{"id":10160,"date":"2021-02-07T19:49:30","date_gmt":"2021-02-07T19:49:30","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10160"},"modified":"2022-10-27T09:50:50","modified_gmt":"2022-10-27T07:50:50","slug":"offenbarung-215","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/offenbarung-215\/","title":{"rendered":"Offenbarung 21:5"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Am Ende des Kirchenjahres begehen wir Tage der Erinnerung. Einige unter uns heute sind besonders zu diesem Gottesdienst eingeladen worden, weil sie einen Menschen verloren haben, den sie mehr oder weniger betrauern. Ihr Blick mag sich noch einmal zur\u00fcck wenden zu dem Menschen, der nicht mehr unter den Lebenden ist. Sein Grab ist frisch geschm\u00fcckt. Das Herz tut manchmal noch sehr weh. \u201eIch suche einen Ort, an dem ich weinen kann\u201c, sagte sie zu mir. \u201eVielleicht gehe ich in die Thomas \u2013 Messe. Da kann ich auch weg gehen, wann ich will.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSiehe, ich mache alles neu!\u201c<\/p>\n<p>Der Seher hat etwas gesehen, das kein Bild fest halten kann. Eigentlich hat er nur in den heiligen Schriften geforscht \u2013 dort auf der Insel Patmos. Dabei ist er hinein geraten in die Macht der Worte. Er ist dem Lebendigen begegnet. Am Anfang schuf ER Himmel und Erde. Der erste Himmel und die erste Erde werden vergehen. Der Kosmos wird sich erneuern. Das Urchaos wird nicht mehr sein. Alle Bedrohtheit wird ihr Ende finden. Wie ein riesiges Raumschiff wird die Stadt Gottes erscheinen. Die Stadt SEINES Friedens. Die ewige, heilige Hochzeit wird gefeiert.<\/p>\n<p>\u201eSiehe, ich mache alles neu!\u201c<\/p>\n<p>Der Seher ist auch ein H\u00f6rer. Er h\u00f6rt die Stimme seines HERRN. Er hat viel gelitten. Und mit ihm haben viele gelitten. Uns\u00e4gliches ist ihnen widerfahren. Unertr\u00e4gliches hat ihr Leib erduldet. Jetzt stellen sich Gesichte ein. Jetzt dringt durch alle Schreie die eine Stimme:<\/p>\n<p>\u201eSiehe, ich mache alles neu!\u201c<\/p>\n<p>Heute sind wir am Ende. Mit der biblischen Heilsgeschichte sind wir am Ende des Kirchenjahres angekommen. In unseren Erinnerungen gehen wir zur\u00fcck. Wer im zur\u00fcck liegenden Jahr einen Menschen verabschieden musste, soll heute gewiss werden: am Ende tut sich das Tor auf in ein neues Leben. Die Toten sind von uns gegangen. Die Toten sind uns voraus.<\/p>\n<p>Jeder und jede heute hier hat sein und ihr eigenes Leid erfahren. Auch in unserem je eigenen Leid sind wir unverwechselbar. Als einzelne Menschen und Familien seid Ihr gekommen. Leid vereinzelt uns. Heute f\u00fchrt es uns zusammen. Es f\u00fchrt uns zusammen, weil es bei Gott angekommen ist und immer noch ankommt. ER sieht. ER h\u00f6rt. Unserer Kreuze Leid. Mit unseren Leidensgeschichten kommen wir heute vor IHN. Mit unserem Tr\u00e4nenkelch gef\u00fcllt bis an den Rand.<\/p>\n<p>Wir kommen mit unseren Erinnerungen. Am Ewigkeitssonntag, an dem wir unserer Toten gedenken. Der Gottesdienst heute ist die Mitte, die die L\u00fccke ausf\u00fcllt zwischen zwei Bewegungen, die uns erfassen: Die Trauer, das Vermissen ziehen uns in die Vergangenheit. Die Worte christlicher Hoffnung, die wir h\u00f6ren, ziehen uns in die Zukunft des Gott-Mit-Uns.<\/p>\n<p>Wir kommen heute mit den Namen unserer Verstorbenen. Sie werden alle genannt. In der Stille die Namen derer, die von L\u00e4nger her schon gestorben waren, auch sie klingen manchmal noch nach. Sie werden alle genannt. Der F\u00fcrbitte der Gemeinde werden sie anbefohlen. Der Barmherzigkeit Gottes werden sie anheim gegeben. Im Leben, in ihren Leiden mehr oder weniger vereinzelt, werden sie zusammen gef\u00fchrt. Mit der Nennung ihrer Namen wird ihr ganzes Leben erfasst. Durch unsere F\u00fcrbitte werden sie an den Lebensgrund dessen \u00fcberwiesen, der allein unendlich ist. Der spricht:<\/p>\n<p>\u201eIch bin das A und das O, der Anfang und das Ende.