{"id":10134,"date":"2021-02-07T19:49:34","date_gmt":"2021-02-07T19:49:34","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10134"},"modified":"2022-10-21T17:42:26","modified_gmt":"2022-10-21T15:42:26","slug":"roemer-14-7-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-14-7-9\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 14, 7-9"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p><em>7. Unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber.<br \/>\n8. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir<br \/>\nleben oder sterben, so sind wir des Herrn.<br \/>\n9. Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er \u00fcber Tote und<br \/>\nLebendige Herr sei. <\/em><\/p>\n<p>In diesen letzten Wochen im Kirchenjahr werden viele Menschen nachdenklich. Diese Wochen im November liegen in der Jahreszeit, in der die Bl\u00e4tter von den B\u00e4umen fallen; in der auch die Bl\u00e4tter des Kalenders anzeigen, dass wieder ein Jahr unseres Lebens seinem Ende entgegengeht. Die Grundstimmung dieser Zeit ist Abschied, vielleicht auch ein bisschen Wehmut. Aber das kann auch dazu f\u00fchren, dass wir uns f\u00fcr Fragen \u00f6ffnen, die wir sonst gern wegschieben.<\/p>\n<p>Nun platzen in diese Stimmung diese S\u00e4tze aus dem R\u00f6mer-Brief, die \u00fcberhaupt nicht stimmungsvoll sind. Im Gegenteil, es sind ausgesprochen anspruchsvoll \u201eherrische\u201c Worte. Drei Mal ist in Vers 8 vom \u201eHerrn\u201c die Rede. Das ist sicher kein Zufall. Die Zahl Drei ist eine heilige, eine vollkommene Zahl (Trinit\u00e4t) und unterstreicht mit dieser feierlichen H\u00e4ufung unmissverst\u00e4ndlich: Der Herr ist Gott. Alles Leben kommt von ihm her und geht zu ihm zur\u00fcck. Er ist der Anfang und das Ende der Sch\u00f6pfung, zu der auch wir geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Wenn wir uns dieser hoch anspruchsvollen Aussage stellen, kann das f\u00fcr unser Leben Konsequenzen haben. Ich nenne diese:<\/p>\n<p>I. Wenn wir Christen Gott \u201eHerr\u201c nennen, ist das etwas anderes als wenn es zum Beispiel Juden oder Muslime tun. Denn wir sehen Gott, den Herrn, mit den Augen Jesu Christi. Christus hat uns gezeigt, dass wir in Gott in erster Linie den liebenden Vater sehen d\u00fcrfen. Er hat uns durch seinen Sohn und Gesandten eingeladen, zu ihm zur\u00fcckzukehren, nach Hause, wie der verlorene Sohn im Gleichnis, der ins Vaterhaus zur\u00fcckfindet. Wenn darum hier im R\u00f6merbrief von Gott, dem Herrn, die Rede ist, soll uns das nicht klein machen, sondern es ist eine Einladung, in die Kindschaft zur\u00fcckzukehren und unser Leben in seiner Gemeinschaft, als \u201eHausgenossen Gottes\u201c, zu leben.<\/p>\n<p>\u201eWir leben dem Herrn\u201c meint: Wir leben unser Leben im Vertrauen zu Gott, im Glauben, in Dankbarkeit, in Freude an der Gemeinschaft mit ihm und untereinander, ja sogar mit einem gewissen Glanz. Das Leben mit Gott, dem Herrn, ist keineswegs ohne Probleme, ohne M\u00fchsal, ohne Kreuz, ohne Krankheit, ohne Tod, aber es ist doch \u00fcberstrahlt von der Herrlichkeit des Herrn. Zu einem solchen Leben hat uns Jesus ermutigt \u2026.\u201cKommet her zu mir alle\u2026\u201c Und was das dann meint, hat er uns erz\u00e4hlt und gezeigt.<\/p>\n<p>II. Wenn wir als Christen Gott \u201eHerr\u201c nennen, meinen wir das absolut w\u00f6rtlich. Es bedeutet, dass er der einzige Herr ist, dass es au\u00dfer ihm keinen anderen oder gar h\u00f6heren Gott oder Herrn geben kann. Das glauben wir vor allem gegen\u00fcber dem Tod und seiner sehr starken Herrschaft. Mit blo\u00dfem Auge und ohne Glauben gesehen, ist der Tod \u201eder Herr\u201c. Alles Leben l\u00e4uft auf ihn zu. Am Ende hat er uns alle im Griff. Aber dagegen glauben wir, dass Gott h\u00f6her, gr\u00f6\u00dfer als der Tod ist. Der Tod ist eine Art Unter-Herr, vielleicht auch ein Werkzeug Gottes. Aber \u00fcber ihm steht und herrscht Gott.