{"id":10183,"date":"2021-02-07T19:49:31","date_gmt":"2021-02-07T19:49:31","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10183"},"modified":"2022-10-24T09:49:49","modified_gmt":"2022-10-24T07:49:49","slug":"predigt-zu-luthers-8-invokavit-predigt-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-luthers-8-invokavit-predigt-2\/","title":{"rendered":"Predigt zu Luthers 8. Invokavit-Predigt"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p><strong>Leitgedanke: Die Beichte \u0096\u0094ein tr\u00f6stlich Ding\u0093 <\/strong><\/p>\n<p><strong>Karfreitag <\/strong> kommt von <em>kara <\/em> und bedeutet: \u0084Sorge, Kummer\u0093. Im Englischen haben wir das Wort noch als <em>care <\/em> in dieser Bedeutung. Eng verbunden mit diesem Begriff ist aber auch <em>karna \u0084 <\/em>verzweifelt sein\u0093 und \u0084Wehklage, L\u00e4rm, Geschrei\u0093. Christen wollen an diesem Tag sich zur\u00fcckbesinnen auf das, was in Jerusalem geschehen ist.<br \/>\nZur Zeit Jesus feierte man das Passah Fest, das an den Auszug der Hebr\u00e4er aus \u00c4gypten erinnert. Am Passahfest wurde ein Lamm geschlachtet, denn das an die T\u00fcren geschmierte Blut des Lammes rettete einst den V\u00e4tern in \u00c4gypten das Leben. Wenn j\u00fcdische Kinder fragen, warum feiern wir dieses Fest? So antwortet man ihnen: \u0084Es ist das Passah Opfer zur Ehre des Herrn, der in \u00c4gypten an den H\u00e4usern der Israeliten vor\u00fcberging, als er die \u00c4gypter mit Unheil schlug, unsere H\u00e4user aber verschonte.\u0093<br \/>\nDas Passah &#8211; Opfer ist f\u00fcr uns Christen nun Jesus. Er wird deshalb seit alters Lamm Gottes genannt. Lamm und Blut sind nun mit Jesus verbunden. Das ist der Sinn von Karfreitag. Wir haben vorhin aus der Schriftlesung vernommen, dass Jesus am Kreuz gestorben ist. Von der dritten Stunde bis zur neunten Stunde hing er am Kreuz. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass ein Mensch nach drei Stunden am Kreuz so schwere Sch\u00e4den erleidet, dass er niemals \u00fcberleben kann. Es besteht kein Zweifel daran, dass Jesus am Kreuz gestorben ist. F\u00fcr Christen geh\u00f6rt der Tod Jesus am Kreuz zum Glaubensbekenntnis: \u0094 <strong>gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben\u0093. <\/strong><\/p>\n<p>Wir sollten uns die <strong>Ereignisse, <\/strong> die hinter diesem Namen wieder ins Ged\u00e4chtnis rufen:<br \/>\nDer Hauptmann und die M\u00e4nner, die mit ihm zusammen Jesus bewachten, kamen zur \u00dcberzeugung, sie das Erdbeben erlebten und sahen, was geschehen war, dass dieser Gekreuzigte wahrhaftig der Sohn Gottes sein muss. Sie <em>erschraken <\/em> damals. Manche Theologen vermuten, dass der Hauptmann ein Soldat aus Germanien war. Flink machten deshalb die <em>Deutschen Christen <\/em> zur Zeit der Nationalsozialisten den Hauptmann unter dem Kreuz zum Deutschen! Sie schlossen daraus stolz, dass die Deutschen die ersten gewesen seien, die erkannten, dass <strong>Jesus der Sohn Gottes <\/strong>war. Und weil der Sohn Gottes damals kein Jude sein durfte, machte man ihn rasch zu einem deutschen Jesus.