{"id":10117,"date":"2021-02-07T19:49:40","date_gmt":"2021-02-07T19:49:40","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10117"},"modified":"2022-10-05T15:13:27","modified_gmt":"2022-10-05T13:13:27","slug":"epheser-4-22-32","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-4-22-32\/","title":{"rendered":"Epheser 4, 22-32"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p><em>Eph. 4, 22-32<br \/>\n22 Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem fr\u00fcheren Wandel,<br \/>\nder sich durch tr\u00fcgerische Begierden zugrunde richtet.<br \/>\n23 Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn<br \/>\n24 und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in<br \/>\nwahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.<br \/>\n25 Darum legt die L\u00fcge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit<br \/>\nseinem N\u00e4chsten, weil wir untereinander Glieder sind.<br \/>\n26 Z\u00fcrnt ihr, so s\u00fcndigt nicht; la\u00dft die Sonne nicht<br \/>\n\u00fcber eurem Zorn untergehen,<br \/>\n27 und gebt nicht Raum dem Teufel.<br \/>\n28 Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe<br \/>\nmit eigenen H\u00e4nden das n\u00f6tige Gut, damit er dem Bed\u00fcrftigen<br \/>\nabgeben kann.<br \/>\n29 La\u00dft kein faules Geschw\u00e4tz aus eurem Mund gehen, sondern<br \/>\nredet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen<br \/>\nbringe denen, die es h\u00f6ren.<br \/>\n30 Und betr\u00fcbt nicht den heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt<br \/>\nseid f\u00fcr den Tag der Erl\u00f6sung.<br \/>\n31 Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und L\u00e4sterung<br \/>\nseien fern von euch samt aller Bosheit.<br \/>\n32 Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer<br \/>\ndem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.<\/em><\/p>\n<p>Liebe Geschwister,<br \/>\nder Silberschmied Renatus machte oft einen abendlichen Bummel am Hafen<br \/>\nentlang. Er mochte die friedliche Abendstimmung nach der Gesch\u00e4ftigkeit<br \/>\ndas Tages, h\u00f6rte dem Schlagen der Wellen gegen die Schiffsr\u00fcmpfe<br \/>\nzu, dem Knarzen des Tauwerks, sog den Geruch von Tang und Teer, von<br \/>\nFisch und frischem Wind tief in seine Lungen. Gern setzte er sich auf<br \/>\neinen Poller und sah ins Wasser, freute sich \u00fcber die bewegten<br \/>\nSpiegelungen des Mondes in den Wellen. Hier konnte er sich von des Tages<br \/>\nM\u00fch&#8216; und Hitze trennen, konnte, was ihn bedr\u00fcckte, verwehen<br \/>\nlassen.<\/p>\n<p>So sa\u00df er eines Abends wieder am Kai, dachte an gar nichts und<br \/>\nf\u00fchlte sich eins mit allem, das ihn umgab. Auf dem Deck eines nahe<br \/>\nliegenden Schiffes erschien ein Mann und kam an Land. Blieb stehen und<br \/>\nsah zu Renatus her\u00fcber. Ging ein paar Schritte, blieb wieder stehen,<br \/>\num zu Renatus zu blicken. Dem wurde etwas unwohl: Wollte der Fremde<br \/>\netwas von ihm, wollte er ihm gar etwas antun? Renatus blickte angestrengt<br \/>\nin die Ferne und \u00fcberlegte sich einen Fluchtweg. &#8222;\u00c4n\u00e4as!&#8220;<br \/>\nreif der Fremde. Renatus reagierte nicht. &#8222;\u00c4n\u00e4as, du<br \/>\nbist doch \u00c4n\u00e4as!&#8220; Renatus kannte die Stimme; sie klang<br \/>\nnach seinem Jugendfreund Leander. Er sah zu dem Rufer hin\u00fcber:<br \/>\nEs war Leander. Renatus sprang auf, die Freunde begr\u00fc\u00dften<br \/>\nsich herzlich, und sofort war die alte wortlose Vertrautheit wieder<br \/>\nda. Schon als Kinder waren sie dadurch aufgefallen, dass sie sich ohne<br \/>\nWorte verstanden und, wie es schien, auch verst\u00e4ndigten.