{"id":10186,"date":"2021-02-07T19:49:42","date_gmt":"2021-02-07T19:49:42","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10186"},"modified":"2022-10-03T12:22:56","modified_gmt":"2022-10-03T10:22:56","slug":"jesus-sirach-311","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesus-sirach-311\/","title":{"rendered":"Jesus Sirach 3,11"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p><strong>Liturgische Bausteine: <\/strong><\/p>\n<p><strong>Entfaltetes Kyrie: <\/strong><br \/>\nV\u00e4terlicher und barmherziger Gott, es ist nicht selbstverst\u00e4ndlich, und es ist nicht leicht, ein guter Vater f\u00fcr seine Kinder zu sein. Wir bringen vor dich das Leid vieler Kinder, deren V\u00e4ter sich gar nicht oder nicht gut um sie k\u00fcmmern. Wir beklagen aber auch manche Entt\u00e4uschung, die V\u00e4ter hinnehmen m\u00fcssen, wenn sie sich um ihre Kinder k\u00fcmmern wollen. Deshalb bitte wir dich Gott um deine Hilfe und dein Erbarmen: Kyrie eleison &#8230;.<\/p>\n<p><strong>Entfaltetes Gloria: <\/strong><br \/>\nWunderbarerer Vater im Himmel, wir loben dich und verehren dich, weil du soviel v\u00e4terliche Liebe unter uns Menschen m\u00f6glich machst. Wir danken dir, dass unsere v\u00e4terliche Liebe ein Gleichnis deiner unendlichen Liebe zu uns Menschen sein darf. Ehre sei Gott in der H\u00f6he &#8230;.<\/p>\n<p><strong>Gebet:<\/strong><br \/>\nAch Gott, Sch\u00f6pfer, wir danken dir, dass wir leben d\u00fcrfen, und dass wir wissen: dies Leben ist gar nicht auszusch\u00f6pfen in seiner Wunderbarkeit, in seiner Tiefe und in seinen Fr\u00fcchten der Freude. Wir danken dir, dass du uns Verantwortung \u00fcbertr\u00e4gst, dass du deine Kinder nicht selber machst, sondern sie uns tragen l\u00e4\u00dft und uns sie erziehen l\u00e4sst, dass du uns beteiligst an deinem Werk. Wir bitten dich, gib und Kraft, Lust und gute Einf\u00e4lle, damit wir deinen Auftrag an unseren Kindern gut erf\u00fcllen. Das bitten wir dich im Namen unseres Bruders und Herrn Jesus Christus, bei dem wir immer wieder dich als den liebenden Vater aller Menschen entdecken k\u00f6nnen. Amen.<\/p>\n<p><strong> Biblische Lesung:<\/strong> Maleachi 3,23+24 und Lukas 1,16+17 mit Pr\u00e4famen:<\/p>\n<p>An zwei ganz wichtigen Stellen der Bibel, am Ende des Alten Testaments und am Anfang des Neuen Testaments, wird die Harmonie von V\u00e4tern und ihren Kindern vorhergesagt. F\u00fcr die Endzeit der Welt verspricht der Prophet Maleachi im 3 Kp. : \u201eSiehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe der gro\u00dfe und schreckliche Tag des Herrn kommt. Der soll das Herz der V\u00e4ter bekehren zu den S\u00f6hnen (und T\u00f6chtern) und das Herz der S\u00f6hne (und T\u00f6chter) zu ihren V\u00e4tern, auf dass ich nicht komme und das Erdreich mit dem Bann schlage.\u201c<\/p>\n<p>Von Jesus wird im Lukasevangelium, Kp. 1, Vers 17 gesagt, dass er die alte Weissagung einl\u00f6sen wird: \u201eUnd er wird vom Volk Israel viele zu dem Herrn, ihrem Gott bekehren. Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft Elias, zu bekehren die herzen der V\u00e4ter zu den Kindern und die Ungehorsamen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn ein Volk, das wohl vorbereitet ist.\u201c<\/p>\n<p><strong>Ansprache:<\/strong><br \/>\nSOHN: Papa, Charly hat gesagt, sein Vater hat gesagt ohne V\u00e4ter geht\u00b4s nicht.<br \/>\nVATER: So, da hat er ja mal was Schlaues erkannt.<br \/>\nSOHN: erstaunt Du findest das also auch ?<br \/>\nVATER: Na, ja, V\u00e4ter spielen eben eine wichtige Rolle. plustert sich auf Das siehst du ja an mir ! Ich gehe arbeiten, verdiene Geld&#8230;<br \/>\nSOHN: winkt ab: Ja, das meint Charlys Vater. Das allein reicht eben nicht aus&#8230;<br \/>\nVATER: Was will er denn damit sagen ?<br \/>\nSOHN: Dass V\u00e4ter eben nicht nur daf\u00fcr da sind Geld zu verdienen, sondern dass sie auch mit ihren Kindern spielen, etwas unternehmen, mit ihnen reden, vielleicht auch kochen, waschen, sie wickeln, Fl\u00e4schchen geben, wenn die Kinder noch klein sind&#8230;.Eben alles das, was Mama bei uns macht.<br \/>\nVATER: So, und Charlys Vater macht das wohl alles, spielen, reden, kochen,&#8230;?<br \/>\nSOHN: Nee, w\u00fcrde er aber gerne, partnerschaftlich, sagt er, und er h\u00e4tte sogar Erziehungsurlaub genommen, als Charlys Schwester geboren wurde, sagt er&#8230; Aber das ging alles nicht so&#8230;<br \/>\nVATER: Und warum bittesch\u00f6n ging das nicht ? Wer hindert ihn ? Da gibt es doch immerhin ein Gesetz.<br \/>\nSOHN: Charlys Vater sagt, wer das heute macht, wird immer noch nicht ganz f\u00fcr voll genommen und bekommt nur Schwierigkeiten. Deshalb wird es jetzt Zeit, dass mal besonders auf die V\u00e4ter geachtet wird.<br \/>\nVATER: Daher weht also der Wind ! Charlys Vater f\u00fchlt sich als Vater unterdr\u00fcckt und will jetzt eine besondere Ehrung f\u00fcr aktive V\u00e4ter&#8230; einen Orden oder gar einen Gedenktag.<br \/>\nSOHN: Ja, so einen richtigen Vatertag.<br \/>\nVATER: Einen Vatertag ? Den gibt\u00b4s doch schon l\u00e4ngst (bekommt gl\u00e4nzende Augen) Da tun sich M\u00e4nner zusammen und ziehen mit nem Bollerwagen los ! (nachdenklich:) Allerdings wei\u00df ich nicht, was daran besonders ehrenhaft sein soll.<\/p>\n<p>In diesem Gespr\u00e4ch k\u00f6nnte es dann noch weiter um die Bedeutung des Himmelfahrtstages gehen, aber das ist heute nicht unser Thema. Unsere Frage heute lautet: brauchen Kinder V\u00e4ter? Charlies Papa antwortete vollmundig: \u201eOhne V\u00e4ter geht es nicht\u201c. Mit dieser Feststellung geht das Gespr\u00e4ch ja los. Aber stimmt das denn? Ist die Frage: \u201eBrauchen Kinder V\u00e4ter?\u201c nur eine rhetorische Frage, bei der die Antwort nat\u00fcrlich l\u00e4ngst klar ist, und \u201eJa\u201c lautet \u2013 \u201eja nat\u00fcrlich brauchen Kinder V\u00e4ter\u201c?<\/p>\n<p>\u201eOhne V\u00e4ter geht es nicht.\u201c Bislang ist es ja noch nicht gelungen, dass eine Frau ganz ohne die Beteiligung eines Mannes schwanger wird und ein Kind bekommt. Zu mindesten der Same eines Mannes wird gebraucht, wenn eine Schwangerschaft k\u00fcnstlich hervorgerufen werden soll. Aber das ist nat\u00fcrlich Vaterschaft im sehr eingeschr\u00e4nkten Sinne, wenn der Vater nur zum Er-zeugen gebraucht wird.