{"id":10104,"date":"2021-02-07T19:49:35","date_gmt":"2021-02-07T19:49:35","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10104"},"modified":"2022-10-10T09:32:34","modified_gmt":"2022-10-10T07:32:34","slug":"roemer-1417-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-1417-19\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 14,17-19"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p><strong>Das Reich Gottes hat schon begonnen<\/strong><\/p>\n<p><em>17 denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, es ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist. <\/em><em> 18 Und wer Christus so dient, wird von Gott anerkannt und ist bei den Menschen geachtet. <\/em><em> 19 Lasst uns also nach dem streben, was zum Frieden und zum Aufbau (der Gemeinde) beitr\u00e4gt<strong>. R\u00f6m 14,17-19 <\/strong><\/em><\/p>\n<p>Der \u201eReich-Gottes-Begriff\u201c ist jetzt \u2013 so scheint mir \u2013 \u00f6fter als fr\u00fcher im Mund und im Denken von PredigerInnen. Da gibt es mehr Wunsch als Mahnung: dass Reich Gottes werde, dass Himmel werde, dass alle Menschen leben k\u00f6nnen in Frieden, in Gerechtigkeit, in einer gesunden Sch\u00f6pfung und dass es an uns, an den Christinnen und Christen, liegt , mitzuhelfen an der Verwirklichung des Reiches Gottes. Reich Gottes bedeutet doch mehr als \u201ezum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel\u201c. Reich Gottes bedeutet, und das hat Jesus uns verhei\u00dfen, \u201eein Leben in F\u00fclle\u201c. Das Reich Gottes wird durch den Heiligen Geist gewirkt. Und dieses soll ansatzweise in unserer Kirche sichtbar sein und soll durch uns, die wir getaufte und gefirmte Christinnen und Christen sind, ein \u201eErfolgsort\u201c werden. Ma\u00dfeinheiten f\u00fcr den \u201eErfolg\u201c sind Gerechtigkeit und Frieden. Reich Gottes ist dort, wo sich Menschen geborgen, , verstanden, geliebt wissen und als S\u00fcnder angenommen.<\/p>\n<p>Reich Gottes, das ist ein gro\u00dfes Wort. Es l\u00f6st oft auch unter uns Christen Achselzucken aus und die Sp\u00f6tter sagen: \u201eAnstelle des Reiches Gottes ist die Kirche gekommen\u201c. Und oft sagen sie das mit Recht, wenn wir, die die Gemeinde bilden sollen, uns blo\u00df als distanzierte Clubmitglieder verstehen, andere ausgrenzen, und uns f\u00fcr die Besseren und die anderen f\u00fcr die S\u00fcnder halten. Reich Gottes ist aber nicht nur ein gro\u00dfes Wort Jesu. Dieses gro\u00dfe Wort konkretisiert sich wenigstens ansatzweise in der Kirche, die in der Gemeinde lebt. Das Reich Gottes hat in jedem von uns schon als Taufgeschenk seinen Anfang genommen.<\/p>\n<p>In der dogmatischen Konstitution des Zweiten Vatikanums \u00fcber die Kirche \u201elumen gentium\u201c hei\u00dft es im Artikel 5: \u201eSo stellt sie (die Kirche) Keim und Anfang des Reiches auf Erden dar\u201c. Die Ortsgemeinde ist \u201edas von Gott gerufene neue Volk\u201c. Wir, die Getauften sind das von Gott gerufene neue Volk, wenn unser Gottesdienst unser Leben ist, wenn Christus in uns t\u00e4glich neu geboren wird und wir ihn durch uns wirken lassen. Und wenn sich dies geschwisterlich, liturgisch, im H\u00f6ren des Wortes Gottes, in der personalen Begegnung im Abendmahl, in der Versammlung der Gemeinde ereignet.<\/p>\n<p>Es geht nicht \u2013 so schreibt Paulus im R\u00f6merbrief &#8211; um Essen und Trinken. Obwohl es manchmal gerade in unserer Liturgie und im Gemeindeleben auch darum geht, steht an erster Stelle der entschlossene innergemeindliche Friede. Denn wegen Speisefragen &#8211; und der Begriff steht nur als Beispiel &#8211; darf das Werk Gottes, die von ihm erbaute Ekklesia nicht zerst\u00f6rt werden. Es geht \u2013 wie es in unserem Text hei\u00dft \u2013 um Gerechtigkeit, Frieden und Freude im Heiligen Geist.