{"id":10116,"date":"2021-02-07T19:49:31","date_gmt":"2021-02-07T19:49:31","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10116"},"modified":"2022-10-24T09:41:10","modified_gmt":"2022-10-24T07:41:10","slug":"epheser-420-52","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-420-52\/","title":{"rendered":"Epheser 4,20-5,2"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>In der Nachfolge des Apostels Paulus gab es sehr bald schon Theologen,<br \/>\ndie in seinem Sinne zu arbeiten versuchten. Dazu geh\u00f6rt auch der<br \/>\nnamentlich nicht bekannte Verfasser des Epheserbriefes. Man hat schon<br \/>\nfr\u00fch diesen Brief dem Paulus selbst zugeschrieben, vielleicht hat<br \/>\nder Verfasser ihn auch unter dem Namen des Paulus ver\u00f6ffentlicht,<br \/>\num dessen geistliche Autorit\u00e4t in Anspruch zu nehmen.<\/p>\n<p>Aus diesem Brief ist der f\u00fcr diesen Sonntag vorgeschlagenen Predigttext<br \/>\ngenommen. Ich lese eine etwas l\u00e4ngere Fassung vor, die mir so schl\u00fcssiger<br \/>\nzu sein scheint als der Ausschnitt, der als Predigttext vorgeschlagen<br \/>\nist.<\/p>\n<p>Ich lese aus dem Epheserbrief Kapitel 4, 20 bis Kapitel 5,2:<\/p>\n<p><em>Ihr habt Christus kennen gelernt, ihr habt von ihm geh\u00f6rt<br \/>\nund seid in ihm unterwiesen, wie es Wahrheit in Jesus ist. Legt von<br \/>\neuch ab den alten Menschen mit seinem fr\u00fcheren Wandel, der sich<br \/>\ndurch tr\u00fcgerische Begierden zugrunde richtet.<\/em><\/p>\n<p><em>Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn. Und zieht den neuen<br \/>\nMenschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und<br \/>\nHeiligkeit. Darum legt die L\u00fcge ab und redet die Wahrheit, ein<br \/>\njeder mit seinem N\u00e4chsten, weil wir untereinander Glieder sind.<br \/>\nZ\u00fcrnt ihr, so s\u00fcndigt nicht., lasst die Sonne nicht \u00fcber<br \/>\neurem Zorn untergehen. Und gebt nicht Raum dem Teufel. Wer gestohlen<br \/>\nhat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen<br \/>\nH\u00e4nden das n\u00f6tige Gut, damit er dem Bed\u00fcrftigen abgeben<br \/>\nkann. La\u00dft kein faules Geschw\u00e4tz aus eurem Mund gehen, sondern<br \/>\nredet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen<br \/>\nbringe denen, die es h\u00f6ren. Und betr\u00fcbt nicht den heiligen<br \/>\nGeist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid f\u00fcr den Tag der Erl\u00f6sung.<br \/>\nAlle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und L\u00e4sterung seien<br \/>\nfern von euch samt aller Bosheit. Seid aber untereinander freundlich<br \/>\nund herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben<br \/>\nhat in Christus,. So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder<br \/>\nund lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich<br \/>\nselbst f\u00fcr uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen<br \/>\nGeruch.<\/em><\/p>\n<p>Gleich zu Beginn dieses Abschnittes appelliert der Verfasser an Traditionen,<br \/>\ndie in der Gemeinde gel\u00e4ufig und bekannt und darum wichtig sind,<br \/>\nwenn er schreibt: ihr habt Christus kennen gelernt, von ihm geh\u00f6rt<br \/>\nund seid in ihm unterwiesen. Es hat wohl von Anfang an in den christlichen<br \/>\nGemeinden eine Unterweisung der Christen gegeben, bevor sie getauft<br \/>\nwurden, wie es sich ja auch aus dem Missionsbefehl in Matth\u00e4us<br \/>\n28 ergibt: gehet hin in alle Welt und macht zu J\u00fcngern alle V\u00f6lker<br \/>\n, in dem ihr sie taufet und lehret halten alles, was ich euch geboten<br \/>\nhabe..