<\/p>\n<p>Es gibt ja viele Kinder, die wachsen bei den M\u00fcttern auf, weil sich ihre Erzeuger irgendwann vor oder nach der Geburt abgewandt und verzogen hat. Diese Kinder sind ja schon ein Beweis, dass Kinder auch ohne V\u00e4ter aufwachsen k\u00f6nnen. Ich hatte einmal eine Freundin, deren Vater war wenige Jahre bevor ich sie kennen lernte, gestorben. Die Mutter erzog ihre 4 M\u00e4dchen von da an alleine, und es war in dieser Familie eine sehr herzliche und lockere Atmosph\u00e4re. Der Vater war fr\u00fcher in seinem Umgang mit den Kindern sehr belastend gewesen, weil er oft enorm streng, hart und verst\u00e4ndnislos reagiert hatte. Was mir sp\u00e4ter von ihm erz\u00e4hlt wurde, betraf fast immer nur Einschr\u00e4nkungen und Verbote. Entfaltung der M\u00e4dchen war bei diesem Vater nur sehr eingeschr\u00e4nkt m\u00f6glich. So dachte ich manchmal, dass es auch f\u00fcr Kinder gut sein kann, wenn so ein Vater irgendwann nicht mehr da ist. Brauchen Kinder V\u00e4ter? Solche autorit\u00e4ren Knochen oder noch schlimmere, z.B. alkohols\u00fcchtige V\u00e4ter oder V\u00e4ter, die ihren Kindern Gewalt antun \u2013 die brauchen Kinder wirklich nicht.<\/p>\n<p>Aber was Kinder auf alle F\u00e4lle brauchen sind v\u00e4terliche Menschen. Ich meine Menschen, die ihnen mit einer positiven m\u00e4nnlichen Identit\u00e4t begegnen. Das m\u00fcssen nicht die leiblichen V\u00e4ter und nicht unbedingt die Partner der Mutter sein.<\/p>\n<p>M\u00e4dchen brauchen v\u00e4terliche Menschen, weil diese ihnen den Zugang zur gegengeschlecht-lichen Welt der M\u00e4nner im positiven Sinne er\u00f6ffnen sollen. Der bejahende Blick des Vaters speichert sich bei einem M\u00e4dchen mit der Nachricht ein, dass es vom anderen Geschlecht positive Reaktionen bekommt. Fehlt dieser Austausch von Vater und Tochter, wird das M\u00e4dchen diesen Mangel an Best\u00e4tigung als negatives Grundmuster f\u00fcr ihre Weiblichkeit erlernen: \u201eSo wie ich bin, bin ich mangelhaft.\u201c<\/p>\n<p>Und Jungen brauchen v\u00e4terliche Menschen, weil sie Vorbilder und Identifikationsfiguren f\u00fcr ihre eigene m\u00e4nnliche Identit\u00e4t brauchen, die sie ja erst noch ausbilden sollen. Wenn die V\u00e4ter oder die v\u00e4terlichen Menschen in einer Erziehung fehlen, oder nur zu selten auftauchen, dann wird sich ein Junge schon woanders her sein Idealbild von M\u00e4nnlichkeit holen und es in seiner Phantasie ausmalen. Meist ist die Quelle dann das Fernsehen. Und dort wird, jedenfalls in Sendungen, die Kinder und Jugendliche sich gerne hereinziehen, ein Bild von M\u00e4nnlichkeit gepflegt, das \u00dcberlegenheit, Dominanz und H\u00e4rte als Hauptinhalt hat.<\/p>\n<p>Die Bindung zu v\u00e4terlichen Menschen ist also ganz wichtig. Aber was eigentlich V\u00e4terlichkeit ist, das zu beschreiben, ist nicht leicht. M\u00e4nner, die eine gef\u00fchlsbetonte Beziehung zu ihrem Baby pflegen und leben, k\u00f6nnen im \u00fcblichen Sprachgebrauch nur als \u201em\u00fctterlich\u201c bezeichnet werden, weil unsere kulturellen Tradition von V\u00e4terlichkeit \u00fcberhaupt keinen Platz f\u00fcr den innigen und dennoch verantwortlich erwachsenen Bezug zum S\u00e4ugling hat.