<\/p>\n<p>Wie sich die Zeiten \u00e4ndern! <strong>Heute <\/strong> vermeiden viele Deutsche zu sagen, dass der gekreuzigte Jesus, der Sohn Gottes war.<\/p>\n<p><strong>Liebe Gemeinde! <\/strong><\/p>\n<p>Der \u0094Wittenberger Kirchensturm\u0093, die Frage nach dem richtigen Verst\u00e4ndnis der Messe und das M\u00f6nchsgel\u00fcbde, machten es Martin Luther unm\u00f6glich, sich noch l\u00e4nger auf der Wartburg auszuhalten. Dem besorgten Kurf\u00fcrst Friedrich von Sachsen schrieb er am 5. Mai 1522, dass er sich keine Sorgen machen solle, denn er st\u00fcnde unter dem Schirm des H\u00f6chsten, Jesus. Weil Martin Luther sp\u00fcrte, dass der Kurf\u00fcrst schwach war im Glauben, wollte er ihn \u0094auf keinen Fall als den Mann ansehen, der mich sch\u00fctzen oder retten k\u00f6nnte\u0093. Christus habe ihn nicht gelehrt, unter Sch\u00e4digung eines anderen Christ zu sein. Vielmehr habe er mehrfach f\u00fcr den Kurf\u00fcrsten gebetet, dass dessen Glaube wachsen m\u00f6ge.<br \/>\nIn Wittenberg zeigt Martin Luther in seinen <em>acht Predigten <\/em>, die unter dem Namen <em>Invokavitpredigten <\/em>in die Geschichte eingegangen sind, den Mangel der <em>Schw\u00e4rmer <\/em>auf, und die Schw\u00e4che des theologisch-philosophisch hochgebildeten Wissenschaftlers Philipp Melanchthon, der zu wenig Verbindung mit der so genannten Basis hatte.<br \/>\nDem stellt Luther in seiner ersten Predigt am 9. M\u00e4rz 1522 am Sonntag Invocavit die Hauptst\u00fccke des christlichen Glaubens und Lebens gegen\u00fcber. Die Wittenberg seien, so betont Luther, <em>ersten <\/em>s Kinder des Zorns und seien sich wohl bewusst, \u0094dass alle unsere Werke, Sinne und Gedanken ganz und gar nichts sind\u0093 und <em>zweitens <\/em>, dass Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat, auf dass wir an ihn glauben; und wer auf ihn vertrauen wird, soll von der S\u00fcnde frei sein und ein Kind Gottes. Es fehle den Wittenbergern aber <em>drittens <\/em>an der Liebe, \u0093denn ohne diese Liebe ist der glaube nichts\u0093 . Luther warnt die Christen in Wittenberg, sie sollten aufpassen, \u0094dass aus Wittenberg kein Kapernaum werde\u0093 \u0096und denkt dabei an Matth\u00e4us 11,23 wo es hei\u00dft:\u0094&#8230; du, Kapernaum, wirst bis in die H\u00f6lle hinuntergestossen werden\u0093.<\/p>\n<p>\u0094 <em>Viertens <\/em>tut uns auch not die Geduld. Es gehe nicht ohne Verfolgung, wenn die Christen ihren Glauben leben, doch \u0094so nimmt der Glaube durch viele Anfechtungen und Anst\u00f6\u00dfe immer zu und wird von Tag zu Tag gest\u00e4rkt\u0093. \u0094Merke ein Gleichnis! Die Sonne hat zwei Eigenschaften: den Glanz und die Hitze. Es ist kein K\u00f6nig so stark, dass er den Glanz der Sonne biegen oder lenken k\u00f6nnte; der bleibt an seinem Orte. Aber die Hitze l\u00e4sst sich lenken und biegen und ist immer um die Sonne herum. So muss der Glaube allezeit rein und unbeweglich in unserem Herzen bleiben, und wir d\u00fcrfen nicht davon weichen; aber die Liebe biegt und lenkt sich, (je nachdem) unsere N\u00e4chster begreifen und folgen kann. Es gibt etliche, die k\u00f6nnen gut rennen, etliche wohl laufen, etliche kaum kriechen. Darum d\u00fcrfen wir nicht unser Verm\u00f6gen, sondern das unseres Bruders betrachten, damit der im Glauben Schwache nicht vom Teufel zerrissen werde, wenn er dem Starken folgen wollte\u0093.