{"id":10136,"date":"2021-02-07T19:49:33","date_gmt":"2021-02-07T19:49:33","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10136"},"modified":"2022-10-21T18:13:26","modified_gmt":"2022-10-21T16:13:26","slug":"predigt-zu-allerheiligen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-allerheiligen\/","title":{"rendered":"Predigt zu Allerheiligen"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p><strong>22. Sonntag nach Trinitatis, in D\u00e4nemark &#8222;Allerheiligen&#8220; bzw. Totensonntag <\/strong><\/p>\n<p>Licht ist etwas Merkw\u00fcrdiges und Eigenartiges. Am Tage ist es \u00fcberall. Im Himmel und auf Erden. Aber der Himmel selbst, leuchtet der? Nein, der Himmel leuchtet, die Sonne scheint. Die Sonne wirft ihr Licht in die Atmosph\u00e4re, in den Himmel und ruft so die Farbe des Himmels hervor, leuchtend blau.<\/p>\n<p>Die Erde, die geschaffene Welt, leuchtet die? Nein, aber im Licht von oben wird alles deutlich. Im Licht von der Sinne sehen wir einander und die ganze geschaffene Welt in ihrer Mannigfaltigkeit und ihrem Reichtum.<\/p>\n<p>Der Mond \u00fcbrigens, leuchtet der? Nein, der Mond in sich ist ohne Farbe, eine Kugel, die tot und kalt ist. Aber die Sonne scheint auf den Mond, auch wenn es hier dunkel geworden ist. Deshalb scheint der Mond f\u00fcr uns in einem warmen und vertrauten Licht.<\/p>\n<p>Aber der Mensch, kann der leuchten? Nat\u00fcrlich kann es das. Aber wiederum, das Licht verdankt sich nicht sich selber. Es scheint nur, weil es von etwas erf\u00fcllt und erleuchtet ist, das gr\u00f6\u00dfer ist als es selbst. Es leuchtet, weil sich lebenschenkende Kr\u00e4fte in ihm r\u00fchren. Eine Lebenslicht, das brennt. Es ist, als sei der Mensch von einem Leben ber\u00fchrt, einer Kraft, die letztlich von Gott kommt.<\/p>\n<p>So sind wir wohl alle Menschen begegnet, von denen wir sagen k\u00f6nnen, da\u00df sie leuchten. Man kann ihnen in die Augen sehen. Und man wei\u00df: Hier ist Leidenschaft, Herzensw\u00e4rme, hier ist eine tiefe Freude am Dasein. Ja, hier ist ein Mensch, der nicht in erster Linie an sich selbst denkt, sondern von etwas ergriffen ist, von etwas lebt, das tiefer ist und gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Heute ist Allerheiligen. Ein Tag, an dem wir besonders an unsere Toten denken. Die Worte: &#8222;Ihr seid das Licht der Welt&#8220; passen gut in diesen Zusammenhang. Denn daran denken wir: Menschen, die Licht in unser Leben gebracht haben und in das Leben der Welt. Und die je in ihrer Weise das Leben reicher und gr\u00f6\u00dfer f\u00fcr uns gemacht haben, als es sonst w\u00e4re.<\/p>\n<p>Wir gedenken nat\u00fcrlich nicht perfekter und vollkommener Menschen. Keine Heiligen, wenn man so will. Darauf werde ich zur\u00fcckkommen. Sondern wir denken an Menschen, die ganz einfach im Guten wie im B\u00f6sen ihr Leben gelebt haben. Menschen aus Fleisch und Blut, die vom Leben ber\u00fchrt waren, vom heiligen gottgeschaffenen Leben. Menschen mit Vorz\u00fcgen und Fehlern und Versagen, die uns aber etwas gegeben haben, das wir nicht missen m\u00f6chten. Licht von denen, alles, was sie uns geschenkt und gelehrt haben, all das wollen wir heute bedenken und festhalten. Etwas, auf das wir stolz sind und f\u00fcr das wir dankbar sind. Denn wir wissen, da\u00df wir etwas Wichtiges mit uns tragen. Wir wissen, da\u00df es ein Licht gibt, das nicht versteckt oder ausgel\u00f6scht werden soll, sondern irgendwie bei uns bleiben und leuchten soll.