<\/p>\n<p>Der alte autorit\u00e4re Vater mit den Hauptaufgaben Erzeugen, Ern\u00e4hren und Bestrafen hat abgedankt. Aber der Softie, der alles erlaubt und als Kumpel auftritt in den seltenen F\u00e4llen, wenn er mit seinem Kind auf Abenteuerfahrt geht, ist auch keine gute Alternative. Gesucht werden die neuen V\u00e4ter. \u2013 Ja, das ist wirklich eine Suchbewegung, die anh\u00e4lt. Keiner von uns wird sich hinstellen k\u00f6nnen und sagen: Seht her! Ich bin so ein neuer Vater. Macht es einfach so wie ich. Auch ich m\u00f6chte mich nicht als solchen neuen Vater hinstellen. Ich empfinde mich auch als jemanden, der auf der Suche nach dieser neuen V\u00e4terlichkeit ist.<\/p>\n<p>Es gibt viele gute Ans\u00e4tze. In meinen Taufgespr\u00e4chen erfahre ich ja immer wieder, dass es normal geworden ist f\u00fcr V\u00e4ter, dass sie bei der Geburt ihres Kindes mit anwesend sind. Nach der Geburt der Kinder sind aber oft starke R\u00fcckzugstendenzen z.B. in den Beruf festzustellen. Die Tatsache, dass viele V\u00e4ter sich heutzutage in den Familien eher zur\u00fcck ziehen oder abwesend sind, stellt sowohl f\u00fcr Jungen als auch f\u00fcr M\u00e4dchen eine ungl\u00fcckliche Entwicklungsbedingung dar.<\/p>\n<p>Was V\u00e4ter oder v\u00e4terliche Menschen f\u00fcr Kinder sein k\u00f6nnen, beschreibt die Bibel mit dem sch\u00f6nen Wort \u201eSegen\u201c. Im Buch Sirach, Kp. 3. hei\u00dft es: \u201eDer Segen des Vaters baut den Kindern H\u00e4user\u201c. Jesus Sirach ist ein biblisches Buch, das zu den sogenannten Apokryphen geh\u00f6rt. Es hat nie den gleichen kanonischen Rang gehabt, wie die anderen biblischen Schriften. Darin stehen Weisheitslehren, die ein Enkel von seinem Gro\u00dfvater mit Namen Jesus geh\u00f6rt und aufgeschrieben hat.<\/p>\n<p>Hier wird uns ein wundersch\u00f6nes Bild angeboten bei unserer Suche nach dem, was V\u00e4ter f\u00fcr ihre Kinder sein und tun k\u00f6nnen. Vater bauen ihren Kindern H\u00e4user. Viele von uns lebten einmal oder leben noch in den H\u00e4usern, die unsere V\u00e4ter zusammen mit den M\u00fcttern gebaut haben. Oder in H\u00e4usern, an denen unsere V\u00e4ter und M\u00fctter mitgebaut haben, oder die sie mitfinanziert haben. So ist schnell klar, dass wir vieles von unseren V\u00e4tern empfangen, was wir gut im Leben gebrauchen k\u00f6nnen. \u201eDer Segen der V\u00e4ter baut den Kindern H\u00e4user.\u201c<\/p>\n<p>Die H\u00e4user in diesem Spruch sind aber sicherlich auch im \u00fcbertragenen Sinne zu verstehen. Gemeint ist, dass die Kinder ihr eigenes Leben, ihr eigenes Zuhause aufbauen k\u00f6nnen, wenn die V\u00e4ter ihnen genug Gutes: wenn sie ihnen den Segen mit auf den Weg geben. H\u00e4user bieten Schutz und Geborgenheit, und so besteht das segenhafte Handeln der V\u00e4ter zuerst einmal darin, dass sie ihren Kindern ein Gef\u00fchl f\u00fcr das Gesch\u00fctzt- und Beh\u00fctet-Sein vermitteln k\u00f6nnen. Diese v\u00e4terliche St\u00e4rke hilft genauso zu einem beh\u00fcteten Aufwachsen, wie die Geborgenheit, die die Mutter dem Kind weiter gibt.