<\/p>\n<p><strong>Zu den wirklich gro\u00dfen Dingen geh\u00f6rt die Beichte <\/strong><br \/>\nIn seiner achten Predigt geht Luther dann auf das Thema <strong>Beichte <\/strong> ein. Sie sei \u0094ein tr\u00f6stlich Ding\u0093 , denn sie bestehe aus zwei Teilen, dass man die S\u00fcnde bekenne und dass man die Absolution oder Vergebung vom Beichtvater empfange als von Gott selbst; wenn man nicht daran zweifle, sondern fest glaube, seien die S\u00fcnden dadurch vergeben vor Gott im Himmel.<\/p>\n<p>Die Urbeichte finden wir beim Karfreitagsgeschehen am Kreuz. Lukas berichtet (23, 32 \u0096 49) vom Gespr\u00e4ch der zwei rechts und links von Jesus mitgekreuzigten M\u00e4nner. Der eine spottet. Der andere wendet sich gegen seinen Mit- H\u00e4ngenden und bekennt seine Schuld: \u0094denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Jesus wird zu Beginn der Kreuzigung zum Anwalt: \u0094Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!\u0093 Und hier wird er schlie\u00dflich zu dem, der sein Wort mit der Tat in \u00dcbereinstimmung bringt. Jesus Schweigen f\u00fchrt zu seinem Tod. Schweigen ist auch ein Modus des Redens. Doch das Tiefste ist das Wort: \u0094Absolvo te &#8211; ich spreche die los und frei\u0093 hat seine Beglaubigung im Wort Jesus: \u0094Wahrlich, ich sage dir: heute wirst du mit mir im Paradies sein\u0094 Lukas 23, 43)<\/p>\n<p>Die eigene Schuld einzugestehen f\u00e4llt vor allem uns Deutschen offenbar sehr schwer. Wir finden die tollsten Ausreden- und das ist wohl auch der Grund f\u00fcr die Unf\u00e4higkeit der Deutschen die notwendigen Reformen in Angriff zu nehmen. Immer ist der andere schuld. Wie ein Mehltau legt sich das auf die Gesellschaft. Wir erleben diese Tragik in besonderer Weise heute in den Diskussionen \u00fcber die notwendigen sozialen Reformen und im Verh\u00e4ltnis der Generationen zu einander.<\/p>\n<p>Die Beichte ist ein \u0094tr\u00f6stlich Ding\u0093, &#8211; wenn sie denn geschieht. Denn <strong>Worte <\/strong> sind nicht Schall und Rauch. Worte sind eng verbunden mit dem, der sie sagt.\u00a0V\u00e0clav Havel sagte in seiner Rede anl\u00e4sslich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels zum Thema: <em>Ein Wort \u00fcber das Wort. \u0094 <\/em>Dasselbe Wort kann einmal ein Baustein des Friedens sein, und ein anderes Mal kann jeder einzelne seiner Laute vom Echo der Maschinengewehre dr\u00f6hnen&#8220;.<br \/>\nIm Deutschen ist \u0094Wort\u0093 verbunden mit \u0094Name\u0093 und \u00a0h\u00e4ngt wohl auch mit \u0094sagen\u0094 zusammen. Das im Alten Testament in der Ursprache benutzte Wort <em>dabar <\/em> h\u00e4ngt aber auch mit <em>W\u00fcst <\/em>e zusammen. <strong>W\u00fcste <\/strong> ist ein Symbolwort f\u00fcr <em>Angst, Not, Hunger <\/em>und <em> Verzweiflung <\/em>. In der W\u00fcste gibt es die Ermattung. Menschen straucheln und fallen vor Durst nieder. Sie werden m\u00fcde und k\u00f6nnen