{"id":10158,"date":"2021-02-07T19:49:41","date_gmt":"2021-02-07T19:49:41","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10158"},"modified":"2022-10-03T17:26:58","modified_gmt":"2022-10-03T15:26:58","slug":"matthaeus-11-25-30-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-11-25-30-4\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 11, 25-30"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Hier am letzten Sonntag des Kirchenjahres ist vom Joch die Rede: &#8222;Nehmt auf euch mein Joch und lernet von mir&#8230; Denn mein Joch ist sanft und meine B\u00fcrde ist leicht&#8220;.<\/p>\n<p>Heutzutage gebrauchen wir das Wort Joch nur noch im \u00fcbertragenen Sinne, also da, wo wir das Leben unertr\u00e4glich finden und als Joch erleben, als eine Last, etwas, das uns zwingt, schwer und notgedrungen.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich war das Wort Joch etwas ganz Buchst\u00e4bliches. Es war ein Ger\u00e4t, ein <em>praktisches<\/em> Ger\u00e4t. Ein Joch war ein <em>Geschirr<\/em> f\u00fcr Zugtiere, dann auch der <em>Querbalken<\/em>, den man auf die Schultern eines Menschen legen konnte. Das Joch erm\u00f6glichte es diesem Menschen, zwei Eimer zu tragen &#8211; und dennoch beide H\u00e4nde frei zu haben. Aber wenn das Joch brauchbar sein sollte, mu\u00dfte es nat\u00fcrlich dem angepa\u00dft sein, der es tragen sollte. Pa\u00dfte das Joch nicht zu den Schultern, wurde die Last noch untragbarer als sie ohnehin schon war. Das Gewicht der Last w\u00fcrde ja bewirken, da\u00df sich das Joch in die Schultern eingrub und Schmerzen verursachte &#8211; wo es doch an sich eine Erleichterung und Entlastung f\u00fcr den sein sollte, der es trug.<\/p>\n<p>Heute hei\u00dft es also: &#8222;Nehmt auf mein Joch und lernet von mir &#8230; Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht&#8220;. Aber Jesus sagt auch: &#8222;Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, da\u00df du solches den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unm\u00fcndigen offenbart&#8220;. Das mit den &#8222;Unm\u00fcndigen&#8220; ist in der Luther\u00fcbersetzung eigentlich eine freie Auslegung, das Wort im Urtext bedeutet eigentlich den &#8222;Kleinen&#8220;.<\/p>\n<p>Ja mu\u00df man glauben wie ein Kleinkind in seiner Unwissenheit, damit Jesu Worte einen bewegen k\u00f6nnen? Nein! Aber die Klugen und Weisen &#8211; <em>die <\/em>h\u00f6ren das nicht gern. Oder besser: Die &#8211; d.h. wir &#8211; glauben, da\u00df wir auf die Worte verzichten k\u00f6nnen, weil wir meinen, uns selbst helfen zu k\u00f6nnen. Die Worte von den Unm\u00fcndigen, den Kleinen, denen Gott allein sein Reich \u00f6ffnet, sind denn auch leicht Opfer des kalten Lachens der Klugen.<\/p>\n<p>Man sagt, da\u00df die Sekte der Zeugen Jehovas gar nicht daran interessiert ist, Mitglieder mit gehobener Ausbildung anzuwerben. Mit anderen Worten: Man darf nicht zu belesen und zu gelehrt sein, wenn man Mitglied in dieser Sekte sein will. Grob gesagt: Lieber leer im Kopf als belesen. Es ist n\u00e4mlich nicht erlaubt, das in irgendeiner Weise anzufechten, was die Zeugen Jehovas als Wahrheit \u00fcberliefern.<\/p>\n<p>Es sieht ja so aus, als <em>k\u00f6nne<\/em> diese Sekte hier einen Beleg daf\u00fcr finden, da\u00df man mit den Klugen und Schlauen nichts zu tun haben will, denn es hei\u00dft: &#8222;Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, da\u00df du solches den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unm\u00fcndigen offenbart&#8220;. Also: Die Unm\u00fcndigen &#8211; und nur die &#8211; haben Zugang. Die Weisen und Klugen nicht.