{"id":10091,"date":"2021-02-07T19:49:32","date_gmt":"2021-02-07T19:49:32","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10091"},"modified":"2022-10-24T08:49:40","modified_gmt":"2022-10-24T06:49:40","slug":"lukas-10-41","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-10-41\/","title":{"rendered":"Lukas 10, 41"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Wieder begegnen wir der eilfertigen Martha im heutigen Text. Wir kennen sie als die, die sich Sorgen macht um vieles und die geneigt ist, das eine zu \u00fcbersehen, das nottut. Und wir begegnen auch ihrer Schwester Maria. Sie sitzt im Haus &#8211; und bleibt sitzen! Als Jesus das letzte Mal zu Besuch war, sa\u00df sie auch &#8211; zu seinen F\u00fc\u00dfen &#8211; und h\u00f6rte ihm zu, w\u00e4hrend Martha die vielbesch\u00e4ftige Wirtin war, die den Tisch deckte, Essen machte und f\u00fcr alles sorgte, bis es ihr schlie\u00dflich zu viel wurde und sie sich dar\u00fcber beschwerte, da\u00df Maria nie etwas tat.<\/p>\n<p>Und wenn wir weiter im Johannesevangelium nachlesen, dann h\u00f6ren wir von den beiden Schwestern einmal mehr, als Jesus sie auf dem Wege nach Jerusalem kurz vor Ostern besucht. Das Osterfest, das das letzte Osterfest Jesu werden sollte. Auch hier wird hervorgehoben, da\u00df Martha f\u00fcr das Essen sorgte, und dann steht da, etwas merkw\u00fcrdig, da\u00df Lazarus einer von denen war, die mit Jesus zu Tische sa\u00dfen.<\/p>\n<p>Ja, was denn sonst &#8211; das fehlte ja noch. Lazarus war tot und wurde wieder lebendig, und Jesus hatte ihn wieder zum Leben erweckt, und nun geben sie eine Festessen f\u00fcr Jesus. Sollte Lazarus da nicht dabei sein?<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich kann man das Familienleben vor sich sehen, so kann man wohl das Zusammenleben der drei Geschwister nennen.<\/p>\n<p>Martha ist die immer aktive, organisierende &#8211; und besorgte. Maria mehr die tr\u00e4umende und nachdenkliche und wohl etwas unpraktische &#8211; aber auch mehr sorglos. Lazarus verschwindet mehr oder weniger zwischen den beiden Schwestern, die je in ihrer Weise stark sind.<\/p>\n<p>Sie f\u00fcllen einen gro\u00dfen Raum, die beiden Schwestern. Sie reden und sorgen f\u00fcr die Dinge. Zun\u00e4chst h\u00f6ren wir gar nichts \u00fcber Lazarus, und als wir von ihm h\u00f6ren, ist er tot &#8211; und die Schwestern stehen auch hier (vielleicht nat\u00fcrlicher Weise) im Mittelpunkt.<\/p>\n<p>Und womit f\u00fcllen die das Bild aus? Ja, mit Klagen, die allm\u00e4hlich zu Vorw\u00fcrfen werden. &#8222;W\u00e4rst du hier gewesen, w\u00e4re mein Bruder nicht gestorben&#8220;. So sagen Martha und Maria zu Jesus, als er kommt.<\/p>\n<p>Es hat mich beeindruckt, da\u00df ein Kollege seinen \u00dcberlegungen \u00fcber diesen Text die \u00dcberschrift gab: Jammerweiber. Sind Martha und Maria wirklich Jammerweiber, und liegt es Frauen wirklich n\u00e4her, um eine bestimmte Situation zu kreisen mit einem &#8222;Wenn nun &#8230;&#8220;? Wenn nun Jesus etwas fr\u00fcher gekommen w\u00e4re, w\u00e4re das nicht passiert. Sie hatten in der Tat Jesus benachrichtigt, da\u00df Lazarus krank war, und auch wenn Jesus nun wu\u00dfte, da\u00df Lazarus tot war, hatte er sich nicht beeilt, zu kommen. So viel wissen die Schwestern nicht, und es mag recht hart klingen, aber es ist dennoch so, da\u00df sie gen\u00f6tigt sind, ihren Bruder los\u00adzulassen, damit er \u00fcberhaupt die M\u00f6glichkeit erhalten kann zu leben.<\/p>\n<p>So hart es auch ist, h\u00f6ren zu m\u00fcssen, da\u00df wir mehr Gott geh\u00f6ren als einander und mehr als wir uns selbst geh\u00f6ren &#8211; so befreiend ist es auch.