und wollen nicht mehr weitergehen. W\u00fcste gibt es auch im Alltag: Der Blick nach vorne ist wie verschlossen. Alles sieht dunkel aus. Die Hoffnung hat keine Kraft mehr. Nur der Druck, die Depression bleibt. Unter Depression zu leiden ist schlimm, denn es gibt dann keine Freude mehr, die Freude aber ist das Frohlocken des Herzens, das Beschwingende im Leben. Fehlt diese Freude, dann fehlt die Springfeder des Lebens und alle Probleme werden wie riesige Berge, die \u00fcber einem zusammenfallen. Sie lassen nur noch den Blick nach hinten offen. Dieses Wort \u00bbhinten\u00ab h\u00e4ngt in der Bibel auch mit dem Wort (dabar) zusammen. In der Depression gibt es keine Zukunft mehr, es kommt nichts mehr <em>von vorne <\/em> auf einen zu \u0096 Zukunft -, sondern es gibt nur noch die belastende, bleierne Vergangenheit und Gegenwart. Angst hei\u00dft eigentlich die <em>Gurgel zuschn\u00fcren <\/em>, so dass man nicht mehr atmen kann.<br \/>\nHoffnung und Trost geh\u00f6ren zusammen<br \/>\nDie Hoffnung hat ihren Grund nicht im Menschen selber, sondern sie kommt von au\u00dfen. Die Hoffnung macht den Menschen stutzig, sie l\u00e4\u00dft ihn \u00bbin Erwartung aufspringen\u00ab und h\u00fcpfen. In der J\u00e4gersprache wei\u00df man noch, dass unser deutsches Wort <em>verhofft <\/em> mit der <em>\u00dcberraschung verwandt <\/em> ist: Der Hirsch \u00bbverhofft\u00ab bedeutet: er sieht sich um, stutzt, er l\u00e4\u00dft sich erschrecken und f\u00e4ngt zu h\u00fcpfen an. Die auf Jahwe hoffen, erhalten pl\u00f6tzlich eine neue Energie, sie k\u00f6nnen wieder gehen, ohne durch Depression niedergedr\u00fcckt zu werden; sie k\u00f6nnen ohne Erm\u00fcdung durchhalten, weil ihnen Kraft zukommt. Das ist der <em>Trost. <\/em>Trost h\u00e4ngt mit <em>trauen <\/em> und <em>treu <\/em> zusammen. Wie so viele andere Worte wurde das Wort Trost durch die keltischen Missionare in die deutsche Sprache eingef\u00fchrt. Zuversicht, Vertrauen und getrost hei\u00dft \u00bb <em>mit Vertrauen erf\u00fcllt <\/em>\u00ab sein. Treue und trauen h\u00e4ngen aber mit dem Wort \u00bbglauben\u00ab zusammen. Der Glaubende wird \u00bbbeherzt\u00ab. Sein leeres Herz wird gef\u00fcllt mit einer neuen Hoffnung, die ihm wieder Mut gibt, so dass er nach vorne sehen kann und nicht mehr nur nach hinten. Und was sieht er <em>vorne <\/em>? Er sieht, dass vor ihm einer geht, dem er nachfolgen kann. Einer, der durch die Tiefe des Leidens hindurchgegangen ist bis ans Kreuz und ins Dunkel des Grabes hinabgestiegen ist. Der aber aus diesem dunklen Grab herausgeholt worden ist und lebt. Er ist unsere Zu-kunft. Er kommt auf uns zu am Ende der Zeit und nimmt uns als die Seinen auf.