<\/p>\n<p>Warum denn das? Was haben denn gerade die &#8218;Weisen und Klugen&#8216; getan, da\u00df sie au\u00dfen vor bleiben m\u00fcssen? Vorl\u00e4ufig gesagt: Sie &#8211; d.h. wir &#8211; bilden uns etwas ein auf unsere klugen Gedanken. Aber diese Klugheit macht dumm. Sie hindert den ach so Klugen daran, dem nahezukommen, was in gewissen Zusammenh\u00e4ngen geradezu lebenswichtig ist. Da\u00df mein seine Paraden fallen l\u00e4\u00dft. Da\u00df man bereit ist, sich zu \u00f6ffnen. Da\u00df man es wagt, das anzunehmen, was einem gereicht wird &#8211; das ist nicht das Wesen der Klugheit, sondern des Glaubens.<\/p>\n<p>Es ist bekanntlich eine Tugend geworden, kritisch zu sein. Nicht auf alles hereinzufallen. Ein Beispiel: W\u00fcrde ich mich nun so klug und vern\u00fcnftig anstellen &#8211; also demonstrieren, da\u00df ich wirklich kritisch sein kann, dann l\u00e4ge es ja nahe einzuwenden, da\u00df Jesus im heutigen Text wohl nur aus der Not eine Tugend macht, wenn er die &#8218;Unm\u00fcndigen&#8216; als die auszeichnet, denen Gott sich offenbaren will. Warum sie? Ja, keiner der Weisen und Klugen &#8211; der Intellektuellen der damaligen Zeit, der Schriftgelehrten und der Pharis\u00e4er, w\u00fcrden auch nur im Traum daran denken, sich mit ihm einzulassen. Sie lehnten ihn ab. Sie vertrauten ihm nicht.<\/p>\n<p><em> Annehmen<\/em> wollten ihn nur die &#8218;Unm\u00fcndigen&#8216;, die niemand sonst annehmen wollte &#8211; also die Ausgesto\u00dfenen, die Armen, die Kranken, die ganz einfach nicht anderes zu erwarten hatten als die Wohltaten, die Jesus in Wort und Tat unter ihnen vollbrachte.<\/p>\n<p>Es ist so, da\u00df es nicht nur Boomerangs sind, die einem wieder an den Kopf fliegen. Das gilt auch f\u00fcr Worte. Wie die Worte des heutigen Textes. H\u00f6rt man das heutige Evangelium so: Klug, besserwisserisch, zur\u00fcckgelehnt, also mit dieser Ein\u00adstellung: Ja, ja, der Mann macht aus der Not eine Tugend, und es doch ziemlich weit hergeholt, da\u00df der erhabene Gott selbst sich in der Gestalt eines armen Laienpredigers zu Worte melden will &#8211; ja <em>dann<\/em> hat man sich schon ausgeschlossen und unter die sogenann\u00adten Weisen und Klugen gesellt, also die, welche die Botschaft nicht annehmen <em>wollen<\/em> und <em>wollten<\/em>.<\/p>\n<p>Ja, was ist denn daran falsch, da\u00df man sich skeptisch verh\u00e4lt? Im Prinzip gar nichts. Aber da, wo das Leben wirklich wird und deshalb vielleicht weh tut, da kann man nicht prinzi\u00adpiell reden. Hier taugen Weisheit und Verstand nicht, die mit ihrer Skepsis daherkommen. Wie eine Mauer stellt sie sich n\u00e4mlich in den Weg und hindert uns daran, das anzunehmen, was uns im Evangelium gereicht wird.<\/p>\n<p>Aber: Es ist ja nicht so, da\u00df menschliche Weisheit und Klugheit hier abqualifiziert w\u00fcrden. M\u00fc\u00dften wir unseren Verstand abgeben, um uns dem Evangelium zu n\u00e4hern, w\u00e4re das eine merkw\u00fcr\u00addige und unfreie Sache. Au\u00dferdem: Wenn Gott den Menschen geschaffen hat, hat <em>er<\/em> ihn wohl eben auch mit Vernunft und Verstand ausgestattet. Weisheit und Verstand als solche sind also nicht abzulehnen. Aber es gibt eben gewisse verh\u00e4ngnisvolle Zusammenh\u00e4nge, die wesentlich sind und wo Weisheit und Verstand als solche zu kurz kommen.