<\/p>\n<p>V\u00e4ter k\u00f6nnen diesen Segen schon an ihre ganz kleinen Kinder weitergeben. M\u00e4nner denken oft: Als Mann kann man einfach nicht so gut umgehen mit einem kleinen Kind. Sie erleben die innige Beziehung zwischen Mutter und Kind und werden mutlos. Sie rechnen einfach nicht damit , dass es zwischen ihnen und den Kindern zu einer \u00e4hnlich engen Gef\u00fchlsbindung kommen kann und sie verzichten in vielen F\u00e4llen schon auf den Versuch. Sie tr\u00f6sten sich damit, dass sp\u00e4ter ja einer mal f\u00fcr Ordnung sorgen m\u00fcsse und dass der Tag schon kommen wird, an dem das \u201em\u00e4nnliche Element\u201c in der Erziehung gebraucht w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Hier liegen sicher die ersten Wurzeln f\u00fcr manches Missverstehen der Vaterrolle und daf\u00fcr, dass V\u00e4ter sich aus den ersten Lebensjahren ihrer Kinder heraus man\u00f6vrieren. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Resignation. Bei M\u00fcttern ist ihre M\u00fctterlichkeit aber auch nicht angeboren, sondern erlernt. Vom Umgang mit der ersten Puppe an werden in unserer Kultur M\u00e4dchen zu m\u00fctterlichem Verhalten angelernt.<\/p>\n<p>Und dann ist es f\u00fcr uns M\u00e4nner sehr schwer nach zu vollziehen, wie ungeheuer dienlich eine angenommene Schwangerschaft der Frau f\u00fcr ihre sp\u00e4tere Beziehung zum Kind ist. Es ist l\u00e4ngst ihr Kind, wenn es zur Welt kommt. Dem Vater waren diese Lernerfolge bislang nicht so m\u00f6glich. Aber er kann es nachlernen. Das wird beim Mann l\u00e4nger dauern, und es wird bei ihm andere Formen haben, aber zur Resignation ist kein Anlass.<\/p>\n<p>Damit V\u00e4ter f\u00fcr ihre Kinder zum Segen werden k\u00f6nnen, ist es ganz wichtig, dass sie lernen, mit dem Gef\u00fchl der Entt\u00e4uschung \u00fcber ihre Kinder fertig zu werden. Wenn das zwei- oder dreij\u00e4hrige Kind abends im Bett noch nach der Mama ruft und der Vater ins Kinderzimmer geht, dann kann es ihm passieren, dass das Kind ihm hoch und heilig versichert, es k\u00f6nne seinen Wunsch nur und nur (!) der Mama sagen. Der Vater sieht sich zur\u00fcck gewiesen, nicht gebraucht. Das sind dann vielleicht Augenblicke, in denen er im Wohnzimmer leicht verbittert sagt: \u201eDein Kind ruft nach dir.\u201c Nun geht die Mama ins Kinderzimmer. Der Papa geht hinterher. Es interessiert ihn wirklich, welches intime Geheimnis das Kind ihm nicht anvertrauen konnte. Es lohnt sich f\u00fcr M\u00fctter, dar\u00fcber nachzudenken, was gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig im Vater vorgehen k\u00f6nnte, wenn er dann h\u00f6ren muss, dass das Kind noch einen Schluck Wasser trinken m\u00f6chte. Der Papa stellt \u2013 zu unrecht ! &#8211; die Vertrauensfrage und f\u00fchlt sich vom Kind abgelehnt.