<br \/>\nBeichte und Wiedergutmachung nach Bartolom\u00e9 de Las Casas (1484- 1566 <strong>) <\/strong><br \/>\n<strong>Zur gleichen Zeit wie Martin Luther bem\u00fchte sich der Spanier <\/strong><strong>Bartolom\u00e9 de Las Casas um das rechte Verst\u00e4ndnisses der Beichte in Lateinamerika, in einem v\u00f6llig anderen kulturellen Kontext, n\u00e4mlich der brutalen staatlichen Missionierung eines mittelamerikanischen Landes unter dem Vorzeichen der neuen Religion \u0094Profit\u0093 \u0096 damals Gold genannt. <\/strong><\/p>\n<p>Der Sohn eines Kaufmanns aus altem Adelsgeschlecht in Sevilla, kam 1502- nach dem Studium der alte Sprachen, Geschichte und Philosophie &#8211; mit seinem Onkel auf einem der 32 Schiffe unter der Leitung von Kolumbus nach Westindien. Inzwischen waren die kolonialen Handelsniederlassungen dem so genannten <em>Encomienda <\/em> System gewichen, das Indios zu Leibeigenen und Sklaven machte. Der Gro\u00dfgrundbesitzer und Sklavenhalter Bartolom\u00e9 De Las Cassas brachte Schweine und andere Haustiere aus Europa in die Neue Welt. Von 1507-09 studierte er Theologie in Rom und feierte 1510 als erster katholischer Priester die erste Primiz in der so genannten <em>Neuen Welt <\/em>, ohne \u0094einen Tropfen Wein, da es auf der ganzen Insel keinen gab\u0093. Im gleichen Jahr kamen auch drei Dominikanerm\u00f6nche nach <em>Espanola. <\/em> Als Kaplan nahm Bartolom\u00e9 De Las Cassas an der Eroberung Kubas teil, die er in seiner <em>Historia des las Indias <\/em>\u00ab ausf\u00fchrlich beschreibt. Nach seiner <em>Bekehrung Pfingsten 1514 <\/em> gibt er allen Besitz an die Indios zur\u00fcck und widmet sein Leben dem Schutz der misshandelten und unterdr\u00fcckten Indios. Er verweigert den spanischen Gro\u00dfgrundbesitzern die Absolution bei der Messe, wenn sie nicht bereit w\u00e4ren, ihre Besitzungen an die Indios zur\u00fcckzugeben, denn es sei geraubtes Gut.<br \/>\n1516 veranlasst er den Kardinalregenten Cisneros zu einem Reformplan f\u00fcr Westindien und wird zum \u00bbuniversalen Prokurator aller Indios in Westindien\u00ab eingesetzt. Er scheitert 1521 mit seiner Missionssiedlung in Paria und wird 1523 Dominikaner im Kloster Santo Domingo und gr\u00fcndete das kleine Kloster Puerto de la Plata. In der Zeit der \u00bbEroberungen\u00ab durch <em>Cortes <\/em>un <em>d Pizzaro, <\/em> schrieb Las Casas sein ber\u00fchmtes Werk <em>De Unico Vocationis modo omnium Gentium ad Veram Religionem <\/em>. Es ist die erste Missionstheologie zur Zeit der Reformation im Geiste der spanischen Sp\u00e4tscholastik. Darin entwickelte er seine Theorien \u00fcber die Rechtsgrundlagen und Methoden der Kolonisation in Amerika. 1542 erhob er auf der von Karl V. einberufenen <em>Junta von Valladolid <\/em> Anklage gegen das spanische Kolonialsystem. Das f\u00fchrte zum Erlass der \u00bb <em>Neuen Gesetze <\/em>\u00ab.<br \/>\nAuf Anweisung von Karl V. wurde er Bischof von Chiapa, konnte jedoch 1545 seine Pl\u00e4ne leider nicht durchsetzen und verzichtete bald wegen des Widerstandes der spanischen Siedler auf sein Bischofsamt. Von 1547 bis 1566 k\u00e4mpfte er in Spanien weiter f\u00fcr die Rechte der unterdr\u00fcckten Indios und gegen die Mi\u00dfst\u00e4nde in Amerika. Er war der erste, der den Sklavenhandel als Verbrechen und S\u00fcnde bezeichnete, obwohl er selber noch als Sechzigj\u00e4hriger 1544 \u00bbvier Negersklaven, durch k\u00f6nigliche Gunst ihm zugesandt\u00ab als Bischof von Chiapa bei sich hatte. Aber 1552 erkannte er bei seiner <em>zweiten Bekehrung <\/em> auf Grund von Spr\u00fcche 24,11-12 seine Mitverantwortung f\u00fcr den Sklavenhandel. Von nun an k\u00e4mpfte er f\u00fcr die Befreiung der Sklaven in aller Welt &#8211; wie ein Exkurs in der <em>Historia <\/em> zeigt.