{"id":10127,"date":"2021-02-07T19:49:34","date_gmt":"2021-02-07T19:49:34","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10127"},"modified":"2022-10-17T11:07:27","modified_gmt":"2022-10-17T09:07:27","slug":"lukas-131-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-131-9\/","title":{"rendered":"Lukas 13,1-9"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Lukas 13,1-9 (d\u00e4nische Perikopenordnung)<\/p>\n<p>Meint Ihr, da\u00df sie gr\u00f6\u00dfere S\u00fcnder waren als alle anderen &#8211; die dem grausamen Blutbad zum Opfer fielen, das Pilatus anrichtete?<br \/>\nOder meint Ihr, da\u00df sie schuldiger waren als alle anderen &#8211; die Opfer, als der Turm in Jerusalem zusammenst\u00fcrzte?<br \/>\nJesus wendet sich an das Volk, den gemeinen Mann. Und er bezieht sich auf Ungl\u00fccke der damaligen Zeit.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen die Fragen leicht nachvollziehen und sie aktualisieren:<br \/>\nWaren das gr\u00f6\u00dfere S\u00fcnder als andere, die Opfer in Bali auf den Philippinen, als die Bombe hochging und hunderte erschlug?<br \/>\nOder waren die mehr schuldig in New York, die im World Trade Center zu tun hatten und deshalb beim Terroranschlag am 11. September ihr Leben verloren?<\/p>\n<p>Nein, das waren sie nicht, antwortet Jesus. Die Opfer von damals und die Opfer von heute sind nicht mehr schuldig oder gr\u00f6\u00dfere S\u00fcnder als die anderen.<br \/>\nDas konnte jedem passieren.<br \/>\nDas kann jedem passieren.<\/p>\n<p>Es gibt keinen Zusammenhang zwischen dem Leben und dem Glauben eines Menschen, zwischen Schuld und S\u00fcnde einerseits und dem Ungl\u00fcck und dem Tod, die uns treffen, andererseits.<br \/>\nDas Evangelium von Jesus Christus ist das, was uns aus diesem Glauben oder dieser Auffassung befreit.<\/p>\n<p>Der Glaube an ihn als den Sohn des barmherzigen Gottes ist das, was und davon befreit, hier einen Zusammenhang finden zu wollen und uns selbst damit zu qu\u00e4len und andere zu verurteilen.<\/p>\n<p>Das B\u00f6se trifft willk\u00fcrlich.<br \/>\nKrankheit, Ungl\u00fcck und Untergang &#8211; sie schlagen zu, wie ein Blitz &#8211; und wehe dem, der zuf\u00e4llig dort steht. Am verkehrten Ort zur falschen Zeit.<\/p>\n<p>Wir andere, die es nicht trifft, haben Gl\u00fcck gehabt. Und wir sollen uns preisen, da\u00df wir Gl\u00fcck gehabt haben. Und wir sollen wissen, da\u00df es genauso gut unsere Familie h\u00e4tte treffen k\u00f6nnen. Da\u00df es ebensogut unser Ehegatte h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, dem die Diagnose gestellt wird, die wir alle f\u00fcrchten, da\u00df es ebenso gut das Flugzeug h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, in dem wir sa\u00dfen, das abst\u00fcrzte, da\u00df wir es h\u00e4tten sein k\u00f6nnen in der Metrostation, als die Bombe sprang.<\/p>\n<p>Es gibt keine Botschaften im sinnlosen Tod, in der sinnlosen Gewalt und Brutalit\u00e4t.<br \/>\nEs gibt keinen Gott von oben, der diese Mittel verwendet, um sein Volk zu sich ins Paradies zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Der Gott, zu dem wir uns durch Jesus Christus bekennen, ist nicht ein Vater, der uns ins Himmelreich hineindroht &#8211; sondern ein Gott, der sich \u00fcber uns erbarmt und Mitleid f\u00fchlt mit dem Hochmut der Menschen, wenn wir uns einbilden, da\u00df wir das selber bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen und da\u00df es unsere eigene Schuld ist, wenn wir das nicht k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wenn wir das Evangelium von Jesus Christus nicht als Halt h\u00e4tten, dann w\u00fcrden wir nicht aufh\u00f6ren, uns einzubilden, da\u00df es einen Zusammenhang zwischen Schuld und Strafe in der Form von Ungl\u00fcck und Tod gibt. Und deshalb sagt Jesus &#8211; ganz wie ein neuer Johannes der T\u00e4ufer aufgebracht und drohend: &#8222;Nein, sie waren nicht schuldiger als andere. Aber wenn ihr euch nicht bekehrt, werdet ihr umkommen wie sie&#8220;.