<\/p>\n<p>Bei dem ersten &#8222;Wie-geht&#8217;s-dir-und-was-machst-du-denn?&#8220; redete<br \/>\nLeander seinen Freund immer wieder mit &#8222;\u00c4n\u00e4as&#8220; an,<br \/>\nbis dieser schlie\u00dflich sagte: &#8222;Du, ich hei\u00df nicht mehr<br \/>\nso. Ich hei\u00dfe jetzt Renatus.&#8220; &#8211; &#8222;Wieso das denn?&#8220;<br \/>\nwollte Leander wissen und erfuhr, dass sein Freud sich hatte taufen<br \/>\nlassen. &#8222;Das musst du mir erkl\u00e4ren,&#8220; forderte Leander,<br \/>\ndenn von Taufe hatte er noch nie geh\u00f6rt, und auch mit dem Wort<br \/>\n&#8222;Christ&#8220; konnte er nichts anfangen. &#8222;Das ist eine lange<br \/>\nGeschichte,&#8220; begann Renatus. &#8211; &#8222;Dann lass uns irgendwo einen<br \/>\nWein trinken, ich bin v\u00f6llig ausgetrocknet.&#8220;<\/p>\n<p>Bald sa\u00dfen sie in einem halbwegs passablen Lokal in der N\u00e4he<br \/>\ndes Hafens, und Renatus erz\u00e4hlte. Beim Silberschmied Demetrus habe<br \/>\ner sein Handwerk gelernt &#8211; Leander erinnerte sich an den begnadeten<br \/>\nK\u00fcnstler &#8211; und dann auch bei ihm gearbeitet. Er habe gut verdient,<br \/>\ndenn Demetrius h\u00e4tte vor allem Souvenirs f\u00fcr Touristen angefertigt,<br \/>\nArtemistempel und Artemisstatuen in Silber, manchmal auch vergoldet,<br \/>\naber auch in Bronze. Dann sei ein Mann namens Paulus in der Stadt aufgetaucht,<br \/>\nhabe einen neuen Glauben gepredigt und gegen die G\u00f6ttinnen und<br \/>\nG\u00f6tter der Griechen gewettert. Er habe so viel Zulauf gehabt, dass<br \/>\nDemetrius um sein Gesch\u00e4ft f\u00fcrchtete und gegen Paulus vorgegangen<br \/>\nsei. Immerhin mit dem Erfolg, dass Paulus abgezogen sei. Doch seine<br \/>\nPredigt habe so gewirkt, dass in der Stadt eine kleine Gemeinde entstanden<br \/>\nsei. Ihn, Renatus, damals noch \u00c4n\u00e4as, habe die Sache interessiert,<br \/>\ner sei zu den Versammlungen der Gemeinde gegangen, habe dort herzliche<br \/>\nAufnahme gefunden und schlie\u00dflich erkannt, dass der neue Glaube<br \/>\nbesser sei als alles, was er bis dahin kannte. Ob er nicht ganz dazugeh\u00f6ren<br \/>\nwolle, habe ihn eines Tages jemand gefragt, und er habe gern &#8222;Ja&#8220;<br \/>\ngesagt. &#8222;Und dann habe ich mich taufen lassen,&#8220; schloss Renatus<br \/>\nseinen Bericht, doch Leander wollte noch wissen, was das denn sei. &#8222;Einige<br \/>\n\u00c4lteste haben mich an ein Wasserbecken gef\u00fchrt,&#8220; fuhr<br \/>\nRenatus fort, &#8222;dann habe ich mich zu Christus als meinem Herrn<br \/>\nbekannt, mein altes Gewand abgelegt und bin ins Becken gestiegen. Drei<br \/>\nmal musste ich untertauchen und dann auf der anderen Seite wieder heraussteigen,<br \/>\nwo ich ein neues Gewand bekam. Damit war ich gleichsam ein neuer Mensch<br \/>\n&#8211; daher auch der neue Name.&#8220;<\/p>\n<p>Leander verstand die Handlung, doch was die Taufe f\u00fcr seinen Freund<br \/>\nbedeutete, war ihm nicht ganz klar. &#8222;Bist du noch bei Demetrius?&#8220;<br \/>\nfragte er, um auf ein anderes Thema zu kommen. &#8222;Das ging nicht<br \/>\nmehr,&#8220; setzte Renatus seinen Bericht fort, &#8222;als Christ durfte<br \/>\nund wollte ich keine Artemisstatuen mehr herstellen. Wie ich auch alles<br \/>\nsein lasse, was vor meiner Taufe normal war. Wenn du w\u00fc\u00dftest,<br \/>\nwie ich jetzt lebe &#8211; du w\u00fcrdest meinen, das ist ein anderer. Und<br \/>\ndas bin ich ja auch. Wir haben zehn Regeln, an die wir uns halten, und<br \/>\nglaub mir: Damit l\u00e4sst sich sehr gut leben.