerstandskraft gegen die Angst braucht einen Raum zur Entfaltung. Sie muss in unserem Leben Gestalt gewinnen k\u00f6nnen. Diese Gestalt ist das Gebet.<\/p>\n<p>Darum h\u00f6ren wir \u2013 zum zweiten \u2013 die Ermutigung: Teilt eure Sorge mit Gott. Diese Aufforderung: \u201eTeilt eure Sorge mit Gott\u201c, kann durchaus zun\u00e4chst in diesem scheinbar banalen Sinne geh\u00f6rt werden: Geteilte Sorge ist halbe Sorge. Allein das Aussprechen der Angst vor Gott und den Menschen kann eine Hilfe sein, kann Linderung verschaffen. Die Bibel ist voller Bilder, die diesen Zusammenhang klar aussprechen: \u201eDenn als ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein t\u00e4gliches Klagen\u201c, sagt der Beter des 32. Psalms.<\/p>\n<p>Doch die Ermutigung: \u201eAlle eure Sorge werft auf Gott\u201c, meint noch mehr. Das k\u00f6nnen wir sehen, wenn wir auf die Begr\u00fcndung dieser Ermutigung schauen. Der ganze Satz lautet ja: \u201eAlle eure Sorge werft auf Gott; denn er sorgt f\u00fcr euch.\u201c Das Gebet, mit dem wir unsere Sorge Gott mitteilen, darf sich auf die Verhei\u00dfung berufen, dass Gott f\u00fcr uns sorgt. Doch ist diese Hoffnung nicht naiv? Kann man dieser Verhei\u00dfung noch trauen, dass Gott f\u00fcr die Welt, dass Gott f\u00fcr uns sorgt? Ich meine: Ja, man kann dieser Verhei\u00dfung noch trauen, und wir sollten es wagen! Wahrscheinlich k\u00f6nnten viele von uns jetzt Geschichten erz\u00e4hlen, die die Rede von der F\u00fcrsorge Gottes in Frage stellen. Geschichten, bei denen wir dann am Ende fragen m\u00fcssten: Wo ist Gott in diesem Geschehen gewesen? Geschichten, bei denen wir dann feststellen w\u00fcrden: Wir wissen es nicht. Gott ist in ihnen f\u00fcr uns nicht erkennbar, er hat sich in ihnen verborgen, und wir k\u00f6nnen das nur beklagen. Doch ich glaube, dass diese Erfahrung der Verborgenheit Gottes die Rede von der F\u00fcrsorge Gottes f\u00fcr die Welt nicht grunds\u00e4tzlich in Frage stellt. 4<\/p>\n<p>Denn es gibt ja immer wieder auch die anderen Erfahrungen: Erfahrungen der unverhofften Hilfe in einer schwierigen Situation, Geschichten von pl\u00f6tzlich er\u00f6ffneten Wegen in auswegloser Situation, Erfahrungen der G\u00fcte und Freundschaft in tagelanger Einsamkeit. Das Evangelium des Tages gibt uns f\u00fcr diese Erfahrungen ein wundersch\u00f6nes Bild. Jesus erz\u00e4hlt seinen J\u00fcngern ein Gleichnis: 28 Warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. 29 Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. 30 Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr f\u00fcr euch tun?<\/p>\n<p>In Jesu Gleichnis wird eine einfache Feldblume, um die sich niemand besonders k\u00fcmmert, die niemand hegt und pflegt, zum Hinweis auf Gottes F\u00fcrsorge f\u00fcr die Welt. Ihre Sch\u00f6nheit steht f\u00fcr die G\u00fcte alles Geschaffenen, das wir Tag f\u00fcr Tag aus Gottes Hand nehmen. Die Lilien unseres Lebens \u2013 das sind die Dinge und Ereignisse, die unverhofft da sind und uns das Leben erm\u00f6glichen: ein Kind, das ungeplant geboren wird; ein Arbeitsplatz oder eine Fortbildungsm\u00f6glichkeit, die sich \u00fcberraschend ergeben; eine Freundschaft, die mir angeboten wird. Wir sind selbst oft pausenlos so sehr in Aktivit\u00e4ten verstrickt, dass wir den Blick f\u00fcr die Dinge zu verlieren drohen, die wie von selbst auf uns zukommen. Oft merken wir erst in der Passivit\u00e4t, wenn wir einmal Pause machen und aufh\u00f6ren, unsere Welt zu bearbeiten, welche G\u00fcte auch ohne unser Zutun bereits in der Welt ist. 5<\/p>\n<p>Auf tausend Weisen erh\u00e4lt Gott die Welt. Auf tausend Weisen ist er uns nahe und sorgt f\u00fcr uns. Das hei\u00dft nat\u00fcrlich nicht, dass wir unsererseits zum Erhalt der