<\/p>\n<p>Das bekennen wir jeden Sonntag, wenn wir im Gottesdienst das Glaubensbekenntnis sprechen. Wie sagen nicht \u201eIch glaube an den Tod, den Allm\u00e4chtigen\u201c, sondern \u201eIch glaube an Gott, den Allm\u00e4chtigen\u2026\u201c<\/p>\n<p>Darum glauben wir auch, dass unser Sterben uns nicht von Gott trennen kann. Wir d\u00fcrfen uns daran halten, dass wir trotzdem in den H\u00e4nden Gottes bleiben und dass wir, wenn wir sterben, nicht ins Nichts und nicht in den Tod hinein sterben, sondern in Gott.<\/p>\n<p>Das hat Jesus Christus demonstriert, als er auf seinem Weg durch das Land Israel nach Jerusalem hinter dem Tod am Kreuz stets Gott im Auge hatte: \u201eIch gehe hin zu dem, der mich gesandt hat\u201c (Joh.7, 33). Damit hat er uns gezeigt, was Sterben hei\u00dft: \u201eSterben wir, so sterben wir dem Herrn\u201c.<\/p>\n<p>Durch seine Auferstehung wird das noch einmal unterstrichen. Es wird n\u00e4mlich deutlich, dass das der Weg ist, den auch wir nach Gottes Willen gehen sollen und wie wir mit unserem Todesschicksal umgehen k\u00f6nnen. Damit wir das ernst nehmen, hat Gott Jesus Christus neben sich zum \u201eHerrn\u201c gesetzt. H\u00f6her konnte er nicht greifen und deutlicher konnte er nicht zeigen, dass er uns auf den Weg Christi ziehen will, weg vom Weg des Todes, das hei\u00dft von der Verweigerung der Gottesgemeinschaft in allen ihren wie auch immer gearteten Erscheinungsformen.<\/p>\n<p>Jesus Christus ist damit auch hier der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis dieser Worte des Apostels Paulus: Durch Christus finden wir ins Leben, lernen wir zu leben und durch ihn lernen wir auch zu sterben.<\/p>\n<p>Das meint aber zugleich, dass nicht allein der Tod, sondern dass alle anderen Herren, M\u00e4chte, Gr\u00f6\u00dfen, Menschen und Moden uns nicht Angst machen und durch die Angst beherrschen k\u00f6nnen. So lange wir den Blick fest auf Gott, auf Jesus Christus, auf das Wort, das von ihnen Zeugnis ablegt, richten, so lange wir \u201edem Herrn\u201c leben und\/oder sterben, haben wir eine feste Ausrichtung, die uns allen anderen Angeboten gegen\u00fcber eine gro\u00dfe innere Freiheit gibt.<\/p>\n<p>Lassen Sie mich nun noch auf den Eingangsvers zur\u00fcckkommen: \u201eUnser keiner lebt sich selber\u201c. Das klingt auf der einen Seite nach enger, fast inniger Gemeinschaft zwischen Gott und uns. Es kann aber auch nach Abgrenzung klingen: Wir von der christlichen Gemeinde, wir leben mit Gott, die anderen nicht.<\/p>\n<p>Ich denke, von beidem schwingt etwas in diesem Vers mit und beides muss es auch geben: Unsere Ausrichtung auf Gott vertr\u00e4gt nur eingeschr\u00e4nkt daneben auch eine Ausrichtung und Orientierung an anderen Inhalten und Zielen. Der Anspruch des eifers\u00fcchtig liebenden Gottes ist total. Gott, der Herr, vertr\u00e4gt keine Nebeng\u00f6tter \u2013 und seien sie noch so sinnvoll: Gesundheit, Familie, Beruf, Karriere. Das m\u00fcssen wir uns immer wieder klar machen \u2013 zu unserem Heil.<\/p>\n<p>Denn wir kommen nicht zur Ruhe, wir werden nicht heil und ganz, sondern unsicher und \u00e4ngstlich, wir verlieren unsere Kraft, wenn wir uns von der Mitte unseres Lebens, von Gott, entfernen.<\/p>\n<p>Es macht Sinn, dass wir uns daran erinnern. Wenn diese Wochen der fallenden Bl\u00e4tter und der sp\u00fcrbar dahin ziehenden Zeit uns in dieser klaren Ausrichtung erneut best\u00e4rken, dann sind auch diese Wochen in der dunklen Jahreszeit gesegnet. Dass sie das sein m\u00f6chten, w\u00fcnsche ich uns allen. Amen.<\/p>\n<p><strong>Pfarrer em. Dr. Christian-Erdmann Schott<br \/>\nElsa-Braendstroem-Stra\u00dfe 21<br \/>\n55124 Mainz (Gonsenheim)<br \/>\nTel.: 06131-690488<br \/>\nFAX 06131-686319<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:ce.schott@surfeu.de\">ce.schott@surfeu.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>7. Unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber. 8. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. 9. Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er \u00fcber Tote und Lebendige Herr sei. 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