<br \/>\nSiebzig Jahre nach der Eroberung Haitis durch Kolumbus, als alle Konquistadoren gestorben waren, legte der <em>Prokurator und Anwalt aller Indios <\/em> 1564 vor Kaiser, Prinz und Indienrat, angesichts des nahenden Todes \u0094im Namen der Dreifaltigkeit\u0093 Zeugnis ab von sich selbst: \u0094Ich lasse in Westindien Jesus Christus, unseren Gott zur\u00fcck: gegei\u00dfelt, gequ\u00e4lt, geohrfeigt und gekreuzigt, und zwar nicht nur einmal, sondern tausendfach\u0093. Las Casas wurde als Missionar zum Politiker, Anthropologen, Theologen, Juristen, Historiker und Naturwissenschaftler.<br \/>\nSeine Gegner in Spanien klagten Las Casas der <em>lutherischen H\u00e4resie <\/em>an, besonders deshalb, weil er das biblische <strong>Verst\u00e4ndnis der Beichte <\/strong> zum Zentrum seiner Theologie gemacht hatte.<br \/>\nEchte Bu\u00dfe ist Las Casas zufolge der erste Schritt auf dem Weg zur Gewinnung der Menschen f\u00fcr Christus <strong>. <\/strong>Er verweist auf den Satz des Kirchenvaters Augustin, dass \u0084der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt werde, ohne die guten Werke\u0093 (UVM, S. 448). Aber er betont meistens aus den Schriften des Augustin und aus der Bibel diejenigen Stellen, die eindeutig davon sprechen, dass der Glaube sich durch die Werke sichtbar erweisen m\u00fcsse. Weil Las Casas in seinem Werk vor allem ein ethi\u00adsches Anliegen vertritt, k\u00f6nnen wir auch kaum erwarten, dass er sich ausf\u00fchrlich mit der Frage des Zusammenhangs von Glaube und Werken und ihrer Beziehung zur Rechtfertigung besch\u00e4ftigt. Er wehrt sich einerseits gegen eine rein theoreti\u00adsche Busse und Rechtfertigung, die sich nur abstrakt im Geist des Menschen vollzieht und keine praktischen Konsequenzen zeigt und andererseits gegen ein oberfl\u00e4chliches Verst\u00e4ndnis von \u0094Werken\u0093. Mit Augustin betont Las Casas \u0084keiner soll sich f\u00fcr einen Christen halten, au\u00dfer er praktiziert die Lehre Christi und ahmt sein Beispiel nach. Denn kann man den f\u00fcr einen Christen halten, des\u00adsen Brot keinen Hungrigen s\u00e4ttigt? Dessen Trank keinen Durst l\u00f6scht? An dessen Tisch keine Armen speisen?.\u0093 (UVM, S. 448- 450). Die Umsetzung der Liebe in den Werken der Barmherzigkeit bringt die Liebe zur Vollendung. (UVM, S. 452). Diejenigen Christen, die an der Eroberung der Neuen Welt be\u00adteiligt seien, w\u00fcrden leider oft ge\u00adrade das Gegenteil dessen tun, was Christen praktizieren sollten. Las Casas nennt diese Menschen \u0094Namenschristen\u0093 (UVM, S. 472).