Sch\u00f6pfung nichts beitragen k\u00f6nnten, oder dass wir unsererseits keine Vorsorge treffen k\u00f6nnten, wo wir die M\u00f6glichkeit dazu haben. Das w\u00fcrde geradezu bedeuten, Gottes F\u00fcrsorge f\u00fcr die Welt auf die Probe zu stellen, Gott selbst zu versuchen. Aber es besteht ein grundlegender Unterschied darin, ob ich versuche, mir das Leben selbst zu besorgen, ob ich mich des Lebens selbst versichern m\u00f6chte, oder ob ich \u2013 bei allem Tun \u2013 ein Empfinden f\u00fcr das entwickle, was von Gott auf mich zukommt. Erst dann werde ich frei f\u00fcr das Lob der Macht Gottes. Gottes Macht ist keine abstrakte Allmacht, sondern seine G\u00fcte als Sch\u00f6pfer, die sich in den Lilien unseres Lebens zeigt.<\/p>\n<p>Damit komme ich zur dritten und letzten Ermutigung: Tr\u00f6stet euch untereinander! Wir sind berufen, aneinander und f\u00fcreinander den Dienst der Seelsorge zu tun. Damit meine ich nicht nur die professionellen Seelsorger und Therapeuten, sondern uns alle. Gott in Klage, Bitte und F\u00fcrbitte unsere Sorgen zu sagen, das verbindet uns miteinander. Zugleich ist die Sehnsucht nach Trost etwas, was uns immer wieder in Gemeinschaft hineinf\u00fchrt. Wenn wir einander zuh\u00f6ren, miteinander reden und aufeinander achten, dann werden wir f\u00fcreinander Zeugen der gro\u00dfen Seelsorge Gottes.<\/p>\n<p>Die Angst hat Hochkonjunktur in Deutschland im Jahr 2004. Arbeitsplatzmisere und Konjunkturflaute zerren uns an den Nerven. So sehr wir Strukturreformen und Innovationen brauchen \u2013 alles das, wovon tagt\u00e4glich in den Nachrichten die Rede ist \u2013 im Endeffekt brauchen wir doch noch mehr: Wir sind angewiesen auf die Quellen des Vertrauen und der Lebensgewissheit, die im Gebet und in der Gemeinschaft liegen, die in der Hoffnung lebendig sind, dass da jemand ist, der f\u00fcr uns sorgt und dem wir uns anvertrauen k\u00f6nnen. Der Gott aller Gnade, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch aufrichten, st\u00e4rken, kr\u00e4ftigen, gr\u00fcnden. Ihm sei die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.<\/p>\n<p>1 Alle Presseinformationen des R+V-Infocenter sowie zus\u00e4tzliche Grafiken zum Download unter <a href=\"http:\/\/www.ruv.de\/gehezu\/aengste.htm\">http:\/\/www.ruv.de\/gehezu\/aengste.htm<\/a>.<\/p>\n<p>2 Ein Blick auf die Angstindex-Kurve zeigt in den letzten 14 Jahren einen Anstieg von 3,40 auf 4,35. Das entspricht einer Steigerung um 27,94 %.<\/p>\n<p>3 Dietrich Bonhoeffer: Widerstand und Ergebung. Hg. von Eberhard Bethge. M\u00fcnchen 14 1990. S. 19. Wieder abgedruckt in EG 813.<\/p>\n<p>4 Vgl. Arnulf von Scheliha: Der Glaube an die g\u00f6ttliche Vorsehung. Eine religionssoziologische, geschichtsphilosophische und theologiegeschichtliche Untersuchung. Stuttgart 1999. \u2013 Reinhold Bernhardt: Was hei\u00dft \u201eHandeln Gottes\u201c? Eine Rekonstruktion der Lehre von der Vorsehung. G\u00fctersloh 1999.<\/p>\n<p>5 Vgl. die Auslegung von Friedrich Mildenberger: Biblische Dogmatik. Bd. 3. Stuttgart 1993. S. 377-382.<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\"><strong>Stefan Kl\u00e4s, Vikar<br \/>\nWolfstr. 12-14<br \/>\n53111 Bonn<br \/>\n0228\/444 73 62<br \/>\n<a href=\"mailto:stefan.klaes@web.de\">stefan.klaes@web.de <\/a> <\/strong><\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde! Am 8. September hat eine namhafte deutsche Versicherungsgesellschaft in Berlin die Ergebnisse ihrer repr\u00e4sentativen Studie \u00fcber die \u00c4ngste der Deutschen vorgestellt. 1 Die Befragten k\u00f6nnen auf einer Skala von eins (\u201egar keine Angst\u201c) bis sieben (\u201esehr gro\u00dfe Angst\u201c) ihre Bef\u00fcrchtungen einordnen. 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