<\/p>\n<p>Das also ist vom Anfang der Kirche an eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit,<br \/>\ndie wir bis heute nat\u00fcrlich beibehalten haben und auch notwendig<br \/>\nbrauchen. Wir k\u00f6nnen den Inhalt unseres Glaubens nur so an die<br \/>\nn\u00e4chste Generation weitergeben. Zum Glauben geh\u00f6rt nicht nur<br \/>\neine Kenntnis des Gemeindelebens und des Gottesdienstes, sondern vor<br \/>\nallem auch eine Kenntnis der Grundlagen, der Grund-S\u00e4tze unseres<br \/>\nGlaubens. F\u00fcr mich geh\u00f6ren dazu die 10 Gebote, die Seligpreisungen<br \/>\naus der Bergpredigt, das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis, manche<br \/>\nLieder und Psalmen und viele Texte und Geschichten aus der Bibel.<\/p>\n<p>Ohne solche Kenntnis l\u00e4sst sich, so scheint mir, Glaube nicht<br \/>\nweitervermitteln an unsere Kinder und Enkel.<\/p>\n<p>In unserem Predigttext wird das Bem\u00fchen deutlich, Hinweise, Wegweisungen<br \/>\nf\u00fcr die Praxis zu geben. Richtige Kataloge lassen sich finden,<br \/>\nin denen der Verfasser auch auf ethisches Gut seiner Zeit gerne zur\u00fcckgreift,<br \/>\naber auch das, was der Apostel Paulus geschrieben hat, ist ihm wichtig,<br \/>\noder der Verfasser des Kolosserbriefes, an den sich der Schreiber des<br \/>\nEpheserbriefes besondere eng anlehnt.<\/p>\n<p>Warum geht es dabei besonders?<\/p>\n<p>Es geht ihm darum dass seine Leser aufgefordert und ermutigt werden,<br \/>\nein Leben zu f\u00fchren, das dem Stand getaufter Christen entspricht.<br \/>\nIn unserem Predigttext wird das mit einem Bild umschrieben: den neuen<br \/>\nMenschen anzuziehen, der nach Gott geschaffen ist in Gerechtigkeit und<br \/>\nwahrer Heiligkeit.<\/p>\n<p>Viele biblische Texte, vor allem auch Paulus selbst, sprechen von dem<br \/>\nerneuerten Leben, dass in der Taufe begr\u00fcndet ist.<\/p>\n<p>Aber: ist das Leben der Getauften in der Praxis so viel anders geworden,<br \/>\n&#8211; wenn wir z. B. uns selbst als Ma\u00dfstab nehmen?<\/p>\n<p>Die Ermahnungen unseres Predigttextes machen auf jeden Fall deutlich,<br \/>\ndass immer wieder zum Ursprung der Taufgnade zur\u00fcck zukehren ist,<br \/>\nalso zu Jesus Christus, im dem Gottes Gnade zu uns Menschen gekommen<br \/>\nist und Gott so die Grundlage unseres Lebens und Glaubens gelegt hat.<\/p>\n<p>Aus dieser Taufgnade heraus gilt es darum unser eigenes Leben in Verantwortung<br \/>\nvor Gott zu gestalten. Als Anleitung dazu sind die wortreichen Ermahnungen<br \/>\nzu verstehen, die in unserem Predigttext aufgelistet sind:<\/p>\n<p>legt die L\u00fcge ab,<\/p>\n<p>sagt die Wahrheit;<\/p>\n<p>la\u00dft die Sonne nicht \u00fcber euerm Zorn untergehen<\/p>\n<p>Wer gestohlen hat, stehle nicht mehr, um mit seiner H\u00e4nde Arbeit<br \/>\ndem N\u00e4chsten helfen zu k\u00f6nnen<\/p>\n<p>Es soll kein schlechtes Wort seinen Weg aus eurem Munde finden, um<br \/>\nden N\u00e4chsten nicht zu beschweren und die Gemeinde nicht zu belasten.<\/p>\n<p>Es ist also eine Ethik, die ganz stark von der Gemeinde her denkt,<br \/>\nvon den Mitchristen und Mitmenschen. Ihn gilt es immer wieder im Blick<br \/>\nzu haben, damit die Gemeinschaft nicht gest\u00f6rt oder gar zerst\u00f6rt<br \/>\nwird, sondern, ganz im Gegenteil: gebaut und auferbaut werde.<\/p>\n<p>Gewi\u00df haben wir alle gelernt, uns zu benehmen und in der Gemeinde<br \/>\nzu Hause zu sein. Aber hier tritt uns eine Gemeindeform entgegen, die<br \/>\nviel mehr im kleinen Kreis lebt als wir es tun und vielleicht auch wollen.