&#8220; &#8211; &#8222;Und womit<br \/>\nverdienst du jetzt dein Geld, du hast doch sicher Frau und Kinder zu<br \/>\nversorgen, oder?&#8220; Nach seiner Taufe, gestand Renatus mit belegter<br \/>\nStimme, h\u00e4tte ihn seine Frau mitsamt den Kindern verlassen. Aber<br \/>\ner k\u00e4me ganz gut alleine zurecht, und von dem Schmuck, den er nun<br \/>\nschmiede, k\u00f6nne er einigerma\u00dfen leben. Auch bek\u00e4me er<br \/>\nAuftr\u00e4ge von christlichen Gemeinden aus der Gegend. Schlie\u00dflich<br \/>\nwollten auch sie f\u00fcr ihre Gottesdienste sch\u00f6nes und wertvolles<br \/>\nGer\u00e4t.<br \/>\nLeander hatte, w\u00e4hrend Renatus erz\u00e4hlte, einiges an Wein getrunken.<br \/>\nNun wollte er &#8211; nach so vielen Wochen auf See &#8211; mal wieder eine Frau<br \/>\numarmen. Er lud seinen Freund ein, doch der winkte ab: &#8222;Schlaf<br \/>\ndich aus und komm morgen zu uns in die Versammlung,&#8220; schlug Renatus<br \/>\nvor, &#8222;das ist besser f\u00fcr dich.&#8220;<\/p>\n<p>Unvermittelt knallte Leander seine Faust auf den Tisch: &#8222;Woher<br \/>\nwillst du wissen, was f\u00fcr mich gut ist!&#8220; polterte er mit schwerer<br \/>\nZunge. Es folgten einige Kraftausdr\u00fccke, dann wankte er davon;<br \/>\nRenatus \u00fcbernahm seine Zeche und ging nach Hause.<\/p>\n<p>Als er am n\u00e4chsten Abend wieder zum Hafen kam, war das Schiff ausgelaufen,<br \/>\nvon dem Leander gekommen war. Sie w\u00fcrden sich wohl nicht wiedersehen,<br \/>\ndachte Renatus, und stellte mit Wehmut fest, dass er einen Freund verloren<br \/>\nhatte. Doch daf\u00fcr hatte er durch die Gemeinde neue Freunde gewonnen,<br \/>\nMenschen, die dachten und lebten wie er. Unter denen es zwar auch Sympathie<br \/>\nund Antipathie gab, auch Meinungsverschiedenheiten; die zwar auch ihre<br \/>\nSchw\u00e4chen und Fehler hatten, die aber insgesamt sich bem\u00fchten,<br \/>\neinander und andere die Vergebung sp\u00fcren zu lassen, die sie selbst<br \/>\nerfahren hatten. Diese Gemeinschaft tat einfach gut. Amen<\/p>\n<p><strong>Paul Kluge<br \/>\n<a href=\"mailto:Paul.Kluge@t-online.de\">Paul.Kluge@t-online.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eph. 4, 22-32 22 Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem fr\u00fcheren Wandel, der sich durch tr\u00fcgerische Begierden zugrunde richtet. 23 Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn 24 und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. 25 Darum legt die L\u00fcge ab und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[45,1,727,114,571,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-10117","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-epheser","category-aktuelle","category-archiv","category-deut","category-kapitel-04-chapter-04-epheser","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10117","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10117"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10117\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13951,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10117\/revisions\/13951"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10117"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10117"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10117"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=10117"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=10117"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=10117"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=10117"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}