<\/p>\n<p>Wenn ich diesen Satz sage, werden Sie denken, der hat keine Ahnung , worum es in unseren Gemeinden auch geht. Das wei\u00df ich sehr wohl; es geht in Diskussionen und Sitzungen darum, wof\u00fcr das Geld vom Erl\u00f6s des Bastelmarktes verwendet werden soll, es geht um die Freiwilligen f\u00fcr die n\u00e4chste Haussammlung und den Kuchen f\u00fcrs Pfarrcafe.<\/p>\n<p>Es gibt viele positive Beispiele, wie als Gemeinde die Liebe Christi gelebt werden kann. Ich denke an Selbstbesteuerungsgruppen, an Lernhilfe f\u00fcr Ausl\u00e4nderkinder , Betreuung von alten, kranken oder einsamen Menschen. Gemeinde Christi hei\u00dft: Den anderen nicht vereinnahmen, zweckfrei handeln, ihn in seinem \u201eSo-Sein\u201c belassen, aufrichtend und helfend zur Seite stehen. Kurz: unsere Taufberufung existenziell umsetzen. Das ist ein Zeichen f\u00fcr alle in der Gemeinde, insbesondere f\u00fcr die Au\u00dfenstehenden. Dann gilt auch f\u00fcr uns als Gemeinde das Wort Jesu \u201eDu bist nicht fern vom Reich Gottes \u201e (Mk 12,34), dann spricht Jesus uns, der Gemeinde, zu: \u201eMein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen\u201c (Joh 14,23).<\/p>\n<p>Das ist eine andere Gerechtigkeit, in der die Liebe wirkt und sich auswirkt. Anders als das berechnende \u201edo ut des\u201c &#8211; \u201eich gebe, damit du (mir) gibst\u201c &#8211; wo unsere Selbstverwirklichung zur\u00fccksteht, weil wir nur durch das Geschenk des anderen werden, letztlich durch Gott. Gerechtigkeit greift dort Platz, wo ich auf das Recht, das ich vermeintlich habe, verzichte zugunsten eines anderen.<\/p>\n<p>Friede, den uns nur Christus geben kann, den die Welt nicht geben kann, kehrt dort ein, wo aus der Kraft des Heiligen Geistes die Liebe gelebt wird, indem wir unseren Egoismus hintanstellen und den anderen annehmen, selbst den uns feindlich Gesinnten , der aber oft auch nur zu einem solchen wird, weil wir seine Anliegen nicht in Liebe aufzunehmen wissen.<\/p>\n<p>Paulus ermahnt die Gemeinde ihre Streitigkeiten zu unterlassen, weil dadurch die Gemeinde, der Leib Christi, zerst\u00f6rt wird. Streitigkeiten richten sich doch gegen die Liebe, die laut 1Kor 13,7 doch alles ertr\u00e4gt. Es gibt auch ein altes Klostermotto: \u201eTue nichts, woran der andere Ansto\u00df nehmen k\u00f6nnte\u201c (was freilich auch f\u00fcr Gemeinden problematisch werden kann, weil es z.B. Kirchenb\u00e4nke leert).<\/p>\n<p>Streitereien in der Gemeinde, in der Kirche sind immer vom \u00dcbel, insbesondere wenn es um Rechthaberei zwischen Priestern und Laien, zwischen M\u00e4nnern und Frauen, zwischen Alt und Jung geht, und sich dies zu Lasten von Armen, Asylwerbern, alleinerziehenden M\u00fcttern und an den gesellschaftlichen Rand Gedr\u00e4ngten auswirkt. Es geht genau genommen nicht einmal nur um Frieden stiften, sondern sogar darum, dem Frieden aktiv nachzujagen, d.h. mit allen physischen und psychischen Mitteln. Wehe dem, der Gottes Bauwerk versucht niederzurei\u00dfen. Wir, jeder Einzelne und die Gemeinde als Ganzes, m\u00fcssen uns immer wieder fragen, wie wir mit unterschiedlichen Meinungen zu Tagesthemen der Ethik im menschlichen Miteinander und im Auftreten in der \u00d6ffentlichkeit, auch bei innerkirchlichen Problemstellungen, auf andere wirken. Die Kirche, sprich die Gemeinde, ist \u00f6ffentliches Forum, denn unser Tun wird stets als ein Glaubenszeugnis gewertet und hat Verweischarakter auf den, dem unsere Glaubenshoffnung gilt, den dreifaltigen Gott.