<\/p>\n<p>Ich kenne solche Gef\u00fchle gut. Und f\u00fcr mich und f\u00fcr andere V\u00e4ter ist es entscheidend, dass man sich von diesen Gef\u00fchlen nicht bestimmen l\u00e4sst. Zum einen hilft die Einsicht: f\u00fcr das Kind ist der Weg zum Vater einfach l\u00e4nger, weil es meistens eben die Mutter kennt als diejenige, die es t\u00e4glich und st\u00fcndlich versorgt, die es betreut, ihm hilft und es rettet. Und zum anderen ist es wichtig, mit dem Willen gegen dieses Gef\u00fchl anzugehen, weil gerade die \u00dcberwindung dieses Gef\u00fchls der Rivalit\u00e4t und des Zur\u00fcckgesetztseins dem Kind auf Dauer den starken Vater zeigt<\/p>\n<p>Das ist ja wahre St\u00e4rke, mit Traurigkeit, Hilflosigkeit und Unsicherheit so umzugehen, dass sie nicht verdr\u00e4ngt, aber auch nicht zur alles bestimmenden Wirklichkeit werden. Dem Kind wird durch diese \u00dcberwindung das Gef\u00fchl vermittelt, vom Vater angenommen und bejaht zu sein, gerade so, wie es nun einmal ist und sich f\u00fchlt. Es wird Annahme sp\u00fcren und selbst-bewusst werden, wenn der Vater die Liebe auch dann aufrecht erh\u00e4lt, wenn es selber vielleicht ungerecht gehandelt und ihn entt\u00e4uscht hat. Darin wird f\u00fcr mich der Segen eines Vaters f\u00fcr seine Kinder sichtbar, der f\u00fcr die Kinder das Haus ihrer psychischen Stabilit\u00e4t baut. Der Segen ist ja ein Ausdruck des absoluten Wohlwollens, ganz egal ob ein Kind alles richtig macht oder nicht.<\/p>\n<p>V\u00e4ter bauen gerne H\u00e4user. Na ja, weil das eine praktische, handwerkliche T\u00e4tigkeit ist. V\u00e4ter klagen oft, dass sie mit den kleineren Kindern noch nichts anfangen k\u00f6nnen. Sie bewerten manchmal das gesprochene Wort und das mit den H\u00e4nden Gemachte \u00fcber. Sie k\u00f6nnen mit ihrem Kleinkind noch keinen Drachen bauen, keinen Flitzebogen oder kein Modellbau-h\u00e4uschen, &#8211; k\u00f6nnen noch nicht \u00fcber Autos mit ihm reden oder \u00fcber Fu\u00dfballregeln.<\/p>\n<p>Aber V\u00e4ter sind manchmal, wenn es um ihre Kinder geht, Tiefstapler. Das ist nicht mangelndes Interesse, das ist eher eine falsche Bescheidenheit. Sie denken an sp\u00e4ter: Warte mal, bis ich dir einen Flitzebogen basteln kann. Das Dumme ist nur, dass in solchen F\u00e4llen aus dem Flitzebogen meist auch sp\u00e4ter nichts wird. Denn zum Flitzebogen basteln geh\u00f6rt nicht in erster Linie ein guter Ast, sondern eine gute Beziehung. Und die ist sp\u00e4ter nur m\u00fchsam nachzuholen. Sie beginnt aber, wenn ich mich als Vater dem kleinen Kind regelm\u00fc\u00dfig zuwende, schon zu einem Zeitpunkt, wo ich vielleicht nur auf dem Teppich mit ihm sitzen oder kullern kann und die Baukl\u00f6tze aufhebe, die mein Kind immer wieder aus dem Korb wirft. Mit jedem aufgehobenen Bauklotz scheide ich bereits an einem St\u00fcck Folie f\u00fcr den sp\u00e4teren Drachen. So betrachtet, dauert der Bau des ersten Drachen circa f\u00fcnf Jahre. Der Segen der V\u00e4ter, das ist wie aller Segen etwas, was auf lange Zeit wirkt und sich aufbaut. Kurzfristig l\u00e4sst sich \u00fcberhaupt keine Segenskraft aufbauen, kein Segen weitergeben.