\u201c<\/p>\n<p>Der Ewige und der Allm\u00e4chtige. ER ist der einzige Befreier. IHM allein \u00fcberantworten wir unsere Toten. Sie sind nicht einfach weg. Sie leben auch nicht nur weiter in der Erinnerung derer, mit denen sie gelebt haben. Sie geh\u00f6ren auf ihre Weise dazu. Die Gemeinde der Heiligen ist eine Gemeinschaft von Lebenden und Toten. Heute werden wir an die Gegenwart unserer Toten bei Gott erinnert. Wir werden sie nicht aus unserem Leben streichen, sie einfach vergessen. Wir sollen mit ihnen leben k\u00f6nnen. So mit ihnen leben k\u00f6nnen, dass wir frei werden von den M\u00e4chten, die uns positiv und negativ mit ihnen verkn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>\u201eSiehe, ich mache alles neu!\u201c<\/p>\n<p>Unsere Toten sind in Gericht und Gnade bei Gott. Es kann sein, dass sie uns dann und wann noch einmal aufsuchen. In Tr\u00e4umen. In Gesichten. Auch sie brauchen eine Weile, um sich verabschieden zu k\u00f6nnen. In Gottes Reich werden sie die Macht \u00fcber uns weitgehend verloren haben.<\/p>\n<p>Die Toten sind bei Gott. Deshalb haben wir sie nicht mehr zu f\u00fcrchten. Nicht nur eine eheliche Verbindung besteht, \u201ebis dass der Tod uns scheidet.\u201c. Wir d\u00fcrfen annehmen, was die Toten uns hinterlassen haben. Wir d\u00fcrfen auch ver\u00e4ndern, was die Toten uns hinterlassen haben. Die irdische Beziehung, die uns einmal zusammen gehalten hat, ist zerrissen. F\u00fcr eine \u201ekleine Weile\u201c (Hebr. 10, 37) sind wir voneinander getrennt. Wir werden nicht wieder zusammen kommen, wie es einmal f\u00fcr uns war. Wir werden in dem geistlichen Leib, mit dem Gott uns \u00fcberkleidet, wieder vereint sein (2. Kor. 5; 1. Kor. 15, 35ff.)<\/p>\n<p>\u201eSiehe, ich mache alles neu !\u201c<\/p>\n<p>Dem Seher von Patmos er\u00f6ffnet sich der Machtraum der Worte aus den heiligen Schriften. Er h\u00f6rt, er sieht: diese Worte sind wahrhaftig und gewiss ! F\u00fcr unsere Toten ist das Erste vergangen. Ihre Tr\u00e4nen sind abgewischt von ihren Augen. Der Tod ist nicht mehr. Leid und Geschrei und Schmerz sind nicht mehr. Sie sind weiter als wir.<\/p>\n<p>Doch auch wir sollen weiter gehen k\u00f6nnen. Die Menschen, deren Namen wir heute vor Gott aufrufen, sind jetzt bei IHM. In ihrem Grab sind sie uns ganz fern. In Gottes Welt stehen sie uns ganz nah. Sie haben unser Leben mehr oder weniger stark bestimmt. Insofern werden sie uns immer gegenw\u00e4rtig bleiben. Wir k\u00f6nnen an ihrem Grab, f\u00fcr ihre Ruhe einiges tun. Aber wir d\u00fcrfen sie einmal auch in Ruhe lassen. Wir d\u00fcrfen einmal ohne sie unsere eigenen Wege gehen. M\u00f6gen sie ihren Frieden bei Gott finden ! M\u00f6gen sie uns in Frieden unsere Wege gehen lassen !<\/p>\n<p>\u201eVielleicht gehe ich zur Thomas \u2013 Messe,\u201c hatte die Frau gesagt. Vielleicht kann sie da in Ruhe vor Gott ihre Tr\u00e4nen weinen. Und wenn es genug ist, kann sie sich segnen lassen und gehen.<\/p>\n<p>Am Ende des Kirchenjahres wird uns Hoffnung verk\u00fcndigt. Mit dem Tod ist nicht alles aus, wie so oft zu h\u00f6ren ist. Der neue Himmel und die neue Erde \u2013 Gottes Auferstehungswirklichkeit \u2013 warten auf uns. Durch die Taufe ist uns die Kraft zugeeignet, Tod, Leid, Geschrei und Schmerz zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Der lebendige Gott wird uns f\u00fchren in Widerstand und Ergebung. ER tr\u00e4gt und begleitet uns zu allen Zeiten. Durch Jesus Christus.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>(Nach der Predigt sollte die Gemeinde das Credo sprechen.)<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Arial;\"><strong>Wolfgang Ebel, Pastor \/ Klinikseelsorge<br \/>\n<\/strong><\/span><\/span><strong><a href=\"mailto:Pastor.Ebel@med.uni-goettingen.de\"> Pastor.Ebel@med.uni-goettingen.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Ende des Kirchenjahres begehen wir Tage der Erinnerung. Einige unter uns heute sind besonders zu diesem Gottesdienst eingeladen worden, weil sie einen Menschen verloren haben, den sie mehr oder weniger betrauern. Ihr Blick mag sich noch einmal zur\u00fcck wenden zu dem Menschen, der nicht mehr unter den Lebenden ist. Sein Grab ist frisch geschm\u00fcckt. 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