<br \/>\nWenn \u00dcbelt\u00e4ter nach began\u00adgenen Schandtaten auf dem Totenbett liegen, tun sie so als ob sie die l\u00e4ng\u00adste Zeit in gr\u00f6\u00dfter Askese Bu\u00dfe getan h\u00e4tten und bekennen, dass Gott gn\u00e4\u00addig sei und barm\u00adherzig. In ihrem Testament verf\u00fcgen sie, dass man aus dem Nachlass einige Arme einkleide, oder dass man in irgendeinem Kloster einen Altar errichte, an dem man regelm\u00e4\u00dfig die Messe lesen k\u00f6nne. Doch das sei noch nicht ein gutes Werk im Sinne der Bibel. Las Casas erinnert daran, dass bereits Augustin schreckliche Beispiele erz\u00e4hlte habe von Menschen, die Gott dankten, weil sie durch Diebstahl zu Reichtum ge\u00adkommen waren oder die Almosen gaben, von dem Geld, das sie durch Ungerechtigkeit erworben h\u00e4tten (UVM, S. 446- 448). Ein begangenes Unrecht kann nach Las Casas nicht durch irgendwelche Art von \u0084guten Werken\u0093 ges\u00fchnt wer\u00adden. Gewalt in irgendeiner Form gegen einen Mitmenschen kann nur durch Wiedergutmachung und durch Genugtuung ges\u00fchnt werden.<br \/>\nWiedergutmachung ist vor allem notwendig f\u00fcr die Seligkeit dessen, der Unrecht getan hat, denn \u0084ohne vollst\u00e4ndige Wiedergutmachung und Genugtuung kann man nicht gerettet werden.\u0093 Las Casas verweist auch in diesem Zusammenhang auf Augustin, der geschrieben habe: \u0084Wenn das fremde Gut, durch das man ges\u00fcndigt hat, zur\u00fcckgegeben wer\u00adden kann, aber nicht zur\u00fcckge\u00adgeben wird, so ist dies keine echte Bu\u00dfe, sondern nur eine vorget\u00e4uschte, und die S\u00fcnde wird nicht vergeben, au\u00dfer man gebe das Gestohlene zur\u00fcck.\u0093 Echte Bu\u00dfe zeigt sich nach Las Casas darin, dass begangenes Unrecht wieder gutge\u00admacht wird. Was auf der Beziehungsebene zum Mitmenschen an Schaden ange\u00adrichtet wurde, muss reziprok wiedervergolten werden. Wiedergutmachung muss deshalb nach Las Casas ganz konkret geschehen. Das Einkleiden von Armen oder die Spende von Almosen gen\u00fcgen nicht. Auch nicht der Wiedergutmachungsversuch in vertikaler Beziehungsebene wie Askese oder die Stiftung eines Altars.<br \/>\nEchte Bu\u00dfe hat nach Las Casas immer zwei Dimensionen: eine <strong> vertikale <\/strong> und eine <strong>horizontale Dimension <\/strong>. Nur wenn beide praktiziert w\u00fcrden, gen\u00fcge man der Forderung Gottes, wie sie in der Heiligen Schrift niedergelegt sei, denn echte Bu\u00dfe umfasse die Beziehung des ein\u00adzelnen Menschen zu seinem Mitmenschen und die Beziehung des ein\u00adzel\u00adnen Menschen zu Gott.<br \/>\nLas Casas richtet sich in seiner Abhandlung, <em>De Unico vocationis modo om\u00adnium gentium ad veram religionem <\/em>in erster Linie an die Unterdr\u00fccker. Das waren damals die Spanier in enger Verbindung mit anderen christli\u00adchen L\u00e4ndern in Europa. Im Jahre 1542 h\u00f6rte Karl V. von Spanien, der Kaiser des Heiligen R\u00f6mischen Reiches Deutscher Nation den Bericht aus dem Munde von Las Casas, der in einer wei\u00df- schwarzen Kutte vor ihm stand und viele Jahre M\u00f6nch gewe\u00adsen war in Haiti, und anderen mittel\u00adamerikanischen L\u00e4ndern. Las Casas war inzwischen ein alter Mann geworden. Er las aus seinem <em>Brevisma <\/em>(&#8222;Kurzer Bericht von der Verw\u00fcstung der Westindischen L\u00e4nder&#8220;) und betonte immer wieder: \u0084Ich habe es selber gese\u00adhen\u0093! Mit Entsetzen h\u00f6rte der Kaiser die Worte des gelehrten M\u00f6nches: \u0084Die Christen machten breite Galgen und h\u00e4ngten daran zur Verherrlichung Christi und der zw\u00f6lf Apostel je dreizehn Indianer auf.