<\/p>\n<p>Ich glaube, da\u00df wir hier etwas Wesentliches haben, an dem wir festhalten m\u00fcssen. Es ist ja sonst gute lutherische Lehre, da\u00df Heilige, jedenfalls Heiligenverehrung in unserer Kirche nichts zu suchen hat. Wir brauchen keine Heiligen als Zwischeninstanz zwischen Gott und uns, keine, die wir anrufen und anbeten k\u00f6nnen, damit unser Gebet auch an rechter Stelle geh\u00f6rt wird. Nein, hier stehen wir so wie wir sind vor der Liebe Gottes, vor Christus. Nat\u00fcrlich ist das korrekte lutherische Lehre. Christus allein.<\/p>\n<p>Aber was uns Allerheiligen dennoch zeigen kann, da\u00df ist dies, da\u00df die Liebe Gottes uns auch durch andere Menschen erreicht. Ja, dort, wo wir vor allem etwas \u00fcber Leben und Liebe gelernt haben, da geschah dies wohl bei den meisten von uns durch Menschen, denen wir in unserer Kindheit und sp\u00e4ter begegnet sind. Das k\u00f6nnen Personen sein, deren Worte wir gelesen haben und die uns in unserem leben etwas Neues vermittelt haben. Man lernt in so vielf\u00e4ltiger Weise und durch viele verschiedene Menschen von dem Entscheidenden, von dem Leben, da\u00df wir nicht f\u00fcr uns leben, sondern f\u00fcr etwas, was gr\u00f6\u00dfer ist als wir, f\u00fcr den anderen Menschen, f\u00fcr Gott.<\/p>\n<p>Vielleicht kann man sagen, da\u00df wir alle Prismen oder Spiegel sind, die je in ihrer Weise das Licht aus der Sonne der Liebe verbreiten. Manchmal sieht man das Licht wunderbar in einem anderen Menschen leuchten, in einer Weise und in einem Spektrum, das wir zuvor nicht gesehen haben. Das kann eine Offenbarung sein, einem solchen Menschen zu begegnen. Andere Male ist es fast nicht zu sehen, da\u00df das Licht da ist, nur Mattheit und Finsternis ist im Blick des anderen. Als ende alles dort.<\/p>\n<p>Aber das dementiert nicht, da\u00df unsere Bestimmung darin besteht, da\u00df es der Gedanke Gottes mit uns ist, da\u00df wir mit unserem Leben, so unterschiedlich es bei diesem und jenem ist, seine Liebe widerspiegeln.<\/p>\n<p>Und ein Heiliger, wenn wir \u00fcberhaupt dieses Wort gebrauchen, das ist wohl ein Mensch, der in seiner besonderen Weise das Licht Gottes in der Welt verbreitet. Es handelt sich nicht darum, da\u00df hier ein besonderer Status in bezug auf Gott w\u00e4re wie in der katholischen Kirche, sondern es geht um einen Menschen, der uns mit seinem Leben und seinen Worten etwas gezeigt hat, das wir sonst nicht gesehen h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte hier eine kleine etwas banale Geschichte nennen, die ihr vielleicht auch als Kinder geh\u00f6rt habt, um zu erkl\u00e4ren, was ein Heiliger ist.<\/p>\n<p>Ein Junge kommt in die Kirche zusammen mit seiner Mutter und fragt, was das f\u00fcr merkw\u00fcrdige Figuren oben in den Glasfenstern sind. Das sind wohl irgendwelche Heiligen, sagt die Mutter. Was sind Heilige? fragt der Junge. Das wei\u00df seine Mutter nicht. Aber als der Junge sie eine Zeitlang angeschaut hat, sagt er: &#8222;Nun wei\u00df ich es, Heilige, das sind Leute, durch die das Licht hindurchscheint&#8220;.<\/p>\n<p>Leute, durch die das Licht hindurchscheint &#8211; das sollen wir in Wirklichkeit alle sein. &#8222;Kinder des Lichts&#8220;, &#8222;Himmellichter, wenn auch klein&#8220; werden sie in unseren Liedern genannt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich wissen wir, da\u00df die Sonne selbst Licht und Leben bringt. Nat\u00fcrlich wissen wir, da\u00df wir letztlich von der Liebe Gottes leben. Aber so wie wir an einem Sommertag nicht ohne weiteres immer die Sonne sehen k\u00f6nnen, sondern nur das, was die Sonne erhellt, so sollen wir auch die Liebe Gottes um uns herum sehen in der Welt, in der wir leben. Dort in der offenen Begegnung mit anderen wird das Evangelium Gegenwart, Wirklichkeit, dort setzt es sich durch, wird zu Erfahrung, Licht und Leben.