<\/p>\n<p>Denn wenn wir nicht umkehren und Jesus als den Erl\u00f6ser aus diesem urs\u00e4chlichen Zusammenhang sehen, dann treffen wir uns selbst mit diesem ungn\u00e4digen Urteil, wenn es einmal uns trifft &#8211; und das wird es ja eines Tages, fr\u00fcher oder sp\u00e4ter trifft es auch uns und unsere Familie. Der Tod ist unausweichlich. Aber er ist nicht Strafe Gottes.<\/p>\n<p>Jesus starb, um uns das zu zeigen. Er starb, damit wir nicht gerichtet werden sollen. Denn wir k\u00f6nnen nicht den Tod Richter \u00fcber unser Leben sein lassen, das sollen wir Gott im Himmel \u00fcberlassen &#8211; dem barmherzigen und gn\u00e4digen Gott, der uns nicht in den Himmel hineindroht, sondern uns seine Hand reicht, um uns aus unserer eigenen verdorbenen und verlorenen Sicht auf unser Leben und das Leben anderer zu befreien.<\/p>\n<p>Das einzige, was wir gegen das Spiel der Zuf\u00e4lle ins Feld f\u00fchren k\u00f6nnen hier in unserer Welt, ist unser Glaube an Gott.<\/p>\n<p>So sagen es auch viele Menschen, Menschen, die vielleicht nicht besonders kirchlich, bekennend oder gl\u00e4ubig waren, sie erz\u00e4hlen, wenn man da hinkommt, wo das Leben sich von seinen ungn\u00e4digsten und grausamsten Weise zeigt, in der totalen Sinnlosigkeit, da ist die einzige M\u00f6glichkeit zu \u00fcberleben der Glaube an Gott. Dann bleibt nur noch der Glaube an Gott. Der letzte d\u00fcnne Draht, der ein Netz von Sinn mitten inder Sinnlosigkeit zusammenh\u00e4lt.<\/p>\n<p>In dieser Situation bedeutet der Glaube an Gott, da\u00df es einfach nicht wahr sein kann, da\u00df wir allein dem Zufall des Daseins \u00fcberlassen sind. Dann gibt es ja \u00fcberhaupt keine Hoffnung.<\/p>\n<p>Die Hoffnung h\u00e4lt sich daran, da\u00df dennoch das unwahrscheinlich Gl\u00fcckliche geschehen kann, da\u00df der Zufall es wollen kann, da\u00df man als Mensch weiterkommt, durch die Krise, oder wenn es sich um eine Krankheit handelt, gesund wird, oder auch nur noch ein paar Wochen geschenkt bekommt zum Leben &#8211; und dann die Hoffnung auf die Auferstehung von den Toten.<\/p>\n<p>Der Zufall hat also eine doppelte Funktion. Er kann uns treffen und unser Leben zerst\u00f6ren &#8211; unbarmherzig und gnadenlos.<\/p>\n<p>Aber der Zufall kann auch eintreffen und alles ver\u00e4ndern, so da\u00df das, was eigentlich fallen sollte, sich wieder erhebt und zu neuem Leben aufersteht.<\/p>\n<p>Diese Doppelheit beschreibt unser gro\u00dfer Dichter S\u00f8ren Ulrik Thomsen in seiner letzten Gedichtsammlung, die gerade unter dem Titel:<em> Das Schlimmste und das Beste<\/em> erschienen ist. In dem Gedicht wird aufgez\u00e4hlt, was das Schlimmste und das Beste ist &#8211; f\u00fcr mich, und es gibt viele Dinge, \u00fcber die man als Leser lachen und weinen kann.<\/p>\n<p>Aber da ist ein Satz, der in einem doppelten Sinne verwandt wird, <em>ein<\/em> Satz, der sowohl das Schlimmste als auch das Beste ist &#8211; und dieser Satz lautet in all seiner Einfachheit so:<\/p>\n<p><em> Da\u00df alles noch immer geschehen kann, ist das Schlimmste.<br \/>\n<\/em>Und auf der n\u00e4chsten Seite steht:<br \/>\n<em>Da\u00df alles noch immer geschehen kann, ist das Beste.<\/em><\/p>\n<p>Das alles noch immer geschehen kann. Die Zuf\u00e4lligkeit des Lebens, die Unvorhersehbarkeit des Lebens, da\u00df alles noch immer geschehen kann, das k\u00f6nnen wir f\u00fcrchten in der Form des Ungl\u00fccks, das uns treffen kann, dar\u00fcber k\u00f6nnen wir uns aber auch freuen, in der Form der Barmherzigkeit, die uns aus etwas befreit, das unabwendbar geschehen sollte.<\/p>\n<p>Die Furcht liegt darin, da\u00df alles noch immer geschehen kann &#8211; das ist das Schlimmste. Es h\u00e4tte genauso gut uns treffen k\u00f6nnen. Die T\u00fcrme h\u00e4tten \u00fcber uns zussamenbrechen k\u00f6nnen, wenn wir dort gewesen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Die Freude und die Befreiung liegt darin, da\u00df alles noch immer m\u00f6glich ist &#8211; das ist das Beste.