\u0093 (Texte und Dokumentationen . Entdeckung, Eroberung, Widerstand. Missionswerk der Ev. Lutherischen Kirche in Bayern 2\/ 91). Der Grund, dass die Christen so endlos viele Seelen get\u00f6tet und vernichtet haben, \u0094war letztlich nur das Gold, um sich in wenigen Tagen so gewaltige Reicht\u00fcmer aneignen zu k\u00f6nnen und in hohe Verh\u00e4ltnisse aufstreben zu k\u00f6nnen, die in keinem Verh\u00e4ltnis zu den Personen standen.\u0093 (Ebenda )<br \/>\nLas Casas schreibt \u00fcber die deutschen Kaufleute: \u0094sie w\u00fcteten weit grausamer unter ihnen (den Indianern) als alle be\u00adreits erw\u00e4hnten Barbaren (gemeint sind die Spanier); ja noch viehi\u00adscher und ra\u00adsender als die blutgierigsten Tiger und w\u00fctigsten W\u00f6lfe und L\u00f6wen. Vor Geiz und Habsucht handelten sie weit toller und verblendeter als alle Vorg\u00e4nger, ersannen noch abscheulichere Mittel und Wege, Gold und Silber zu erpressen, setzten alle Furcht vor Gott und dem K\u00f6nige und alle Scham vor Menschen hintenan; und da sie so gro\u00dfe Freiheiten genossen und die Jurisdiktion des ganzen Landes in H\u00e4nden hatten, so verga\u00dfen sie beinahe, dass sie Sterbliche waren.\u0093 (Europa im Weltsystem 1492- 1992 U. Duchrow \/ Junge Kirche- Beilage September 1991)<br \/>\nKarl V. zog sich aus Entt\u00e4uschung \u00fcber den Verlauf der Geschichte der Kirche in Europa und in der Neuen Welt ins Kloster zur\u00fcck und \u00fcberlie\u00df die Regierungsgesch\u00e4fte seinem Sohn Philipp.<br \/>\n<strong>Amen <\/strong><\/p>\n<p>Gebet<br \/>\nMenschen gehen zu Gott in ihrer Not,<br \/>\nflehen um Hilfe, bitten um Gl\u00fcck und Brot,<br \/>\num Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod.<br \/>\nSo tun sie alle, alle, Christen und Heiden.<\/p>\n<p>Menschen gehen zu Gott in seiner Not,<br \/>\nfinden in arm, geschm\u00e4ht, ohne Obdach und Brot,<br \/>\nsehen ihn verschlungen von S\u00fcnde, Schwachheit und Tod.<br \/>\nChristen stehen bei Gott in seinem Leiden.<\/p>\n<p>Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not,<br \/>\ns\u00e4ttigt den Leib und die Seele mit seinem Brot,<br \/>\nstirbt f\u00fcr Christen und Heiden den Kreuzestod,<br \/>\nund vergibt ihnen beiden.<br \/>\n(Dietrich Bonhoeffer)<\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Karl W. Rennstich<br \/>\nLerchenstrasse 17<br \/>\nD-72762 Reutlingen<br \/>\nGermany<br \/>\nTel: +49-(0)7121-372651<br \/>\nMobile: +49-(0)174-595-5914<br \/>\nEmail: <a href=\"mailto:kwrennstich@gmx.de\">kwrennstich@gmx.de<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leitgedanke: Die Beichte \u0096\u0094ein tr\u00f6stlich Ding\u0093 Karfreitag kommt von kara und bedeutet: \u0084Sorge, Kummer\u0093. Im Englischen haben wir das Wort noch als care in dieser Bedeutung. Eng verbunden mit diesem Begriff ist aber auch karna \u0084 verzweifelt sein\u0093 und \u0084Wehklage, L\u00e4rm, Geschrei\u0093. 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