<\/p>\n<p>In Taufgespr\u00e4chen, die ich f\u00fchre, lasse ich die Eltern immer die Taufspr\u00fcche f\u00fcr ihre Kinder aussuchen. Zun\u00e4chst jeden Elternteil f\u00fcr sich. Frauen suchen ganz oft Spr\u00fcche aus, in denen davon die Rede ist, das Gott oder ein Engel das Kind besch\u00fctzt und beh\u00fctet. W\u00e4hrend M\u00e4nner oft Spr\u00fcche aussuchen wie diesen: Gott sagt: ich will dich beh\u00fcten, wo du auch hinziehst. Irgendwie scheint das Interesse an der Kraft, auch Trennungen und Wege aus der sch\u00fctzenden Umgebung der Familie heraus zu bewerkstelligen, eher zur V\u00e4terlichkeit als zur M\u00fctterlich-keit geh\u00f6ren. Das ist die traditionelle F\u00e4higkeit von M\u00e4nnern zur Abgrenzung und zur St\u00e4rkung von Selbst\u00e4ndigkeit und Autonomie, die die in der traditionellen M\u00fctterlichkeit eher angelegten symbiotischen Beziehungen erg\u00e4nzen kann.<\/p>\n<p>Einem Jungen oder M\u00e4dchen wird die irgendwann n\u00f6tige Abgrenzung von den Eltern, das Selbst\u00e4ndigwerden leichter fallen, wenn sie bei ihrem Vater neben seinem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Trennungen und Losl\u00f6sungen auch Erfahrungen der liebevollen Zuwendung, des K\u00f6rperkontaktes, der liebevollen Pflege, von Schutz und Geborgenheit, Verst\u00e4ndnis und Verl\u00e4sslichkeit erlebt haben.<\/p>\n<p>Ich denke, Segen geht von uns V\u00e4tern auf unsere Kinder \u00fcber, wenn V\u00e4ter sich in ihre Familien einmischen. V\u00e4ter sollten sich einmischen, damit ihnen nicht ein ganz gro\u00dfartiger Teil an Lebenserfahrung verloren geht; &#8211; sie sollten sich einmischen, wenn sie der Meinung sind, dass ihre Kinder zu viel Mutter und zu wenig Vater abbekommen haben. Sie sollten sich einmischen, weil sie wissen, dass mehrere Bindungen heilsam sind, und weil sie erfahren haben, dass sie grunds\u00e4tzlich f\u00e4hig in der Betreuung der Kinder von Geburt an sind.<\/p>\n<p>Neue V\u00e4ter sollten V\u00e4ter sein, die sich ihrer Eifersucht bewusst werden und sie aushalten k\u00f6nnen, wenn die Mutter mehr angeschaut, mehr angel\u00e4chelt oder beachtet wird. Segensreiche V\u00e4ter sollten viel Energie und Disziplin aufbringen k\u00f6nnen und nicht aufgeben, wenn sie sich k\u00fcmmern wollen, obwohl die direkte Belohnung durch das Kind zun\u00e4chst ausbleibt.<\/p>\n<p>Segensreich sind V\u00e4ter f\u00fcr ihre Kinder, wenn sie sich in jeder Altersphase ihrer S\u00f6hne und T\u00f6chter als Umsorger und Schmuseb\u00e4ren, aber auch als Entsager zur Verf\u00fcgung stellen, die die Grenzen der Erlaubten immer wieder verbindlich machen.<\/p>\n<p>Ein solches Vaterbild hat Jesus gelebt und verk\u00fcndigt. So hat er es andere erfahren und sp\u00fcren lassen. Nicht \u201e\u00fcberm Sternenzelt\u201c, da wo er seiner Arbeit nachgeht, fern von seinen Kindern, &#8222;muss ein lieber Vater wohnen&#8220;, der aber sonst nicht greifbar wird. Gott, der im Himmel wohnt, wohnt auch bei seinen Kindern, bei uns Menschen in unserem Alltag. Jesus Christus, der uns das Vater-Unser beten lehrte, lebte selber aus dieser N\u00e4he und