<\/p>\n<p>Das wissen die, die erkennen, da\u00df wir mit leeren H\u00e4nden dastehen. Das begreifen die, die nur annehmen k\u00f6nnen. Das verstehen die, die nichts bezahlen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wer sind die? Das sind die, die m\u00fchselig und beladen sind. F\u00fcr die das Leben &#8211; allm\u00e4hlich oder pl\u00f6tzlich &#8211; unbarmherzig geworden ist, brutal. Jesus spricht zu denen, die eben jetzt das Gewicht des Jochs auf ihren Schultern sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Das Joch kann alles m\u00f6gliche sein. Wer nichts hat, ohne Wohnung, angewiesen ist auf eine Suppenk\u00fcche, der wei\u00df, was ein Joch ist. Und wem pl\u00f6tzlich der Mensch genommen ist, der das Leben f\u00fcr ihn war, der kann wei\u00df Gott auch dar\u00fcber mitreden, was ein Joch ist. Aber an die &#8211; und das hei\u00dft an dich und an mich &#8211; richtet Jesus sein Wort.<\/p>\n<p>Hier am Ende des Kirchenjahres, wo die K\u00e4lte zunimmt und die Finsternis mehr und mehr die Erde bindet, verspricht Jesus jedoch <em>nicht<\/em>, da\u00df er das Joch von unseren Schultern nehmen wird. Aber er sagt, da\u00df das Joch zu tragen ist &#8211; <em>weil<\/em> er da ist in seinem Wort, <em>weil<\/em> er es da leicht macht.<\/p>\n<p>Ein Joch kann dr\u00fccken und die B\u00fcrde noch untragbarer machen, als sie schon ist. Aber Er, der an seinen eigenen Schultern wei\u00df und wu\u00dfte, was ein Joch ist, in Seiner, in Christi Macht liegt es auch, dein und mein Joch so zuzuschneiden und zu formen, da\u00df es <em>eben<\/em> zu tragen ist. So wie Jesus dies tut, wenn er sagt: &#8222;Nehmt auf euch mein Joch und lernet von mir&#8230; Denn mein Joch ist sanft und meine B\u00fcrde ist leicht&#8220;.<\/p>\n<p>Worte k\u00f6nnen selbst den bewegen, oder besser <em>gerade<\/em> den bewegen, der seine Last unertr\u00e4glich findet. Wenn Jesus nun behauptet, da\u00df sein Joch gut ist, seine Last leicht &#8211; dann mu\u00df das bedeuten, da\u00df Er, der wie kein anderen wirklich seine eigene Last tr\u00e4gt, sein Kreuz auf Golgatha, da\u00df er damit unsere Last f\u00fcr uns ertr\u00e4glich gemacht hat. Denn in Seiner Macht und nach Seinem Willen liegt es, jedes Joch zu formen, so da\u00df die Lasten ertr\u00e4glich sind.<\/p>\n<p>Vertraue darauf, da\u00df das Joch, da\u00df Christus auf deine Schultern legt, dir angepa\u00dft ist, so da\u00df gerade du es tragen kannst! Und vergi\u00df nie, da\u00df <em>das<\/em> Joch, da\u00df Christus f\u00fcr dich geformt hat, dir freie H\u00e4nde gibt. Auch um deine H\u00e4nde zum Himmel zu erheben. Das bedeutet: Niemand soll gegen eine verschlossene T\u00fcr anschreien. Denn Er, der trug, tr\u00e4gt noch immer, mit uns. Bei ihm ist immer ein offener Himmel. Ihm ist kein anderes Joch fremd. Bei ihm k\u00f6nnen wir immer Ruhe finden f\u00fcr unsere Seele. Er wei\u00df ja, woran wir tragen. Im Jesu Namen. Amen.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Pfarrer Niels Henning Br\u00f8nnum<br \/>\nVall\u00f8vej 19<br \/>\nDK-2700 Br\u00f8nsh\u00f8j<br \/>\nTlf.: ++ 49 &#8211; 38 60 50 17<br \/>\ne-mail: <a href=\"mailto:nhb@km.dk\">nhb@km.dk<\/a> <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier am letzten Sonntag des Kirchenjahres ist vom Joch die Rede: &#8222;Nehmt auf euch mein Joch und lernet von mir&#8230; Denn mein Joch ist sanft und meine B\u00fcrde ist leicht&#8220;. 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