<br \/>\nGehen uns solche ethischen, moralischen Ermahnungen im Inneren noch<br \/>\netwa an, be-treffen sie uns, mich selbst?<\/p>\n<p>W\u00fcrde ich so angeredet, ich w\u00e4re wahrscheinlich ganz merkw\u00fcrdig<br \/>\nber\u00fchrt -, obwohl ich vor einigen Tagen ganz positiv \u00fcberrascht<br \/>\nwar, als bei einem intensiven , aber etwas lockeren Gespr\u00e4ch ein<br \/>\nTeilnehmer sagte, er w\u00fcnsche nicht, dass wir so \u00fcber andere<br \/>\nMenschen, vor allem Frauen redeten.<\/p>\n<p>Aber vielleicht kommt es gerade auf so konkrete Situationen an, wo<br \/>\nwir gefragt und auch gefordert werden, von unserer christlichen Grundhaltung<br \/>\nher Profil zu zeigen und uns nicht zu verstecken, aber wie eng m\u00fcssen<br \/>\noder sollen oder wollen wir dabei sein ?<\/p>\n<p>Mir pers\u00f6nlich ist beim Nachdenken dar\u00fcber der Schlu\u00df<br \/>\nunseres Predigttextes ganz wichtig geworden, weil er \u00fcber einfache<br \/>\nAnweisungen, die ja ganz leicht gesetzlich und als Vorschriften dann<br \/>\nmi\u00dfverst\u00e4ndlich werden und sein k\u00f6nnen, deutlich eine<br \/>\nPosition angibt, die tiefer reicht und uns eine Grundlage f\u00fcr unser<br \/>\nVerhalten geben kann: So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten<br \/>\nKinder und lebt in der Liebe wie auch Christus uns geliebt hat&#8230;<\/p>\n<p>Damit will dieser Abschnitt aus dem Epheserbrief an einigen Beispielen<br \/>\naus den Tugend \u2013 und Lasterkatalogen seiner Zeit deutlich machen,<br \/>\nwie eine durch die Taufe begr\u00fcndete christliche Lebensauffassung<br \/>\nund Lebensf\u00fchrung aussehen kann.<\/p>\n<p>Wichtig werden dabei vor allem die auf das Miteinander in der Gemeinde<br \/>\nbezogenen Hinweise, die so in der antiken Ethik nicht verbreitet waren.<\/p>\n<p>Ziel und Ausgangspunkt eines solchen Lebens in der Gemeinde ist die<br \/>\nvon Gott erfahrene Liebe, die in Jesus Christus ihren f\u00fcr uns alle<br \/>\nnoch versteh \u2013 und begreifbaren Ursprung hat. Auf sie werden wir<br \/>\nbesonderes deutlich hingewiesen, und sie ist \u00fcber die Zeiten hinweg<br \/>\nimmer von neuem der Ausgangspunkt unseres Nachdenkens \u00fcber das<br \/>\nchristliche Leben heute<\/p>\n<p>in seinen konkreten Ausrichtungen im so f\u00fcr uns alle so unterschiedlichen<br \/>\nAlltag unserer Zeit.<\/p>\n<p>Die Fragen, die uns heute besch\u00e4ftigen, von Hartz 4 \u00fcber<br \/>\nden Einsatz deutscher Soldaten im Ausland bis zum Zusammenleben verschiedener<br \/>\nReligionen nun auch in unserm Land, mu\u00df immer wieder unter dem<br \/>\nGrundgedanken der Liebe Gottes zu uns und allen Menschen, die in Jesus<br \/>\nChristus lebendige Gestalt geworden ist, bedacht werden.<\/p>\n<p>Sein Leben kann dann f\u00fcr uns immer wieder neu zu Anfragen an unser<br \/>\neigenes Leben werden.<\/p>\n<p>Leben wir so, wie von Gott geliebte Menschen auf dieser Erde leben<br \/>\nd\u00fcrfen?<\/p>\n<p>In der gro\u00dfen Freiheit, das vor Gott als recht erkannte auch<br \/>\nzu tun und zu verwirklichen \u2013 in der Gemeinde, in der Politik<br \/>\nwie auch im eigenen Leben ?<\/p>\n<p>Gottes Liebe macht uns frei, das rechte in unserem eigen Leben zu tun<br \/>\ndamit wir es auch tun und so das Leben Gottes in Anf\u00e4ngen schon<br \/>\nhier auf der Erde gewinnen.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><strong>Rudolf Schmidt, Pastor i.R.<\/strong><\/p>\n<p><strong><a href=\"mailto:p.rudolfschmidt@web.de\">p.rudolfschmidt@web.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde! 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