Gegenwart des himmlischen Vaters. Jesus hat Gott mit dem aram\u00e4ischen Wort &#8222;Abba&#8220; angeredet. Das ist eine vertrauliche Anrede, kein distanziertes &#8222;Vater&#8220;, eher ein z\u00e4rtliches, liebevolles &#8222;Papa&#8220;. Noch in der Stunde seiner schwersten Entscheidung, hat Jesus im Wissen, was auf ihn zukam, gebetet: &#8222;Abba, lieber Vater, du kannst alles. Lass diesen Leidenskelch an mir vor\u00fcbergehen. Aber es soll geschehen, was du willst, nicht was ich will.&#8220; (Mark. 14,36)<\/p>\n<p>Jesus hat auf seinen Vater bis zum letzten geh\u00f6rt, er hat in seinen Willen eingewilligt, &#8211; aber nicht aus Furcht vor einem strengen, strafenden und fordernden Vater, sondern aus einem unbedingten, grenzenlosen Vertrauen, im Wissen und Vertrauen, dass der Vater im Himmel f\u00fcr seine Kinder nur das Gute will: das Leben, nicht den Tod.<\/p>\n<p>Die Beziehung zwischen Jesus, dem Sohn und Gott, dem himmlischen Vater, war nun wirklich nicht ohne Krisen, ohne Entt\u00e4uschungen und Pr\u00fcfungen. Aber am Ende stand die ungeteilte Gemeinschaft zwischen Vater und Kind, zwischen Vater und Sohn, zwischen Gott und Jesus. Diese Gemeinschaft zwischen Vater und Sohn k\u00f6nnte auf uns heute ausstrahlen, auf uns V\u00e4ter und Kinder. Amen.<\/p>\n<p><strong>Volker Dieterich-Domr\u00f6se<br \/>\nMarkusgemeinde Stade<br \/>\n<a href=\"mailto:Volker.Dieterich@evlka.de\">Volker.Dieterich@evlka.de<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liturgische Bausteine: Entfaltetes Kyrie: V\u00e4terlicher und barmherziger Gott, es ist nicht selbstverst\u00e4ndlich, und es ist nicht leicht, ein guter Vater f\u00fcr seine Kinder zu sein. Wir bringen vor dich das Leid vieler Kinder, deren V\u00e4ter sich gar nicht oder nicht gut um sie k\u00fcmmern. Wir beklagen aber auch manche Entt\u00e4uschung, die V\u00e4ter hinnehmen m\u00fcssen, wenn [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[735,1,2,727,114,349,109,1071,126],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-10186","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-40-sirach","category-aktuelle","category-at","category-archiv","category-deut","category-kasus","category-predigten","category-predigtreihe-zur-christlichen-erziehung","category-predigtreihen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10186","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10186"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10186\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13862,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10186\/revisions\/13862"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10186"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10186"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10186"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=10186"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=10186"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=10186"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=10186"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}