<\/p>\n<p>Dazu mag und die Feier der Allerheligen helfen, da\u00df wir sehen: Wir brauchen unsere Geschichte nicht zu \u00fcberspringen, um zu Gott zu kommen. Wir k\u00f6nnen auch unsere Augen \u00f6ffnen, uns umsehen unter denen, die wir um uns haben, und denen, die vor uns waren. Menschen, die alle je in ihrer Weise g\u00f6ttliches Licht verbreitet haben, uns Einsichten gegeben haben, uns Wege gezeigt haben von unsch\u00e4tzbarer Bedeutung. Wir k\u00f6nnen daran denken, was Luther und Grundtvig und die anderen gro\u00dfen Liederdichter bedeutet haben. An die denken, die uns neue Horizonte gegeben haben und eine Basis, auf der wir stehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ihr seid das Licht der Welt. Ihr seid das Salz der Erde. Das Licht der Welt. Das Salz der Erde. Salz ist etwas, was die anderen Gew\u00fcrze hervorhebt, dem Geschmack Charakter verleiht. Salz verhindert Verderben und F\u00e4ulnis, es reinigt, es bei\u00dft in offenen Wunden.<\/p>\n<p>Ohne das Salz der Menschen w\u00e4re das Dasein leicht \u00f6de und langweilig, unser Leben w\u00fcrde verfaulen. Deshalb mu\u00df jemand zuweilen ausmisten, ja und nein sagen, auch wenn das bei\u00dft und weh tut. Es mu\u00df jemanden geben, der dazu beitr\u00e4gt, da\u00df unser Leben miteinander F\u00fclle und Charakter bekommt und nicht nur zu gleichg\u00fcltiger und verw\u00e4sserter Geselligkeit verkommt.<\/p>\n<p>Ihr seid das Salz der Erde, Ihr seid das Licht der Welt. Andere waren das vor uns. Nun aber liegt es an uns, das Licht durch unser Leben widerzuspiegeln, f\u00fcr das zu leben, was gr\u00f6\u00dfer ist als wir selbst.<\/p>\n<p>Und denke daran: Das Licht soll nicht verborgen werden, nicht unter den Scheffel gestellt werden. Wir sollen so auftreten, wie wir sind &#8211; nat\u00fcrlich nicht als perfekte Menschen, denn das sind wir nicht, und das sollen wir auch nicht sein, sondern als unvollkommene Menschen, die f\u00fcr etwas leben, das gr\u00f6\u00dfer ist.<\/p>\n<p>Das soll deutlich werden f\u00fcr unsere Kinder und f\u00fcr andere hier im Leben, es ist nicht gleichg\u00fcltig, es lohnt sich, daf\u00fcr zu k\u00e4mpfen, es ist etwas Gro\u00dfes, mit dem wir es hier zu tun haben, das Licht hat gesiegt, die Nacht ist um, das soll man uns anmerken. Die Nacht, die alles verbergen und die Welt verfinstern will, da\u00df wir glauben, alles habe nichts zu bedeuten.<\/p>\n<p>Nein, ihr sein das Licht der Welt &#8211; ihr seid das Salz der Erde. Das ist eine enorme Erwartung, die in diesen Worten liegt. Eine Erwartung, die sagt: Es ist nicht gleichg\u00fcltig, ob wir da sind oder nicht. Ob wir da sind mit unserer Gegenwart, Liebe, unseren Gedanken, Haltungen, unserem Leben.<\/p>\n<p>Ja, es bedeutet ja nichts, was ich tue und sage, denken wir. Doch, es bedeutet etwas. Als Christen wissen wir von dem Gr\u00f6\u00dften, der Gnade Gottes, vom Licht der Liebe. Wir schulden einander, wir schulden unseren Kindern, da\u00df das nicht nur zu Finsternis und Nichts in uns wird.<\/p>\n<p>Unsere W\u00fcrde, unsere vornehmste Lebensaufgabe ist, da\u00df wir Licht des Himmels sind, auch wenn wir nur klein sind. Amen.<\/p>\n<p><strong>Pfarrer Erik H\u00f8egh-Andersen<br \/>\nPrins Valdemarsvej 40<br \/>\nDK-2820 Gentofte<br \/>\nTel. ++ 45 &#8211; 39 65 43 87<br \/>\ne.mail: <a href=\"mailto:erha@km.dk\">erha@km.dk<\/a> <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>22. Sonntag nach Trinitatis, in D\u00e4nemark &#8222;Allerheiligen&#8220; bzw. Totensonntag Licht ist etwas Merkw\u00fcrdiges und Eigenartiges. Am Tage ist es \u00fcberall. 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