<\/p>\n<p>Die Gemeinde bezieht ihre Identit\u00e4t aus der Kraft des Heiligen Geistes und dies muss in ihrer Umgebung erfahrbar werden. Gemeindeleben ist Umsetzung des Glaubens, weil \u201eGott ist in den Tatsachen\u201c, wie Dietrich Bonhoeffer sagte. Deshalb stellen sich u.a. auch folgende Fragen f\u00fcr uns:<br \/>\nIst unsere Gemeinde eine Herberge, die den Gastgeber Jesus Christus f\u00fcr Menschen in seelischer und materieller Not erfahrbar macht?<br \/>\nWerden in ihr die diakonischen Werke gepflegt, damit die menschlichen Lebensbedingungen verbessert werden und wird die Freude am Wort Gottes in ihr geweckt?<br \/>\nIst sie offen f\u00fcr die Lebenswelt, d.h. nimmt sie die gesellschaftliche Wirklichkeit wahr, ist sie einladend f\u00fcr Andersdenkende, Fernstehende, Ausgetretene usw.?<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen und m\u00fcssen unsere Freude, das Zeichen der K\u00f6nigsherrschaft Gottes in der Gemeindearbeit, in unserer Umgebung, im Umgang miteinander auch einer breiteren \u00d6ffentlichkeit verst\u00e4ndlich machen. Dies k\u00f6nnen wir, wenn wir unsere christliche Identit\u00e4t, die im Glauben gr\u00fcndet und aus der Quelle des Heiligen Geistes sch\u00f6pft, glaubw\u00fcrdig leben.<\/p>\n<p>Unsere Freude soll kein kurzatmiges Berauschen sein, sondern aus der eschatologischen Heilsgewissheit (R\u00f6m 8,35 f) kommen, in der wir uns bereits hier und jetzt in Jesus Christus r\u00fchmen d\u00fcrfen. In diesem Sinne kann in unseren Gemeinden nichts schief gehen.<\/p>\n<div><span class=\"827584611-27092004\"><span style=\"font-size: small;\"><strong>Univ.-Prof. Dr. Friedrich Schleinzer, OCist.<\/strong><\/span><\/span><\/div>\n<div><strong><span style=\"font-size: small;\">Fachbereich Praktische Theologie<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: small;\">Universit\u00e4tsplatz 1<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: small;\">5020 Salzburg<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: small;\">Tel.: 0662\/8044-2753<br \/>\nE-Mail c\/o <a href=\"mailto:Paula.Mairer@sbg.ac.at\">Paula.Mairer@sbg.ac.at<br \/>\n<\/a><\/span><\/strong><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Reich Gottes hat schon begonnen 17 denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, es ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist. 18 Und wer Christus so dient, wird von Gott anerkannt und ist bei den Menschen geachtet. 19 Lasst uns also nach dem streben, was zum Frieden und zum Aufbau (der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41,1,727,114,916,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-10104","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-roemer","category-aktuelle","category-archiv","category-deut","category-kapitel-14-chapter-14-roemer","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10104","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10104"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10104\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14131,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10104\/revisions\/14131"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10104"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10104"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10104"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=10104"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=10104"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=10104"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=10104"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}