<\/p>\n<p>Als Jesus den toten Lazarus ruft und ihn dazu bringt, aus dem Grabe zu kommen &#8211; da, so meine ich, ist es von gro\u00dfer Bedeutung, da\u00df Jesus sagt: L\u00f6st die Binden und la\u00dft ihn gehen.<\/p>\n<p>Lazarus soll zwar selbst sich erheben und herauskommen, aber die anderen, die Schwestern und Nachbarn, sollen ihn aus all dem wickeln, in das sie ihn eingewickelt haben. Auch ehe er tot war, wirkt es, als h\u00e4tten ihn andere an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen gebunden und sein Gesicht verdeckt. In den Erz\u00e4hlungen haben wir Lazarus auch nicht sehen k\u00f6nnen. Nun sagt Jesus, da\u00df sie ihn freigeben und gehen lassen sollen.<\/p>\n<p>Der Text ist also komplizierter, als es unmittelbar den Anschein hat.<\/p>\n<p>Bislang sind die Schwestern und Nachbarn damit besch\u00e4ftigt gewesen, die Schuld f\u00fcr den Tod es Lazarus zuzuweisen: W\u00e4rest du hier gewesen &#8230; H\u00e4tte er nicht bewirken k\u00f6nnen, da\u00df Lazarus nicht starb.<\/p>\n<p>Wenn, wenn und wenn &#8230;, dieses wenn, das alles unwirklich macht. Nun ist Lazarus tot, und als Jesus eingreifen will in die faktische Situation, ja da wollen sie das auch nicht. So war es nun auch wieder nicht gemeint: Er stinkt schon&#8230;<\/p>\n<p>Aber so wie Jesus das Leben Gottes versteht, ist es konkret. Das Leben und der Tag, die wir in den H\u00e4nden halten, sind das, was sie sind. Es h\u00e4tte nat\u00fcrlich anders sein k\u00f6nnen, wenn. Aber es ist, was es ist.<\/p>\n<p>Es ist auch nicht das, was es vielleicht einmal werden wird &#8211; Marthas Antwort: das Leben am j\u00fcngsten Tag. Gottes Leben ist nun, sagt Jesus, es ist gegenw\u00e4rtig und es ist allumfassende Wirklichkeit &#8211; und umfa\u00dft auch den Tod als einen Teil des Lebens.<\/p>\n<p>Du siehst es gerade vor dir, sagt Jesus zu Martha. Ich bin das Leben Gottes, ich bin die Auferstehung und das Leben, verstanden als Leben, das den Tod umfa\u00dft und also gro\u00dfer ist und st\u00e4rker als der Tod. Aber solange ihr nicht wirklich glaubt, da\u00df das Leben st\u00e4rker ist als der Tod, wickelt ihr immer noch das Leben ein mit den Banden des Todes, so da\u00df es unfrei, gebunden und blind wird &#8211; so wie ihr Lazarus sowohl lebendig als auch tot eingewickelt habt.<\/p>\n<p>Aber jetzt soll er befreit werden &#8211; nicht so sehr um seiner selbst willen, sondern damit ihr glaubt, da\u00df ihr in mir Gott und das Leben Gottes seht.<\/p>\n<p>So bleibt Lazarus weiter ein Opfer in seinem Leben: Er wurde unsichtbar in der Geschwisterschar &#8211; und als er nach seinem Tod sichtbar wird, wird er das Opfer des Hasses der Juden gegen Jesus.<\/p>\n<p>Das letzte, was wir von ihm h\u00f6ren, ist da\u00df die Hohenprie\u00adster beschlie\u00dfen, da\u00df auch sie Lazarus t\u00f6ten wollen, weil seinet\u00adwegen viele Juden zum Glauben an Jesus fanden.<\/p>\n<p>Lazarus, der in seinem Leben nie zu Worte kam &#8211; uns wird nur von den Schwestern berichtet, Gott gebrauchte dennoch sein Leben und seinen Tod und lie\u00df sie f\u00fcr andere leuchten.<\/p>\n<p align=\"center\">&#8222;La\u00df, Gott, auch uns wie Sonnen sein,<br \/>\nwie Himmelslichter, wenn auch klein&#8220;<br \/>\n(Grundtvig, aus dem Lied &#8222;Morgenstund hat Gold im Mund&#8220;).<\/p>\n<p align=\"center\">L\u00f6st ihn und la\u00dft ihn gehen:<br \/>\n&#8222;Geht nun frei,<br \/>\nwohin es sei,<br \/>\nan Gottes Gnad euch haltet!&#8220;<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Pfarrerin Hanne Sander<br \/>\nPrins Valdemarsvej 62<br \/>\nDK-2820 Gentofte<br \/>\nTel.: 39 65 52 72<br \/>\n<a href=\"mailto:sa@km.dk\">e-mail: sa@km.dk<\/a> <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder begegnen wir der eilfertigen Martha im heutigen Text. 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