<\/p>\n<p>Das ist das Beste am Leben, da\u00df Gott sich noch immer durchsetzt und wir nicht zugrunde gehen. Das Beste ist, da\u00df wir diesen kleinen Draht haben, an dem unser Leben h\u00e4ngt, der Hoffnung hei\u00dft. Hoffnung auf Gott, da\u00df er sich gn\u00e4dig erweist und barmherzig und uns von unseren Schuldgef\u00fchlen befreit und von unserer S\u00fcnde, die uns bedr\u00fcckt. Eine Hoffnung, da\u00df das Beste f\u00fcr uns eintreffen kann, da\u00df wir frei werden, und nicht in einem ewigen Gericht \u00fcber uns selbst und andere leben m\u00fcssen, frei werden, nicht \u00fcberall Zusammenh\u00e4nge finden und in einem zwangsneurotischen Verh\u00e4ltnis zur Welt leben zu m\u00fcssen, weil wir gnadenlos vom einen aufs andere schlie\u00dfen: &#8222;Tue ich dies, geschieht wohl das. Esse ich dies, trifft mich wohl diese Krankheit. Kann ich meinen Kindern nicht diese bestimmte Kindheit garantieren, enden sie sicher als Kleinkrimille und Verwahrloste &#8230;&#8220;.<\/p>\n<p>Ursache-Wirkung, deterministische Schlu\u00dffolgerungen, Muster, die unm\u00f6glich zu durchbrechen sind, Prophetien, die sich selbst erf\u00fcllen: So war es in meiner Familie, ich gleiche meiner Mutter, sie machte auch immer diesen und jenen Fehler &#8230;<\/p>\n<p>Wir qu\u00e4len uns selbst in dieser Weise und verschlie\u00dfen die Welt um uns, indem wir uns in diesen Schablonen anbringen, ererbte Schablonen und Wiederholungen. Das ist das Schlimmste.<\/p>\n<p>Im Alten Testament, beim Propheten Hesekiel, kann man dieses Sprichwort finden: &#8222;Die V\u00e4ter haben saure Trauben gegessen, und die S\u00f6hne bekommen stumpfe Z\u00e4hne&#8220;.<\/p>\n<p>Ein ererbtes Muster von Schuld, das auf uns lastet und dessen wir uns nie entledigen k\u00f6nnen. Wir kennen es. Aber beim Propheten hei\u00dft es:<\/p>\n<p>&#8222;So wahr ich lebe, sagt Gott der Herr: Ihr sollt dieses Sprichwort nicht mehr in israel verwenden. Das Leben aller Menschen geh\u00f6rt mir&#8220;.<\/p>\n<p>Das Phantastische am Leben, das Leben im Lichte des befreienden und erl\u00f6sendes Wortes des Evangeliums, ist dies, da\u00df wir von Anfang an daran glauben und drauf hoffen d\u00fcrfen, da\u00df wir alle Gott geh\u00f6ren und da\u00df Gott f\u00fcr uns das Beste will und uns T\u00fcren \u00f6ffnen will, die wir selber nicht finden oder gar \u00f6ffnen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Wir d\u00fcrfen &#8211; im Lichte des Evangeliums &#8211; daran glauben, da\u00df unser Leben in der Hand Gottes liegt, ob uns nun Ungl\u00fcck, Krankheit, oder Tod treffen oder wir uns selbst in das gr\u00f6\u00dfte Ungl\u00fcck st\u00fcrzen, aus dem wir keinen Ausweg sehen und das wir uns stets selbst vorwerfen.<\/p>\n<p>Wir d\u00fcrfen hier in dieser Welt leben, voll von Freude und Schmerz, und darauf hoffen, da\u00df wir nicht nach unserem Mangel an Glauben gerichtet werden, sondern da\u00df wir gn\u00e4dig angesehen werden, da\u00df Gott nachsichtig ist gegen\u00fcber uns und unserem Eifer, die Welt und das Leben in ein System zu bringen, da\u00df Gott uns immer wieder eine neue Chance gibt, bis wir umkehren und unser Leben in seine Hand legen, und damit alles mit Freude empfangen, jede Stunde, jeden Tag. Amen.<\/p>\n<p><strong>Pastorin Eva T\u00f8jner G\u00f6tke<br \/>\nPlatanvej 10<br \/>\nDK-5230 Odense M<br \/>\nTel.: ++ 45 &#8211; 66 12 56 78<br \/>\n<a href=\"mailto:etg@km.dk\">email: etg@km.dk<\/a> <\/strong><\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lukas 13,1-9 (d\u00e4nische Perikopenordnung) Meint Ihr, da\u00df sie gr\u00f6\u00dfere S\u00fcnder waren als alle anderen &#8211; die dem grausamen Blutbad zum Opfer fielen, das Pilatus anrichtete? Oder meint Ihr, da\u00df sie schuldiger waren als alle anderen &#8211; die Opfer, als der Turm in Jerusalem zusammenst\u00fcrzte? Jesus wendet sich an das Volk, den gemeinen Mann. 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